„Schicksalstage in Ostbayern“

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Helmut Erwert und Verlag Attenkofer präsentieren ihr neues Buch

In seinem Buch zeigt Helmut Erwert, wie unsere Zeit geworden ist, wie sie ist.

Helmut Erwert steht vorn am Rednerpult in dieser wunderbaren Hubertushalle, und schnell wird klar, warum er sich genau diesen Ort gewünscht hat für die Präsentation seines neuen Buches. Erwert, 86, pensionierter Gymnasiallehrer, Historiker und der wohl beste Kenner der jüngeren Geschichte dieser Region, weiß, dass diese Halle weit mehr ist als der wunderschöne, repräsentative und akustisch hervorragende Ort, der er auch ist.

Diese Halle, die als Bierhalle auf dem Volksfest begann und um 1900 versetzt wurde, repräsentiert auch Geschichte. „Hier, diese Halle“, sagt Erwert, „hat Geschichte erlebt. Hier hat der erste republikanische Ministerpräsident gesprochen, gegen diese Balken schlugen die Worte der NS-Repräsentanten, hier sprachen demokratische Politiker in der Nachkriegszeit.“ Diese Epoche, von der Zwischenkriegszeit bis zur Gegenwart, ist Erwerts Lebensthema.

„Schicksalstage im Herzen Ostbayerns“ heißt sein neuestes und größtes Buch, 432 Seiten, weit über 150 Bilder, „ein Lese- und Bilderbuch“ nennt es Erwert. Es ist die Bilanz einer ganzen Generation. Erwert ist aufgewachsen im Banat, einer Region im Grenzgebiet Serbien/Rumänien, deren Namen heute wohl nicht mehr viele kennen. Er hat Krieg, Verlust der Heimat und Not erlebt, aus dieser Erfahrung blickt er auf die Welt: ein hochgebildeter Mann, alte Schule, mit einem Wissen in einer Tiefe, wie man es heute nicht mehr oft findet.

Erwerts Bücher stehen auch in amerikanischen Bibliotheken als anerkannte historische Zeitdokumente. Zum Abschluss des Abends hat er sich Variationen aus Haydns Kaiser-Quartett gewünscht, der Ursprungsmelodie der heutigen Nationalhymne. Sonja Ettengruber, die den Abend moderiert, trägt dazu einen Text Erwerts vor. Hoffmann von Fallersleben wird erwähnt, dessen „Lied der Deutschen“ verbunden ist mit dieser Melodie, ebenso die Befreiungskriege, die für Hoffmann prägend waren, und auch die erste und die dritte Strophe dieses Textes, die eine wird nicht mehr gesungen, die andere ist der Text der Hymne.

HE3 Schicksalstage wMenschen wie Helmut Erwert wissen, dass eine Strophe später missbraucht worden ist und sie in Wahrheit aus demselben Geist heraus geschrieben ist wie die andere. „Helmut Erwert“, so formuliert es Sonja Ettengruber, „hat sich diese Melodie gewünscht, weil sie die gesamte deutsche Nationalgeschichte in sich trägt.“

Musikalische Gestaltung (v. l.): Heike Fischer – Violine | Gerold Huber – Violine | Margit Schleinkofer – Viola | Manfred Pferinger – Violoncello

 

Heimatgeschichte bis in die Gegenwart

In seinem Buch will Erwert zeigen, wie unsere Zeit geworden ist, wie sie ist. Er zeigt es als Heimatgeschichte, und es geht weit über die Nachkriegszeit hinaus bis ins Heute, in den veränderten Gäuboden, den wachsenden TUM-Campus Straubing, den Ausstieg Chinas und die Zuwanderung, die Erwert „anfangs unkontrolliert“ nennt. „Der Spiegel hat einmal geschrieben: Die alte Weltordnung ist Geschichte“, sagt Erwert, „und ein weit verbreitetes Buch konstatiert lapidar: Deutschland schafft sich ab.“

Erwert will da Orientierung bieten; dazu muss man die Geschichte, auch die der Heimat, kennen, ist Erwerts Überzeugung. Helmut Erwert forscht nach den großen Zusammenhängen, nach einem Weg „zwischen politischer Naivität und nationaler Selbstüberschätzung“. Ist die Bindung an die Heimat noch ein Wert oder Auslaufmodell, fragt Erwert, für den Niederbayern so sehr Heimat geworden ist, dass er sie erforscht wie kaum ein anderer, und der trotzdem immer auch seine Ursprungsheimat, Weißkirchen im Banat, im Blick hat.

HE4 Schicksalstage w„Schicksalstage im Herzen Ostbayerns“ ist das Werk eines gebildeten, kundigen Mannes. Die Hubertushalle war gut gefüllt, Bürgermeisterin Maria Stelzl war da und würdigte Erwert wie auch der stellvertretende Landrat Franz Xaver Stierstorfer, der Andrang am Signiertisch war groß. Den Haydn spielte Gerold Huber mit einem Quartett, das Sonja Ettengruber auf den Namen „Spitzweg-Quartett“ taufte: „Es ist eine wunderbare Akustik in dieser Halle. Da wünscht man sich, mehr zu hören.“ 

Bürgermeisterin Maria Stelzl (v. l.), Sonja Ettengruber, der Autor Helmut Erwert mit seiner Gattin, stellvertretender Landrat F. X. Stierstorfer

we/Straubinger Tagblatt vom 12. Oktober 2019 (mit Genehmigung der Stadtredaktion)

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