Der Ur-Feiertag der Christen: Weihnachten, Ostern oder …?

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Predigt zum 1. Adventssonntag 2018 – gehalten von P. Dominik Daschner OPraem, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach

Was ist der Ur-Feiertag, das wichtigste Fest der Christen?

Was ist der Ur-Feiertag, das wichtigste Fest der Christen?

Wer das öffentliche Leben in un­serem Land wahrnimmt und beobachtet, für welches christliche Fest der größte Auf­wand betrieben wird, der wird wohl sagen: Weihnachten natürlich. Jedoch: Das Weih­nachts­fest gibt es erst seit dem vierten Jahrhundert. Gut 300 Jahre lang ist die Christenheit ohne ein eigenes Geburtsfest Jesu ausgekommen, ohne dass ihr damit etwas abgegangen wäre. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen.

Wer theologisch etwas mehr bewandert ist, wird vielleicht antworten: Das wichtigste christli­che Fest ist selbstverständlich Ostern. Denn ohne die Auferstehung Jesu Christi gäbe es gar keine christliche Kirche. Doch auch da ist Vorsicht geboten. Denn ein jährliches Osterfest entwickelt sich in der Liturgiegeschichte erst ab dem zweiten Jahrhundert allmählich.

Aber selbstverständlich haben die Christen auch davor schon Liturgie gefeiert, kannten sie christliche Feiertage. Nur: Welche waren das dann, wenn nicht Weihnachten und Ostern?


Die Sonntage sind es. Der Sonntag als wöchentliches Gedenken an Leiden, Tod und Auf­erstehung Jesu Christi; er ist der Ur-Feiertag der Christen.


Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies wieder in Erinnerung gerufen, wenn es in der Liturgiekonstitution schreibt: „Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche Christi das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tag, der deshalb mit Recht Tag des Herrn oder Herrentag genannt wird. … Des­halb ist der Herrentag der Ur-Feiertag, den man der Frömmigkeit der Gläubigen eindringlich vor Augen stellen soll“ (SC 106).

Ich möchte deshalb heuer die vier Adventssonntage nutzen, um in einer Predigtreihe mit Ihnen ein wenig intensiver über unseren christlichen Sonntag nachzu­denken: seine Herkunft und Entwicklung, über seine Bedeutung für uns und wie eine christli­che Sonntagskultur heutzutage aussehen kann.

 

Sonntag, der Schöpfungstag

Der Sonntag ist jener Tag, mit dem der Bibel zufolge die Schöpfung begann; der Sonntag ist daher Schöpfungstag. Dieses Motiv gehört wesentlich zum Sonntag. Mit dem Sonntag hebt die Schöpfung an; und auch die Neuschöpfung der Welt, Gottes neue Schöpfung, der neue Himmel und die neue Erde. Der Sonntag, der erste Tag. Am siebten Tag, dem Sabbat, ruhte Gott.

 

Sonntag, Tag der Auferstehung Jesu

Am Tag nach dem Sabbat, an einem Sonntag also, ist Christus von den Toten auferstanden. Der Sonntag ist deshalb unser wöchentliches Osterfest: der Auferstehungstag Christi. Die Oster­berichte des Neuen Testaments nehmen immer wieder ausdrücklich Bezug auf die­sen ersten Tag der Woche. Bei Markus heißt es von den Frauen am Grab: „Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohl­riechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab“ (Mk 16,1-2a). Dem Johannesevangelium zufolge tritt der Auferstan­dene am ersten Tag der Woche in die Mitte seiner Jünger und gibt sich ihnen als lebendig zu erkennen. Eine Woche darauf darf schließlich auch Thomas es erfahren, der am Sonntag da­vor in der Versammlung der Jünger gefehlt hatte (vgl. Joh 20,19-26). Auch den beiden Emmausjüngern erscheint der Auferstandene am Abend des ersten Tages der Woche (vgl. Lk 24,13-35).

Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung Jesu. Im Russischen hat er von dorther seinen Namen bezogen. Woskresenje heißt er dort – Auferstehungstag.

 

Sonntag, Tag des Herrn

Und schon in der Bi­bel – in der Offenbarung des Johannes - wird der Sonntag daher schlicht als „Tag des Herrn“ (Offb1,10) bezeich­net; oder - wie in der frühen Christenheit – als „Herrentag“. In den romani­schen Sprachen heißt unser Sonntag bis heute so. In Italien: domenica; französisch: dimanche; domingo auf Spanisch. Alles abgeleitet vom lateinischen „dies do­minica“, dem „Herrentag“. Im Einflussbereich der germanischen Sprachen hat er hingegen die alte Bezeichnung aus der griechisch-römischen Planetenwoche behalten: der Tag der Sonne: der Sonntag, der sunday, der zondag. Aber auch das lässt sich ja gut christlich interpretieren, wird doch Christus auch als die wahre Sonne unseres Heils bezeichnet, als die „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3,20).

Der Sonntag ist also der Tag der Auferstehung, unser wöchentliches Osterfest. Von Anfang an haben sich die Christen an diesem Tag zur Feier der Eucharistie versammelt, zum Mahl mit dem auferstandenen Christus – Woche für Woche. Schon die biblischen Ostererzählungen deuten dies an. Der Sonntag als unser christlicher Ur-Feiertag ist eine Erfindung der frühen Christenheit.

 

Sonntag, Tag der Versammlung zur Feier der Eucharistie

Der Sonntag mit der Versammlung zur Feier der Eucharistie im Sieben-Tage-Rhythmus, das ist sozusagen die Grundfolie des ganzen christlichen Kirchenjahrs. Die Hochfeste und Feier­tage – Weihnachten und Ostern -, die Vorbereitungs- und Festzeiten – Advent oder Fastenzeit, Weihnachts- und Osterzeit – sie legen sich auf diese Folie drüber. Aber unser Ur-Feiertag bleibt der Sonntag. In seinem Grundrhythmus – alle sieben Tage - gehen wir der Wiederkunft Christi und der Vollendung der Zeit entgegen.

Darum wird der Sonntag manchmal auch als der „achte Tag“ bezeichnet, weil er schon über diese unsere Erdenzeit mit seiner Sieben-Tage-Woche hinausweist auf die Vollendung und Überschreitung der Zeit in der Ewigkeit, wenn Christus wiederkommt und alles vollenden wird. Auch diese eschatologische Dimension ist unserem Sonntag eigen.

Von Anfang der Christenheit an – ich habe es schon erwähnt – ist der Sonntag für uns Chris­ten der Tag der Versammlung zur Feier der Eucharistie. Nur am Sonntag wurde in der frü­hen Kirche die Eucharistie gefeiert. An den Werktagen traf man sich zum Tagzeitengebet. Der Sonntag jedoch ist Tag der Eucharistie. Weil man in ihr dem auferstandenen Herrn begegnen darf. Was die biblischen Osterberichte erzählen – dass die Jünger am ersten Tag der Woche Christus als Auferstandenen erfahren -, das gilt bis heute. Wenn wir Eucharistie feiern, dann erinnern wir uns nicht bloß an Jesus, denken wir nicht nur an ihn oder stellen ihn uns geistig vor Augen, sondern im Mahl mit dem auferstandenen Herrn begegnen wir auf sakramentale Weise ihm selbst, dürfen wir ihn in den Gestalten von Brot und Wein leibhaft berühren so wie Thomas, reicht er selbst uns das Brot des Lebens so wie den Emmausjüngern am Abend beim Brotbrechen.

Deshalb ist der Sonntag mit der Feier der Eucharistie für uns Christen auch nicht verhandelbar und niemals aufgebbar. Daran werden auch sinkende Kirchenbesucherzahlen nichts ändern. Was – nebenbei bemerkt - schon zu biblischen Zeiten einsetzt, als die als nahe erwartete Wiederkunft Christi ausgeblieben ist, und der Autor des Hebräerbriefs seine Adressaten des­halb ermahnen muss: „Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohn­heit geworden ist“ (Hebr 10,25).

Kirche lebt von der Feier des Sonntags. Aus den Märtyrerakten von Karthago gibt es dafür ein eindrucksvolles literarisches Zeugnis. In den Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian An­fang des vierten Jahrhunderts hatte man den Christen dort verboten, sich am Sonntag zur Eucharistie zu versammeln. Doch die Christen hielten sich nicht an das Verbot und wurden deshalb verhaftet. Im Verhör nach ihren Gründen befragt, gaben sie zu ihrer Verteidigung an: „Wir können ohne dominicum nicht sein!“ – ohne sonntägliche Eucharistie also – und sind dafür als Märtyrer in den Tod gegangen.

Ich denke, das Glaubenszeugnis dieser frühen Christen sagt eigentlich alles aus, was der Sonntag für uns Christen bedeutet; und müsste alle beschämen, die der sonntäglichen Eucha­ristiefeier Woche für Woche fernbleiben, dem Ur-Feiertag der Christen.

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