Woid-BLOG. Grenzkamm unterm Osser

Steinernes Tor3

Grenzkamm unterm Osser - Vergrößern durch Anklicken!

Das Steinerne Tor 

  • Es ist stockdunkle Nacht,
  • pirsche den alten Weg hinauf zum Grenzkamm. ...
  • Erahne irgendeinen schmalen Steig,
  • der Wind flüstert durch die Baumkronen,
  • drücke mich erst mal an einen Fichtenstamm,
  • warte auf ein wenig Morgengrauen,
  • ein bisschen Licht zum Weitergehen.
  • Es knackst, raschelt um mich herum,
  • hellhörig ist der Wald,
  • kennt seine Laute, die vertrauten Geräusche,
  • Hirschkühe sind eigenartige Wesen,
  • ziehen wie Geister durch die Hänge,
  • stehen mitten im Leben,
  • sie können dich fühlen,
  • haben dich längst eräugt,
  • sie spüren dieses Eins-Sein.
  • Sie kennen jeden Baum,
  • verschmelzen mit dem Wald.
  • Nur noch wenige Schritte,
  • schmaler Steig durch die Fichtendickung, seltsame düstere Zeit
  • und dann sitze ich hier und warte,
  • keine Bewegung, kein Laut, so kauere ich auf einer Wurzel,
  • den Bergrücken im Blick, es ist nie umsonst.
  • Bis die Sonne über den Mustek blinzelt
  • und mächtige Buchen mir Freunde sind,
  • wie viele Male haben sie das Licht des Sonnenaufgangs gesehen,
  • die Nächte und ihr Sternenfunkeln, behütet und verborgen,
  • den Zauber des Frühlings,
  • den goldenen Herbst und frostige Winter durchlebt.

Steinernes Tor1  Steinernes Tor2

 

Liegst nur faul im Gras,

lässt den Tag kommen und all die Dinge, die er glaubt für dich bereit halten zu müssen, muss nicht alles so sein, gehst eigene Wege, verschroben, anders sowieso und irgendwie, tricks sie aus die Zeit, hau ab und schau nicht nach ihr!

Denk an die Menschen, die dich mögen wie du bist, umarme die dicksten Bäume, flüstere mit ihnen, erzähle, sie wissen längst von dir, sie hören und reden dir zu, verdrück dich einfach, es gibt jene kostbaren Momente, schreibst deine Geschichte, nur deine. Schau dich um, erinnere dich gerne, aber vergiss nicht weiter zu gehen! Neues erleben, mit anderen Augen sehen, die Welt ist der kleine Flecken Erde, auf dem du gerade bist, ist weit und riesengroß, ist dein Glück, ist die kleine Zufriedenheit zwischen Heidelbeeren und Herbstgras, ist diese Ruhe unterm Ossergipfel.

Meinen Platz zu wissen, zu schätzen lernen, dankbar sein und mir genug sein, bringt mir diese Ausgeglichenheit und den Frieden, die mein Leben reich machen – mehr braucht es nicht. Nach Hause kommen, erzählen dürfen, wiederkommen dürfen, zurückkehren können, da sein dürfen. - Was brauchst du mehr als diese Geborgenheit im Leben.

 

"Das ist der alte Kutscheweg."

  • Die uralten Wege,
  • die Generationen von Menschen verbanden,
  • hinüber und herüber zueinander führten,
  • zug'wachelt, tief eingegraben,
  • von Regengüssen ausgewaschen,
  • Steine zugeschmirgelt,
  • trotzten diesem Weltgeschehen.
  • Aus Jahrhunderten könnten sie erzählen,
  • von Mühsal und Entbehrung,
  • in zermürbend langer Zeit.
  • Ist auf die Welt kommen in Waldeinöden,
  • hinunter getragen worden ins Dorf,
  • sich den Segen g'holt und weiter krabbelt.
  • Ist gar manch armseliges Leben,
  • in Ehre und Gottesfurcht,
  • auf schmalen Steigen unterwegs gewesen,
  • hat das bittere Dasein der Kirche zugeschleppt,
  • die Sorge hinunter ins Dorf g'schickt,
  • Beichte und Buße und Teufelsnot,
  • ist die Leidenschaft übern Berg g'schlichen,
  • barfüßig auf steinigen Gängen,
  • tiefer Schnee auf ewig langen Schulwegen.
  • Das Kichern, eiskalte Zehen, der Tatzenstecka,
  • der Pfarrer, der Lehrer ganz wichtige Leut',
  • jene Lebenswege die heute noch von Schicksalen murmeln,
  • das Wegkreuz als einsamer Zeitzeuge,
  • ein „Vater unser“ für's letzte Gangl,
  • Unglücksbilder und Tragödien,
  • der Wald, das Auskommen und die Lust am Leben,
  • das Alles und Nichts, hinübergerettet von allem ein wenig.
  • Schmugglergang auf nächtlichen Pfaden,
  • der gewilderte Rehbock im Keller versteckt,
  • Felsen, Schluchten, vieles aufm Buckel heimtragen,
  • der Förster vom Fenzlhof drunten,
  • wie oft ist er übern Riegel pirscht,
  • den Hahnendrilling aufgelegt,
  • mit dem Fuhrwerk auf holprigen Wegen,
  • den erlegten Hirsch ins Forsthaus bracht,
  • den Auerhahn im Pfandl g'schmurgelt?
  • Die letzte Kirchweih,
  • der Lumpentanz, der Stolz, die Bauernehr',
  • die Flucht hinüber mit einem Rucksack voll Habseligkeiten,
  • im Herzen für immer die Heimat versteckt,
  • bis übern Tod hinaus den Wald und
  • die Sehnsucht g'spürt.
  • Bis wieder jemand kommt und von vorn anfangt!
  • Die alten Geschichten ausgrab't,
  • kommt oft erst das Vergehen und dann das Werden!
  • Der Mensch bringt manches durcheinand, ist immer scho so g'wesen!

                                                                                                                                              08.01.2021

Steinernes Tor4 

Fenzlhof mit Osser - Vergrößern durch Anklicken! 

Steinernes Tor5

Weg zum Steinernen Tor - Vergrößern durch Anklicken! 

Steinernes Tor6

Droben am Steinernen Tor, Auslick zum Zwercheck und Spitzberg, links der Panzer - Vergrößern durch Anklicken! 

Steinernes Tor7

Der Osser überm Donnerwinkel - Vergrößern durch Anklicken! 

 

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