Featured

Hoffnungszeichen, die uns durch die Heilige Woche begleiten

2026 03 29 Meister des Perikopenbuches von St. Erentrud 001 

Einzug Jesu in Jerusalem: „Menschen breiteten Kleider auf dem Weg aus.“ Perikopenbuch von St. Erentrud in Salzburg (The Yorck Project/commons)

 

Predigt am Palmsonntag von P. Dominik Daschner OPraem

… in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach

In den beiden Evangelien, die wir heute gehört haben – vom Einzug Jesu in Jerusalem und die Passion, seine Leidensgeschichte – in beiden spielen Tücher eine wichtige Rolle. Sie deuten uns das Geschehen dieses Tages und der Heiligen Woche, in die wir mit dem Palmsonntag ein­treten.


Kleider auf dem Weg – ein Zeichen der Huldigung


„Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus“, so erwähnt der Evangelist Matthäus beim Einzug Jesu in Jerusalem. Die frühen biblischen Könige ritten auf einem Esel zu ihrer Thronbesteigung. Im Zweiten Buch der Könige lesen wir dabei zum Beispiel über König Jehu: „Sogleich nahmen alle ihre Kleider, legten sie ihm zu Füßen auf die bloßen Stufen und stießen in das Horn.“ Daran knüpft der Evangelist Matthäus mit seiner Schilderung des Einzugs Jesu in Jerusalem an, um zu verdeutlichen, wer dieser Jesus in Wahrheit ist, der da – wohl eher unscheinbar - mit einer kleinen Gruppe von Anhängern in die Stadt einzieht. Er ist der wahre König Israels, der Sohn Davids; ein König, der Frieden stiften und sein Volk befreien wird.


Der Jubel schlägt in das „Kreuzige ihn!“ um  


Da jubeln ihm die Menschen noch hoffnungsvoll zu. Doch schon bald schlägt ihr „Hosianna!“ um in das „Kreuzige ihn!“ Vom Jubel bei Jesu königlichem Einzug ist nichts mehr zu spüren. Man legt ihm keine Kleider mehr zu Füßen; jetzt verteilen die Soldaten seine Kleider unter sich, wie Matthäus eigens erwähnt. Wie es schon im Psalm 22 heißt, den Jesus sterbend am Kreuz betet: „Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.“ Nackt und bloß hängt Jesus sterbend am Kreuz, ungeschützt den Blicken aller ausgesetzt. Jetzt liegt alles offen zu Tage, wozu er in die Welt gekommen ist. Gerade in seinem Sterben zeigt er uns, wie weit Gottes Liebe geht. In Jesu Ster­ben enthüllt sich – im buchstäblichen Sinn - Gottes ganze Liebe zu uns.

2026 03 29 Meister der Schule von Nowgorod 002

 

Jesu nackt und bloß am Kreuz, Meister der Schule von Nowgorod (The Yorck Project/commons)


Jesu Liebe geht am Kreuz bis zum Äußersten


Jesu Tod am Kreuz war kein Unfall, keine tragische Verkettung unglücklicher Umstände oder eine Verirrung der Geschichte. Es ist die Konsequenz eines Lebens, das ganz für Gott und für uns Menschen gelebt worden ist. Jesus geht den Weg der Liebe bis zum Ende, er geht ihn bis zum Äußersten, auch wenn er ihn das Leben kostet.


… und wieder spielt ein „Stück Stoff“ eine Rolle: Der Vorhang im Tempel riss entwei …


In Jesu Todesstunde ist dem Evangelisten Matthäus wiederum ein Stück Stoff wichtig: „Der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei“, so erzählt er, als Jesus seinen Geist aus­haucht. Für jüdische Gläubige zur Zeit des Jerusalemer Tempels war dieser Satz eine Provoka­tion; er ist es womöglich auch heute noch. Denn er rührt an das Allerheiligste im Tempel, worin die Bundes­lade mit den beiden Tafeln der Zehn Gebote aufbewahrt wurde. Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester das Allerheiligste hinter dem Vorhang betreten, um Gott um Vergebung für die Sünden des Volkes zu bit­ten: am gro­ßen Versöhnungstag. An allen anderen Tagen verschloss der Tempelvorhang das Allerheiligste.


… und der Zugang zum Allerheiligsten, zu Gott ist offen.


Nun reißt dieser Vorhang komplett entzwei. Was der Evangelist damit sagen will: Mit Jesu Tod ist der Bereich des Allerheiligsten offen zugänglich. Der Zugang zu Gott steht durch ihn für alle offen. Die Hülle, die Gott und Mensch bis dahin getrennt hatte, wird in Jesu Tod und Auferste­hung weg­genommen. Der zerrissene Vorhang sowie das Erdbeben und die berstenden Felsen, die Mat­thäus bei Jesu Tod erwähnt, sie zeigen an, dass Gott sich davon berühren lässt und machtvoll reagiert.


In der realen Welt könnten Zweifel aufkommen …


Doch, liebe Schwestern und Brü­der, wenn wir in unsere Welt hineinblicken und sehen, wie es da zugeht, dann können einem Zweifel daran kommen. Auch davon sprechen Tücher: die Decke zum Beispiel vor einer Geburtsklinik in der Ukraine, auf der eine Mutter mit ihrem Kind gebettet ist, beide getötet beim Einschlag einer russischen Rakete; die Decken, in die Gefangene gehüllt sind – abgemagert, ausgezehrt und gezeichnet -, wenn sie zum Aus­tausch mit der Gegenseite im Krieg wieder nach Hause kommen.


… aber Gott hat Hoffnungszeichen gesetzt


Die ausgebreiteten Kleider auf der Straße, die verteilten Kleider des Gekreuzigten, der zer­rissene Tempelvorhang – sie sind keine Beweise, dass Gott sich vom Leid berühren lässt. Aber es sind Hoffnungszei­chen, die Matthäus damit setzt. Gott reagiert auf den Tod Jesu. Es ist ihm daran gelegen, die Liebe und die Botschaft seines Sohnes zu bestätigen. Es ist ihm daran ge­legen, dass wir Zugang zu ihm haben: durch seinen Sohn Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Diese Hoffnungszeichen begleiten uns in diese Hei­lige Woche und erschließen uns ihren Sinn.

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.