"Zugehen auf Weihnachten" - zum 3. Adventssonntag

Adventspredigten2016 3

Gott stellt an Weihnachten bisherige Denkmodelle auf den Kopf

Predigt in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach von P. Dominik Daschner OPraem - mit Links zu den Predigten am 1. und 2. Adventssonntag

Junge Eltern kennen das, wenn die Kinder ins Krabbelalter kommen, und nichts mehr in der Wohnung ist vor ihnen sicher. Überall wird daran gezogen: an Tischdecken und Sofakissen. Jede Schublade, jedes Schranktürchen wird geöffnet und der Inhalt ausgeräumt. Ein gefährli­ches Alter!


Eine umwerfend einfache Lösung für ein Problem …


So ging es auch einem jungen Ehepaar, als Weihnachten näherkam. Einerseits hatten sie große Freude an ihrem Kind, andererseits wollten sie nicht auf den lieb gewordenen Christ­baum verzichten. Was aber, wenn der Kleine in der Wohnung herumkrabbelte und den Baum umriss? Baum und Kind, das würde schwierig werden. Sie suchten nach einer Lösung - und fanden eine. Für Kinder gibt es Laufställe. Sie kauften also einen Laufstall, schmückten den Weihnachtsbaum, freuten sich daran und setzten den kleinen Sohn in den Laufstall. Doch das Problem war damit nicht gelöst, denn der Kleine schrie wie am Spieß, weil sie ihn seiner Freiheit beraubt hatten. Also mussten sie neu überlegen. Und sie fanden tatsächlich eine neue Lösung. Sie nahmen das Kind aus dem Laufstall und stellten stattdessen einfach den Christ­baum hinein. Auf diese Art war der festlich geschmückte Baum geschützt und der Kleine konnte sich in der ganzen Woh­nung entfalten.


… wenn man überlieferte Denkvorstellungen durchbricht.


Diese Geschichte gefällt mir, liebe Gemeinde, weil die Lösung so umwerfend einfach ist, und darum auch so befreiend. Man muss nur draufkommen. Um sie zu finden, mussten die jungen Leute nur die überlieferte Denkvorstellung durchbrechen: Ein Laufstall ist für Kinder. Warum soll ein Laufstall nicht auch für Christbäume gut sein? Man muss nur umdenken, in unge­wohn­ten Bahnen denken, und plötzlich entsteht ein Raum von Freiheit und von Aufatmen.

Solches Neu-Denken braucht der, der Weihnachten begreifen will. Gott und Himmel gehören für viele so selbstverständlich zusammen wie Laufstall und Kind. Und Himmel und Erde ha­ben für sie so wenig miteinander zu tun, sind so himmelweit voneinander entfernt wie Christ­baum und Laufstall. Wer in diesen Denkmustern gefangen bleibt, wird Weihnachten nie be­greifen.


Auch Gott stellt bisherige Denkmodelle auf den Kopf …


Denn an Weihnachten stellt Gott alle bisherigen Denkmodelle auf den Kopf. Gott und Him­mel, das bleibt. Aber Himmel und Erde - da gibt es seit Weihnachten nie dagewesene Ver­knüpfungen: Himmel und Erde berühren sich. Der Himmel ist nicht mehr weit weg, un­erreichbar. Nein, der Him­mel kommt auf die Erde, die Erde wird ein Stück vom Himmel.

Jahrtausendelang haben Menschen zum Himmel empor geblickt auf der Suche nach Gott, haben ihn in himmlischen Sphären gewähnt und in unendlichen Weiten gesucht: endlos er­haben über unsere kleine Erde und seine Bewohner, für den Menschen unvorstellbar und un­erreich­bar, so die gängige Vorstellung. Auf verschiedenen Wegen haben gottsuchende Men­schen danach gestrebt, in göttliche Sphären aufzusteigen und Gott nahe zu kommen. Und konnten doch nicht wirklich zu ihm gelangen; allenfalls eine Ahnung von ihm konnten sie finden. Der Abstand zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch ist geblieben.


.. an Weihnachten berühren sich Himmel und Erde


Doch an Weihnachten, mit seiner Menschwerdung, hat Gott diese alten Muster durchbrochen und die Sache einfach umgedreht – wie bei Christbaum und Laufstall. Nicht mehr der Mensch muss sich auf die Suche nach Gott machen und sich bemühen, Gott nahe zu kommen. Son­dern Gott macht sich auf die Suche nach uns Menschen, indem er selbst Mensch wird. Wir müssen nicht mehr in den Himmel aufsteigen, um Gott zu finden; nein, Gott steigt aus dem Himmel auf die Erde herab, um nahe bei den Menschen zu sein. Eine Lösung, so umwerfend einfach und be­freiend.


Gott findest Du in Deinen Mitmenschen


Von jetzt an heißt es nicht mehr: Suchst du Gott, dann such ihn oben!, sondern: Suchst du Gott, dann such ihn unten, in deiner Nähe, in deinen Mitmenschen, in den Zeichen von Welt und Zeit, in dem, was um dich herum geschieht. Such ihn bei dir, ja in dir. Gott und Mensch sind nicht länger zwei Welten, auf Abstand, voneinander getrennt. Sondern Gott wird Mensch, damit ich, der Mensch, ihn an meiner Seite erlebe.

Das zu begreifen, liebe Schwestern und Brüder, das verlangt tatsächlich ein Umdenken. Zur Umkehr hat Johannes der Täufer aufgerufen. Und auch Jesus selbst hat sich diesen Ruf zu eigen gemacht: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe“, mit dieser Botschaft beginnt er sein Wirken. Im Griechischen steht hier das Wort „Metanoeite!“, das wir für gewöhnlich mit „Umkehr“ wiedergeben. Wörtlich über­setzt heißt es: „Denkt um!“

Wer Weihnachten begrei­fen will, muss umdenken. Seit Weihnach­ten hat ein ganz neues Denken über Gott begonnen. Mit der Menschwerdung Gottes dürfen wir ganz neu und anders von Gott denken: den menschlich nahen Gott, der dennoch nichts von seiner göttlichen Größe verloren hat.

>>> Zur Predigt vom 1. Adventssonntag geht's [... hier].

>>> Zur Predigt vom 2. Adventssonntag [... hier]

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