"Dialekt ist ein Stück Heimat"

 

Siebte Verleihung der Bairischen Sprachwurzel:

„Dialekt ist ein Stück Heimat“ – Kabarettist und Liedermacher Dr. Georg Ringsgwandl am Sonntag im Stadttheater ausgezeichnet

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"Eigentlich ist diese Auszeichnung ja gar nicht mein Verdienst, weil i kon hoid einfach ned anders", sagte Dr. Georg Ringsgwandl am Sonntag bei der siebten Verleihung der Bairischen Sprachwurzel im Theater Am Hagen. Mit dem Preis des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte werden Menschen ausgezeichnet, die bei offiziellen Anlässen Bairisch reden und damit die Mundart in der Öffentlichkeit stärken. Das strenge Vergabekriterium "Prominenter, der bei offiziellen Anlässen einen Tabubruch begeht und Bairisch redet", hat der Preisträger in vielen öffentlichen Interviews erfüllt.

Er ist einer, der sich von den Kritikern auch nach 25 Jahren noch nicht in eine Schublade stecken lässt: Der "hochkarätige, intelektuelle Anti-Seppl-Botschafter Georg Ringsgwandl", sagte Fördervereins-Vorsitzender und Sprachwurzel-Erfinder Sepp Obermeier beim Festakt. Ringsgwandl beweise ständig, dass die Dialekte für die Schriftsprache eine Bereicherung sind, weil sich so manche Zwischentöne und Zweideutigkeiten in der sterilen, künstlichen Kompromisslösung Standardsprache nicht erzeugen lassen.

Arzt mit bairischem Betriebssystem

Deutschland- und weltweit habe er wie kein anderer vor ihm in einem Interview eine Lanze für den Gebrauch der Mundart gebrochen: "Mein Gehirn hat als Betriebssystem Bairisch. Ich denke Bairisch. Ich träume Bairisch", zitierte Obermeier den Preisträger. Mit Dr. Georg Ringsgwandl und seinem Laudator Prof. Dr. Wolfgang Weiß gehe die nachhaltige Strategie des Sprachpreises auf: "Wenn es für einen prominenten promovierten oder habilitierten Akademiker das Normalste auf der Welt ist, bei offiziellen Anlässen Bairisch zu reden, dann werden normale Akademiker allmählich ihren Dialekt nicht mehr unauffindbar begraben müssen, um ein höheres Bildungsniveau zu demonstrieren", sagte Obermeier.

Diese Vorgaben haben in der Vergangenheit bereits der Regisseur Christian Stückl, Moderator Armin Assinger, Musiker Haindling und die Wellküren, Papst Benedikt XVI. und Landrat Alfred Reisinger erfüllt. Gestern reihte sich der Liedermacher Georg Ringsgwandl ein. Seit der heute 62-jährige Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, der jahrelang Oberarzt war, seine Karriere 1993 kurz vor der Qualifikation zum Universiätsprofessor beendete, ist er ausschließlich künstlerisch tätig. Georg Ringsgwandl steht aber nicht nur auf der Bühne. Er schreibt auch Stücke und Geschichten, in denen sich sein satirisches Talent und sein bairisch absurder Witz entfalten können.

Gemeinsamkeiten mit Shakespeares Figuren

Die Laudatio hielt Professor Dr. Wolfgang Weiß - selbstverständlich in Dialekt. Der emeritierte Lehrstuhlinhaber für "Shakespeare und die englische Literatur der Frühen Neuzeit" an der Universität in München erläuterte dabei, was Georg Ringsgwandl mit Shakespeares Figuren gemeinsam hat. Shakespeare hat in seinen Stücken immer wieder Figuren geschaffen, die sich die übrige Gesellschaft zur Unterhaltung hält. "Sie sind komisch, lächerlich angezogen und reden ungefragt merkwürdiges, oft absurdes Zeug oder singen merkwürdige Lieder", so Weiß. Sie seien Außenseiter und deshalb würden sie weiter, tiefer und klarer sehen, was in der Gesellschaft schief läuft. Es seien diese Narrenfiguren, die mit ihren derben Sprüchen und Liedern den Mächtigen die Meinung sagen und oft auch die Augen öffnen würden. "Ich habe den Eindruck, dass Georg Ringsgwandl die Rolle dieser Außenseiter sehr bewusst angenommen hat und das Geschäft der Narren Shakespeares in unserer Zeit fortführt, die diese so nötig hat."

Und trotzdem sei sein Bairisch nicht das gepflegte der Heimatdichter oder gar das gejodelte der sogenannten volkstümlichen Musik, sondern das Bairisch der jungen Generation, in das auch ein paar englische Brocken gemischt sind. Georg Ringsgwandl gehört für Professor Dr. Wolfgang Weiß deshalb zu denjenigen, die das Bairische nicht nur in der modernen Konzertszene durchgesetzt haben, sondern auch der jungen Generation zeigen, wie gut sie ihr Lebensgefühl im Bairischen ausdrücken können und wie gut das Bairische zur Musik passt. "Schon mit seinem bisherigen Werk hat sich Georg Ringsgwandl in die bairische Geschichte hinein gesungen und hinein geschrieben. Deshalb wird heute der Richtige mit der Bairischen Sprachwurzel geehrt."

Oberbürgermeister Markus Pannermayr sagte in seinen Grußworten, dass es heute viele junge Menschen in die Ferne ziehe, aber genauso vielen sei ihre Heimat wichtig. "Jeder braucht Wurzeln, und dazu gehören auch Dialekte. Das ist ein Teil unserer Identifikation und ein Stück Heimat", meinte Parmermayr. "Ich bin froh, dass es Botschafter gibt, die dafür kämpfen."

Aufgelockert wurde die Verleihung musikalisch von den Saitenquälern und vom Preisträger Ringsgwandl selbst (mit dem Stück "Nix mitnehma" sowie dem Rattenberger Kindergarten. Die Kinder gewährten mit ihrer futuristischen, dialektischen Himmelsszene "Im bairischen Himme" einen Blick in das Jahr 2060, bevor Ringswandl aus Sepp Obermeiers Händen den Preis erhielt.


 

SR-Tagblatt am 15. August 2011 (-cs-)  

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