Sonntag: Wieso „erster Tag“ der Woche?

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Predigt zum 2. Adventssonntag 2018 – gehalten von P. Dominik Daschner OPraem, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach

Haben Sie nicht auch schon mal am Sonntag beim Hochgebet gestutzt, wenn . . .

. . . der Priester da kurz nach dem Sanctus-Lied als Einschub betet: „Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten erstanden ist“? Oder haben vielleicht sogar innerlich moniert: wieso „erster Tag der Woche“? Die Woche fängt doch mit dem Montag an! Der Sonntag ist doch Teil des Wochenendes, der letzte in der Reihe der Wochentage! So findet er sich in unseren Ka­lendern: ganz rechts am Ende der Zeile oder ganz unten auf der Seite; der Sonntag als der siebte und letzte Tag der Woche.

Schöpfungserzählung: Der erste Schöpfungstag ein Sonntag

Der Bibel zufolge, mit ihrer Schöpfungserzählung, ist der siebte Tag der Sabbat, an dem Gott geruht und so sein Schöpfungswerk vollendet hat, unser Samstag. Der darauffolgende Sonn­tag ist also der erste Tag der neuen Woche. Der erste Schöpfungstag war demnach ein Sonn­tag. In jüdischer Zählung ist der Sonntag der erste Tag der Woche. So war das schon immer. So galt es auch der Reihung in der grie­chisch-römischen Planetenwoche nach. Und so haben wir Christen es aus unse­rem jüdischen Erbe übernommen: der Sonntag als der erste Tag der Woche.

Geändert hat sich das erst im 20. Jahrhundert. Um wirtschaftlichen Abläufen besser zu ent­sprechen, hat die Internationale Organisation für Standardi­sierung empfohlen, ab dem 1. Januar 1976 den Sonntag im wirtschaftlich-technischen Leben und damit im ganzen öffentli­chen Bereich als letzten Tag der Woche zu betrachten. Der Deut­sche Normenausschuss hat diese Empfehlung aufgegriffen und als DIN-Norm 1355 für Deutschland so eingeführt. Seit­her gilt der Sonntag als siebter und letzter Tag der Woche, als Teil des Wochenendes, an dem man von der Arbeit ausruht, um dann mit dem Montag die Arbeit der neuen Woche zu begin­nen.

Wir haben den Advent selbstverständlich mit dem 1. Adventssonntag begonnen, nicht mit dem Montag. . .

Seit dieser Entscheidung klaffen öffentlicher und kirchlicher Kalender eklatant auseinander. Denn für uns Christen bleibt der Sonntag als erster Schöpfungstag und als Tag der Auferste­hung Christi weiterhin der erste Tag der Woche. Wir haben den Advent selbstverständlich mit dem 1. Ad­ventssonntag begonnen, nicht mit dem Montag der 1. Adventswoche. Wenn man dem öffent­lichen Kalender folgt, würde der 1. Adventssonntag ja noch gar nicht zum Advent dazugehören - als erster Tag des neuen Kirchenjahrs -, sondern als siebter Tag der letzten Woche im Jahreskreis noch zum alten Kirchenjahr. Das zeigt: Man kann eine über Jahr­tausende gewachsene Menschheitstradition nicht einfach per Verwaltungsakt vom Tisch wi­schen. Aber nun müssen wir eben mit dieser Festlegung leben, dass der Sonntag als siebter und letzter Tag der Woche gezählt wird.

Ist das so entscheidend?

Nun kann man natürlich fragen: erster Tag, letzter Tag - ist das so entscheidend? Die Zeit ist doch ein ewig nach vorne fließender Strom: Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Wo man da die Zäsuren setzt, wo man Anfang und Ende der Woche einträgt, ist doch letztlich etwas Willkürliches. Die Zeit schreitet doch un­aufhörlich und gleichmäßig voran. Und doch, so meine ich, macht es einen Unterschied, welchen Charakter der Sonntag – noch dazu als wöchentlicher Ruhetag – erhält, ob man ihn als den ersten oder den letzten Tag der Woche ansieht. Das sagt viel über unser Verständnis vom Mensch-sein aus.

. . . Sonntag gerät als letzter Tag der Woche unter das Primat der Wirtschaftlichkeit.

Als letzter Tag der Woche gerät der Sonntag unter das Primat der Wirtschaftlichkeit und der Arbeitsleistung des Menschen. Das war ja auch der Anlass für diese Umstellung. Am Sonntag darf sich der Mensch von der Arbeit ausruhen und erholen. Aber wozu? Damit er wieder fit ist für die Arbeit der neuen Woche. Im Vordergrund steht somit die wirtschaftliche Leistungs­fähigkeit des Menschen. Dem hat sich alles andere unterzuordnen. Der Sonntag wird zum Rest des Wochenendes, in den schon die neue Arbeitswoche hereindrängt und dadurch den Festcharakter dieses Tages trübt. Der Sonntag sinkt so in seiner Bedeutung herab zum letzten Rest, zum Ende einer freien Zeit; eben zum Wochenende.

Zählt der Sonntag indes als erster Tag der Woche, dann fangen wir die Woche nicht mit einem Arbeitstag an, sondern mit einem Feiertag. Heißt also: Noch bevor wir etwas geleistet haben, dürfen wir es uns erlauben, zu feiern. Das sagt viel aus, wie wir unser Mensch-sein verstehen dürfen.

. . . Das Leben ist mehr als Arbeit . . . ist ein Geschenk aus Gottes Gnade

Als Gottes Ebenbilder, von ihm geschaffen und berufen zum Dialog und zur Gemeinschaft mit ihm, leben wir nicht, um zu arbeiten; wir arbeiten, um zu leben. Den Vorrang hat das Le­ben. Das Leben ist mehr als Arbeit. Wir leben im Letzten nicht von unserer Arbeit, sondern aus Gottes Gnade. Da wird der Ge­schenkcharakter unserer christlichen Existenz deutlich. Wir können es uns leisten, nicht nur zu arbeiten, können einen Tag auf Erwerbsarbeit verzichten und leben doch. Denn Gott sorgt für uns. Da ist etwas von der Fülle des Lebens zu spüren, die Christus uns verheißen hat. Der Sonntag als arbeitsfreier erster Tag der Woche unterstreicht: Das unverzweckte Dasein – Muße, geistliche Erhebung und mitmenschliche Begegnung, für welche der Sonntag frei von Arbeit gehalten werden soll –, sie haben Vorrang vor dem Schaf­fen-müssen. Der Mensch hat vor Gott eine Würde und gilt etwas, noch bevor und nicht nur dann, wenn er etwas leistet.

. . . Sonntag als Auferstehungstag verleiht der Woche einen anderen Charakter.

Der Sonntag als Auferstehungstag zum Auftakt der Woche, er setzt ein Vorzeichen an den Anfang der Zeile im Kalender und verleiht der ganzen Woche ihren Charakter, so wie die Vorzeichen auf dem Notenblatt einem Musikstück seine besondere Färbung geben. Nämlich: Wir leben als von Christus Erlöste. Seine Auferstehung qualifiziert und prägt unser Alltagsleben. Der Sonntag als festlicher Auftakt der Woche macht uns das bewusst.

Es ist also doch nicht ganz gleichgültig, ob wir den Sonntag als den ersten oder den letzten Tag der Woche erachten. Freilich soll man die neue Festlegung auf den Sonntag als letzten Tag auch nicht rundum verteufeln. Denn jede Woche ist ja auch ein Abbild jener hohen Woche im Jahreslauf: der Karwoche. Und die strebt über den Freitag, als dem Tag des Lei­dens und Sterbens Christi am Kreuz, und dem Samstag, als dem Tag seiner Grabesruhe, na­türlich dem Sonntag zu. Der Ostersonntag als Tag der Auferstehung ist Ziel- und Höhepunkt. So kann man das auch für jede Woche se­hen, ist doch der Sonntag unser wöchentliches Oster­fest, der Ur-Feiertag der Christen.

. . . Sonntag als Auferstehungstag Zeichen der ewigen Vollendung

Und als achter Tag, als welcher der Sonntag auch manchmal bezeichnet wird, durchbricht er sogar unsere Erdenzeit. Die Auferstehung Christi, die wir am Sonntag feiern, hebt uns über diese irdische Existenz hinaus. So wird der Sonntag zum Zeichen der ewigen Vollendung, auf die wir mit unserem Leben zugehen, wenn sich un­ser persönlicher Advent und einmal der große Weltenadvent erfüllen wird, von dem die Schrifttexte in diesen adventlichen Wochen sprechen. Wenn Gott uns um seinen Thron ver­sammeln wird zur Feier des ewigen Sonntags in der himmlischen Herrlichkeit seiner neuen Schöpfung.

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