In seiner Freizeit will er sich mit Gesetzestexten auseinandersetzen. Fotos: privat
Jeden Tag als Bürgermeister habe er Spaß gehabt, sagt Wolfgang Zirngibl.
Nun geht es in den Ruhestand. Was dann ansteht? Gesetzestexte lesen.
Seit 1990 ist Wolfgang Zirngibl Bürgermeister von Ascha. „36 Jahre kann man gar nicht in einen Text schreiben“, sagt er. Erlebt hat er einiges.
Was sein wichtigstes Projekt war, könne er nicht sagen, „jedes ist wichtig“. Eine Gemeinde müsse vom Kindergarten bis zum Friedhof alles abdecken. Eines seiner ersten Projekte als junger Bürgermeister mit 31 Jahren war die Verhinderung der geplanten Mülldeponie bei Gschwendt. Es habe viele Aufsichtsbeschwerden und Gegenwind von den Behörden gegeben, sagt Zirngibl. Damals ging er mit seinen Mitstreitern bis vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.
Mit Erfolg: Am 22. Januar 1997 kam das Fax, „das war mindestens sechs Meter lang“, mit dem offiziellen Aus für die Mülldeponie. Diese Verhinderung habe die Entwicklung Aschas entscheidend geprägt, sagt Zirngibl heute. Denn so wurde das Bewusstsein für grüne Themen gestärkt und Ascha Vorreitergemeinde im Bereich erneuerbare Energien und Klimaschutz. Und dadurch auch weltweit bekannt.
Gäste aus Polen, Italien, Angola, Chile und vielen weiteren Ländern seien in Ascha zu Besuch gewesen, um sich das dortige System anzusehen, sagt Zirngibl. In Japan hielt er eine Präsentation zum Thema erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe – und deren Umsetzung in Ascha.
Wolfgang Zirngibl (2. v. l.) vor etwa neun Jahren in Japan: Hier hielt er einen Vortrag zum Thema erneuerbare Energien.
Die Übersetzung vom Bairischen ins Japanische sei zwar schwierig gewesen, meint Zirngibl. Aber die Ideen seien gut angekommen und sogar umgesetzt worden. So sei in einem Ort in Japan eine Quartierslösung mit Nahwärmenetz umgesetzt worden – nach dem Vorbild Aschas. Nicht umsonst wird Zirngibl auch als „das grüne Schaf in der CSU“ bezeichnet.
Wie es nun für ihn weitergeht, nachdem am 30. April sein letzter Amtstag ist? Zeit mit seinen sechs Enkeltöchtern will er dann verbringen. Und sich mit Gesetzestexten auseinandersetzen. „Das EEG-Gesetz zum Beispiel. Was macht Sinn, was nicht?“ Das mache ihm Spaß und er müsse sich damit auskennen, denn er ist auch wieder Mitglied im neuen Kreistag. Langeweile kenne er nicht, sagt Zirngibl. Der Terminkalender sei schon wieder voll bis Weihnachten.
Was die schönste Erfahrung aus 36 Jahren Bürgermeister war? „Alle Tage hatte man einen schönen Spaß.“ Und ob er es wieder machen würde? „Logisch.“
Natascha Probst/BOG Zeitung vom 26. April 2026 (Gen. der Lokalredaktion)
Hinweis: „Mit (regenerativer) Energie gegen den Strom – Wolfgang Zirngibl blickt zurück auf 36 Jahre als Bürgermeister von Ascha“ (Gemeindeboten 4/2026)

