„I schpui mit da Bumpl“

 2025 08 28 Schafkopf Windberg

Auch beim Kartenspiel geht es mitunter lustig zu, wie hier am Tisch bei den Anfängern. Fotos: Erhard Schaffer

Es geht um den Spaß: Kultur- und Festspielverein Windberg belebt das Schafkopfspiel wieder

Aufgabe des Windberger Kultur- und Festspielvereins ist es, das kulturelle Leben am Ort zu pflegen. Damit ist nicht nur das Theaterspielen gemeint, durch das der Verein wohl am ehesten bekannt ist. Es geht auch darum, sich dieser Aufgabe ganz allgemein anzunehmen und dabei auch immaterielles Kulturgut im Blick zu haben. Dazu veranstaltet der Verein immer wieder Konzerte und Ausstellungen. Seine jüngste Aktivität ist die Pflege des urbayerischen Kartenspiels Schafkopf.

Trifft man auf eine Runde Schafkopfer, so kommt man sich vor wie im Ausland. Für das urbayerische Spiel gelten nicht nur eigene Karten, das bayerische Blatt mit Eichel, Gras, Herz und Schell. Die Kartler bedienen sich auch einer eigenen Sprache, die bei Außenstehenden das Gefühl aufkommen lässt: „I versteh bloß no Bahnhof.“ Der eine sagt: „I schpui mit da Bumpl“, am Nachbartisch ist die „Blaue“ gesucht und bei den Fortgeschrittenen ist die „Alte“ gefordert, um den Spielpartner zu finden. Und nach dem Spiel steht manchmal die Frage im Raum: „Warum hast net gschmiert?“

„Schafkopf für jedermann“

Dabei sind das Schell- (Karo-) Ass, das Gras- (Pik-)Ass und das Eichel- (Kreuz-)Ass gemeint. Ein Herz-Ass kann nicht gesucht werden, um seinen Spielpartner zu finden, da es – zumindest beim Sauspiel – wie auch alle anderen Herzkarten zu den Trumpfkarten gehört. Schmieren besagt, dem Spielpartner Karten mit hohen Werten (Asse oder Zehner) zuzugeben.

Das hört man seit einiger Zeit im Windberger „Gastwirtshaus zum Nepomuk am Dorfplatz“ bei Liane Amann. Dort treffen sich immer am letzten Montag im Monat um 19 Uhr in der Gaststube Schafkopfbegeisterte und solche, die es werden wollen. „Schafkopf für jedermann“ lautet die Devise.

Das Völkchen, das dort regelmäßig zusammenkommt, ist bunt gemischt. „Alte Hasen“ sind ebenso dabei wie „Jungfüchse“ oder ganz blutige Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse, die dieses Spiel lernen wollen. Bunt gemischt ist es auch, was die berufliche Herkunft anbelangt. Und es spielt auch gar keine Rolle, welchen sozialen Hintergrund man hat. Das Du ist ganz selbstverständlich am Kartentisch.

Der Kultur- und Festspielverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Theater zu spielen, sondern, wie es in seiner Satzung heißt, Kultur ganz allgemein zu fördern. Dazu gehört es auch, dieses immer mehr in Vergessenheit geratende Spiel wieder verstärkt ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Gleichzeitig wird, wie es der gewählte Treffpunkt deutlich werden lässt, als weiteres Ziel die Wiederbelebung der Wirtshauskultur angestrebt.

Der Initiator der Aktion „Schafkopf für jedermann“, Bernhard Suttner, meint dazu, „dass früher besonders auf dem Lande das Gasthaus ein Zentrum des geselligen Miteinanders war. Es wurde Karten gespielt, der spontane Gesang und das Musizieren gepflegt oder einfach nur sich unterhalten über Gott und die Welt“. Das alles seien Dinge, die im Laufe der Zeit Gefahr laufen, unterzugehen.

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Einen „Sie“ spielt, wer alle vier Ober und alle vier Unter, also alle acht „Herren“, auf der Hand hat. Dieses sehr seltene Blatt wird nach alter Tradition eingerahmt und in der Wirtsstube aufgehängt, versehen mit dem Datum des Spiels und dem Namen des Spielers.

„Verstärkte Mobilität, Discos und Klubs landauf, landab sowie Smartphones und Social Media in der ganzen Bandbreite haben sicherlich dazu beigetragen, dass die Leute immer weniger in Gastwirtschaften einkehren und Stammtische immer weniger gepflegt werden“, erläutert Suttner. Dem wollen der Kulturverein und er mit der neuen Initiative entgegenwirken. Dass Bedarf am Erlernen des Schafkopfspielens (übrigens heißt es Schafkopf ohne „s“ zwischen Schaf und Kopf) vorhanden ist, zeigt der Zuspruch zu den monatlichen Kartenrunden. Rund 25 bis 30 Interessierte treffen sich mittlerweile regelmäßig zum Spielen. In der Urlaubszeit sind es etwas weniger. „Und gschmatzt wird nebenbei auch noch“, sagt Suttner. In Vierergruppen finden sich die Spieler zusammen, je nach Kenntnisstand.

Anfänger werden eingelernt

Und wer ganz neu dazukommt, der wird von Suttner oder seiner Frau Eva fachkundig in die Spielregeln und die Sprache dieses bayerischen Kulturgutes eingewiesen. Zur Erleichterung gibt es auch einen Spickzettel. Niemand braucht zu befürchten, dass er über den Tisch gezogen und um Haus und Hof gebracht wird, denn es wird nicht um Geld gespielt oder bestenfalls nur um geringe Centbeträge. „Es geht“, so Suttner, „ganz einfach um den Spaß an der Freud“.

Es bleibt abzuwarten, ob das Schafkopfen auch einmal den Weg auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco findet, wenigstens auf die bayerische. Im Vergleich zum darin aufgeführten Drechslerhandwerk, dem handwerklichen Schmieden oder der Förderung von Brettspielen – um nur drei Beispiele von der Liste zu nennen – wäre es das allemal wert. Denn Schafkopfen ist eindeutig ein erhaltenswertes urbayerisches Kulturgut.

Erhard Schaffer vom 27. August 2025

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