Josef Fendl. Nicht nur ein Sprüchemacher

2022 09 27 Erinnerung an Fendl w

Wolfgang Folger (am Rednerpult) und Konrad Karl (Mitte) mitsamt den Musikanten, Sängern und Sprechern gestalteten eine literarisch-musikalische Erinnerung an Josef Fendl. Foto: Christian Meier – Vergrößern durch Anklicken!

An den gebürtigen Schwarzacher Philosophen und Universalgelehrten Josef Fendl wurde in Schwarzach erinnert

Am 18. Juni ist der gebürtige Schwarzacher Josef Fendl im Alter von 93 Jahren gestorben (wir berichteten). Fendl war vielen Menschen bekannt als Sprüchemacher und humorvoller Schriftsteller ...

... – aber er war viel mehr als das. In über 60 Büchern und Tausenden Texten für Zeitungen und Zeitschriften, in unzähligen Lesungen und Vorträgen befasste er sich mit der Geschichte seiner Heimat, führte die gängige Bayernfolklore ad absurdum und erzählte vor allem Geschichten des einfachen Mannes.

Konrad Karl und Wolfgang Folger gestalteten in der Wallfahrtskirche Weißenberg eine literarisch-musikalische Erinnerung an den stets bescheiden auftretenden, aber nicht zuletzt deshalb bewundernswerten Philosophen und Universalgelehrten des Bayerischen Waldes, Josef Fendl.

Texte, Gedichte und viele Sprüche

Die Gedenkstunde in der barocken Weißenberger Wallfahrtskirche gab einen Einblick in das breitgefächerte literarische Lebenswerk des gebürtigen Schwarzachers. Eingebettet in musikalische Stücke eines Klarinettenquartetts, des Festspielchors unter der Leitung von Konrad Karl und der Stubenmusi „Soitnschinder“ wurden von Sprechern der KiS-Theaterkompanie Texte, Gedichte und Sprüche vorgetragen. Wolfgang Folger sagte in seinen einführenden Worten, dass Josef Fendl in der Traueranzeige bescheiden als „Schreiber und Lehrer“ bezeichnet worden sei. Dabei war er weithin bekannt als Autor, Chronist, Kalendermann, Heimatpfleger, Rundfunksprecher und Vortragender. Ein universal gebildeter, überaus fleißiger und anerkannter Mann, dessen Wirken und Bedeutung nicht nur auf seine Sprüche reduziert werden dürfe.

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Josef Fendl bei seiner letzten öffentlichen Lesung in seinem Geburtsort Schwarzach. Foto: Franziska Gilch

Der erste Teil der Gedenkfeier zeigte Fendls starken Bezug zur Heimat. In vielen seiner Texte dreht es sich um den Bayerischen Wald – und um die Menschen, die dort leben. Einfach und schnörkellos sind seine Texte meist – so wie halt auch das Leben in der Nachkriegszeit im Bayerischen Wald war – aber ebenso einprägsam und auf den Punkt gebracht. Fendl bekannte sich stets zu seiner Heimat und brachte dies mit Texten und Gedichten wie „Das Tal meiner Kindheit“, „Die Aura der Heimat“, „Ein Februarabend auf dem Grandsberg“ oder „Schwarzacher Koordinaten“ zum Ausdruck. Der Schwarzacher Festspielchor sang passend dazu „Mei Hoamat is“. Der zweite Teil war übertitelt mit „Heimatgeschichte zum Anfassen“ und zeigte auf, wie Fendl die reiche Geschichte von Schwarzach sowie der Degenberger und deren Bedeutung für die Heimatregion der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat. Beispielhaft wurden Passagen aus seinem Vorwort zur Chronik von 1975 sowie aus dem 2002 erschienenen Buch „Die Geschichte Schwarzachs im Zeitraffer eines fiktiven Tagebuchs“ vorgetragen. Ebenso wurden Passagen aus seiner Erzählung „Degenberger Dirn“ gelesen. Diese Erzählung bildete die Grundlage für das gleichnamige Festspiel von Gerhard Schormann und Wolfgang Folger, das 1981, 1998, 1999 und zuletzt 2017 mit jeweils weit über 100 Mitwirkenden in Schwarzach aufgeführt wurde.

Freude an der Arbeit und an den Erdäpfeln

„Wer vuj Freud’ an der Arbeit hod und d’ Erdäpfe gern mog, der kann sich im Leb’n schöne Tag macha“, so der Titel des dritten literarischen Teils. Sepp Obermeier, Vorsitzender des „Bund Bairische Sprache“, verwies in seiner Hommage an Josef Fendl darauf, wie sehr dieser die bairische Mundart gepflegt – ja geradezu verkörpert – habe. In einem Plädoyer für die Mundarten schrieb Josef Fendl: „‚In der Sprache barfuß gehen‘ nennt man in einer ansprechenden Formulierung das Schreiben, Lesen und Vortragen in der Mundart. Denn wie in der Medizin Barfußgehen wieder modern geworden ist, weil man seine Vorteile für die leibliche Gesundheit erkannt hat, so ist auch die Mundart wieder unverhofft zu Ansehen gekommen, nützt sie doch ebenfalls der Gesundheit, wenn auch ‚nur‘ der seelischen.“

Sprüche von der Kanzel aus vorgelesen

Schließlich wurden auch noch seine Sprüche zum Besten gegeben – von hoch oben, von der Kanzel. Immer wieder wurde gelacht und es blitzte der feine und tiefsinnige Humor des Verstorbenen auf.

Bürgermeister Georg Edbauer sprach seine große Anerkennung an Konrad Karl und Wolfgang Folger für die Organisation dieser Gedenkfeier aus und verwies darauf, wie dankbar die Schwarzacher Josef Fendl für seine Verdienste um seine Heimat seien. Landrat Josef Laumer ließ es sich nicht nehmen, in seinen Grußworten – passend für die Feierlichkeit in der Kirche – noch aus Fendls Büchlein „Sprüch’ über Pfarrer“ vorzutragen. Den Schlusspunkt unter diese musikalisch-literarische Gedenkstunde setzte schließlich das Gedicht „Dahojm“.

cm, in: BOG Zeitung vom 27. September 2022 (Mit Gen. der Lokalredaktion)

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