1000 Jahre Geschichte um Mitterfels (65)

Vor gut 830 Jahren tauchte der Name Mitterfels das erste Mal in einer Urkunde auf; Gschwendt im Kinsachtal kann auf 900 Jahre zurückblicken; vor 960 Jahren übernahmen die Grafen von Bogen den östlichen Donaugau von den Babenbergern; Metten, im Jahre 766 gegründet, rodete zu Füßen der schützenden Bergkette zwischen Vogelsang und Hirschenstein . . . über 1000 Jahre interessante Geschichte, in die wir in halbmonatlich wechselnden Kapiteln eintauchen.

Zu den vorhergehenden Kapitelbeiträgen können Sie sich im Menue rechts in der Grafik „1000 Jahre Geschichte um Mitterfels“ durchklicken.

65 00 Nachkriegsjahre w 

Vergrößern durch Anklicken!

65 01 Bgm Albert Dietl junNachkriegsjahre - Lösung alter Probleme: Strom - Wasser - Straßen - Kanalisation - Abfallbeseitigung

Kaum waren die schwierigsten Dinge der Nachkriegszeit halbwegs geordnet: Unterbringung und Eingliederung der Heimatvertriebenen, Mindestversorgung mit Alltäglichem, Wiederanlaufen von Schule und Dienststellen - da wurden in Mitterfels bereits die alten, großen Probleme angegangen. Albert Dietl jun., seit 1. Mai 1947 (Bayerns jüngster) Bürgermeister, wagte sich an Projekte, die allein schon wegen der ungewohnt erscheinenden Kosten manch bedächtigen Alteingesessenen eher aufschreckten als erfreuten.

Albert Dietl jun, Bayerns jüngster Bürgermeister, wagte sich an die Verwirklichung schwieriger Projekte. Foto: Archiv AK Heimatgeschichte Mitterfels

Dietl verstand geschickt, die Stunde zu nutzen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aufzugreifen und hohe Zuschusshilfen zu erwirken.

Die Stromversorgung

65 00 Petroleumlampen 52 c Mitterfels um 1903 

Rückblick 1 (um 1900)

Detail einer Ansichtskarte des historischen Orts­kerns von Mitterfels vor 1904 mit einer Petroleum-Ortsbe­leuchtung über der Eingangstür des Gasthauses X. Pell­kofer (der späteren „Friedenseiche“) und der Spezerei Meier (heute Café Perlbachtal) -

Slg Gmde Mitterfels (vormals Brembeck) - Vergrößern durch Anklicken!

65 07 El Licht fr Mitterfels w 

Rückblick 2 Vergrößern durch Anklicken!

Bis 1948 hatte im Gemeindebereich nur das Dorf Mitterfels elektrisches Licht aus dem kleinen Kraftwerk des Talmühlers Martin Wiesbeck. [Mehr darüber im Kapitel 59 „Elektrisches Licht für Mitterfels“.] Alle übrigen Ortschaften, auch das nahe Scheibelsgrub, waren noch angewiesen auf Kerze, Petroleum und Karbid, und für die "Kraft" gab es einen stationären oder fahrbaren Diesel- oder Benzinmotor.

1947 begann die "Energieversorgung Ostbayern A.G." (OBAG) mit der Verlegung einer 5000 Volt-Leitung von Gschwendt her. Die erste Trafo-Station wurde errichtet, und noch im gleichen Jahr das Mitterfelser Netz auf 220 V Wechselstrom umgestellt. Martin Wiesbeck wurde mit (praktisch wertlosen) 20.000 Reichsmark abgefunden, sein Werk stillgelegt.

In Scheibelsgrub wurde bereits fleißig installiert, auch die ersten Glühbirnen auf dem Schwarzmarkt eingehandelt, vielleicht sogar ein Bügeleisen oder gar ein Elektromotor. Aber mit der Lichtfeier dauerte es noch ein Jahr; für die noch fehlende Freileitung von der Vogelhöhe her musste erst eine Kiste voller Lebensmittel den Kupferdraht aus München herauslocken. Die übrigen Orte kamen dann auch alle zum Zuge.

Die Wasserversorgung

65 10 Dorfbrunnen 1 

Rückblick 3 Vergrößern durch Anklicken!

Vor dem Bau der Wasserleitung 1948/49: Am Dorfbrunnen bei der Friedenseiche in Mitterfels musste das Wasser zeitweise rationiert werden. (Foto: Franz Stolz)

Das Wasserproblem war in Mitterfels so alt wie der Ort (vgl. Kap. 50). Am Dorfbrunnen musste oftmals das Wasser rationiert werden, und den Bauern draußen blieb in Trockenjahren nichts anderes übrig, als das Trinkwasser für das Vieh aus entfernten Weihern und Bächen heranzuholen. Aus früheren Plänen ist - zumeist aus Kostengründen nie etwas geworden: dem Bezirksamtmann-Nibler-Plan von 1921, den Versuchen des Bürgermeisters Wartner von 1926 und des Bürgermeisters Hafner von 1933 und 1936.

1948 packte Bürgermeister Albert Dietl jun. die Sache energisch an. Der Bevölkerungsanstieg und der erhöhte Wasserbedarf ließen keinen Aufschub mehr zu -auch wenn sich etliche mit Wasser wohlversorgte Bürger der Kosten halber dagegenstellten. In Buchet wurden 6 Quellen ausfindig gemacht und gemessen, vom Landesamt für Wasserversorgung begutachtet und gutgeheißen. 1949 wurde das Projekt durchgezogen: die Fassung und der Zusammenschluss der Quellen, die Entsäuerung, die Leitungsverlegung über Haselbach nach Mitterfels, Scheibelsgrub und Buchberg, wo ein 200 cbm fassender Hochbehälter gebaut worden war. Das Ganze funktionierte als Naturdruckleitung und arbeitete damit sehr rationell.

65 12 Buchetwasser 1 w 

Vergrößern durch Anklicken!

Im Jahr danach wurde das Netz auch auf einen Teil der Außenorte ausgedehnt. Der Anschluss für Aign und für Pürstenberg kam erst 1978, für Dunk und Kreuzkirchen 1979, für Aichmühl1980.

Bedauerlicherweise fiel der neuen Segenseinrichtung so mancher Brunnen und manche Hilm zum Opfer, statt sie als Reserve zu erhalten. Man hätte sie bald gut brauchen können; denn früher als gedacht entstanden Engpässe bis hin zur neuerlichen Wassernot, weil sich die Anschlüsse und der Wasserverbrauch stark gemehrt hatten und die anfängliche Quellenschüttung nach Trockenjahren auf die Hälfte zurückging. Sofort kaufte die Gemeinde eine Quelle in Pfarrerberg, dann 1957 eine weitere, anfänglich starke Quelle in Waldwies. Auch hier ließ in der nächsten Zeit die Schüttleistung nach, eine Erschließung war unrentabel. Schließlich wurde ein Projekt "Perlbachwasser" durchgeplant und für zu kostenaufwendig befunden.

Als letztes versuchte Bürgermeister Hafner im Jahre 1960 eine Tiefenbohrung im Gschwendter Moos: Doch nach 58 m stieß man immer noch auf Granit und eine unzulängliche Wasserschüttung, so dass man aufgab. Die 35.000 Mark Kosten an die "Preußag" waren vertan.

Dann brachte die Not nach längerem Verhandeln drei Partner zusammen: Hunderdorf, Mitterfels und Haselbach schlossen sich im März 1962 zum "Zweckverband für Wasserversorgung Bogenbachgruppe" zusammen und brachten die bestehenden Anlagen von Hunderdorf und Mitterfels mit ein. Ein gewaltiges Projekt stand bevor, mit neuen Tiefbohrungen, Pumpstationen, Hochbehältern. Das brauchte seine Zeit, und noch einmal, in den Sommern 1962 und 1963, mussten Tankwagen an die 100 cbm Wasser pro Tag anfahren und in die Mitterfelser Leitung einspeisen. Am 1.6.1963 war dann die Leitung von Hunderdorf zum Buchberger Hochbehälter fertig, ein provisorisches Pumpwerk hatte vollauf zu tun. Im Dezember war das 4,6 Millionen-Projekt weitgehend verwirklicht. Außer den anfänglichen Anlagen von Buchet (Mitterfels) und Windberg (Hunderdorf) gab es jetzt drei Tiefbrunnen in Hunderdorf, mit eigener Trafo-Station, einer Aufbereitungsanlage, den nötigen Pumpwerken sowie mit Hochbehältern in Windberg (150 cbm), Hoch (350 cbm), Buchberg (200 und 500 cbm) , und Bonholz (150 cbm). Damit schien das Wasserproblem auf lange Sicht gelöst.

65 13 Wasserversorgung Zweckverband w 

Vergrößern durch Anklicken!

Trotzdem schloss sich der Zwerkverband der "Fernwasserversorgung Bayerischer Wald" an, um so auch den Belastungen in Spitzenzeiten gewachsen zu sein. Seit 1976, also noch vor Fertigstellung des Trinkwasserspeichers bei Frauenau, wird an drei Stellen eingespeist: bei Semmersdorf-Bonholz zugunsten des gesamten Netzes, bei Höllgrub und Unterholzen bis 1981 für Haselbach und Dachsberg, weil diese Orte bis dahin nur auf Buchetwasser angewiesen waren.

Eine weitere Verbesserung ergab sich 1985, als im Zuge des Straßenbaus zwischen Mitterfels und Haselbach auch die Wasserleitung verlegt werden musste. Man verlegte eine neue Leitung mit größerem Querschnitt und schuf außerdem eine leistungsstarke Verbindung mit dem Hochbehälter in Buchberg; der neue Leitungsstrang quert nahe Höllmühl das Perlbachtal und folgt dann der Steinburger Straße bis zur Bayerwaldstraße.

Weitere Informationen finden Sie im „Netz“:

  • Wasserzweckverband [… hier]
  • Festschrift 25 Jahre Wasserzweckverband [… hier]
  • Aufsatz über Wassernotstand in Mitterfels [… hier]

65 14 Fernwasser w 

Vergrößern durch Anklicken!

Weitere Informationen im „Netz“: Waldwasser [... hier

 

Der Straßenbau

Von einer staubfreien Teerstraße hatte man bis 1950 nur träumen können. Die Orts- und Landstraßen waren voller Löcher, bei Frostaufbruch auch mal grundlos; die Zufahrten zu den verstreuten Siedlungen bestanden zumeist nur aus einspurigen, hohlgassenreichen Fahrwegen.

Unter Bürgermeister Albert Dietl jun. beschloss der Gemeinderat am 15.11.1952 als erste Maßnahme den Ausbau der "Dorfstraße" (Burg- und Lindenstraße mit 785 m und 329 m Länge). 1953 wurde alles ausgeführt. Da musste das Denkmal 1870/71 weichen und das Wörgetterhaus und der Rentamtszaun mussten zurückrücken, und die Einzelstufen an den Hauseingängen einem durchgehenden Gehsteig Platz machen. Erstmals gab es dann in der Gemeinde eine geteerte Straße. Mit den Arbeiten wurde auch gleich eine Kanalisation für das Oberflächenwasser verlegt. Gesamtkosten 110.000 DM.

65 15 Orststraenbau 1 1953 w

Vergrößern durch Anklicken!

65 15 Ortsstraenbau 2 1953 w

Vergrößern durch Anklicken!

Darnach gab es kaum ein Jahr ohne eine Straßenbaumaßnahme. 1954 begann der Ausbau der Durchgangsstraße (Staatsstraße 2140), beginnend von der abgetragenen Laumerhöh bis zur Bahnhofabzweigung.

65 16 Ortsdurchfahrt 1 1954 w

Vergrößern durch Anklicken!

65 16 Ortsdurchfahrt 2 1954 w

Vergrößern durch Anklicken!

1955 folgten weitere 1400 m Ausbaustrecke bis Wollersdorf, wo nunmehr eine langgezogene, ausgeglichene Steigung die einstigen, von Radfahrern verfluchten drei "Wollersdorfer Höhen" schnell vergessen ließ. 1956 und 1957 ging es weiter zur Aschaer Abzweigung und dann bis Haselbach. Das kam insbesondere dem zunehmenden Autoverkehr zugute, und Bürgermeister Hafner sah sich bewogen, seiner seit 30 Jahren bestehenden Tankstelle ein neues Gesicht zu geben. Aufatmen konnten in der Zeit auch die Weingartner und Hartberger, auch die von Höfling und Aign, dass ihre Zufahrtswege wenigstens gerichtet und verbessert wurden. Scheibelsgrub musste länger zusehen. Erst 1961 kam es zum Ausbau und zur Teerung der Ortsdurchfahrt. Die bisherigen Straßengräben wurden verrohrt und damit die stellenweise sehr enge Straße auf durchgehend 5 m verbreitert. (Kosten 75.000 DM).

Im gleichen Jahr wurde auch die kreiseigene Bahnhofstraße überholt und geteert (Kosten 30.000 DM).

Der weitere Ausbau der Bogener Kreisstraße zog sich bis 1964 hin; damit verschwand endlich das ausgefahrenste Straßenstück zwischen Kreuzkirchen und Oberalteich. (Gesamtkosten für diese Kreisstraße 512.000 DM).

In Mitterfels setzten um diese Zeit auch die Erschließungsmaßnahmen für die Baugebiete ein, die nun plötzlich Vorrang hatten vor den Straßenbauten außerhalb. Als 1962 als erstes Weiherfeld ausgebaut wurde, kam man auf recht billige Weise zum benötigten Steinmaterial: Man überließ den Felsen am Waldbad den Bogener Pionieren zu Sprengübungen und gewann auf diese Weise auch einen vergrößerten Spielplatz für die Badbesucher.

Von den Außenorten war zunächst Buchberg an der Reihe. Seine Zufahrt von Uttendorf her spottete jeder Beschreibung, dennoch waren erst zähe Verhandlungen vonnöten, wegen Grundabtretung und Mitbeteiligung der Nachbargemeinde, auch wegen der Weiterplanung als Höhenstraße über Lintach hinaus. Ab Dezember 1971 war dieses Werk durchgezogen, eine aussichtsreiche "Panoramastraße" schuf eine neue Nord-Süd-Verbindung zwischen Mitterfels und Oberalteich, später auch Bogen. Der Anteil der Gemeinde Mitterfels betrug 2,7 km. Am 1.1.72 wurde die Straße zur Kreisstraße aufgestuft, die Kosten betrugen 1,2 Millionen.

Im gleichen Jahr 1971 wurden mit Englberg und Hörmannsberg zwei weitere, recht abgelegene Siedlungen mit einer 4,5 m breiten Teerstraße erschlossen. Von Einfürst aus verlief (aus Mitterfelser Sicht ein großer Umweg) die 2,4 km lange Straße. In einer recht kurzen Bauzeit zwischen Juni und November war alles geschehen (Einweihung am

23.11.71). Kosten 380.000 DM. Ein Weiterbau nach Gschwendt war eingeplant und wurde 1977/78 auch verwirklicht. Auch der ganz abgelegene Auhof profitierte von der neuen Verbindung: seine rund 700 m lange Zufahrt wurde 1973 dauerhaft hergerichtet. 1976 kamen Weingarten und Wollersdorf zum Zuge - seit 13 Jahren hatte sich Weingarten darum bemüht. Ende 76 war die Verbindung fertig und geteert, am 30.11.77 wurde sie eingeweiht. Kosten 528.000 Mark.

Die Staatstraße von Agendorf her wurde 1977 in ihrer ganzen Länge bis Miltach in Angriff genommen und überarbeitet. Noch im Dezember 77 wurde der Abschnitt Durchgangsstraße Mitterfels neu geteert; für die Gemeinde fielen eine Reihe Zusatzmaßnahmen an, so an den Begrenzungen, Einfahrten, Kanal- und Anschlußdeckeln.

1978 war es für die Burg-und Lindenstraße an der Zeit, dass die von der Kanalisation herrührenden Straßenschäden behoben wurden. Die Feinteerung der ein Jahr vorher erschlossenen Point wurde gleich mit angehängt. Kosten für alles 41.000 Mark.

1979 waren Aign und Pürstenberg an der Reihe. Es gab einige Verschiebungen, so auch an der Abzweigung von der Staatsstraße. Das 1,12 km lange Stück kostete 225.000 Mark. Diese Straße war die erste größere Maßnahme unter einem neuen Gemeinderat und Bürgermeister (Lang).

Für Ober- und Unterhartberg dauerte es lange, bis ihr Anschluss an Weingarten ausgebaut und geteert war. Auch hier war wegen einer Verbreiterung eine Grundabtretung nötig. 1981 war die Sache abgeschlossen. Kosten 720.000 Mark.

1981 erstellte der Staat an der Staatsstraße 2140 eine neue Trasse zwischen Dunk und der B 20 bei Pellham. Sie stellte für Mitterfels den Autobahnzubringer dar, da ja deren Fertigstellung von Regensburg her kurz bevorstand. Mitterfels hatte damit nur 6 km bis zur Ausfahrt "Straubing"; dank eines mehrfachen Einsetzens wurde dort 1984 auch der Name "Mitterfels" beigefügt. (Das Schlussstück Autobahn zwischen Straubing-Deggendorf war gleichfalls 1984 fertig.)

1985 wurde die gleiche Staatsstraße zwischen Aschaer Abzweigung und Haselbach völlig neu gestaltet: mit Begradigungen, Höhenausgleich und Verbreiterung. Ein Radfahr- und Fußgängerweg nebenher ist besonders zu begrüßen. Dass von dieser Stelle aus einmal eine Ortsumgehung bis in Richtung Friedhof angelegt werden könnte, scheint für lange Zeit verschoben; aus dem 1983 verabschiedeten Flächennutzungsplan ist sie jedenfalls gestrichen.

Bei all den großen Maßnahmen sollen auch die kleinen nebenher nicht übersehen werden. So die Anlage eines unter Forstdirektor Fritsch ausgearbeiteten kombinierten Forst- und Reitweges "Kreuzkirchener Weg". Auf 2,7 km erschließt er auf halber Hanghöhe die Westseite des Menachtals ab Kreuzkirchen bis nahe Scheibelsgrub. Zwei Ministerien, für Landwirtschaft und Umwelt, waren hier eingeschaltet, und weil diese Kombination erstmalig in Niederbayern verwirklicht wurde, kam zur Einweihung am 22.10.1979 sogar Staatsminister Dick.

Für die Ausweisung als Reitweg waren eigene Befestigungsstreifen angelegt, auch an den zusätzlichen, auch für Winterbetrieb präparierten Holzrückwegen an der Talsohle. Auf diese Weise ergab sich eine Reiterstrecke von 3630 m Länge. Die Gesamtkosten von 93.000 Mark wurden zum Teil von den Waldbesitzern übernommen (2.000 Mark je ha), einen weiteren Zuschuss gab der Reit- und Fahrverein Mitterfels. Maßgeblichen Anteil am Gelingen des ganzen Projekts hatte der mit der Bauleitung beauftragte Forstinspektor Josef Dirscherl.

Im Ort Mitterfels war der stetige Weiterbau an Gehsteigen besonders wertvoll. 1985 wurde mit dem Abschnitt Friedhof-Kindergarten-Gartenstraße zusätzlich etwas für die Sicherheit der Kinder getan. Auch ein Teil der oberen Burgstraße kam zum Zuge, und es gibt immer weniger solch "neuralgischer Punkte"; die über 2 km lange Ortsdurchfahrt Mitterfels ist nunmehr durchgehend (an wenigen Stellen noch einseitig) von einem Gehsteig begleitet.

Nach außen hin nicht sichtbar sind die ganz erheblichen Vermessungskosten, die jeder Baumaßnahme hinterherfolgen. Um nur einige zu nennen: Buchberg (1977) 18.500 Mark; Hartberg (1977) 16.500 Mark; Hartberg (1984) 24.000 Mark; Weingarten (1981) 25.000 Mark. Schließlich wurde im Rahmen der Flurkartenerneuerung die Vermessung der Burg- und Lindenstraße 1980 beschlossen und bis 1983 durchgeführt; Kosten 40.000 Mark. Nach dem Stand sind die meisten Gemeindestraßen in einem guten Zustand. Ungeteerte Zufahrten bestehen noch zu den Einzelgehöften Kohlham, Miething, Unterholzen, Spornhüttling, Zackenberg, Höfling, Aichmühl, Kögl, Neumühle, Talmühle und Teile Buchberg. Für den Winterdienst stellt das erheblich gewachsene Straßennetz eine schwere Aufgabe dar. Der Gemeinde muss bescheinigt werden, dass sie mit Straßen und Wegen keinen im Stich lässt.

Kanalisation

Die Verlegung eines Oberflächenwasserkanals im Zuge des Ausbaus der Ortsstraßen 1953 konnte nur eine vorläufige Lösung darstellen. Das Einleiten auch von Gebrauchswasser zeigte sich in der zunehmenden Verunreinigung und Verschlierung des Wassergrabens am Schlossberg. Da half auch der Vorspann einer Klärgrube wenig; die musste zudem zweimal im Jahr geleert werden, was das Herrichten der Zufahrt über Schoppiehl und den Thurnweg erforderte. Ein gleiches Problem gab es später auch im Weiherfeld, wo der Überlauf nach einfacher Klärung gleichfalls einem Wassergraben folgte, der am Waldbad vorbei zum Perlbach läuft.

65 21 Klranlage

 

Ortsnah und doch abseitig und auch eingegrünt liegt die Kläranlage im „Grafenloch“ 

Das Anwachsen des Ortes durch Erschließung immer neuen Baulands, auch die Neuerungen in den Haushaltungen erzwangen von selbst eine "große" Lösung, die ob ihres Umfangs und ihrer Kosten Sorgen machte wie kaum ein anderes Problem. Zudem hing daran auch der Erhalt des Prädikats "Luftkurort". In mehreren Bauabschnitten sollte alles laufen. 1967 begann es mit einem Hauptsammlerabschnitt auf der Perlbachseite und mit dem Hauptsammler vom Baugebiet Oberfeld, mit Querung der Straubinger Straße und der Lindenstraße in die Senke der Point. Der dortige, schon recht verschlammte Kernbichlweiher wurde zugeschüttet und dafür ein Platz für einen Kinderspiel- und Minigolfplatz gewonnen; dafür wurde der höher gelegene Gemeindeweiher erweitert und vertieft und als Löschweiher ausgerüstet.

Ehe man weiterbauen konnte, musste erst das Herzstück des ganzen Projekts, die Kläranlage, erstellt werden. Im April und noch einmal im August 1970 wurde sie ausgeschrieben und dann vergeben. Das Wiesengrundstück im "Grafenloch" hatte man schon vorher erworben, auch die Zufahrt über den Kirchenweg war geschaffen. Bei den Geländeschwierigkeiten um Mitterfels war dieses Grundstück am ehesten zugänglich, genügend abgelegen und landwirtschaftlich nicht von sonderlichem Wert.

Am 8.3.1971 war Baubeginn - um diese Zeit war immer noch erst eine Seite voll kanalisiert, die andere immer noch nur "vorläufig". Bereits am 6.12.1971 konnte die Anlage durch das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf abgenommen werden. Oberbaudirektor Müller bezeichnete sie als vorbildliche Leistung für den Landschafts- und Umweltschutz. Aus dem technischen Bereich des 800.000 Mark teuren Projekts ist einiges erwähnenswert. Es handelt sich um eine mechanisch und vollbiologisch arbeitende Schreiber-Kläranlage, berechnet für 3000 Einwohner-Gleichwerten. Der Schmutzwasserzulauf hat einen Durchmesser von 80 cm. Es gibt einen Schlammtrichter, drei Vorklärtrichter, einen Tropfkörper mit nachfolgender biologischer Reinigung im Nachklärbecken u.v.m. Eine absolut sichere Isolierung wurde erreicht mit dem Aufspritzen einer Mischung aus flüssigem Pech und ungelöschtem Kalk (das kannten schon die alten Römer) unter bestimmter Hitze und bestimmtem Druck.

Die nächsten Jahre folgten Teilabschnitte Zug um Zug: 1975 Burgstraße West, 1976 Straubinger Straße West, zuletzt 1977 die mittlere Lindenstraße, und Restteile der Straubinger Straße und der Burgstraße. Da gab es stellenweise Aufgrabungen bis 6 m Tiefe. Kosten 516.000 Mark.

Gleichfalls 1977 wurde die Pumpstation Weiherfeld gebaut (Kosten einschließlich aller Leitungen 480.000 Mark). Drei starke Pumpen, angelegt auf eine Förderleistung von 27 l/sec, arbeiten abwechselnd und bringen die Abwässer aus Weiherfeld und Freibad über eine 225 m lange Druckleitung in den 410 m langen Kanal von Weiherfeld-Süd ein; von dort geht es in den Hauptsammler, der am Ende unter der Burgbrücke und durch den Burggraben zur Kläranlage führt. Von den späteren Ausweitungen ist der Kanalanschluss von Alt-Scheibelsgrub hervorzuheben, der zusammen mit der Hochfeld-Erschließung ausgeführt wurde. Aus neuester Zeit ist hervorzuheben, dass im Zuge der Ortskernsanierung in der Burgstraße (bis 1988 Abschnitt von Burghof bis Einmündung Lindenstraße) eine neue Kanalisation für das Oberflächenwasser erstellt wurde, was zu einer Entlastung der Kläranlage führt.

So hat Mitterfels eine erstklassige Wasser-Versorgung und -Entsorgung, manchem wie eine Selbstverständlichkeit erscheinend. Dass es bei der Kanalsatzung einer nachträglichen Korrektur bedurfte, mag bei der Fülle von Planungen und Überlegungen nicht sonderlich wundern.

Planungen für eine weitere Modernisierung und Ertüchtigung der Anlage fanden im Marktgemeinderat seit 2018 unter Bürgermeister Heinrich Stenzel statt. Im Mai 2022 erfolgte der erste Spatenstich für die Ertüchtigung der gesamten Anlage. Mehr zum Thema finden Sie auf unseren Webseiten:

Spatenstich für Kläranlage [… hier]

 

Abfallbeseitigung

Mit der ersten Nachkriegs-Müllabfuhr hat sich der Landwirt Alois Schedlbauer einen kleinen Nebenverdienst geschaffen. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte dazu angeregt, um dem wilden Ablagern (beispielsweise im Burggraben) ein Ende zu bereiten. Eine Liste zustimmender Hausbesitzer wurde erstellt. Mit dem offenen Pferdefuhrwerk fuhr der Alois durchs Dorf, und bei starkem Wind flog manches Sammelgut wieder auf die Straße. Mit dem wenigen "Müll" füllte er einen aufgelassenen Steinbruch im Straßbauernfeld gegenüber Eisenhart. Am Bewuchs und an der Bodenfärbung ist die Stelle noch heute gut erkennbar.

Unter Bürgermeister Uekermann kaufte die Gemeinde 1966 ein altes Müllfahrzeug, richtete an einem langen und sehr tiefen Hohlweg bei Kreuzkirchen eine für viele Jahre ausreichende Deponie ein und übernahm auch noch die Müllabfuhr aus einem Nachbarort, um das Fahrzeug mehr auszulasten. 1972 musste das klapprige Fahrzeug durch ein neueres ersetzt werden.

Am 1.1.1978 trat im Landkreis Straubing-Bogen die gesetzliche Abfallbeseitigungspflicht in Kraft. Die Durchführung wurde an Vertragsfirmen übergeben. Die Gemeinde musste nur noch dort aktiv werden, wo es Abfuhrprobleme gab - so bei der Bahnüberführung in Waldeck. Von Vorteil für den Bürger war die Einrichtung einer gemeindlichen Bauschuttdeponie in Weingarten, die 1985 geschlossen und rekultiviert wurde.

 

BESUCHER

Heute 1468 Gestern 7188 Woche 16285 Monat 140667 Insgesamt 6552220

Back to Top
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.