Der Kirchenchor singt wieder – mit Abstand

2020 07 10 Chor singt wieder w

Erste Chorprobe des Mitterfelser Kirchenchores mit Chorleiter Markus Becker in der Schule unter Einhaltung des Hygienekonzepts. Foto: Markus Becker

Für viele brach ein Stück Lebensqualität weg.

Kein Singen, keine sozialen Kontakte, kein freundschaftliches Gespräch. Nun ist alles wieder wie vor dem Lockdown – aber nur fast.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Mitte März fanden keine Chorproben mehr statt. Das gemeinsame Singen und Proben war tabu, sogar in den Kirchen durfte nicht zum Lobe Gottes gesungen werden. Jetzt aber erklang aus der Schule in Mitterfels endlich wieder das berühmte „Ave verum“ von Mozart, nicht als CD-Aufnahme, sondern live gesungen von Frauen und Männern des Kirchenchores der Heilig-Geist-Kirche in Mitterfels unter ihrem Chorleiter Markus Becker.

Waren die Sängerinnen und Sänger und ihr Chorleiter besonders risikofreudig oder hatten sie nicht gehört, dass Singen und Blasmusik Aerosole mit Viren besonders weit verbreiten können? Nein, Chorleiter Markus Becker kennt die Risiken und ist sich seiner Verantwortung für die Gesundheit seiner Sängerinnen und Sänger bewusst. Sein Chor hatte im März, sogar noch vor dem offiziellen Verbot durch Politik und Kirche, die Chortätigkeit freiwillig eingestellt.

Am 25. Dezember hatten sie mit Mozarts „Krönungsmesse“ ihren letzten musikalischen Auftritt beim Weihnachtsgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Damals gab es viel Lob für die schöne und festliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Keiner ahnte, dass es für lange Zeit das letzte gemeinsame Singen auf der Empore der Heilig-Geist-Kirche sein würde.

Als der „Lockdown“ begann, war man mitten in den Proben, um das musikalische Programm für die Gottesdienste in der Osterzeit vorzubereiten. Zum allerersten Mal wollte man sich an eine größere Messe von Joseph Haydn wagen. Doch dann mussten, von einem Tag auf den anderen, alle Chorproben und Auftritte auf unbestimmte Zeit abgesagt werden.

Weniger Lebensqualität

Für viele brach dadurch ein Stück Lebensqualität weg: kein Singen, keine sozialen Kontakte, kein freundschaftliches Gespräch, die Abende wirkten länger als sonst. Das musikalische Hobby ist für viele Menschen eine Erholung vom Alltagsstress oder eine Abwechslung im Wochenablauf und tut Geist und Psyche gut.

Vor drei Wochen machte dann die Politik Chorproben wieder möglich, was für die Chorsänger und Dirigenten ein Licht im Dunkeln bedeutete und Hoffnung auf baldiges Singen mit den Sangesfreunden machte. Jedoch bedeutete die Lockerung nicht, dass ab sofort wieder normale Chorproben stattfinden konnten.

Corona war nicht vorbei und damit gab es auch für die Chortätigkeit des Mitterfelser Kirchenchores, wie auch im gesamten öffentlichen Leben, kein Zurück in die Normalität. Um wieder Chorproben stattfinden zu lassen, hatte die bayerische Staatsregierung ein elfseitiges Hygienekonzept veröffentlicht, das es nun galt durchzuarbeiten und auf eine Machbarkeit von Chorproben für den Mitterfelser Chor zu überprüfen. Dabei galt es Abstände zwischen den einzelnen Sängern in den Räumlichkeiten zu schaffen, Desinfektionsmittel und Handwaschmöglichkeiten bereitzustellen, einen Luftaustausch zu gewährleisten und ein Konzept für das Kommen und Gehen mit Abstand zu erarbeiten. Das alles und einiges mehr gelang und wurde zu einem Hygienekonzept für Chorproben verfasst, das den Chormitgliedern zusammen mit einer Belehrung durch Chorleiter Markus Becker vor der ersten Probe und vor dem Schulhaus ausgeteilt wurde.

Im Anschluss betraten die Chormitglieder, die alle beim Kommen und Gehen der Räumlichkeiten Masken tragen müssen, die Schule. Erst nach dem Desinfizieren der Hände und dem Einnehmen ihres zugewiesenen Platzes durften die Masken abgenommen werden. Die lang ersehnte erste Chorprobe nach vier Monaten konnte beginnen.

Einfach singen

Ganz bewusst hatte der Chorleiter mit Mozarts „Ave verum“ ein bekanntes Werk ausgesucht, denn es ging einfach nur um das gemeinsame Singen, das viele so sehr vermisst hatten. Nach dem Schlussakkord sah er dann auch in lauter glückliche Gesichter und auch er war glücklich, mit seinem Chor wieder singen zu können.

Nur durch die gute Kommunikation und Zusammenarbeit von Gemeindepfarrer Pater Dominik Daschner, Schulleiterin Marion Brandl, Chormitglied Sabine Trageser und Chorleiter Markus Becker war es möglich, dass diese und hoffentlich noch weitere Chorproben stattfinden können. So war das zweite Lied, das der Chor an diesem Abend sang, kein geistliches Lied für einen Gottesdienst, sondern mit dem Song „Why we sing“ ein weltliches Stück, das die Leidenschaft für das Singen ausdrückt.

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