Mühlen an der Menach (08): Wasserkraftnutzung in Kleinmenach und an den Nebenflüssen (in Groß- und Kleinwieden und Aign)

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Die Wasserkraftnutzung an den Nebenflüssen der Menach

 

Die Mühle beim Ettlbauern in Großwieden

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In der Mitte der Ettlhof, im Vordergrund der Stauweiher mit dem Mühlengebäude

Wie ein Hufeisen umrahmen die Waldungen zwischen Pöslasberg und Hohe Leiten die Talsenke mit den Höfen Großwieden, Kleinwieden und Aign. In diesen Waldungen entspringen drei Wassergäben. Von den Denkzeller Hängen kommend sucht sich ein jeder von ihnen den Weg zu dem Anwesen, das ihm den Namen gab, und so besorgen der große und kleine  Wiedengraben und der  Aigner Graben seit urdenklichen Zeiten die Anwesen mit dem lebenspendenden Wasser.

Vor 150 Jahren etwa haben die Hofbesitzer damit begonnen auch die Kraft des Wassers zu nutzen, zum Antrieb ihrer Maschinen, zum Mahlen von Getreide und zur Erzeugung elektrischen Stromes. So war es auch auf dem 150 Tagwerk großen Anwesens von Johann Ettl in Großwieden, einem stattlichen Dreiseithof, der umrahmt ist von zahlreichen Bäumen. Beim Backofen prangt eine etwa 300 Jahre alte Linde. Den Stall überspannt noch ein inzwischen selten gewordenes böhmisches Gewölbe, zur Scheune - sie hat eine Länge von 40 Meter - führt auch eine obere Einfahrt.

04wappen_ettl_wSeit circa 400 Jahren ist das Anwesen im Besitz der Familie Ettl. Aus der Gegend um Ulm ist sie zugewandert. Die Ettls waren Hopfenhändler und sie betrieben diesen Handel auch noch von Großwieden aus weiter. Das geht aus zwei Grabtafeln hervor, von denen sich heute eine im Inneren des Leichenhauses zu Konzell befindet. Sie wurde für den im Jahr 1630 auf Großwieden geborenen und im Jahr 1684 verstorbenen Georg Ettl errichtet. Die andere  erinnert an dessen Sohn Veit Ettl, der 1713 in Bruckhof gestorben ist. Diese zweite Tafel befindet sich im Chorbogen der Pfarrkirche zu Haselbach. Die Familie Ettl war sehr reich und angesehen und legte sich sogar ein eigenes Familienwappen zu. Das Wappen zeigt einen Greif, der eine Hopfendolde in seinen Fängen hält.

Über die erste Nutzung des Wiedenbacher Wassers als Kraftquelle weiß man wenig. Sie beginnt wahrscheinlich schon im 19. Jahrhundert. Ein Weiher wird errichtet, er ist fast ein Tagwerk groß und damit der größte im ganzen Gemeindegebiet. Ein mächtiger Damm riegelt die Talmulde ab. Direkt am Ausfluss, beim alten Rinnsal, befand sich die erste Anlage. Über die zweite aber weiß man recht gut Bescheid, denn deren Bau liegt erst 65 Jahre zurück und sie ist im Wesentlichen auch noch erhalten, wenn auch nicht mehr benutzbar.

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Mühlengebäude und Scheune beim Ettlbauern in Großwieden: Unter dem Flachdach (rechts) das in die Erde versenkte Mühlrad mit 4,50 m Durchmesser.

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Weiher mit Mühlengebäude

Dieses zweite Werk wird am Hang in Fluchtrichtung Scheunengiebel von Johann Ettl, dem Großvater des heutigen Besitzers, errichtet, um eine Kraftübertragung zur Scheune hin mittels Seil zu ermöglichen. Dieser Standort liegt fast in Höhe des Wasserspiegels. Um trotzdem einen oberschlächtigen Antrieb zu erreichen, wird das von Hermann Mühlbauer aus Konzell gefertigte Wasserrad mit seinen 4,50  Meter Durchmesser tief in den Hang hinein versenkt. Am Anfang ist die Anlage nur gedacht zu Antrieb der Maschinen, der Häckselmaschine und dem Hakenzylinder. Das aber ist nicht so einfach, denn diese Geräte stehen in der Scheune, über 100 Meter entfernt und mindestens 10 Meter  höher gelegen als das Antriebswerk. Die Kraftübertragung über diese Distanz wird durch einen Drahtseilumlauf erreicht. Damit es zu keiner Bodenberührung kommt und das Seil bei der Bewirtschaftung des umliegenden Geländes nicht hinderlich ist, errichtet Ettl am Mühlengebäude einen hohen Turm und direkt unter der Turmspitze bringt er die erste Umlenkrolle an. Bis zur Transmission in der Scheune sind drei weitere Räder notwendig: eines auf halbem Weg zur Scheune mitten im Gelände, montiert auf einem etwa vier Meter hohen Gestell, zur Überbrückung der relativ großen Entfernung, ein weiteres an der Scheunenecke und das vierte schließlich an der Scheunenlängsseite  unter der Dachtraufe. Mit der Achse dieses letzten Rades sind die Transmissionsräder verbunden, die sich in der Scheune befinden. Alle diese Räder sind heute noch vorhanden, genauso wie die Transmission mit den drei zur Erreichung der gewünschten Umdrehungszahl verschieden großen Riemenscheiben. Eine erste Beschleunigung der Umdrehung bewirken schon die unterschiedlich großen eisernen Kampenräder im Mühlengebäude. Das erste Kampenrad ist direkt mit der Achse des Wasserrades verbunden. Es treibt ein weiteres, kleineres Kampenrad an, das wiederum starr mit einer hölzernen Riemenscheibe verbunden ist. So eine Scheibe befindet sich auch oben im Turm zusammen mit der ersten Umlenkrolle. Die beiden Holzriemenscheiben verbindet ein Treibriemen. Kompliziert das Ganze? Ja, gewiss! 11 Räder müssen immer zugleich rotieren, damit eine Maschine läuft.

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Abb. links: Mühlrad, Kampenräder, Riemenscheiben - Abb. rechts: Stützsäule mit Umlenkrollen (doppelt)

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Abb. links: Transmission in der Scheune - Abb. rechts: Kampenräder, Riemenscheiben, Schleifstein (Fotonachweis: 1. Foto: Ettl - alle anderen: Otto Wartner)

Das Turmgebäude ist heute schon stark ruinös und dort fehlen auch die Räder für den Seilantrieb.

Vor dem Krieg wird die Mühle auch noch ausgeweitet zur Lichtversorgung von Haus und Stall. Johann Stahl aus Konzell baut dazu einen Generator ein und legt die Leitungen  zum Anwesen. Die Leistung des Wasserrades reicht aber nicht aus, um Generator- und Maschinenbetrieb gleichzeitig zu ermöglichen. Als eines Tages der Generator durchbrennt, lässt Ettl ihn nicht mehr erneuern, er bezieht den Strom von da an von der OBAG, vorläufig allerdings nur den Schwachstrom. Die Maschinen werden also weiterhin von der Mühle angetrieben.

Einige Jahre später erweitert er den Stromabnahmevertrag auch auf den Starkstrom. Damit wird das Mühlenwerk eigentlich überflüssig. Ettl möchte aber die noch gut funktionierende Mühle, die einige Jahrzehnte so gute Dienste tat, nicht ganz ungenutzt lassen. So verwendet er sie bis 1965 noch zum Antrieb einer Brechmühle sowie einer Kreissäge, mit der er hauptsächlich Bretter säumt.

Ab dem Jahr 1948 etwa versucht es Ettl auch mit einer Getreidemühle. Diese funktioniert aber nicht so recht und so stellt er deren Betrieb bald wieder ein.

Das Ingangsetzen und das Abstellen des Wasserkraftbetriebes erfolgen mittels Seilzug von der Scheune aus. Durch Ziehen am Seil wird die Docke angehoben, also der Wasserzufluss geöffnet. Je höher die Docke angehoben wird, desto stärker ist die Leistung. An einem Balken der Scheune sind Markierungen mit der gewünschten PS-Zahl eingeritzt und Nägel eingeschlagen, an denen das Seil arretiert werden kann. Nach Aushängen des Ringes schließt die Docke durch ihr Eigengewicht wieder das Zuflussrohr. Im Winter ist das aber nicht ausreichend. Es muss der Einlauf noch mit Letten verschlämmt werden, damit wirklich kein Tropfen Wasser mehr das Mühlrad erreicht. Wird das versäumt, gibt es Ärger: Das Mühlrad vereist und gefriert am Untergrund fest. Dieses Problem haben alle Betreiber, auf der Ettlmühle aber ganz besonders. Wegen der Enge im Schacht erweist sich die Enteisung als sehr schwierig, wenn sich das halb enteiste Wasserrad plötzlich wegen der so entstandenen Unwucht plötzlich dreht, sogar als lebensgefährlich.

Auch nach dem Anschluss an die Überlandversorgung wird die Wasserkraft bis etwa 1965 neben dem schon erwähnten Antrieb von Maschinen im Mühlengebäude noch weiter für den Antrieb der Futter­schneidmaschine in der Scheune genutzt. Das Mühlrad aber dreht sich auch später noch hin und wieder mal, wenn die Kinder es als Laufrad benutzen.

Die Anlage ist immer noch sehenswert, sie verfällt aber von Jahr zu Jahr immer mehr und ist inzwischen irreparabel geworden. Sie ist die einzige der uns bekannten Mühlen im Wassereinzugsbereich der Menach, bei der sich die Anwendung auch heute noch nachvollziehen lässt.

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