1000 Jahre Geschichte um Mitterfels - 02 Unter den Grafen von Bogen

02 Grafen von Bogen Cover

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Vor gut 830 Jahren tauchte der Name Mitterfels das erste Mal in einer Urkunde auf; Gschwendt im Kinsachtal kann auf 900 Jahre zurückblicken; vor 960 Jahren übernahmen die Grafen von Bogen den östlichen Donaugau von den Babenbergern; Metten, im Jahre 766 gegründet, rodete zu Füßen der schützenden Bergkette zwischen Vogelsang und Hirschenstein . . . über 1000 Jahre interessante Geschichte, in die wir in halbmonatlich wechselnden Kapiteln eintauchen.

Zu den vorhergehenden Kapitelbeiträgen können Sie sich im Menue rechts in der Grafik „1000 Jahre Geschichte um Mitterfels“ durchklicken.

02 Unter den Grafen von Bogen

Erbliche Grafschaften bildeten sich um die Jahrtausendwende in großer Zahl, jede auf selbständigem Gebiet und bedacht auf Mehrung von Macht und Besitz, sei es durch ...

... Kauf, Tausch, Erbschaft oder auch Kolonisation im noch nicht voll erschlossenen Waldgebirge. Es waren gar mächtige darunter, die dem Herzoghaus nicht nachstanden.

Die Grafen von Bogen zählten auch zu den bedeutenderen. Sie hatten um 1060 den östlichen Donaugau von den Babenbergern übernommen; das war ein reicher Grundbesitz - wertvolles Bauernland zwischen Pfatter und Isarmündung, zukunftsträchtiges Rodungsland im Vorwald.

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Die Bogener traten in zwei Linien auf: die "domvögtische" unter den Grafen Friedrich I., II. und III. und die "Windberger" (später in Bogen und Natternberg) unter Hartwig, Aswin, Albert I. , Berthold II. , Albert III. und Albert IV. Stammvater war der Graf von Abensberg, ein Abkömmling jenes Grafen von Scheyern (später Wittelsbach), dem man eine Nachkommenschaft von 30 Söhnen und 8 Töchtern nachsagt. Die hohe Rangstellung der Bogener erhellt aus ihren Vogteirechten: über das Hochstift (Bistum) Regensburg, über die Klöster Prüfening, Obermünster, St. Jakob, zeitweilig auch Niederalteich, und schließlich über ihre zwei Eigengründungen Oberalteich und Windberg.

Das Bedeutendste für unseren Raum ist die gewaltige Rodungs- und Siedlungstätigkeit der bei den Bogener Sippen. Die domvögtische Linie kolonisierte vorwiegend westlich der Kinsach, aber auch noch zwischen Hirschenstein und Zeller Höhe. Auf sie gehen die zahlreichen "zell"-Orte zurück: im Kinsachtal Wolferszell, Wiesenzell, Erpfenzell; um Falkenfels Riederszell, Willerszell, Eggerszell, Geßmannszell, Auenzell; und in noch größeren Höhenlagen Zinzenzell, Geraszell, Englbarzell u. v. a. Die Windberger Linie verlegte den Schwerpunkt ihrer Siedlungstätigkeit in den mehr östlichen Bereich. Neben den Klöstern (Oberaltaich seit etwa 1100, Windberg seit 1142) lagen Rodung und Besiedlung in Händen der zahlreichen Ministerialen, Dienstleute, damals auch als Miles, Milites, Militantes bezeichnet. Diese entstammten teils dem Adel, teils waren sie aus einfachen Diensten aufgestiegen zu tüchtigen Führern und Verwaltern und dabei selber zu Reichtum und Ansehen gekommen. Zwei Drittel des Neubruchzehnten standen ihnen zu - das steigerte ihr Interesse an der Neulandgewinnung und gab ihnen auch die Möglichkeit zu eigener Besitzausweitung. Sie nannten sich nach ihrem Wohnsitz, häufig eine befestigte Anlage, manchmal schon eine Burg.

Im Rang am höchsten standen die Burghauptleute. Sie verfügten über eine starke Besatzung und konnten so dem Umland Schutz und Hilfe bieten, konnten aber auch die Aufsicht führen und Abgaben und Steuern einziehen. Solch starke Festungen lagen auf dem Natternberg, am Bogenberg, auf dem Degenberg, in Mitterfels, Falkenfels und Randsberg.

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Von Mitterfels ist uns als frühester Burghauptmann Berchtholdus de Mitterfels bekannt; im Oberaltaicher Totenbuch ist sein Todestag als 27. November eingetragen, das Sterbejahr dürfte um 1210 liegen; 1209 erscheint er zum letzten Mal als Zeuge.

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Aus der Dichte des Ministerialennetzes lassen sich Planmäßigkeit und Zielstrebigkeit für Rodung und Besiedlung ablesen. Im engeren Mitterfelser Bereich war zwar in erster Linie das Kloster Oberaltaich wirksam, es gibt aber dennoch auch hier eine ganze Reihe von Ministerialensitzen: Scheibelsgrub, Gschwendt, Wolferszell, Bärnzell, Ascha, Tiefenbach, Erpfenzell, Haselbach, Landasberg, Autsdorf, Steinburg.

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Tiefer im Wald lagen Haibach, Sicklasberg, Punzendorf, Konzell. Auf den westlichen Höhen lagen Wiesenfelden, Zinzenzell, Wetzelsberg und (vorerst als Nordgrenze) Sattelbogen. Im Bogener Umkreis waren es Pfelling, Freundorf, Lenach, Furth, Nieder- und Obermenach, Bärndorf, Stetten, Hofdorf, Hunderdorf, Taussersdorf. Im östlichen Bereich waren es Welchenberg, Hörabach, Schwarzach, Frammelsberg, Penzkofen, Meidendorf, Kolwessen, Perasdorf. - Der Griff nach dem inneren und hinteren Wald kam dazu: die Steinburger rodeten Böhmersried hinterm Predigtstuhl, und die Grafen begannen (um 1200) mit dem Burgenbau auf dem Hohen Bogen (Burgstall) und dem Großen Osser.

Die gehobene Stellung einzelner Ministerialen mögen einige Beispiele zeigen. Ein Rudolf von Menach war leiblicher Sohn des Grafen Albert I., ein Gebhard von Menach leistete zwei Grafen Marschalldienste; die Menacher hatten einen befestigten Sitz auf dem Häuslberg unweit Weidenhofen. Die Wetzelsberger fungierten als Mundschenk (Pinzera) der Grafen, die Penzkofer und auch die Hörabacher als Truchsess (Dapifer). Die Frammelsberger konnten sich eine große Gönnerschaft für das Kloster Windberg leisten; sie rodeten gegen den Hirschenstein zu. In den Zeugenlisten standen die Namen der bedeutsameren Geschlechter obenan. Dort erscheint auch Landold von Landasberg, das nebenbei auch (nach dessen Bruder Christian) als Christiansberg bezeichnet wurde. So steht für unseren Raum die Kolonisationsleistung unter den Grafen von Bogen obenan. Auswüchse einzelner Grafen auf kriegerischem Gebiet und gegenüber den Klöstern stehen auf einem anderen Blatt. 1242 starb der letzte Graf von Bogen Albert IV. Nicht seine Witwe Richizza trat das Erbe an, sondern seiner Mutter Sohn aus zweiter Ehe, der Bayernherzog Otto der Erlauchte. Für Mitterfels sollte das von entscheidender Bedeutung werden.

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St. Afra-Kapelle im Kloster Seligenthal, Landshut: Herzog Ludwig I., bereits mit den Bogener Rauten auf dem Schild, und Ludmilla, vormalige Gattin des Bogener Grafen Albrecht IV. (aus: Neueder, Hans: "Bogen: Grafschaft, Stadt an der Donau", Dt. Sparkassen-Verlag, Stuttgart, 1999)

Quelle: Franz Wartner, Chronik Markt Mitterfels / Bearbeitung und Bildrecherche: Franz Tosch

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