Unser "Bayerwald-Bockerl" erlebte seinen 100. Geburtstag nicht

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Die bestrentierliche Lokalbahn in Niederbayern

So berichtet die Zeitschrift „Der Bayerwald” im Heft 2/1910. Das lässt den heutigen Zeitungsleser aufhorchen, der nur von unrentablen Bahnlinien liest und von der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße.

Schon in den ersten Jahren nach dem Bau gab es erfreuliche Bilanzen: „Die Frequenz der Bahn berechnet man im Personenverkehr auf 77.000 Fahrten pro Jahr, den Güterverkehr auf 20.800 Tonnen. Auch diesmal hatte man sich verschätzt. Im Jahre 1897, also im ersten Jahr des vollen Betriebs auf der Strecke Straubing-Konzell, wurden 186.556 Personen und 18.809 Tonnen Güter befördert. Der Personenverkehr übertraf somit die Erwartung, während der Güterverkehr darunter blieb. 1899 sah aber das Bild schon anders aus: In diesem Jahre wurden 180.513 Reisende und 32.929 Tonnen Güter befördert. Die Lokalbahn erzielte einen Überschuss von  53.156 Mark.” 12)

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Reger Betrieb herrscht auch beim Gütertransport schon bald am Bahnhof Mitterfels. Hier sind bereits die beantragten Erweiterungsbauten zu sehen. „Mitterfels ist Sitz mehrerer kgl. Behörden. Das Bedürfnis von Verladen von Möbeln hat sich bei Versetzungen von Beamten wiederholt geltend gemacht, so daß die Herstellung einer festen Stirn- und Längsladerampe als ein Bedürfnis zu erachten ist. Um die nutzbare Länge des Ladegeleises, welche ohnehin nur 56 m beträgt, nicht zu vermindern, dürfte die Ausführung eines eigenen Geleisstutzens zweckmäßig sein.” 11) (Postkarte: Sammlung Elisabeth Aumer)

Über die Bilanz 10 Jahre später, 1908, berichtete „Der Bayerwald”: „Die 71,58 km lange Lokalbahn Straubing-Cham-Kötzting, mit einem Kostenaufwand von 5.412.629 Mk. erbaut, verfügt zur Bedienung ihres Verkehrs über 8 Tender-Lokomotiven, 13 Gepäck- und Güter- und 21 Personenwagen... in 400 Wagen gelangten 569 Stück Vieh zum Versande. An Fahrkarten wurden 203.217 Stück abgesetzt...Die Gesamteinnahmen belaufen sich insgesamt auf 466.109 Mk. Im Ganzen fielen 283.848 Mk. Ausgaben an, es ergibt sich demnach ein Überschuss von 182.260 Mk.

Interessant ist schließlich noch zu wissen, dass die Lokalbahnstationen von Cham bis Kötzting im Berichtsjahre 845.000 kg Braun- und 1.426.000 kg Steinkohlen bezogen, während die Stationen von Straubing bis Miltach ein Quantum von 3.288.000 kg Braun- und von 395.000 kg Steinkohlen als angekommen verbuchten. Hinsichtlich der Gewichtsmenge nimmt die Lokalbahn die 41. Stelle, hinsichtlich der Einnahmen die 93. Stelle ein.” 13)

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Im Jahr der Bahneröffnung errichtete der Straubinger Bierbrauer Leser, die Zeichen der Zeit erkennend, am neuen Mitterfelser Bahnhof eine „Schank- und Gastwirtschaft mit Fremdenbeherbergung“. (Postkarte: Sammlung Christl Jakob)

Lesen wir zum Ausgleich aus Hans Vicaris weniger bilanzmäßigen als poetischen Bericht: „Was steigen da Erinnerungen hoch, als während des Zweiten Weltkrieges  kein Wochenende verging, an dem wir mit unserer Mutter nach Hunderdorf fahren mussten oder durften, um bis nach Oberbucha hinauf zu marschieren, bei verschiedenen Bauern und Häuslleut anzuklopfen und zu fragen, ob nicht ein paar Kilo Butter, Äpfel oder Fleisch zu kaufen wären! Was schleppte unsere gute Mutter nicht alles in Rucksäcken und Taschen von der hilfsbereiten und freigebenden Frau Fany Schuster aus Oberbucha zur Bahnstation Hunderdorf hinunter, Winter wie Sommer! Auf harten Holzbänken zuckelten wir morgens von Straubing nach Hunderdorf, manchmal auch bis Haselbach oder Haibach und abends wieder zurück nach Straubing.

Oft wetzte noch lange nach der Bahnfahrt ein Stückchen Kohlenasche im Auge, das wir uns geholt hatten, als wir trotz aller Ermahnungen doch das Fenster mit dem Lederriemen öffneten und uns hinauslehnten, um in die Fahrtrichtung zu blicken. Hu-huh-hu pfiff die Lok, und mit großen weißen Dampfwolken zischte sie dann los: Wa-wa-wa-wa, rhythmisch immer schneller werdend: Geht-no-langsam, geht-no-langsam, wird-scho-besser, wird-scho-besser, schiabts-a-bissal, schiabts-a-bissal, geht-scho-besser, geht-scho-besser, braucht-ses-nimma, braucht-ses-nimma, konns-alloans-scho, konns-alloans-scho, nach hinten hinaus immer schneller, immer hastiger gesprochen, übernehmen wir die Leistung der schnaubenden Lok, ahmen sie nach.” 14)

Für viele Schüler und Arbeiter gehörte die Fahrt noch nach dem Zweiten Weltkrieg zum täglichen Leben. Viele Spitznamen, die nicht verächtlich gemeint waren, hatte der Dampfzug: „Bayerwaldbockerl”, „Orientexpress”. Er wurde gar als „Schwammerlsucher” bezeichnet, weil man auf der Wachsenberger Steigung mitunter daneben hergehen und Schwammerl suchen konnte.

Die Dampfloks wurden allmählich durch Triebwägen ersetzt, schon die „Akkustik” war eine andere, wenn man am Bahnhof auf den Zug wartete.

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