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Dorfstraßenausbau (Ausbau der heutigen Burgstraße)

Das damalige Wörgetter-Haus stand dem Straßenbau im Wege.

Es musste abgerissen werden.

Der Kiosk von P. Jakob wurde auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegt.
Das Hauptproblem im zweiten Halbjahr 1952 war der Ortsstraßenbau, d. h. der Ausbau der Dorfstraße, heute Burgstraße. Dabei geht es zunächst um die Beschaffung der Eigenmittel, damit die entsprechenden Zuschüsse des Staates zugesagt werden. Der wichtigste Beitrag der Mitterfelser Bürger ist dabei die kostenlose Abtretung von Grundstücksstreifen entlang der Straße. Bürgermeister Dietl bittet im Gemeindeboten vom 9. August die betroffenen Grundstücksbesitzer nachdrücklich um die baldige Abtrittserklärung, nur dann könnten noch in diesem Jahr Zuschüsse beantragt werden. In der nächsten Ausgabe vom 15. August können tatsächlich die ersten vier Namen genannt werden, die die benötigten Grundstücke kostenlos abtreten: 1. Dr. med. Josef Müller, 2. Johann Attenberger, 3. Rupert Schmid, 4. Centa Schmid. Im nächsten GB folgen weitere drei Namen: Georg Käser, Bäckermeister; Rupert Lankes, Schmiedemeister; Katharina Kroiß, Rentnerin.
Am 15. November ist im GB zu lesen, dass nach Meinung des Bürgermeisters der 12. November 1952 zukünftig einen bevorzugten Platz in der Gemeindechronik einnehmen solle: Die Bürgerversammlung bekannte sich einmütig zu den Maßnahmen des Ausbaus der Dorfstraße. Es wird auch bereits ein Umlageplan veröffentlicht, in welchem die Beträge aufgeführt sind, die die Anlieger, aber auch alle übrigen Gemeindebürger bezahlen müssen. Während bei den Anliegern der Einheitswert des Grundstücks zu Grunde gelegt wird, berechnet sich die Umlage bei den übrigen Gemeindebürgern nach bestimmten Einkommenskategorien. So zahlen z.B. Gehaltsempfänger und Handwerker 30 DM, Arbeitslohnempfänger 15 DM, Fürsorgeempfänger 5 DM. Dabei muss man bedenken, dass damals der Bruttolohn eines ungelernten Arbeiters weniger als 1 DM pro Stunde betrug! Die Bezahlung der Umlage soll 1953 in drei Raten erfolgen.
Am 6. Dezember appelliert der Bürgermeister nochmals an die letzten Säumigen, die sich eine „Bedenkzeit” eingeräumt hatten, ihre Bedenken zurückzustellen und bis zum 15. Dezember 1952 ihre Unterschrift zu leisten, sonst würden der Gemeinde rund 100.000 DM Staatszuschüsse verloren gehen. Der letzte Appell scheint nicht auf taube Ohren gefallen zu sein, denn 1953 wurde die Dorfstraße tatsächlich ausgebaut.

Ausbau der Dorfstraße - Höhe Gasthaus zur Post (Kernbichl)
Kommunalwahlen 1952
In Mitterfels galt das Interesse im März der Wahl des Bürgermeisters und des Gemeinderates, die am 30. März in ganz Bayern durchgeführt wurden. (2002: Kommunalwahlen am 3. März!)
Da der bisherige junge und tüchtige Bürgermeiser Albert Dietl jun. seit 1947 die Geschicke der Gemeinde nach Meinung des überwiegenden Teils der Bevölkerung hervorragend geleitet hatte, stand er als einziger Kandidat zur Wahl. Er wurde auch mit 814 von 910 abgegebenen Stimmen wieder zum 1. Bürgermeister gewählt, das entspricht 90 % Zustimmung. Ein beachtliches Ergebnis!
Wahl der Gemeinderatsmitglieder
Dass das noch junge Pflänzchen Demokratie in der 1400 Einwohner zählenden Gemeinde bereits gut gediehen war, zeigt sich u. a. darin, dass sich 60 Gemeindebürger auf 3 Listen zur Wahl stellten. (Im Wahljahr 2002 waren es 140 Kandidaten auf 5 Listen bei 2400 Einwohnern!) Die drei Listen hatten folgende Kennworte:
„Gemeinschaftsarbeit”, „Heimatvertriebene” und „Opposition”. Ein Parteiname war im Gegensatz zur Wahl 1948 nicht aufgeführt.
Das Wahlergebnis:
„Gemeinschaftsarbeit”: 5 Sitze (Lang Klement, Lohbauer Franz, Wartner Hans, Zollner Xaver, Attenberger Josef)
„Heimatvertriebene”: 3 Sitze (Rauscher Josef, Dr. Karpinsky Eugen, Mihailowitsch Josef)
„Opposition”: 2 Sitze (Hafner Josef, Dr. Schindler Hans)
Im Kreistag des Landkreises Bogen war Mitterfels mit 5 Kreisräten sehr gut vertreten: Albert Dietl jun. und Hans Wartner (parteilos), Dr. Rainer Leitelt und Ernst Stapf (CSU/BP), Dr. Eugen Karpinsky (BHE).

Arbeitsplan für die neue Amtsperiode
Der neugewählte Gemeinderat ging mit Elan und Tatendrang an die Arbeit. Gleich in der ersten Sitzung wurde ein umfangreicher Arbeitsplan mit 10 Punkten einstimmig verabschiedet:
1. Verbesserung der Verkehrsverhältnisse
a) Ausbau der Staatsstraße Agendorf-Mitterfels-Konzell
b) Ausbau der Ortsstraße (heute: Burgstraße)
2. Arbeitsbeschaffung zur Gewinnung von Dauerarbeitsplätzen für arbeitslose Gemeindebürger
3. Förderung des Wohnungsbaus
4. Jugendförderung durch Lehrstellenvermittlung, Unterstützung der Jugendverbände innerhalb der Gemeinde
5. Förderung des Schulwesens, insbesondere durch Einbau einer sanitären Anlage im Schulhaus
6. Förderung der Landwirtschaft durch Viehzucht, Seuchen- und Schädlingsbekämpfung, Anschluss an Strom- und Wasserversorgung
7. Wirtschaftsbelebung durch
a) Weiterverfolgung der „Finanzamtsrückverlegung”
b) Verhinderung von Auflösung und Abwanderung von Ämtern und Behörden
c) Förderung des Fremdenverkehrs, insbesondere durch Nutzung der Radioaktivität des Leitungswassers als „Heilwasser”.
8. Einstellung eines Lehrlings in der Gemeindeverwaltung
9. Umzäunung des Gemeindehauses an der Straubinger Straße
10. Endgültige Lösung der Denkmalfrage (Kriegerdenkmal)
In der Gemeindeversammlung (Bürgerversammlung) vor der Gemeinderatswahl gibt der Bürgermeister auch Rechenschaft über das Finanz- und Steuerwesen der Gemeinde in den letzten vier Jahren ab.
Einnahmen............................... 900.999 DM
Ausgaben.................................896.205 DM
Überschuss............................... 3.794 DM
Die Steuerhebesätze haben in dieser Zeit den Durchschnitt des Landkreises (145%) nicht erreicht und gelten als die niedrigsten im Landkreis Bogen. Verglichen mit heutigen Finanzsorgen der Marktgemeinde Mitterfels waren dies ausgesprochen „rosige” Zeiten für die „Gemeindeväter”!

Mitterfels vor 60 Jahren (1952): "Denkmal für die Gefallenen"
Erhebliche Meinungsverschiedenheiten gab es um die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen des 2. Weltkriegs. Dabei galt es mehrere Sachverhalte zu klären: Das Denkmal aus dem Krieg 1870/71 vor dem Schulhaus stand dem Ausbau der Dorfstraße im Wege und musste versetzt werden; die Stele des Denkmals sollte entweder mit einer Namensinschrift der Gefallenen des 2. Weltkriegs ergänzt oder völlig neu gestaltet werden. Diese Fragen sollten in einer Gemeindeversammlung geklärt werden. Da eine Klärung auch dort nicht möglich war, wurde dieses Problem als Punkt 10 in den Arbeitsplan des neuen Gemeinderates (Wahl im März 1952) aufgenommen. Zu einer endgültigen Lösung sollte es erst 1957 kommen, als anlässlich der 85-Jahrfeier der Krieger- und Soldaten-Kameradschaft das neue Denkmal an der Straubinger Straße errichtet wurde.
Postkarte: Das 70er Denkmal vor der früheren Schule (Foto: Hans Hausladen - Sammlung Christl Jakob)
Quelle: Mitterfelser Gemeindebote von 1952und Mitterfelser Magazin 8/2002, Seite 74 ff
>>> Zur ["Odysse eines Denkmals"]
Mitterfels vor 61 Jahren (1951): "Mitterfelser Heilwasser, Geschäftszentrum Burgstraße, Straßenbau nach Agendorf, Arbeitslosigkeit und untragbare Schulverhältnisse"
Quelle: Mitterfelser Gemeindebote von 1951 - Autor: Alois Bernkopf
Mitterfelser Heilwasser
Von Dr. Karpinsky, Dir. a.D. der Landesanstalt für Gewerbeförderung, der seit 1950 im neuerbauten Genossenschaftshaus wohnt, erhielt die Gemeinde den Hinweis, dass das Mitterfelser Leitungswasser möglicherweise radioaktive Heilqualität besitze. Der Gemeinderat beschließt deshalb im Juni, dies vom Staatslaboratorium für Heilquellenforschung untersuchen zu lassen. Es wird auch von dieser Stelle ein Experte nach Mitterfels entsandt, der bei drei Quellen radioaktive Emanation feststellt. Eine der drei Quellen ergibt 17 Einheiten Radioaktivität. Erforderlich sind aber 25 Einheiten, um als Heilwasser anerkannt zu werden. So sind weitere Untersuchungen nötig, um ein endgültiges Urteil zu erhalten. Am 8. Dezember steht das Ergebnis fest: „Die ermittelten Emanationsgehalte sind beachtlich, bei einer Quelle mit 22 Machoeinheiten sogar unerwartet hoch.” Der Gutachter empfiehlt deshalb weitere systematische Untersuchungen unter Berücksichtigung der geologischen Struktur des Gebietes. Das Gutachten schließt mit der „tröstenden” Feststellung, dass das Mitterfelser Wasser zwar nicht den Mindestgehalt für ein ausgesprochenes Heilbad erreichte, es weise jedoch als Trinkwasser oder Badewasser eine biologische Heilwirkung aus, wenn es längere Zeit benutzt werde. Weitere Bestrebungen für ein „Heilbad Mitterfels” wurden vom Gemeinderat - aus welchen Gründen auch immer - zunächst nicht verfolgt. Immerhin wurde Mitterfels im Jahre 1955 staatlich anerkannter Luftkurort!
Geschäftszentrum Burgstaße

Foto: Burgstraße ( Hauptstraße) mit Rentamt (links) und Lebensmittel- und Textilwarengeschäft Lichtinger (rechts)
Über den Wandel und die Veränderungen im Ortsbereich erfahren wir indirekt aus den Inseraten, die im Mitterfelser Gemeindeboten des Jahres 1951 zu finden sind:
Das Textilwaren- und Lebensmittelgeschäft Hausladen befand sich in der unteren Burgstraße (Hs-Nr.7:zuletzt Notenladen Schmidt).
Ludwig Lichtingers Geschäft stand da, wo sich heute der Saal des Gasthauses Fischer befindet.
J. Burghardt betrieb seinen Kolonialwaren-Handel in der Straubinger Str. 19, gegenüber der heutigen Berufsfachschule.
Die Eis-und Schneesporne für Fußgänger gab es bei Eisenwaren J. Pellkofer, heute Dietl, Burgstraße.



Thema: Straßenbau Agendorf - Mitterfels
Am 16. Juni weist der Bürgermeister im MG auf „Arbeitsmöglichkeiten im Jahr 1951” hin. Durch den Antrag des Gemeinderates sei die Baumaßnahme ins Bundesnotstandsprogramm des Jahres 1950 aufgenommen worden. Für den ersten Bauabschnitt standen dem Straßen- und Flussbauamt 400 000 DM zur Verfügung. Als erster Bauabschnitt sei die Brücke bei Agendorf gebaut worden, die 250 000 DM gekostet hätte, eine für den Laien unbegreifliche Summe. Im Hinblick auf den eintretenden Winter konnte der Restbetrag von 150 000 DM nicht mehr verbaut werden, der Betrag sei verfallen. Erst im Monat Juli wird die staatliche Stelle entscheiden, ob das Geld für 1951 zur Verfügung gestellt werde. Gegen diese Verschleppung könne der Gemeinderat nur protestieren, denn die jetzigen „Rollbahnverhältnisse” müssten endlich beseitigt werden.
Auch der Bundestagsabgeordnete Wartner wird eingeschaltet, um den Weiterbau der Straße zu erreichen. Am 25. August wird der Gemeinde mitgeteilt, dass die Fortsetzung des Straßenbaus Agendorf-Mitterfels an erster Stelle rangiere. Der Bürgermeister ist aber skeptisch, denn der Herbst steht bereits vor der Türe. Am 6. Oktober teilt die Oberste Baubehörde München der Gemeinde mit:
„Unter Bezugnahme auf die Vorsprache des Bundestagsabgeordneten Wartner... Die Fortsetzung bzw. Fertigstellung des im Jahre 1950 mit Mitteln des Schwerpunktprogramms der Bundesregierung begonnenen Ausbaues der Straße von Agendorf nach Mitterfels ist in das für die notleidenden Gebiete des Bayerischen Waldes aufgestellte Arbeitsbeschaffungsprogramm aufgenommen, für das bis jetzt (6. Oktober!) leider noch keine Mittel bewilligt sind. Im Falle der Bereitstellung der Mittel könnte mit den Bauarbeiten sofort begonnen werden.”
Am 15. Dezember ist im MG Nr. 50 zu lesen, dass der Landtagsabgeordnete Hans Puls aus Schwarzach von Innenminister Dr. Högner die Auskunft erhalten habe, dass die Gesamtkosten der Straße 1 Million betragen und dass für das Jahr 1952 250 000 DM im außerordentlichen Haushalt dafür vorgesehen sei. Die Entschädigungsgelder für die Grundabtretungen in der Straubinger- und Bayerwaldstraße würden allerdings noch vor Weihnachten ausbezahlt.
Die Fertigstellung der Straße ließ allerdings noch lange auf sich warten. Erst 1954 erfolgte der Ausbau der Ortsdurchgangsstraße, und 1955 wurde als letztes Teilstück der Staatsstraße I.O. 2140 die Strecke Friedhof bis Wollersdorf geteert.
Thema: Arbeitslosigkeit im Notstandsgebiet
Im Landkreis Bogen und in Mitterfels hat man andere Sorgen! Das größte Problem ist die Arbeitslosigkeit. In Nr. 1 des „Mitterfelser Gemeindeboten” (MG) vom 6. Januar ist zu lesen: „Mit Rücksicht auf den strengen Frost und die starken Schneefälle hat das Arbeitsamt angeordnet: Kontrollmeldung für die Entgegennahme des Meldestempels nur mehr einmal wöchentlich (Mittwoch) in der Gemeindekanzlei, Zahltag: Montag jeder Woche.” Das Problem der Arbeitslosigkeit wird in vielen Ausgaben des MG im Jahr 1951 sichtbar.
Die Arbeitslosenstatistik, die seit 1950 von den Arbeitsämtern erstellt wird, weist für den Amtsbezirk Bogen erschreckende Zahlen auf. Während in den Wintermonaten 1950/51 die Arbeitslosenquote bei ca. 40 Prozent liegt, wird im Februar 1953 mit 54,8 % der Höchststand im ganzen Bundesgebiet erreicht, d.h. jeder zweite Arbeitnehmer ist im Bereich Bogen arbeitslos. („Der Landkreis Bogen”, 1960. S. 21)
Bereits im August 1948 hatte Landrat Xaver Hafner in einer Denkschrift, die an alle Ministerien des Land- und Buntestages versandt wurde, auf die unglaubliche Notstandssituation des Landkreises hingewiesen. Weitere zahlreiche Resolutionen an verschiedene staatliche Instanzen, die die Notlage im Grenzgebiet deutlich vor Augen führten, blieben nicht ohne Resonanz. Durch Entschließungen des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren und des Wirtschaftsministeriums wurden die Landkreise des Bayerischen Waldes zum Notstandsgebiet erklärt und erhielten dadurch besondere Fördermittel.
Notruf der Gemeinde Mitterfels
In dieser schwierigen Zeit war Albert Dietl jun. Bürgermeister in Mitterfels.
Dass die Gemeinde Mitterfels vom allgemeinen Notstand im Grenzgebiet besonders betroffen war, zeigt der „Notruf des Gemeinderates zur Abwendung einer Verelendung der hiesigen Bevölkerung” im MG vom 28. April 1951.
„Der Gemeinderat Mitterfels betrachtet es als seine unabweisbare Pflicht, die verantwortlichen Stellen auf die drohende Gefahr einer restlosen Ruinierung der gesamten Kleinwirtschaft unseres Gebietes hinzuweisen.”
In drei Punkten wird die gegenwärtige Situation aufgezeigt:
1. Not und Elend:
Die überwiegend kleinlandwirtschaftlichen Betriebe und die kleinen Gewerbebetriebe seien von der Notsituation gleichermaßen betroffen. Die Arbeiterschaft müsse durch das Fehlen von Industriebetrieben die längste Zeit des Jahres von Arbeitslosenunterstützung leben. Dazu seien die vielen Flüchtlinge gekommen, die sowieso von „der Hand in den Mund” leben müssten.
2. Zum Untergang führende Lasten
Die steuerliche Belastung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe führen zum völligen Ruin dieser Kleinbetriebe, denn sie bezahlen die Steuern nicht von einem „Einkommen” sondern längst von der Substanz. Dadurch sei es bei den Abgabepflichtigen zu Lebensverhältnissen gekommen, die nicht einmal die Fürsorgesätze des Sozialhilfesatzes erreichten. Manche Gemeindebürger, die selbst in Höhlen und Elendsquartieren hausen müssten, hätten ein „Notopfer Berlin” zu entrichten.
3. Notstandsbürger und Wohlstandsbürger
In anderen Gebieten, besonders in Großstädten, gebe es dagegen bereits Wohlstand und Prassertum. Diese zum Himmel schreienden Unterschiede dürfe es in einem geordnetem Staate nicht geben. Abschließend wird folgende Bitte ausgesprochen: „Von Staats wegen wolle eine Kommission zu einem mehrwöchigem Aufenthalt in die Gemeinde Mitterfels entsandt werden, die von den geschilderten Notständen Augenschein einnimmt.”
Das Ergebnis dieser „Studie” wird bereits als Vorgabe formuliert:
„Nach der erbetenen Studie der großen Not dieser Menschen kann das staatliche Urteil für unser Gebiet nur lauten: Einstellung sämtlicher Sonderabgabe-Veranlagungen und Ergreifung von Sofort-Hilfe-Maßnahmen, um das schon kranke Gebiet vor dem Untergang zu retten.”
Ob dieser dratische Notruf des Gemeinderates die „höheren Instanzen” beeindruckt hat, ist nicht ersichtlich. Eine Reaktion der staatlichen Stellen ist jedenfalls den Ausgaben des MG im Jahr 1951 nicht zu entnehmen.
Thema: Untragbare Schulclosette und mangelnde Schulräume
Mitterfelser Schulhaus (Burgstraße) von 1879 bis 1963 (abgerissen, neben Cafe Schwarz)
Auch Verbesserungen am Schulhaus waren erforderlich. Am 21. Juli beschäftigt sich der Gemeinderat mit dieser Problematik. Der Neubau einer Abortgrube mit Klärkammer wird in Auftrag gegeben. Zunächst aber müssen die untragbaren Zustände in der Abortanlage verbessert werden. Da die Kinderaborte im ehemaligen NS-Kindergarten freigeworden waren, können diese nun samt Zubehör im Schulhaus verwendet werden. Aus Kostengründen besorgt der gemeindliche Wasserwart den Einbau. Auch die sonstigen Renovierungsarbeiten wie Türen streichen und Wände tünchen werden vom Wasserwart vorgenommen. Im Schulsaal I wird der Kachelofen wegen seiner Unwirtschaftlichkeit abgetragen und durch den Ofen aus dem Schulsaal IV ersetzt. Dort wird ein freigewordener Ofen aus der Gemeindeverwaltung verwendet. Damit war das Schulhaus für das neue Schuljahr, das am 4. September begann, gerüstet. Nicht gelöst war natürlich das Schulraumproblem, denn für die sechs Klassen standen nur vier Schulräume zur Verfügung. Deshalb muss „Schichtunterricht” erteilt werden. Am 1. September wird im MG der Schulraum-Belegungsplan bekanntgegeben.

Postkarte von 1903: Untere Burgstraße, Schulhaus rechts (Sammlung Elisabeth Aumer)
Quelle: Alois Bernkopf, in: Mitterfelser Magazin 7/2001, Seite 127
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