Historische Hien-Sölde Mitterfels. Moritaten von Wilderern

Moritaten 2017 03 28 Bogener Zeitung Seite 18

 

Aufgrund des großen Interesses wurde es beim offenen Singen mit Franz Schötz eng in der historischen Stubn. (Foto: erö)

Zu­lauf beim „of­fe­nen Sin­gen“ wächst

„Den Frühling ansingen“ mit meist unbekannten Liedern – das gelang einmal mehr beim „Offenen Singen in der Stubn“ der historischen Hien-Sölde in Mitterfels. Franz Schötz, Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik Niederbayern und Oberpfalz, der sein Büro im historischen Haus aufgeschlagen hat, bietet hier mehrmals im Jahr ein offenes Singen mit traditionellen, oft unbekannten Volksliedern zu verschiedenen Themen an. Und die Resonanz steigt: 24 Personen haben Platz in der alten Stubn, diesmal wurde es mit 40 begeisterten Sängern richtig eng. Das tat aber der Stimmung keinen Abbruch. Denn diesmal standen Wilderer und Räuber im Mittelpunkt des Abends. Vom Jennerwein über den Matthias Klostermayr, vom Räuber Kneissl zum Räuber Heigl reichte die Spannweite der vielstrophigen Lieder. Und für Nichtbayern war der Abend wieder auch ein kleiner Sprachkurs in „Bayerischer Sprache“. Franz Schötz erläuterte die geschichtlichen Hintergründe der Lieder: Für das einfache Volk war der Wilderer derjenige, der es wagte, sich gegen die Reichen und Mächtigen aufzulehnen. Er nahm sich, was ihm nach dem natürlichen Rechtsgefühl gehörte. Viele Wilderer waren nicht nur Rebellen, sondern fühlten sich mit den Interessen der unterdrückten Bauern verbunden und wurden vom Volk auch so verstanden. Das Volk teilte die Verachtung der Wilderer gegen Gendarmen, Jäger und Richter, die Schergen der Obrigkeit. Denn dem Volk gehörte nichts. Aber den Wilderern ging es nicht nur um den Braten, sondern auch um das lustvolle Tun, um die Sehnsucht nach Freizügigkeit und freier Bewegung, selbst wenn Gefängnis oder der Tod drohten. Zuerst wurde mit „mags denn net Fruahjahr wern“ vom Pongauer Viergesang dem Frühjahr ein Ständchen gebracht und mit einem kleinen Jodler bekräftigt. Dann wurde in bildhafter Sprache und mit bis zu 21 Strophen das Schicksal der Räuber besungen, Moritaten, die zu Herzen gingen, und mit kraftvoller Stimme die Stube erfüllten. Wer das Lied schon kannte, sang auch mal die zweite Stimme mit. Nach zwei Stunden war dann endgültig Schluss, und alle waren sich einig: Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei. „Im Sommer können wir auf dem Speicher singen, wo es genügend Platz gibt“, versprach Maria Birkeneder vom Freundeskreis Hien-Sölde. (erö)

Quelle: Elisabeth Röhn/BOG Zeitung vom 28. April 2017 (Zeitversetzte Übernahme aufgrund einer 14-tägigen Sperrfrist)

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