Wölfe brechen aus Tier-Freigelände aus

Entlaufene WoelfeNP-Verwaltung: Polizei eingeschaltet – Intensive Suchmaßnahmen laufen

. . . mit Berichten des BR und Statements

Vermutlich sechs Wölfe sind aus ihrem Gehege im Nationalparkzentrum Falkenstein ausgebrochen. (Foto: Rainer Simonis)

Ludwigsthal. In der Nacht auf Freitag sind aus dem Tier-Freigelände des Nationalparks Bayerischer Wald bei Ludwigsthal (Landkreis Regen) Wölfe ausgebrochen. Wie den Tieren die Flucht gelungen ist, ist bisher noch nicht hundertprozentig geklärt. Fremdeinwirkung durch Dritte wird nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Nationalparkverwaltung hat das weitere Vorgehen mit Polizei, Regierung von Niederbayern, Landratsamt Regen und dem Bayerischer Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz abgestimmt.

„Wir setzen mit höchstem Personaleinsatz alles daran, die Tiere wieder einzufangen“, sagt Nationalparkleiter Franz Leibl. Dazu werde versucht, die ausgebrochenen Wölfe anzufüttern. „Sollte das nicht gelingen, kommen Narkosegewehre zum Einsatz. Das letzte Mittel wäre aus Sicherheitsgründen der Abschuss der Tiere“, so Leibl. Ein Verbleib in freier Wildbahn ist ausgeschlossen. Ein Krisenstab, der im Besucherzentrum Haus zur Wildnis eingerichtet wurde, koordiniert die Maßnahmen.

Von den neun im Gehege lebenden Wölfen sind nach derzeitigem Stand sechs Tiere ausgebrochen. In freier Wildbahn sind die Tiere jedoch nicht lange Zeit überlebensfähig, da sie bisher ihr gesamtes Leben in menschlicher Obhut verbracht haben. Die Bevölkerung wird darum gebeten, auf keinen Fall Futter für die Wölfe zu deponieren, sich den Wölfen aktiv zu nähern oder sie zu fotografieren. Jede Sichtung soll dem Haus zur Wildnis (09922/5002-0) mitgeteilt werden. Nach Auffassung der Fachleute besteht derzeit keine Gefährdung für die Bevölkerung.

Quelle: Pressemitteilung NP-Verwaltung vom 6. Oktober 2017


Wolfsausbruch: Tiere im Umgriff des Geheges

Einfangversuche laufen - Nationalparkzentrum Falkenstein auch am Samstag geschlossen

Ludwigsthal. Nachdem in der Nacht auf Freitag sechs Wölfe aus dem Gehege des Nationalparkzentrums Falkenstein bei Ludwigsthal ausgebrochen waren, sind fünf der Tiere weiterhin im Umgriff ihres knapp sechs Hektar großen Gatters unterwegs. Mit rund 35 Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald wird bis zur Abenddämmerung versucht, die Wölfe zurück ins Gehege zu treiben. Der sechste entflohene Wolf wurde bereits in der Nacht auf der in der Nähe vorbeiführenden Waldbahn-Strecke von einem Zug getötet.

„Wir setzen weiter alles daran, die Tiere schnellstmöglich einzufangen“, betont Nationalparkleiter Franz Leibl. Sollten diese Versuche am Freitag nicht erfolgreich sein, wird am Samstagmorgen wohl versucht, die Wölfe mittels Narkosegewehren zu betäuben. Als letztes Mittel steht auch ein Abschuss im Raum.

Die genauen Hintergründe zum Ausbruch sind weiter unklar. Fest steht, dass ein mehrfach gesichertes Gehege-Tor am frühen Morgen offen stand. Daher ist auch ein mutwilliges Einwirken bisher unbekannter Dritter möglich. Ermittlungen dazu führt die Polizei. Das Nationalparkzentrum Falkenstein inklusive Tier-Freigelände, Haus zur Wildnis und Steinzeithöhle bleibt derweil mindestens bis Samstag geschlossen.

Quelle: Pressemitteilung der NP-Verwaltung vom 6. Oktober 2017 - 17:15 Uhr


Wolfsausbruch: Schnelleinsatz-Trupp jederzeit einsatzbereit

Entlaufenes Tier mit größerem Aktionsradius – Betäubung oder Abschuss möglich

Ludwigsthal. Zunächst hatte es so ausgesehen, dass sich die fünf der vormals sechs aus dem Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal (Landkreis Regen) ausgebrochenen Wölfe nur im Umgriff ihres Gatters aufhalten. Zuletzt jedoch zeigte eines der Tiere einen immer größeren Aktionsradius. Daher hat die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald nun einen Schnelleinsatz-Trupp installiert, der in Absprache mit der Polizei rund um die Uhr ausrücken kann.

„Diese Mitarbeiter sind mit Narkosegewehr und scharfer Waffe ausgerüstet“, erklärt Nationalparkleiter Franz Leibl. Da die Wahrscheinlichkeit eines Einfangens mit fortschreitender Zeit immer weiter sinkt, sollen die Wölfe wenn möglich betäubt werden. „Wenn dies nicht möglich ist, etwa aufgrund größerer Distanzen, wird von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.“

Quelle: Pressemitteilung der NP-Verwaltung vom 6. Oktober 2017 - 18:28 Uhr


Aktueller Sachstand zum Wolfsausbruch im Nationalpark Bayerischer Wald

Ludwigsthal. Seit Freitag versucht die Nationalparkverwaltung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die aus dem Gehege ausgebrochenen Wölfe nach Möglichkeit lebend einzufangen. Bereits freitagvormittags wurde vergeblich versucht die zu diesem Zeitpunkt noch in Gehegenähe befindlichen Wölfe mithilfe einer Treiberkette vorsichtig wieder ins Gehege zurück zu treiben. Über 30 Mitarbeiter sind seitdem in kleinen Teams sowohl mit Narkosegewehren als auch mit scharfer Munition bewaffnet im Gelände unterwegs. Zusätzliche Narkosegewehre entlieh sich die NPV bei den Zoos in Straubing und Lohberg. Bei den eigens mit Wärmebildkamera und Nachtsichtgeräten ausgerüsteten Tierpflegern, die durchgehend in den letzten beiden Nächten den Hochsitz an der Fanganlage besetzten, ließen sich die Tiere nicht blicken. Seit Samstag steht zudem eine beköderte Kastenfalle in der Nähe des Wolfsgeheges.

Da die 5 verbleibenden Tiere nicht als Rudel unterwegs sind, sondern sich zwischenzeitlich allein oder zu zweit auf einer Fläche von ca. 50 km² bewegen, wird ein Einfangen zunehmend unwahrscheinlicher. Nachdem es im Verlauf des Samstags im Bereich Frauenau zu kritischen Situationen mit Personen und einem Wolf gekommen ist, wurde auch der Abschuss der Tiere, vorrangig in Ortsnähe, als finale Option beschlossen.

Im Verlauf des heutigen Vormittags kam es zu einer erneuten Wolfssichtung zwischen Zwieselerwaldhaus und Ludwigsthal, bei der das Tier, nachdem Fang- und Betäubungsversuche gescheitert waren, getötet wurde.

„Gehegewölfe sind in ihrem Verhalten nicht mit wilden freilebenden Wölfen zu vergleichen, sie zeigen gegenüber den Menschen wenig Scheu und ein anderes Verhalten. Wir können und werden hier zum Schutz der Menschen kein Risiko eingehen“ resümierte Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung.

Quelle: Pressemitteilung der NP-Verwaltung vom 8. Oktober 2017 - 11:51 Uhr


Suche nach drei entlaufenen Wölfen läuft weiter

Am Dienstagvormittag wurde ein Tier getötet, da eine Betäubung unmöglich war

Ludwigsthal/Frauenau. „Leider müssen wir mitteilen, dass ein weiterer der vormals sechs aus dem Tier-Freigelände bei Ludwigsthal entlaufenen Wölfe geschossen werden musste“, berichtet Jörg Müller, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald. „Wir unternehmen weiterhin alles um der Tiere lebend habhaft zu werden. Wir bedauern, dass ein Einfangen in diesem Fall nicht möglich war.“ Dafür habe sich das Tier, welches im Raum Frauenau angetroffen wurde, zu schnell bewegt und war zu weit entfernt. Narkosegewehre funktionieren bei Wölfen nur auf kürzere Distanzen. Mittlerweile wurde zweifelsfrei bestätigt, dass es sich bei dem erlegten Tier um einen der Gehege-Wölfe handelt.

Die Suche nach den verbliebenen drei entlaufenen Wölfen läuft derweil unter Hochdruck weiter. Die Bemühungen, die wohl mutwillig von Dritten freigelassenen Tiere lebend zu fangen, wurden von Seiten der Nationalparkverwaltung mit Hilfe der Nationalparks Šumava und Berchtesgaden noch einmal intensiviert. „Wir haben jetzt noch mehr Lebendfallen im Einsatz“, erklärt Müller. Auch die Suchtrupps mit Narkosewaffen im Gelände wurden nochmals verstärkt. Als letzte  Option steht weiterhin aber auch ein Abschuss im Raum.

Beim Aufeinandertreffen mit einem Wolf sollte man dem Tier gegenüber mit Respekt begegnen. Man sollte nicht weglaufen, sondern sich langsam zurückziehen. Sollte einem ein Wolf trotzdem zu nahe kommen, sollte man auf sich aufmerksam machen, laut sprechen, gestikulieren oder sich anderweitig bemerkbar machen. Hunde sollten in jedem Fall angeleint sein. Dem Wolf sollte man weder nachlaufen, noch Futter anbieten oder Fotos machen wollen.

Anhängend noch drei Fragen nebst Antworten zum Thema

Warum ist ein schneller Zugriff erforderlich?

Umgehendes Handeln ist deshalb zwingend erforderlich, ….

• … um Konflikte mit Menschen zu vermeiden.

• … weil die Gehege-Wölfe je nach körperlicher Verfassung mit zunehmender Dauer in Freiheit durchaus lernen können zu überleben und effektiv zu jagen. Die Tiere verlernen aber nicht, dass der Mensch mit Nahrung verbunden ist. In Ortsnähe, wo sie nach menschlichen Abfällen suchen, oder an Wildfütterungen, wo leichte Beute zu finden ist, könnte es dabei etwa zu einer für den Menschen gefährlichen Beuteverteidigung kommen. Die Wahrscheinlichkeit für derartige Verhaltensmuster ist bei Gehege-Wölfen signifikant höher als bei wilden Wölfen.

• … weil man verhindern muss, dass sich die Gehege-Wölfe mit den wilden freilebenden Wölfen vermischen und unerwünschte Verhaltensweise, wie die fehlende Vorsicht vor dem Menschen, weitergeben. Nicht alle entlaufenen männlichen Tiere sind kastriert.

• … weil es angesichts der derzeitigen bayernweiten Diskussion über die Rückkehr der wilden Wölfe gilt, mögliche Konfliktsituationen zu vermeiden, um den wilden Wölfen ein Leben in unseren Wäldern nicht von vornherein unmöglich zu machen. Im Nationalparkgebiet gibt es bereits ein wild lebendes Rudel.

Was ist der Unterschied zwischen den wilden Wölfen und den Gehege-Wölfen?

Wilde Wölfe zeigen eine natürliche Vorsicht vor Menschen und meiden sie. Gehege-Wölfe dagegen sind Menschen gewohnt und zeigen weniger Fluchtverhalten. Gehege-Wölfe vergessen nicht die Verbindung zwischen Mensch und Futter, sie haben den Kontakt mit Menschen gelernt und zeigen kaum natürliche Zurückhaltung. Daher kann es im Vergleich zu wilden Wölfen viel wahrscheinlicher zu Konfliktsituationen kommen, etwa wenn Beute verteidigt wird.

Welche Schwierigkeiten gibt’s beim Einsatz von Narkosegewehren?

Ein mit Druckluft betriebenes Betäubungsgewehr funktioniert prinzipiell zwar auf größere Distanzen. Dafür muss jedoch ein hoher Druck gewählt werden, wodurch die getroffenen Tiere schwer verletzen werden könnten. Zuverlässig treffen solche Waffen bei Wölfen, die über ein schnelles Reaktionsvermögen und eine geringe Körpergröße verfügen, nur auf etwa 20 bis 30 Meter Entfernung. Selbst geringste Windgeschwindigkeiten beeinflussen die Geschosse signifikant in der Flugbahn. Mit dem Abschuss des Pfeils ist darüber hinaus ein Geräusch verbunden, auf welches das beschossene Tier reagiert und je nach Distanz dem Pfeil somit ausweichen kann. Würde man den Druck beim Schuss erhöhen, um den Pfeil zu beschleunigen, könnte der Pfeil abprallen oder die Wirkung des Narkosemittels könnte durch einen zu starken Aufprall vermindert werden, im Extremfall kann es zu schweren Verletzungen des beschossenen Tiers kommen. Aufgrund der Lernfähigkeit der Wölfe werden diese zudem bei jedem missglückten Betäubungsversuch misstrauischer, so dass ein schneller Erfolg unabdingbar ist. Um Narkosegewehre überhaupt einsetzen zu können, bedarf es einer speziellen Schulung und fundierter veterinärmedizinischer Kenntnisse. Schließlich muss die Betäubungsdosis richtig gewählt werden, um effektiv zu sein. Ist sie zu stark, stirbt das Tier. Der Einsatz ist also sehr schwierig. Im Vergleich dazu ist ein Treffer mit scharfer Munition auch auf Entfernungen von 100 bis 150 Metern noch relativ gut durchführbar.

Quelle: Pressemitteilung der NP-Verwaltung vom 10. Oktober 2017 - 13:08 Uhr


BR: Entlaufene Wölfe im Nationalpark: Sabotage befürchtet

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BR: Den Wölfen droht der Abschuss

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BR: Video mit einem Statement des Nationalparkleiters Dr. Leibl

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BR: Kobtroverse Diskussion um Abschuss

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Gesellschaft zum Schutz der Wölfe

 

Gehegewölfe sind gefährlich gut an Menschen gewöhnt

Wolfsexperte Peter Blanché erklärt, weshalb die entlaufenen Nationalparkwölfe nicht den Schutz ihrer wilden Artgenossen genießen

Gerade erst hat nach mehr als 150 Jahren das erste, wild lebende Wolfsrudel wieder Revier in Bayern bezogen. Eine Rückkehr, die prompt von der Forderung nach einer Lockerung des Schutzes für diese Tiere begleitet wurde, um Schäden für Viehhalter abzuwenden. Während die zuständigen Behörden diesen Forderungen bislang Stand halten, sieht es für die sechs Ende vergangener Woche aus dem Gehege des Nationalparks Bayerischer Wald entkommenen Wölfe anders aus: Die Nationalparkverwaltung hat sie zum Abschuss freigegeben, zwei Tiere wurden bereits geschossen – zur Empörung vieler in der Region. Wir haben mit dem Wolfsexperten Peter Blanché, Vorsitzender der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, über die Hintergründe für diese Entscheidung gesprochen.

Herr Blanché, warum besteht der Nationalpark Bayerischer Wald einerseits auf dem weitgehenden Abschussverbot für wild lebende Wölfe, entscheidet sich aber andererseits so schnell für einen Abschuss der entlaufenen Gehegewölfe?

Es scheint mir die einzig richtige Entscheidung zu sein. Für die Nationalparkverwaltung muss die Sicherheit der Menschen an allererster Stelle stehen – auch wenn das heißt, dass Wölfe getötet werden müssen. Denn Gehegewölfe haben die Wölfen natürlicherweise eigene Vorsicht gegenüber Menschen nie erlernt.

In natürlicher Umgebung schätzen Wölfe wie alle Wildtiere immer ab, ob eine Situation für sie Gefahr bringen könnte. Das ist auch lebensnotwendig, denn Verletzungen haben gerade bei „Raubtieren“ zur Folge, dass sie nicht jagen können und damit im Extremfall den Hungertod sterben. Wenn ihnen das Beutetierstark und wehrhaft erscheint, ist ihnen das Risiko zu groß, und sie suchen ein schwächeres, bei dem die Verletzungsgefahr geringer ist. Der Mensch ist für wild lebende Wölfe wegen seines andersartigen Aussehens, sprich des aufrechten Gangs, erst mal keine Beute. Er ist den Wölfen sogar generell suspekt, was durch die Jahrhunderte währende intensive Verfolgung sicher zusätzlich gefördert wurde. Deshalb gehen Wölfe den Menschen in der Regel aus dem Weg.

Gehegewölfe mussten dagegen beim Nahrungserwerb nie Gefahren abwägen. Sie bekommen ihr Futter vom Menschen. Dadurch hat sich diese bei wilden Wölfen „Scheu“ genannte Vorsicht zwangsläufig stark reduziert. Gehegewölfe leben in einer Umgebung, in der überall Menschen sind und alles Gute, sprich Futter, von Menschen kommt. Diese Gewöhnung ist genau das, was man bei Wölfen in freier Wildbahn schon im Ansatz sehr fürchtet. Einer der wichtigsten Grundsätze ist deshalb, dass Wölfe Menschen nicht als Futterquelle kennenlernen dürfen. Dadurch würden sie den Menschen so nahe kommen, dass Unfälle nicht auszuschließen sind. Genau diese Gefahr haben wir jetzt bei den Gehegewölfen.

In Zeitungsberichten ist sogar zu lesen, dass einer der Wölfe einem Mann und seinem Jungen einige Meter gefolgt ist. Wie lässt sich ein solches, aufdringliches Verhalten erklären?

Im Gehege gibt es nicht nur die routinemäßige Fütterung durch das Pflegepersonal, sondern zusätzlich unkontrollierte Futtergaben durch Besucher. Man kann ganze Schulklassen beobachten, die trotz Ermahnung des Personals die Wölfe mit ihren Pausenbroten anlocken und sich freuen, wenn die „wilden Tiere“ so brav herankommen.

Wenn jetzt aber solche Wölfe aus ihrem Gehege ausbrechen, wird diese Gewöhnung an Menschen und speziell Kinder als Futterquelle sehr schnell zum Problem. Sie haben keine Routine beim Jagen von Beutetieren und zusätzlich wenig Respekt vor den Menschen. Auch wenn sie bei der Jagd dazulernen, würden sie sich häufig in Ortsnähe herumtreiben und Haustiere wie Hühner, Schafe und auch Hunde und Katzen jagen. Die möglicherweise durch die Fütterung von Pausenbroten erworbene „Sympathie“ für Schulkinder kann auch hier zu Unfällen führen, wenn kein Zaun zwischen den Kindern und bettelnden Wölfen ist.

Dennoch: Ist die Entscheidung für den Abschuss nicht doch eine Nummer zu hart?

Der Betreiber eines Wolfsgeheges ist für seine Tiere, auch wenn sie ausgebrochen sind, verantwortlich und haftet für sie. Er kann das Risiko, dass Menschen zu Schaden kommen, nicht zulassen. Gehegewölfe, die nicht nach kurzer Zeit wieder in ihr Gehege zurückgebracht werden konnten, sind in der Vergangenheit deshalb immer getötet worden. Das löst heftige Proteste aus. Es erfreut sicher niemanden, ganz sicher auch die Verantwortlichen nicht. Für sie hat es absolute Priorität, die Tiere lebend zu fangen: Dazu haben sie Unterstützung aus den Nationalparks Šumava und Berchtesgarden organisiert, Lebendfallen ausgebracht. Außerdem sind permanent Streifen mit Narkosegewehren im Einsatz. Der Einsatz von Lebendfallen und Narkosgewehren ist jedoch extrem schwierig. Schon geringste Windgeschwindigkeiten machen einen Treffer mit dem Narkosegewehr beispielsweise nahezu unmöglich. Ein Abschuss erscheint daher leider unvermeidlich.

Was bedeutet das alles für das erste wilde Wolfsrudel in Bayern? Fürchten Sie, dass sie mit den Tieren aus dem Gehege verwechselt werden?

Würde nichts gegen die Gehegewölfe unternommen, würden Probleme, die durch sie entstehen, den wilden Wölfen zugeschrieben. Die ohnehin geringe Akzeptanz für ein Wolfsvorkommen in Bayern würde damit zusätzlich belastet. Es wäre auch nach kurzer Zeit schon sehr schwierig, die wirklich wilden Wölfe von ihren Kollegen aus dem Gehege zu unterscheiden, so dass ein Abschuss zunehmend problematischer würde. Wenn man dabei eines der Elterntiere des Rudels tötet, wird das ganze Rudel zerstört, und die Jungtiere können meist nicht überleben. Nachdem Wolfsgegner in der Region immer wieder halböffentlich geäußert haben, sie würden Wölfe bedenkenlos „abknallen“, muss auch befürchtet werden, dass die Gehegewölfe als „Alibi“ verwendet werden. Es würde möglicherweise ein wilder Wolf aus dem Rudel getötet und dann behauptet, man habe geglaubt, es sei ein Gehegewolf. Der habe sich aggressiv genähert, so dass es Notwehr gewesen sei. Nachweisen kann den vorgetäuschten Irrtum dann freilich niemand.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Blanché.

Die Fragen stellte Wiebke Bomas.


Pro-Nationalpark-Vereine

„Der Nationalpark handelt sehr besonnen“

Die Pro- Nationalpark-Vereine betonen, dass der Nationalpark in Bezug auf die vermutlich durch ein vorsätzlich geöffnetes Tor entlaufenen Wölfe „sehr besonnen“ handelt, wie die beiden Vorsitzenden Folker Freimuth (Pro Nationalpark Zwieseler Winkel) und Max Greiner (Pro Nationalpark Freyung-Grafenau) betonen. „Ich vertraue Nationalparkleiter Franz Leibl und seinem Team, weil ich weiß, dass sie die anstehenden schwierigen Entscheidungen professionell meistern werden“, so Freimuth.

„Ein Gehege-Wolf ist an Menschen gewohnt. Deshalb kann man sein Verhalten nicht vorhersehen“, sagt Greiner. Daher ist es wichtig, dass die Tiere nicht in freier Natur bleiben. Als letztes Mittel muss auch ein Abschuss erwogen werden. Denn: „Wenn im schlimmsten Fall tatsächlich etwas passieren sollte, also ein Mensch durch einen Wolf zu Schaden kommt, ist das viel schlimmer für die gesamte Diskussion über frei lebende Wölfe als die Abschüsse der Gehege-Tiere“, so die Vereinsvorsitzenden unisono. Die überwältigende Mehrheit der Vereinsmitglieder, von denen viele als ehrenamtliche Waldführer aktiv sind, sieht das genauso.

„Pro Nationalpark zur Förderung des Zwieseler Winkels e.V.“

  1. Vorsitzender Folker Freimuth

„Pro Nationalpark Freyung Grafenau e.V.“

  1. Vorsitzender Max Greiner

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