Unser "Bayerwald-Bockerl" erlebte seinen 100. Geburtstag nicht

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Als Ersatz: Plan einer Stichbahn Straubing - Konzell

„Doch 1884 griff man das Projekt unter dem Eindruck der Entwicklung des Mittleren Bayerischen Waldes durch die Waldbahn wieder auf. Straubing schreckte die Nachricht auf, dass von Viechtach nach Gotteszell eine Privatbahn zur Waldbahn gebaut werde. Diese werde sicher viel Verkehr aus dem Bayerischen Wald nach Straubing abziehen. So beantragte man schnell eine Lokalbahn Straubing - Viechtach am 20. Januar 1884, mit der die Straubinger den Verkehr aus dem Mittleren Wald  leicht in ihre Mauern lenken könnten. Doch ein solches Projekt war undurchführbar. Auch hätte eine solche Bahn der geplanten Privatbahn Viechtach - Gotteszell den Verkehr ab-gegraben. Daraufhin besann sich Straubing wieder des alten Projekts einer Bahnverbindung nach Cham. Doch dazu meinte man in München schlicht „nein”. Eine Durchgangsbahn durch den Bayerischen Wald sei nicht mehr nötig, eine Stichbahn schon eher. So war nur noch zu entscheiden, ob man Stallwang oder Konzell als deren Endpunkt wählte.”2)

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Der damalige Landtagsabgeordnete Josef Echinger aus Englmar machte sich in einer überzeugenden Rede für die Straubinger Wünsche stark. Sie soll in voller Länge wiedergegeben werden, weil sie auch ein Dokument über den Wirtschaftsstandort der an der befürworteten Bahnlinie gelegenen Orte ist, weil seine Liebe zur Heimat deutlich wird und weil die Rede nebenbei einen hervorragenden Werbeeffekt hatte:

„Meine Herren!

Ich sehe mich verpflichtet, im Namen des Wahlkreises Straubing und meiner beiden Herren Kollegen Dechant Huber und Englberger, dem königlichen Staatsministerium wärmsten Dank darzubringen für die Aufnahme der Lokalbahn Straubing - Konzell in den Gesetzentwurf. An die Herren Mitglieder des Ausschusses stelle ich die dringende Bitte, diesem Gesetzentwurf ihre Zustimmung geben zu wollen. Der Stadt Straubing und dem gesamten Hinterlande wurde durch die Wahl der Linie Landau - Plattling - Eisenstein eine Wunde geschlagen; Straubing wurde aus dem Verkehr hinausgeworfen; die Gegend um Landau, welche ihre Produkte in Straubing umsetzte, verfrachtet dieselben nun in Landau selbst. Einen Ersatz bietet die Anschließung des oberen Bayerischen Waldes durch die Erbauung der fraglichen Bahn. Straubing ist der Stapelplatz für die Produkte sowohl des oberen Bayerischen Waldes, als auch des anliegenden Flachlandes.

Besonders hervorzuheben ist die große Schranne, sind die bedeutenden Vieh- und Pferdemärkte, blühender Handel und Gewerbestand. In Straubing befinden sich größere Kaufgeschäfte, drei Exportbierbrauereien, mehrere Thon- und Ziegelfabriken, das ausgedehnte Dendl’sche Baugeschäft mit großartigen Dampfschneidesägen. Straubing ist der Sitz eines Schwurgerichtes und Landgerichtes, welchem der ganze obere Bayerische Wald einverleibt ist, weiterhin eines Bezirksamtes, Amtsgerichtes, zweier Notariate und einiger Rechtsanwälte. In Straubing findet sich ein Gymnasium, eine Realschule, ein Schullehrerseminar, ein Taubstummeninstitut und eine Kretinenanstalt.

Alle diese Anstalten, Ämter und Geschäfte könnten durch diese Bahn leichter erreicht werden. Von Straubing weg durchzieht diese Bahn eine reiche Getreidegegend, berührt Ittling, den gewerbesamen Markt Bogen, welcher wegen seiner Naturschönheit ein Lieblingsaufenthalt für Touristen ist.

Bogen ist ein weitberühmter Wallfahrtsort - rund 40.000 Wallfahrer pilgern jährlich dorthin! Im Hinterlande sind größere Ortschaften, eine reiche Getreide-, Obst- und Waldgegend. An Bogen schließt sich ein großes Thongebiet an, welches einen Umfang von sechs Stunden hat und unergründlich ist: da stecken Millionen im Erdboden. Die Qualität dieses Materials ist die beste zwischen Regensburg und Wien, weshalb jetzt schon eine Anzahl Thonfabriken damit gespeist werden. In Berndorf selbst sind mehrere größere Ziegeleien. In den letzten Jahren ist die    Wurm’sche Falztaschenfabrik entstanden, welche über 100 Arbeiter beschäftigt und ihre mehrfach prämierten Fabrikate bis Wien sendet. Im Hinterlande befinden sich größere Ortschaften, reiche Getreide- und Obstgegenden und 10.000 Tagwerk Privatwaldungen.

Die Stationen Bogen und Berndorf werden die Stapelplätze für diese Produkte werden. Von Berndorf aus berührt diese Bahn Hunderdorf, Windberg, die schönen Herrschaftsgüter des Herrn Grafen von Brey-Steinburg, des Herrn Baron von Schrenk  auf Haggn mit ihren großartigen Waldungen. Sie berührt ferner Mitterfels, welches wegen seiner romantischen Lage ein Lieblingsaufenthalt für Fremde ist und einen angenehmen Luftkurort bildet. In Mitterfels befindet sich ein Amtsgericht, ein Rentamt, ein Notariat, eine Bezirksgeometerstelle und zwei praktische Ärzte. Von Mitterfels aus durchstreicht diese Bahn eine Gegend, wo erhebliche Viehzucht und Getreidebau betrieben wird. Sie schließt die großartigen Steinbrüche bei Haselbach und Haibach auf, welche ein ergiebiges Frachtgut liefern werden. Der Endpunkt ist ein lieblicher Ort. Im Hinterlande befinden sich sehr belebte Getreide-, Obst- und Waldgegenden. Daraus geht hervor, dass diese Linie eine rentable werden dürfte, ich bitte deshalb um Genehmigung. An das königliche Staatsministerium erlaube ich mir noch die ergebenste Bitte zu stellen, bei Ausführung dieser Bahn dem Orte Mitterfels näher rücken zu wollen.” 3)

Die Stichbahn Straubing-Konzell wurde am 26. Mai 1892 einstimmig genehmigt, die Planung konnte anlaufen.

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