"Licht von Bethlehem": Mit unserer kleinen Kraft ...

2021 12 19 Adv 4

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... können wir "Lichtträger" sein. - Predigt zum 4. Adventssonntag

in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach, gehalten von P. Dominik Daschner OPraem. >>> Mit Links zu den Predigten der erste drei Adventssonntage

Unsere Welt ist nicht heil, weder im Kleinen und Privaten noch in den großen globalen Zu­sammen­hängen. Wir sehen zum Beispiel die verheerenden Auswirkungen des menschen­gemachten Klima­wandels.


Unsere Welt ist nicht heil – mitunter auch unser eigenes Leben


In diesem Jahr sind sie erschreckend deutlich zu Tage getreten. Wir spüren die heil­losen Verstrickungen und Abhängigkeiten in der Wirtschafts- und Finanz­welt. Vielen kriegeri­schen Auseinandersetzungen müssen wir tatenlos zuschauen. Manchen Entwicklun­gen und Feindseligkeiten fühlen wir uns hilflos ausgeliefert. Auch unser privates Leben ist mitunter ein heilloses Durcheinander; wir werden weder den Anforderungen von außen noch den eige­nen Erwartungen immer gerecht, verzetteln uns bisweilen im Vielerlei des Lebens. Mitunter fehlen uns Richtung und Ziel. Wir sehnen uns nach Halt und Orientie­rung.


Das Adventslied „Komm du Heiland“ passt in diese Stimmungslage


In diese Stimmungslage passt das Advents­lied, das wir heute gemeinsam betrachten wollen: „Komm, du Heiland aller Welt“ – im Gotteslob die Nummer 227, wenn Sie mit­schauen möchten.

2021 12 19 Komm du Heiland

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Die flehentlichen Anfangsworte „Komm, du Heiland aller Welt“, sie richten unseren Blick auf den Kommenden; auf den, der die Erfüllung unserer großen Sehnsucht sein will. Auch wenn die Bezeichnung „Heiland“ nicht mehr so recht zu unserem alltäglichen Sprachgebrauch ge­hört, so drückt sich in ihr doch unsere Sehnsucht nach Heil aus. Denn das wünschen wir uns doch: dass alles gut wird, dass wir im Einklang mit uns selbst und unserer kleinen und großen Welt leben.


Er kommt mitten hinein in unser Leben und setzt ein Hoffnungszeichen


Doch das Heil kommt nicht von uns. Es ist kein innerweltliches Geschehen. Da­rauf weist unser Adventslied hin: „Nicht nach eines Menschen Sinn, sondern durch des Geistes Hauch“ – so heißt es in der zweiten Strophe - kommt Gottes Sohn, kommt sein Wort in die Welt. Als „Sohn der Jungfrau“, wie es im Lied heißt, sprengt er unser Vorstellungs­vermö­gen und die Naturgesetze. Er überwindet die Grenze zwischen Himmel und Erde, lässt sich herab und be­gibt sich in unsere Welt. Gott kommt in unser Fleisch, wie es im Lied heißt. Das bedeutet: Er kommt mitten hinein in unser Leben; dahin, wo es konkret und handgreiflich wird; auch dahin, wo Menschen heillos zerstrit­ten und ohne Orientierung sind. Gott greift ein. Er sieht die Not und kann nicht anders, als ein neues Hoffnungszeichen in die Welt zu setzen.


Hoffnungsbrücke vom „Himmel“ zur Erde


Das sagt mir: Gott ist keine bloße Idee, kein Hirngespinst, kein ferner Gott, der seine Schöp­fung sich selbst überlässt, sondern er ist die bestimmende Wirklichkeit allen Lebens. Er selbst wird Mensch und macht so das Projekt „Mensch“ zur Chefsache. Er schlägt eine Hoffnungs­brücke vom Himmel zur Erde und begibt sich ins Menschsein hinein. Das verleitet zum Stau­nen; das ist ein Ausrufezeichen für die ganze Welt. „Darob staune alle Welt“ heißt es im Lied.

Der Dichter dieses Liedes, der heilige Ambrosius von Mailand, er setzt mit seinen Versen ganz bewusst ein Zeichen gegen den Geist seiner Zeit. Ambrosius lebte im vierten Jahrhundert, hatte die Beamtenlaufbahn eingeschlagen und wurde noch vor seiner Taufe zum Bischof von Mailand gewählt. Zu dieser Zeit feierte man im Römischen Reich am 25. Dezember das Fest des unbe­siegbaren Sonnengottes, der nach der Wintersonnenwende hervorbricht und das Dunkel be­siegt. Ambro­sius greift diesen kosmischen Zusammenhang auf und deutet Jesus Christus als die „Sonne der Gerechtigkeit“, die über dieser Welt aufgeht.

In Anlehnung an Psalm 19, der die Macht der Sonne besingt, dichtet er in der dritten Strophe über Christus: „Wie die Sonne sich erhebt und den Weg als Held durcheilt, so erschien er in der Welt, wesen­haft ganz Gott und Mensch.“ Für Ambrosius ist Christus der wahre Son­nen­gott, mit des­sen Kommen die Dunkelheit in der Welt besiegt ist. Er ist der große Hoff­nungs­träger, die Lichtgestalt, die alles Bisherige und Kommende in den Schatten stellt.


Mit der Geburt Gottes als Mensch erscheint der Hoffnungsträger


Mit ihm bricht eine neue Zeitrechnung an; durch seine Geburt und sein Wirken strahlt Gottes Licht in die Welt herein, erstrahlt unsere Welt in einem neuen Licht.

In der vierten Strophe bringt Ambrosius das Paradoxe und Geheimnisvolle des christlichen Glaubens ins Wort. „Glanz strahlt von der Krippe auf“, heißt es dort. In dem ärmlichen Stall erstrahlt das neue Hoffnungslicht für die Menschen; nicht mit Pomp und Prunk aus den Palästen. Aus der Nacht strömt neue Hoffnung, eine neue Perspektive für unser Menschsein. Unerwartet und ohne großes Aufsehen kommt Gott zur Welt. An diesem Zeichen können wir ablesen: Gott hat ein Gespür für das Kleine und Unbeachtete. Sein Licht verströmt er besonders dort, wo Finsternis und Nacht herrschen. Hoff­nung erblüht dort, wo wir uns heillos überfordert fühlen und trostlos sind. Mit der Geburt des Kindes von Betlehem wendet sich die Nacht, und das Dunkle hat seine Macht über uns verloren.


Wir dürfen das „Licht von Bethlehem“ weitertragen …


Wer das in seinem Leben erfährt, liebe Schwestern und Brüder, der fühlt sich gehalten und getragen, oder wie Ambrosius es formuliert: „Der Glaube trägt das Licht“. Auf uns bezogen heißt das: Der Glaubende darf jenes Licht weitertragen, das Christus in unsere Welt gebracht hat – das „Licht von Betlehem“ sozusagen, das viele Menschen in diesen Tagen in ihren Häu­sern bewahren und weiterreichen. Auch in unserer Kirche steht es abholbereit zum Mitneh­men nach Hause da. Er, sie wird dann selbst zum Licht- und Hoffnungsträger für die Welt, in seinem, ihrem persönlichen Lebensumfeld.

Das, was sich damals - abseits des Weltgeschehens - im Stall von Betlehem ereignet hat, das hat also weitreichende Folgen. Genauso kann es bei unserem kleinen und scheinbar unbedeu­ten­den Tun im All­tag sein. Auch mit unserer kleinen Kraft, mit unserem Bemühen können wir manches bewegen, wenn unser Tun vom Glauben getragen ist. Als von Gott Getragene kön­nen wir selber zu einem Leben in Liebe und Solidarität beitragen.


… auch mit unseren bescheidenen Mitteln können wir zu einem Leben in Liebe und Solidarität beitragen


Als von Gott Erleuchtete werden wir selbst zu Lichtträgern, die dem Licht mehr trauen als dem Dunkel; die das Licht dorthin bringen, wo Not und Finster­nis die Menschen bedrücken.

In der fünften Strophe schließt unser Adventslied dann mit einem großen Lobpreis Gottes. Er nimmt die Preisungen und Lobgesänge der Engel auf den Hirtenfeldern von Betlehem vor­weg. Auch wir dürfen in diesen großen Lobpreis einstimmen: mit Lied und Gesang, aber ebenso in Wort und Tat. Der Lobpreis auf Gott will uns ganz erfüllen und unserem Leben ein Ziel ver­leihen: ein heil­volles Leben, zu dem uns Christus führen will – der „Heiland aller Welt“.


Zum Nachlesen. Predigten

>>> am 1. Adventssonntag [... hier klicken!]

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