Touren drenterhalb und herenterhalb der Grenz und viel Hintergründiges dazu

019 Blick aus der Heigl Hoehle

… Bilder und Geschichte(n): Die neuesten Touren: Zerstörtes Dorf Haidl/Zhůří - Mystischer Kaitersberg - Naturschutzgebiet am Kleinen Arbersee - Urwald am Boubin (Kubany)

Mitten im Herzen Europas befindet sich mit dem Bayerischem Wald und der Sumava jenseits der Grenze eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete unseres Kontinents. In großen Teilen darf Natur wieder Natur sein. Es ist faszinierend...

... diese Entwicklung beobachten zu können, aber auch von den Geschichten dahinter zu hören oder bei Schriftstellern wie Karel Klostermann nachzulesen, wie die Menschen früher mit dieser Naturgewalt auszukommen versuchten.

Bilder, Hintergründiges und Gschichte(n) von

01 Urwald Boubin (Kubany) im heutigen Nationalpark Sumava (Fotos 001 - 008) - Fotos: Birgit Mühlbauer (bm)

02 Naturschutzgebiet Kleiner Arbersee (009 - 014) - Fotos: Franz Tosch (ft)

03 Mystischer Kaitersberg (015 - 021) - bm

04 Zerstörtes Dorf Haidl/Zhůří im Böhmerwald (022 - 027) - ft

Vergrößern durch Klick auf das Bild, am rechten und linken Rand findet der Mauszeiger Hinweise zur Diaschau.

  • 001_Urwald_Boubin-Kubany
  • 002_Fuerst_Jan_von_Schwarzenberg_gruendete_schon_1858_dieses_Reservat
  • 003_Der_Mensch_greift_seitdem_nicht_mehr_in_die_Natur_ein
  • 004_Neues_Leben_aus_altem
  • 005_Der_Boubin_ist_fuer_seine_Stelzenbaeume_bekannt
  • 006_Baumehe_zwischen_Buche_und_Fichte_mit_verschlungenem_Wurzelgeflecht
  • 007_Der_Steig_erinnert_an_den_Gruender_des_Urwalds
  • 008_Leben_im_schuetzenden_Schoss
  • 009_Langsam_ruehrt_sich_der_Fruehling_am__Kleinen_Arbersee
  • 010_Schwimmende_Inseln_am_Kleinen_Arbersee
  • 011_Archivbild_April_2014_-_Schwimmende_Inseln_von_Felsgruppe_am_Grossen_Arber
  • 012_Spaetes_Fruehlingserwachen_am_Ufer
  • 013_Fruehlingsboten
  • 014_Idylle_am_Westufer
  • 015_Gasthaus_Koeppl_in_Reitenstein_am_Kaitersberg
  • 016_alte_Stadlbretter
  • 017_Schatztruhe
  • 018_mystischer_Kaitersberg
  • 019_Blick_aus_der_Heigl-Hoehle
  • 020_Fruehlingsgruene_Buchenblaetter
  • 021_mehr_als_ein_krummer_Pinken
  • 022_Wegkreuze_erinnern_in_Zhuri-Haidl_an_einstige_Besiedlung
  • 023_Zhuri-Haidl_Kreuz_am_Wanderweg
  • 024_ein_massiver_Granitstein_an_einer_Haustuer_die_es_nicht_mehr_gibt
  • 025_Grundmauern_eines_Hauses_mit_Blick_zum_Grenzkamm
  • 026_verfallenes_Haus_in_Zhuri-Haidl
  • 027_ein_fuer_damals_stattlicher_Hof_in_einer_wunderschoenen_Landschaft

01 Urwald Boubín (Kubany)

Der Urwald Boubín ist das bekannteste Naturschutzgebiet Tschechiens und gehört zugleich zu den ältesten Wald-Reservaten Europas. Die natürliche, über Jahrhunderte von Menschen unberührte Waldvegetation-Entwicklung in diesem Teil der Boubín-Wälder steht unter strengem Naturschutz. Der Urwald Boubín liegt allerdings nicht abseits der Zivilisation, sondern inmitten der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Die Kulturgeschichte dieses Gebietes ist eng mit der Lage im Länderdreieck zwischen Böhmen, Österreich und Deutschland verbunden.

Schmugglersteige und Holzförderung

Die Wälder stellten für die Menschen (außer Einsiedlern und Jägern) immer einen unbewohnbaren Ort dar und waren mit Gespenstern, Geistern, Raubtieren und den verschiedensten Ängsten verbunden. In den Wäldern konnte man sich leicht verlaufen und ums Leben kommen, deswegen waren sie, außer um hier einer Arbeit nachzugehen, nicht so häufig besucht. Durch den Urwald Boubín führten zwei Schmugglersteige. Es wurde hier fast alles geschmuggelt: Salz, Schießpulver, Tiere, Getreide und das beliebte „Böhmerwald-Rauschgift“ Brizil (Schnupftabak). Der Brizil wurde aus Tabak, Schmalz, Backpflaumen und Pfeffer hergestellt und geschnupft. Im Böhmerwald prosperierte auch die Glasherstellung, wobei die Glashütten dazu Holz in unvorstellbaren Mengen verbrauchten. Obwohl die Glashütte in Kubova Huť nur ein paar Kilometer vom Urwald entfernt war, verarbeitete sie nur das Holz aus der engeren Umgebung und zum Glück für den Urwald machte sie auch bald bankrott. Der Urwald war für ähnliche Unternehmen und zur Holzförderung zum Glück auch viel zu schwer zugänglich. In seiner Nähe wurde der Schwarzenbergsche Schwemmkanal erbaut. Dank des Kanales konnte das Holz bis nach Wien oder Prag transportiert werden, ohne den Urwald zu tangieren. 

Fürst Jan von Schwarzenberg erklärte das Gebiet "für ewige Zeiten zum Urwald"

Die letzten menschlichen Aktivitäten im Wald wurden vom Forstmeister Josef John (1802-1871) verhindert, denn er beschwerte sich beim Waldbesitzer, dem Fürsten Jan von Schwarzenberg. Der traf 1858 die Entscheidung, dass er “...für ewige Zeiten diese Waldkulturen zum Urwald erklärt, wo man keine Bäume fällen und keinerlei andere Aktivitäten oder Arbeiten ausüben darf, und dass man den Urwald sich selbst überlassen sollte.” Die ursprüngliche Urwaldfläche nahm 144 ha ein, später wurde die Fläche des Urwald-Kern-Schutzgebiets noch ausgeweitet. Zum National-Naturreservat wurde der Urwald 1933 erklärt und 1958 wurde seine Fläche auf die heutigen 666 ha festgelegt. Manche Bäume sind hier bis 400 Jahre alt. Das heißt, dass sie vor dem Dreißigjährigen Krieg gekeimt haben, und zu Zeiten, als Comenius schrieb und Rembrandt malte, waren sie schon mehr als 10 m hoch. Der Fichtenkönig, der am 4. Dezember 1970 umfiel, wurde mehr als 440 Jahre alt und mit seiner Höhe von 57 m übertrumpfte er fast den bekannten Prager Aussichtsturm Petřín (60 m). Eine weitere Urwald-Besonderheit stellen die sog. Stelzenwurzeln dar.

(aus: sumavanet.cz – Karte: https://www.sumavanet.cz/ki/ku/tur_mp.asp?lng=de)

02 Naturschutzgebiet Kleiner Arbersee

An der westlichen Flanke des Großen Arbers, dem höchsten Berg im Bayerischen Wald, liegt der Kleine Arbersee. Der See ist ein Relikt aus der Eiszeit. Seine Bildung verdankt er dem Kleinen Arberseegletscher, der sogar der zweitlängste aller Böhmerwaldgletscher war. Die Seewand des Kleinen Arbersees ist mit ihren über 100 m steil über dem Seeloch aufsteigenden Felswänden noch sehr ursprünglich erhalten. In diesem stark vom Verlauf des Gletschers geprägten Gebiet finden sich Quell- und Niedermoore neben farn-, moos- und flechtenreichen Aufichtenwäldern.

In älterer Literatur werden der Große und der Kleine Abersee stets als dunkle, trübe Moorseen geschildert. Die Aufklarung des Wassers erfolgte erst in den letzten Jahrzehnten und ist eine Folge der Luftverschmutzung: Die starke Versauerung des Seewassers hat eine Verarmung der Pflanzen- und Tierwelt zur Folge. So sind beispielsweise die Fische in diesen Gewässern bereits ausgestorben. [Sie waren es. Inzwischen sieht man – v. a. an der Mündung des Seebachs - schon wieder vereinzelt Bachsaiblinge. Red.] Die Zwiebelbinse bildet dichte Teppiche bis in zwei Meter Tiefe.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kleine Arbersee zum Triften von Holz aufgestaut und vergrößerte sich dabei um mehr als ein Dreifaches. Es lösten sich im Randbereich des damaligen Sees intensiv verwurzelte Moorfilze, die mit ihrem Torfanteil leichter als Wasser sind. Diese haben sich bis heute als 'schwimmende Inseln' erhalten. Wie ihr Name schon verrät, sind sie ohne feste Verbindung zum Untergrund und heben und senken sich mit den Schwankungen des Wasserspiegels. Im Laufe der Jahrtausende haben die Filze eine Dicke von 1,5 bis 3,5 Metern erreicht, sodass sogar 40- bis 60-jährige Fichten auf ihnen wachsen. Die größte Insel hat eine Ausdehnung von ca. 4.500 m². [Seit einigen Jahren ist ihre Position aber mehr oder weniger stabil. Red.]

Am Nordostufer befand sich zwischen 1714 und 1742 und dann noch einmal zwischen 1783 und etwa 1800 eine Glashütte, die Seehütte. Die Fundamente der ehemaligen Glashütten sind als Bodendenkmal  ausgewiesen. Heute liegt am Westufer das Gasthaus Seehäusl.

Das Naturschutzgebiet Kleiner Arbersee wurde am 28.11.1959 geschaffen. Es ist 307,5 ha groß und umfasst - neben dem See selbst - die den See umgebenden Moore und Waldgebiete. Die Schutzverordnung von 1984 sieht vor, dass die Inseln nicht betreten werden dürfen. Wegen einer befristeten Befreiung davon wurden jedoch bis Ende 1998 Ruderboote verliehen. Fischotter und Biber konnten sich wieder hier ansiedeln. Auch das scheue Auerhuhn hat hier ein Zufluchtsgebiet.

Für die malerische Seeumrundung benötigt man ca. 30 bis 45 Minuten. Der Seerundweg ist bei trockenem Wetter bedingt auch für Kinderwägen und Rollstuhlfahrer geeignet. Bei einer deftigen Brotzeit im großzügigen Biergarten vom Gasthaus 'Seehäusl' kann man sich am fantastischen Blick auf den See erfreuen.

Der Kleine Arbersee in Stichpunkten:

Alter

ca. 10.000 Jahre

Größte Tiefe

12 m

Wasserfläche

6,36 ha

Höhenlage

918 m über NN

Einzugsgebiet

2,79 km²

Gesamte Fläche

8,56 ha

pH-Werte (im Schnitt)

4,5

Quelle: https://www.kleine-arberseebahn.de/index.php/kleiner-arbersee (mit Ergänzungen)

 

03 Mystischer Kaitersberg

Schwere Wetter, raue Zeiten. Grau, behäbig, nicht fortzurücken steht die alt ehrwürdige Gastwirtschaft Köppl in Reitenstein; alte Stadlbretter sind wie Buchumschläge, Lebenstitel drauf geschrieben, beim Blättern in alten Skripten fällt manche Kostbarkeit in unsere Hände. Musst nur lesen, zwischen Bretter lugen, Steine berühren, horchen, fühlen, tasten, brüchiges Gemäuer und die Stimmen, lachen und erzählen, kurze Blicke durchs Fenster, klapprig, Vergänglichkeit lauert, Erinnerung bröselt, vergessen und doch nicht irgendwie.

Steinige Wege. Mystisch kreucht Nebel über den Kaitersberg, fallen Tropfen, klatschen leise. Wetterhexen bringen dich fort, schweben durch die Wipfel, leises Raunen und Kichern in alten Buchen, geheimnisvoller Stein, zerklüfteter Wald, Schlupfwinkel, Verstecke und so vieles an Geschichte.

Frühlingsgrüne Buchenblätter, kalte nasse Felswände. Diese Stille fängt dich ein. Mächtige Baumgestalten wie Fabelwesen in grau verhangenem Licht. Träumst dich hinein, Jahrhunderte zurück, der Heigl und seine Höhle: seltsamer Ort. Der Wind haucht über Felsvorsprünge, ein letzter Atem, kalt und düster – was wissen wir schon aus längst vergangener Zeit? Schwingt er sich davon, der Sauhund, wie Nebelfetzen, nur hin und wieder ein Augenblick, ein Gedanke huscht zwischen Felsen hin, ein Seelenstupser! Geliebt, verehrt, unvergessen bis in unsere Zeit.

Grau und regnerisch, kühl weit weg und doch so nah, so unheimlich herzzerreißend. „Du spinnst doch, glaub ich fast und doch nicht, hoff ich, irgendwie!“ Hock da alleine, blättere in meinem alten Wanderführer, halte den kleinen Schatz in meinen Händen, - wachrütteln möchte ich sie alle, dort unten in den Tälern, eine Lektion erteilen, wie schon der Heigl mir! Schon damals waren sie sich sicher und einig, Recht und Ordnung zu verkünden und nur das Richtige zu tun! So seltsam, ist er immer noch da, der Heigl? Wie ein Schatten an der Felswand? So unrecht war er nicht, wie vieles andere von Damals.

Birgit Mühlbauer

Der Keitersberg, ein wild zerklüfteter, wegen seiner großartigen Felsbildungen und schroff abfallenden Felswände höchst interessanter Berg, wird von Kötzting aus über Reitenstein und Reitenberg erstiegen. Im obersten Hause Reitenbergs bei Köppl besteht eine Waldvereinsschenke, in welcher gutes Flaschenbier, Käse, Eier, Kaffee und Wein verabreicht werden. (Vorzügl. Quellwasser) Auch bengalische Kerzchen, das Schächtelchen 10 Pfg. und Fackeln zu 15 Pfg. zur Beleuchtung der Heigl-Höhle versäume man nicht hier mitzunehmen.

Der Besitzer der Waldvereinsschenke hat unmittelbar am Walde einen stattlichen Neubau mit geräumigen Zimmern aufgeführt, der im Jahre 1895 auch zur inneren Vollendung gelangt und bei seiner reizenden Aussicht, seiner hohen Lage von 800m und der unmittelbaren Nähe schöner Waldungen zu einem Sommeraufenthalte sich besonders eignen dürfte.

Quelle: „Führer durch den Bayerischen Wald von Mayenberg aus dem Jahr 1896“

 

03 Zerstörtes Dorf Haidl/Zhůří im Böhmerwald

Wenzel KapelleDie Geschichte dieses heute verschwundenen Ortes begann schon im 14. Jahrhundert, als der Bergreichensteiner Goldene Steig diese Hochfläche durchquerte. Am Hang des Haidl-Bergs stand damals ein Wachturm zum Schutz des Handelswegs. Fast auf dem Gipfel des Haidl-Bergs (1187 m ü. M.) wurde um 1720 eine Ortschaft gegründet. Ihre Bewohner arbeiteten in der nahen Glashütte, der sog. Althütte. 1900 wohnten da 168 Menschen in 20 Häusern. Sie bewirtschafteten 30 ha Felder, 101 ha Wiesen, 12 ha Weiden und 156 ha Wald. Im nahen Haidl-Filz wurde Torf gestochen. Am Nordrand der Gemeinde befand sich eine Kapelle, die dem hl. Wenzel geweiht war.

vor dem Gasthaus  Haeuser entlang der Strae

Nach der Ausweisung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1947) kamen rumänische und slowakische Remigranten hierher, die aber schon 1952 durch tschechoslowakisches Militär ersetzt wurden. Neue Kasernen wurden gebaut. Das Dorf wurde – wie viele andere in dem grenznahen Sperrgebiet - vernichtet. Die Kapelle blieb noch ein paar Jahre stehen, sie diente als Stall für die Schweine, die man für die Miltärküche hielt. Auf dem (kaum ausgeprägten) Haidl-Berg wurde eine Radaranlage sowjetischer Provenienz errichtet. 1986 war hier auch die 11. Hubschrauberstaffel zum Schutz der Staatsgrenze stationiert. Die Soldaten verließen Haidl nach 1989.

Das Gebiet der früheren Gemeinde Haidl wird heute nur extensiv landwirtschaftlich als Weide benutzt. Es ist durchsetzt mit Gruppen von Bäumen und wirkt wie ein naturbelassener Park. Ein Wanderweg durchzieht den leicht südwestwärts geneigten Hang. Von ihm aus hat man wunderschöne Ausblicke zum Hauptkamm des Bayerischen Waldes, zum Rachel, zum Falkenstein, dem Polednik (Mittagsberg). Wegkreuze und Reste von Grundmauern erinnern aber auf Schritt und Tritt an die frühere Siedlung. In der Nähe der Straße erinnert die Ruine eines Hauses an Menschen, die sich mit viel Liebe und handwerklichem Können ein Zuhause schufen.


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