Etwas Unerhörtes, ein „Drecksjob“: Jesus wäscht den Jüngern die Füße

2026 04 02 Duccio di Buoninsegna 1308 fusswaschung 

Jesus wäscht den Jüngern die Füße

Predigt am Gründonnerstag von P. Dominik Daschner OPraem…

… in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach

Wann haben Sie zuletzt jemandem den Kopf gewaschen?

Und ich meine jetzt nicht das Haare­waschen bei Kindern in der Badewanne oder als pflegende Angehörige. Sondern im übertrage­nen Sinn. Ja, bisweilen müssen wir jemanden den Kopf waschen, ihn also streng zurechtweisen oder ihm gehörig die Meinung sagen.

Diese Redensart rührt aus dem Mittelalter her. Damals wuschen die Bader in der Badestube den Leuten die Haare. Und dabei gingen sie nicht gerade zimperlich ans Werk. Der Kopf wurde zunächst eingeseift und anschließend wurde ziemlich grob Kleie in die Kopfhaut gerieben, um die ab­gestorbenen Hautschuppen, Talg und Schmutz abzulösen. Dadurch wurde die Kopfwäsche zur heftigen Tortur.


Jesus „wäscht“ seinen Jüngern nicht „den Kopf“ …


Die Erinnerung daran lebt in dieser Redewendung weiter. Wenn wir also jemanden im sprich­wörtlichen Sinn den Kopf waschen, dann konfrontieren wir die betreffende Person mit einer für sie schmerzhaften Wahrheit. Manchmal braucht es das: in einer Partnerschaft, unter Freunden, im Kollegen-Team am Arbeitsplatz, in Gremien. Die Gefahr ist freilich, dass wir uns dabei über jemanden erheben und ihn von oben herab behandeln. Das soll nicht sein.

Jesus trägt seinen Jüngern im heutigen Evangelium nicht auf, einander die Köpfe zu waschen. Er selbst hätte ihnen wohl manche schmerzliche Wahrheit an den Kopf werfen können. Dass sie ihn und seine Botschaft immer noch nicht wirklich verstanden haben, wenn sie um Pöstchen und Ehrenplätze für sich im Reich Gottes schachern. Dass sie ihn bald verraten und verleugnen werden. Dass sie sich aus dem Staub machen werden, um die eigene Haut zu retten, wenn es eng wird, statt zu ihm zu stehen. Doch statt einer ordentlichen Kopfwäsche, wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße.


… sondern die Füße – die Aufgabe des Niedrigsten in der Rangordnung


Er selbst, der Herr und Meister, neigt sich vor ihnen, praktiziert an ihnen einen Sklavendienst, der ansonsten dem Niedrigsten in der Rangordnung der Haussklaven zugekommen war: Gästen, die ins Haus kommen - in einer Zeit ohne Kanalisation und Müllabfuhr, in der einfach aller Abfall auf die Straße, in die Gosse, gekippt wurde – den Gästen ihre vom Straßenstaub und Dreck verschmutzten Füße zu waschen. Das war der allerletzte Job, um den sich jeder gedrückt hat.


Damit stellt er die gewohnte Ordnung auf den Kopf


Wenn Jesus sich da plötzlich selbst das Leinentuch umbindet, vor seinen Jüngern auf die Knie geht, diesen Drecksjob übernimmt und ihre dreckigen Füße wäscht, dann tut er damit etwas Unerhörtes, das die gewohnte Ordnung auf den Kopf stellt. Der Meister bedient die Jünger. Der Chef übernimmt die niedrigsten Dienste. Gott gibt sein Leben, um uns Mensch zu befreien. Willkommen im Reich Gottes!2026 04 02 Duccio di Buoninsegna 1308

 

Die Fußwaschung und das letzte Abendmahl (Altarretabel des Sieneser Doms) – Gemälde von Duccio di Buoninsegna, 1308 (The Yorck Project/commons)

 


Der Evangelist Johannes berichtet von der Fußwaschung, nicht von der Einsetzung der Eucharistie


Liebe Gemeinde, Füße nehmen im Evangelium des Gründonnerstags einen zentralen Platz ein; sie spielen eine entscheidende Rolle. Das mag ja verwundern. Erwartet man an diesem Tag doch eher die Einsetzung der Eucharistie erzählt zu bekommen. Wie Jesus Brot und Wein genommen, darüber gebetet, das Brot zerbrochen und seinen Jüngern Brot und Kelch gereicht hat; mit den sogenannten Wandlungsworten dazu, wie sie uns aus jeder Messe bekannt sind: „Das ist mein Leib.“ – „Das ist mein Blut.“ So wie die anderen drei Evangelisten es vom Letzten Abendmahl berichten. Oder wie wir es in der Zweiten Lesung aus dem Brief des Apos­tels Paulus an die Christen in Korinth gehört haben. Johannes erzählt aus dem Abendmahlssaal stattdessen die Begebenheit von der Fußwaschung. Das Mahl, die Einsetzung der Eucharistie – das kann er bei seinen Lesern anscheinend als bekannt voraussetzen.


„Fußwaschung und Eucharistie“ meint ein- und dasselbe: die Lebenshingabe Jesu an uns


Im Grunde geht es aber um ein- und dasselbe: um die Lebenshingabe Jesu an seine Jünger, konkret an uns. Die Fußwaschung ist ein Vorausbild für seine Lebenshingabe am Kreuz am darauffolgenden Tag, dem Karfreitag. Genauso wie Brot und Wein beim Letzten Abendmahl darauf hinweisen. Das Brot wird zu seinem Leib, der für uns am Kreuz dahingegeben wird. Der Wein wird zu seinem Blut, das für uns vergossen wird. Jesus ist bereit, für die Seinen zu sterben, um ihnen in seinem Tod die Vergebung der Sünden zu bringen und das Leben über den Tod hinaus zu schenken. Fußwaschung und Letztes Abendmahl – beide erinnern daran.


Sich vom hohen Thron der Selbstgerechtigkeit erheben: Jesu Haltung sollen wir fortführen


Und nun sagt Jesus zu seinen Jüngern – damals wie heute: Das, was ich an euch getan habe, das sollt auch ihr aneinander tun: euch aus Liebe füreinander einsetzen und hingeben. Fuß­waschung und Eucharistie – beides wird von Jesus mit dem Auftrag verbunden, sich seine Hal­tung, die sich darin zeigt, zu eigen zu machen und fortzuführen - im Andenken an ihn, zur Erinnerung an ihn, in seiner Nachfolge. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, so trägt er seinen Jüngern bei sei­nem Abschiedsmahl auf. Und am Ende der Fußwaschung: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ ... „Dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“


Sich kleinmachen, um andere groß werden zu lassen, durch …


Euch vom hohen Thron eurer Bequemlichkeit und Selbst­gerechtigkeit er­heben und euch kleinmachen, um andere dadurch groß werden zu lassen, sie aufrichten durch eine helfende Tat, ein tröstendes Wort, durch geschenkte Zeit, einen über­raschenden Besuch – oder was auch immer, das andere aufleben lässt. Im Liebesdienst an­einander Jesus nachfolgen und darin die wahre Erfüllung des Lebens entdecken.

Liebe Schwestern und Brüder, wir treten mit diesem Gründonnerstagabend ein in die große österliche Dreitagefeier vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, wie diese Tage in den liturgischen Büchern überschrieben sind.


Treten wir ein in das österliche Geheimnis


Im Zeichen der Fußwaschung beim Letzten Abendmahl, das heute am Anfang dieser Dreitage­feier steht, ist das ganze Geschehen dieser drei österlichen Tage, der Kern von Ostern, schon wie in einer Nussschale enthalten: das Geheimnis von Kreuz und Auferstehung, das wir in die­sen Tagen begehen. Der Sohn Gottes macht sich zum Sklaven. Jesus schenkt sich uns mit Leib und Blut in Brot und Wein der Eucharistie. Gott gibt sein Leben für uns hin, indem er den erbärmlichen Tod eines Verbrechers stirbt. Aber diese Lebenshingabe endet nicht im Grab, sie überdauert, sie überwindet den Tod. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben!

Treten wir heute bewusst in dieses Geheimnis ein. Gehen wir mit Jesus hinein in sein Ostern – in unser Ostern. Lassen wir seinen Dienst an uns geschehen und nehmen wir sein Geschenk an: mit ihm durch den Tod ins Leben zu gehen.

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