Die letzte Hinrichtung in Mitterfels 1847

Am Martinitag 1844 zu der Stunde, als der Schullehrer und Mesner Dominikus Hahn sich wegen des Markttages für eine Weile ins Wirtshaus begab, wurde dessen junge, schwangere Ehefrau in ihrer Wohnung erwürgt. Der Mordfall war in Kürze geklärt: Verursacher waren ihr Gatte und dessen mit ihm verwandte Geliebte, Ausführender ein Bruder der Geliebten. Der Prozess zog sich fast drei Jahre hin, da gegen den Lehrer ein weiteres Delikt zutage kam. Das Gericht verurteilte alle drei zum Tode. Ein Gnadengesuch an den König Ludwig I. führte nur für die Mitschuldigen zur Umwandlung in lebenslange Zuchthausstrafe (Kettenstrafe) - auf den hauptschuldigen Ehemann wartete der Tod durch das Schwert. Am 13. August 1847 wurde die Hinrichtung in Mitterfels vollzogen. Sie war letztmalig öffentlich, und etliche tausend Zuschauer kamen bis von weit her.

(In Bayern gab es noch bis 1865 öffentliche Hinrichtungen. In Straubing geschah die letzte am 23. Juni 1851 an dem Raubmörder Matzeder. Auch das Verscharren gleich an Ort und Stelle war längst nicht mehr üblich. So wurde auch Hahn an der Friedhofmauer in Mitterfels bestattet.)

Bereits 1847 fand ein gedruckter Bericht über den Prozess und die Verurteilung eine weite Verbreitung. Er war vom Mitterfelser Landrichter Ludwig Wieser verfasst und soll auch uns zur Information dienen:

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"Dominikus Hahn, geboren 1808, einziger Sohn eines Schulmeisters von Konzell im Landgerichte Mitterfels, bildete sich in früheren Jahren mit gutem Fortgange zum Schullehrer, diente in dieser Eigenschaft an mehreren Orten zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und erhielt endlich im Jahre 1842 den Schuldienst seines zwei Jahre vorher verstorbenen Vaters von Konzell, seinem Geburtsorte.

Durch des Letzteren Tod war er in den Besitz eines Vermögens von 7 bis 8000 fl. gelangt. Im August 1843 heirathete er die Wirthstochter Anna Maria Lutz aus Cham, damals 25 Jahre alt, die sich ihm als Frau hatte antragen lassen. Lehrer Hahn behielt indessen eine nahe Anverwandte, Magdalena Hahn von Pfarrleuten, geboren 1816, als Magd im Dienste, die schon früher bei seinem Vater, und später bei ihm gedient hatte, und mit der er im verbotenen Umgange lebte. Dieselbe war frech, ausgelassen, und widerspenstig gegen die Frau; der Mann aber hielt zu ihr, so, daß es zwischen ihr und der Lehrerin bald zu Verdrießlichkeiten kam. Die Letztere wollte die Magd aus dem Hause fortschaffen, was aber ihr Ehemann nicht zugab.

Obschon die Lehrerin Hahn als eine sehr brave, gottesfürchtige, häusliche, verträgliche Person geschildert wird, die ihrem Ehemann mit Treue und Liebe zugethan war, so führt Letzterer dennoch vielfache Klagen gegen sie, namentlich über ihre Unordnung und Trägheit, Hang zum Wohlleben, Zank und Herrschsucht, die ihm nie das letzte Wort ließ.

Die Lehrerin Hahn war seit Juni 1844, 10 Monate nach ihrer Verheiratung zum Erstenmale in gesegneten Leibes-Umständen, als ihr Ehemann nach und nach sich einbildete, er könne mit ihr nicht mehr leben, und müsse sie daher um jeden Preis aus der Welt schaffen. Er theilte dieses Vorhaben seiner Magd und Base Magdalena Hahn mit, die darauf nach seinem Geheiße ihrer Dienstfrau auch wirklich einigemal Gift in der Suppe eingab, aber vergebens; weil die Lehrerin in ihrem schwangeren Zustande es immer durch Erbrechen wieder von sich gab.

Später äußerte Dominik Hahn einmal gegen seine Magd: wenn er nur Jemand wüßte, der seiner Frau einen Treff gäbe, - worauf diese sagte, das müsse man ihrem Bruder Egid Hahn anvertrauen, der als ein verschlagener und verschlossener Mensch am besten hiezu tauge. Dieser Egid Hahn, geboren im Jahre 1818, Sägknecht von Pfarrleuten, hat im Jahre 1840 bereits einen bedeutenden Diebstahl verübt, um sich einen Einstands-Mann zum Militär zu stellen, und wurde im Jahre 1841 wegen Raufhandels polizeilich abgestraft.

Als nun Magdalena Hahn aus Auftrag ihres Dienstherrn mit ihrem Bruder Egid den 28. Oktober 1844 wegen des Vorhabens sprach, und ihm den Antrag machte, die Lehrerin aus der Welt zu schaffen, war er zwar sehr verhofft darüber, sagte aber dennoch nicht ja und nicht nein, sondern bat sich nur vorher erst eine Unterredung mit seinem Vetter Dominik Hahn selbst aus. Diese fand am folgenden Tage - in Waldmenach - und wiederholt 3 Tage darauf am Allerheiligen-Tage, den 1. November auf dem Kirchthurme in Konzell statt.

Egid Hahn wollte anfangs nicht daran; auf vieles Zureden seines Vetters Dominik Hahn, den er für viel gescheidter, als sich selbst hielt, und der ihm vorspiegelte, an ein Aufkommen sey nicht zu denken, verstand er sich aber dennoch am Ende dazu, die Lehrerin noch am nämlichen Abende des Allerheiligen-Festes zu ermorden. Lehrer Hahn trug ihm auf, sich mit einem Schubkarren-Stricke zu versehen, und seine Frau, während sie allein zu Hause sey, indem er und seine Magd eine Stunde lang in der Kirche läuten müßten, damit zu erdrosseln, ihr auch nöthigenfalls ein paar Stiche mit einem Messer in den Hals zu geben, wenn er noch ein Leben in ihr spüre, damit sie sich vollends verblute. Magdalena Hahn, die bei allem dem im innigsten Einverständnisse und in verabredeter Verbindung mit ihrem Herrn handelte, auch ihren Bruder mehreremal und zudringlich aufforderte, rasch ans Werk zu gehen, weil es sonst gefehlt sey, versteckte denselben im Keller, verkleidete ihn in einen alten Sommerrock, gab ihm den Strick und trug ihm auf, nach der Hand alles zu durchwühlen, damit man desto leichter glaube, es seien Räuber dagewesen.

Als nun Egid allein mit der Frau im Hause war, verließ ihn der Muth, etwas zu unternehmen, so daß der Lehrer, als er nach Hause kam, alles in der alten Ordnung und nichts von dem geschehen fand, was er erwartet hatte.
Egid wurde darüber zur Rede gestellt, und versprach endlich seinem Vetter, am nächsten Martinitage, den 11. November, wo Markt in Konzell war, wieder zu kommen, und dann die Frau zu ermorden.

So geschah es auch an diesem Tage. Egid hatte wieder eine Unterredung mit seinem Vetter auf dem Kirchthurme und mit der Schwester im Stadel des Hauses; beide redeten ihm auf das Lebhafteste zu, schnell ans Werk zu gehen, und nicht wieder zu verzagen. Er erhielt ebenso von seiner Schwester den Strick, den alten Rock zur Verkleidung und einen Pultschlüssel. 

Als nun der Lehrer ins Wirtshaus und die Magdalena Hahn zu einer Nachbarin in den Heimgarten gegangen waren, ging Egid Hahn schnell in die Wohnstube, wo die Lehrerin am Tische saß. Sie stand auf, ging auf ihn zu, und fragte ihn, was er wolle. Er antwortete nichts, warf ihr schnell den Strick um den Hals, riß sie dann zu Boden, machte ihn dann fest zusammen und machte einen Knopf, so, daß sie nur einen einzigen Schrei von sich geben konnte, den Niemand hörte. Dann deckte er ein Bett über sie, warf im Hause alles durcheinander, wozu ihm der Pult-Schlüssel auch behilflich war, nahm eine Uhr mit, wie ihm geheißen worden, und floh eilig nach Menach ins Wirtshaus.

Als nun Magdalena Hahn, die sich schon denken konnte, was geschehen war, Abends 7 Uhr wieder nach Hause kam und kein Licht sah, rief sie einige Nachbarn herbei, weil etwas besonderes zu Hause vorgefallen seyn müsse. Diese fanden dann die Lehrerin mit dem Stricke um den Hals erdrosselt auf dem Stubenboden liegen; sie war todt, aber noch warm, und konnte durch angestellte Versuche nicht wieder zum Leben gebracht werden.
Lehrer Hahn, herbeigerufen, fing zu jammern an, schlug die Hände über den Kopf zusammen und sagte: "Was wird man da noch erleben müssen!"

Zwei Tage später wurden jedoch Egid und Magdalena Hahn, und zuletzt der Lehrer Hahn selbst verhaftet, wo sie die That sogleich eingestanden. Im Laufe der hierüber eingeleiteten Untersuchung, welche als gewiß herausstellte, daß Anna Maria Hahn den Tod der Erstickung gestorben war, wiederholten sie jene Bekenntnisse mehrmals. Alle drei wurden daher durch Erkenntnis des k. Appellations-Gerichts für Niederbayern vom 3. Februar l. Js. wegen jenes Verbrechens als Urheber für schuldig befunden, und zur Todesstrafe verurtheilt, und zwar Egid Hahn als Vollbringer (Art. 45 Nro. 1. Thl. 1. des St. G. B.), Dominik Hahn als mittelbarer Urheber durch Auftrag und ausdrücklichen Rath (Nro. Ill. ebendaselbst und Art 16.), Magdalena Hahn dagegen als Miturheberin durch Complott (Art. 50.) wegen der Verbindung mit ihrem Vetter Dominik Hahn.

Dieser Ausspruch wurde von dem k. Oberappellationsgerichte durch sein Urtheil vom 10. Juni desselben Jahres im Wesentlichen bestätiget, und nur bei Dominik und Magdalena Hahn die von dem k. Appellationsgerichte ihnen zuerkannte Schärfung der Todesstrafe mit Rücksicht auf ihren langwierigen Untersuchungsarrest erlassen. (Art. 105 Thl. 1. des St. G. B.). Seine Königliche Majestät haben jedoch vermöge Allerhöchster Entschließung vom 20. Juli I. Js. der Magdalena Hahn und dem Egid Hahn die zuerkannte Todesstrafe in Allerhöchsten Gnaden zu erlassen, und in Kettenstrafe nach vorausgegangener öffentlicher Ausstellung (Art. 7 - 9 Thl.
l. des St. G. B.) zu mildern, hinsichtlich des Dominik Hahn aber zu erklären geruht, daß Allerhöchst Dieselben keine Gründe gefunden haben, die demselben zuerkannte einfache Todesstrafe aus Gnade zu mildern.
Jenes Erkenntnis wurde daher in Mitterfels am 13. August 1847 durch öffentliche Enthauptung des Dominik Hahn mit dem Schwerte vollzogen.

Mitterfels, den 13. August 1847.

Königliches Land-und Untersuchungs-Gericht Mitterfels in Niederbayern.

L. Wieser, k. Landrichter.

v. Voithenberg 1. Assessor als lnquirent.

 

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