Gestorben – begraben – auferweckt – erschienen

2024 03 30 Auferstandener

Auferstandener, Emaillearbeit von Wolf Hirtreiter. Foto: Dionys Asenkerschbaumer – Vergrößern durch Anklicken!

Osternachtspredigt in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach von P. Dominik Daschner OPraem 

Wir begehen heute die zentralste Feier unseres christlichen Glaubens: die Osternacht, die hochheilige Nacht der Auferstehung.


Mit der Auferstehung Jesu steht und fällt unser christli­cher Glaube.


Mit der Auferstehung Jesu steht und fällt unser christli­cher Glaube. Der Apostel Paulus hat es gegenüber den Christen in Korinth auf den Punkt ge­bracht: „Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos … und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.“ Wenn die Nachricht von der Auf­erstehung Jesu die große erlösende Botschaft für die ganze Menschheit ist, müsste man dann in den Evangelien nicht viel selbstsicherere, triumphalistischere Osterberichte erwarten? Voll göttlichem Glanz und Gloria, ähnlich dem Frohlocken der himmlischen Herrscharen bei Jesu Geburt; mit Halleluja-singenden Engeln am leeren Grab Jesu. Freudetrunken und siegessicher wie wir das in unseren Osterliedern besingen: „Halleluja, Jesus lebt!“ – „Der Heiland er­stand.“ – „Tod, wo sind nun deine Schrecken!?“


Das leere Grab aber erzeugt Furcht und Schrecken.


Die Ostererzählungen vom leeren Grab dagegen sind geprägt von Furcht und Erschrecken, von Unsicherheit, Irritation, voller Zweifel und Verwirrung. So haben wir es gerade aus dem Markusevangelium gehört. Unsere kirchliche Leseordnung hat sogar gemeint, uns das Schlimmste dabei ersparen zu müssen, und den letzten Satz weggelassen: „Da verließen die Frauen das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.“

Das leere Grab stiftet offenbar mehr Verwirrung, als es die Auferstehung Jesu beweist. Wer nach einer Beerdigung das Grab seines Angehörigen besucht und es leer vorfindet, dessen erster Gedanke wird wohl nicht unbedingt der an Auferstehung sein. Da gibt es andere, nä­herliegende Erklärungen: der Raub des Leichnams; dass man sich am falschen Grab befindet. All diese Theorien zur Erklärung des leeren Grabes Jesu klingen auch in den Evangelien selbst an. Etwa, wenn Pontius Pilatus das Grab Jesu extra deswegen bewachen lässt. Das leere Grab Jesu spielt im Werden des Osterglaubens nicht die entscheidende Rolle, es ist in der Erzähl­tradition der Evangelien lediglich ein Hinweis auf die Auferweckung Jesu.


Viel Wesentlicher: Die Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern.


Das viel Wesentli­chere für den Osterglauben sind die Begegnungen der Jüngerinnen und Jünger Jesu mit dem Auferstandenen, von denen die Evangelien danach berichten; wo sie ihn als lebendig erfahren haben. Morgen, am Ostersonntag, am Ostermontag und an den kommenden Sonntagen der Osterzeit werden wir von diesen Begegnungen mit dem auferweckten Jesus hören.

Das älteste Zeugnis der jungen Christengemeinde über ihren Osterglauben bestand wohl in der schlichten Aussage: „Gott hat Jesus aus Toten auferweckt.“ „Aus Toten“ - dabei denken Juden sofort an das Totenreich, die Scheol, die Unterwelt, von der man dachte, dass Gottes Macht dort nicht hinreicht. Wenn es im Alten Testament heißt: „Die Toten loben dich nicht.“ „Wer ins Grab gesunken ist, kann von deiner Güte nichts mehr erhoffen.“ Und nun – was sich schon in den späten Schriften des Alten Testamentes angebahnt hatte - die Einsicht: Doch, Gott hat Macht auch über die Toten. Warum sollte der Macht des Allmächtigen ausgerechnet hier eine Grenze gesetzt sein? Gott hat seinen Sohn Jesus aus dem Tod auferweckt.


Gottes Sohn aus dem Tod auferweckt: Gott hat Macht auch über die Toten.


Die ältesten Ostertexte sprechen nicht so sehr von „Auferstehung“ – etwas, das Jesus selbst getan hat -, sondern von „Auferweckung“ – etwas, das Gott an seinem Sohn gewirkt hat. So wie an seinem Sohn, so wird Gott auch an uns handeln.

Dieses älteste Osterzeugnis überliefert uns der Apostel Paulus – ein wenig entfaltet schon – im 15. Kapitel seines ersten Korintherbriefs, wenn er dort schreibt: „Christus ist für unsere Sünden gestorben … und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden … und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“ Gestorben – begraben – auferweckt – erschie­nen, das sind die wichtigen Stichworte dieses uralten Osterbekenntnisses. Jesus war wirklich tot. Sein Begräbnis belegt das. Aber er wurde von Gott auferweckt – am dritten Tag.


Auferweckung Jesu entspringt nicht der Phantasie oder dem Wunschdenken der Jünger.


Drei Tage, das war damals jener Zeitraum, nach dem nach menschlichem Ermessen nichts mehr zu erwarten war, wo man mit nichts mehr rechnet. Der antiken Vorstellung nach hielt sich die Seele eines Verstorbenen noch drei Tage in dessen Nähe auf, bevor sie endgültig ent­schwindet. Der dritte Tag, das ist in der Bibel deshalb der Rettungstag; Gott greift ein, wo alle menschli­chen Möglichkeiten zu Ende sind. Der wiederholte Hinweis in den Osterberichten auf den „dritten Tag“ unterstreicht: Dass Jesus aufweckt wurde und lebt, das war menschlich nicht zu erwarten. Das haben sich die Jünger Jesu nicht selbst ausgedacht. Diese Einsicht kam von außen auf sie zu; sie entspringt nicht einfach ihrer Phantasie oder eigenem Wunschdenken. Sie sind selber davon überrascht worden.


Der Auferweckte „machte sich erfahrbar“ – dort, wo und wie alles begonnen hatte …


Dass sie dennoch an die Auferweckung Jesu von den Toten glauben, das resultiert erst aus dem vierten und letzten Stichwort: er erschien… Im Griechischen steht hier das Verb wfth, was so viel bedeutet wie: Er ließ sich sehen. Er machte sich erfahrbar.

Und wie haben seine Jünger Jesus als lebendig erfahren, liebe Gemeinde? Davon berichten uns die vielen Ostererzählungen im Neuen Testament. Auf ganz unterschiedliche Weise – weshalb die verschiedenen Erzählungen auch nicht einfach deckungsgleich und in allem in Übereinstimmung zu bringen sind. In ihrer Trauer zum Beispiel erfahren sie ihn – wie Maria Magdalena -, indem sie dennoch an Jesus festhalten. Im Lesen der Schrift und im Nachsinnen darüber, bei dem sie entdecken, wie sehr das ganze Jesusgeschehen in Übereinstimmung steht mit den alten Verheißungen Gottes; wie sich in ihm alles erfüllt. Beim Brechen des Brotes – wie die Emmausjünger. In der Gemeinschaft der Anhänger Jesu – wie der Apostel Thomas. Diese Gelegenheiten, bei denen sie Jesus als lebendig erfahren, dass er nicht einfach tot ist, lässt den Glauben an seine Auferstehung in ihnen wachsen.


… im Leben der Frauen, der Jünger: Ostern wird im Alltag erfahren …


Die Frauen werden dazu vom leeren Grab nach Galiläa geschickt, dort würden sie Jesus als den Auferstandenen sehen, ihm begegnen. Mehrfach enthalten die Berichte vom leeren Grab diesen Hinweis; so haben wir es gerade auch aus der Feder des Evangelisten Markus gehört. Galiläa, das ist jene Gegend, in der alles mit Jesus begonnen hat. Galiläa, das steht für die Erinnerung an alles, was die Jünger mit Jesus erlebt hatten. Galiläa, das ist dort, wo sie gefischt, als Bauern ihr Land bestellt oder Zoll eingetrieben haben, wo sie mit ihrer Familie gelebt hatten. Galiläa – das steht für Alltag. Ostern wird im Alltag erfahren.

Nicht nur bei den ersten Zeugen Jesu, auch bei uns heute. Indem ich in meinem Alltag dem traue, was ich mit Jesus und bei ihm erlebt habe, kann ich ihn als lebendig erfahren. Und im­mer wieder werden uns doch im Alltag Momente geschenkt, die mich erspüren las­sen, dass die Botschaft vom leeren Grab wahr ist.


… auch bei uns „in kleinen Momenten der Auferstehung“.


Wenn zum Beispiel eine totgesagte Be­ziehung wieder auflebt; wenn abgebrochene Kommunikation wieder aufgenommen wird; wenn verlorenes Zutrauen ins Leben zurückkommt; wenn ich das Wiederaufblühen draußen in der Natur erlebe nach der Kälte und Erstarrung des Winters. Das sind Resonanzpunkte, kleine Momente der Auferstehung im Alltag, die uns helfen können, der Botschaft vom leeren Grab, von Auferstehung und Leben, zu trauen.


Mit dem Verstand werden wir Auferstehung und neues Leben nie beweisen kön­nen, aber mit einem natürlichen Gespür.


An Auferstehung, an neues Leben durch den Tod hindurch zu glauben, liebe Schwestern und Brüder, das ist kein beweisbares Ergebnis, gewonnen durch verstandesmäßige Analyse. Dazu wird auch keine noch so weit entwickelte Künstliche Intelligenz jemals vordringen. Das ist vielmehr ein Erfahrungswissen. Denen, die bei Jesus bleiben, die mit dem gläubigen Blick der Liebe auf das Jesusgeschehen schauen, ihnen wird die Herzensgewissheit geschenkt, dass Jesus lebt, dass Gott ihn aus dem Tod auferweckt hat. So erzählen es die verschiedenen Os­terberichte in den Evangelien.

Mit dem Verstand werden wir Ostern – Auferstehung und neues Leben – nie beweisen kön­nen. Aber anscheinend tragen wir Menschen ein natürliches Gespür dafür in uns. Denn obwohl noch niemand aus dem Jenseits zurückgekommen ist, obwohl niemand jenes neue Leben jemals gesehen hat oder beschreiben könnte, finden sich Menschen unterschiedlichster Kulturen und Religionen mit dem Tod nicht einfach ab. Sie tragen die Sehnsucht in sich, dass da noch et­was kommt.


Eine Art natürlicher Gottesbeweis.


In dieser Sehnsucht, so sagt es der Theologe Hans Kessler - spiegelt sich der in der Seele des Menschen verborgene Instinkt, dass da irgendwo eine Antwort auf ihre Suche ist. Er vergleicht es mit einem gerade neugeborenen Baby. Es hat noch keinerlei Erfahrungen mit dieser Welt, weiß noch nichts über sie. Aber wenn es Hunger hat, schreit es. Warum? Weil es eine natürliche Ahnung in sich trägt, dass da irgendwo etwas ist, das seinem Hunger abhelfen kann. Woher also käme diese Sehnsucht in uns nach einem Leben durch den Tod hin­durch, wenn da nicht irgendwo einer ist, der dieser Sehnsucht entspricht und sie erfüllen kann – Gott nämlich. Eine Art natürlicher Gottesbeweis sei das, so Kessler. Überzeugender und uns menschlich viel näher als die klassischen Gottesbeweise, jene philosophischen Spekulationen über Gott als den ersten unbewegten Beweger oder den, über den hinaus nichts Größeres ge­dacht werden kann.

Die Frage nach dem Glauben an die Auferstehung hängt deshalb unmittelbar an der viel grundsätzlicheren Frage: Kann ich überhaupt an einen Gott glauben? Und: Kann ich glauben, dass dieser Gott Macht hat, auch über den Tod? Wenn heute ein großer Prozentsatz der Men­schen – selbst unter ansonsten gläubigen Christen – nicht mehr an eine Auferstehung und ewiges Leben glauben, wie Umfragen belegen, dann ist die Ursache dafür, dann liegt das Problem dabei in einem mangelnden Gottesglauben. Nur wer an Gottes Macht und an seine Liebe zu uns Menschen glaubt, kommt auf die Idee von Ostern: dass Gott seinen Sohn Jesus von den Toten auferweckt hat und auch uns nicht im Tod lassen wird.

Wenn Jesus dagegen lediglich ein überzeugender und höchst glaubwürdiger Märtyrer war, der für seine radikal-humanistische Überzeugung sein Leben riskiert, aber am Ende verloren hat, am Kreuz geendet ist und im Tod geblieben ist, dann können wir unser Herz genauso gut an andere große Weisheitslehrer der Weltgeschichte oder Kämpfer für eine bessere Welt hängen – an Konfuzius, an Nelson Mandela, an Mao oder an wen auch immer – es wird uns keinen Vorteil bringen.


Die Auferweckung – eine wunderbare Hoffnungsperspektive.


Aber wenn da ein Gott ist, der den Weg Jesu Christi bestätigt hat, indem er ihn aus dem Tod auferweckt hat zu neuem Leben, dann tut sich uns darin eine wunderbare Hoffnungsperspektive auf. Nämlich, wie Christus selber sagt: Ich lebe, und auch ihr werdet leben!

Das ist unser christlicher Glaube, den wir an Ostern feiern – nicht triumphalistisch, aber mit großer Hoffnung im Herzen.

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