Der reichste Mitterfelser zur Zeit der Säkularisation:
Karl Anton Märkl - Gerichtsschreiber (1784-1803), dann Landrichter (1803-1818)
Zweifelsohne war der Landrichter Karl Anton Märkl der reichste Mitterfelser zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das Schloss Mitterfels diente in seinem oberen Stock dem Pfleger und – nach der Umwandlung der Pfleggerichte 1799 in Landgerichte – dem Landrichter als Wohnung, so auch Karl Anton Märkl, die anderen Räume waren Dienstzimmer für das Landgericht. Als Wohnung wurde es am 6. September 1809 mit 200 Gulden gewertet, während es als Gebäude schon wegen seiner Größe auf 5000 Gulden geschätzt wurde. Das Hausgärtchen, der Schlossgraben und die Zwinger um das Schloss standen dem jeweiligen Landrichter zur Verfügung und wurden ihm auf seine Bezüge angerechnet (in partem salarii). (In der Eisenfronfeste wohnte der Gerichtsdiener. Gemauert war auch die Wohnung des Rentbeamten außerhalb des Schlossgrabens.)
Schon als Gerichtsschreiber erstand er die „Gerichtsschreiber-Sölde“ mit „Vieh und Fahrnis“ und mit dazugehörigen Äckern und Wiesen
Dem Landrichter Märkl gehörte auch die 1/8 Gerichtsschreiber-Sölde (die wohl identisch war mit dem in der „Fassion von 1808“ als Wohnung für den Rentbeamten neben der Wirtstafern – dem späteren Gasthof zur Friedenseiche – ausgewiesenen Haus ohne eigene Hausnummer). Er besaß sie noch aus der Zeit von 1784, als er noch nicht Landrichter, sondern unter dem Pfleger Freiherrn von Asch (1791-1799) und unter dem Landrichter Florian von Rüdt (1799- 1803) Gerichtsschreiber war. Die Sölde war auf einem „walzenden Grund“ errichtet, der also zur freien Verfügung stand. Es gehörten dazu im Winterfeld zwei Äcker im Zackenberg und zwei in der Point, im Sommerfeld ein Acker bei der Weißen Figur (in der Nähe von Zackenberg) und einer beim Galgen, im Brachfeld der Acker bei der Franzlmarter und der bei den Weihern. Auch Wiesen waren dabei: die Point beim Fronauer und die kleine Point im unteren Hofgarten. An Gemeindeanteilen besaß der Eigentümer der Sölde ein Riedl beim Galgen, eins bei den Weihern, drei Teile in den Stockäckern, einen bei der Weißen Figur, einen kleinen Holzfleck im Bimmaißet gegen Spornhüttling zu (Pimaisset – heute Baugebiet in Friedhofsnähe), drei Holzteile in der Rainbach (Bahnhofsnähe) und einen am Aubachl. Er hatte auch noch einen Anspruch auf die unverteilten Gemeindegründe.
Pflegnutzungsgründe, das halbe Weiherfeld und den Ziegelofen erwarb er bei Versteigerungen
Bei den Versteigerungen der ehemaligen Pflegnutzungsgründe (die wichtigsten Versteigerungen waren am 16. Januar und am 8. März 1805) erwarb Märkl 6 Tagwerk von den zwei Hofgärten um 300 Gulden, den Zackenberger Acker und die sogenannten „Vier Tagwerke“ um 793 Gulden. Von diesen Gründen verkaufte er an den Schneider Freundorfer vom Zackenberg 4 Tagwerke um 350 Gulden. Märkl erwarb bei den Versteigerungen auch das halbe Weiherfeld (8 Tagwerk) um 300 Gulden und den Stadel nächst der Mitterfelser Kirche St. Georg um 351 Gulden, endlich auch noch den Ziegelofen.
Für alle seine Grundstücke bezahlte Märkl 15 Gulden 21 Kreuzer und 6 Heller an Abgaben; dazu kamen die verschiedenen Zehentteile nach Parkstetten, an das Stift St. Johann in Regensburg und zum Rentamt. 37 Kreuzer gingen auch an die Kirchen in Mitterfels und in Kreuzkirchen.
Märkl hatte das Gerichtsschreiberhaus mit Vieh und Fahrnis (bewegliche Sachen, Mobilien) um 1600 Gulden im Jahr 1787 gekauft; sogar ein Teil der Einrichtung war im Kaufpreis enthalten. Das war kurz nach seinem Antritt in Mitterfels und nach seiner Verheiratung mit Susanne Ellersdorfer, deren Vater Rentkammersekretär und Ungeldner in Amberg war. Die Kaufsumme stammte sicher aus dem Vermögen seiner Frau.
Über einen „Strohmann“ erwarb er die aufgelöste Pfarrkirche Kreuzkirchen und baute aus den Steinen sein „Schlößl“
Als am 8. Juni 1809 die alte Pfarrkirche in Kreuzkirchen zur Versteigerung kam, gingen Kirche, Turm, Seelhaus, Friedhof, Friedhofsmauer und das „Absteigstüberl“ der Pfarrvikare um 306 Gulden an den ledigen Joseph Bayer von Vorderbuchberg (von dem es hieß, dass er ein „Schleifer“ gewesen sei und als „Strohmann“ für Landrichter Märkl fungiert hatte).
Die aufgelöste Pfarrkirche in Kreuzkirchen, Turm, Seelhaus, Friedhof, Friedhofsmauer und das „Absteigstüberl“ der Pfarrvikare erstand Märkl vom „Schleifer“ - Bild: Detail eines Gemäldes im Pfarrhof Oberalteich – Foto: Franz Tosch
Von diesem Bayer kaufte der Landrichter Märkl alle Gebäude außer dem Kirchturm, ließ sie abbrechen und erbaute sich mit den Steinen sein neues Mitterfels Heim, das „Baumeisterschlößl“. Für Pietät hatte er nichts übrig: Der Altarstein wurde als Bodenplatte bei der Haustüre verwendet, verschiedene Epitaphe, wie z. B. der Stein der Landrichtersfrau Maria Josepha Überle, sollen eingemauert worden sein. Der gotische Taufstein diente im Baumeisteranwesen lange Zeit als Brunnentrog. Viel später wurde er um 50 Mark an einen Altertumshändler verkauft. Seitdem ist er verschwunden.
Nach dem Bau seines „Schlößls“ verkaufte Märkl wohl die Gerichtsschreibersölde um 4000 Gulden. Er wohnte von nun ab in seinem neuen Besitztum.
Franz Tosch/Max Lachner/Franz Wartner
Quelle:
- Max Lachner, 800 Jahre Geschichte um Mitterfels
- Franz Wartner, Chronik Markt Mitterfels
Nachtrag: In einem Schreiben an die Königliche Regierung des Unter-Donau-Kreises vom 24. Oktober 1818 distanzierte sich Märks Nachfolger im Amt des Landrichters, Markus Maier, von seinem Amtsvorgänger Karl Anton Märkl, der dem Landgericht Mitterfels von 1803-1818 vorgestanden war. Mehr oder weniger unverhohlen warf er Märkl die Bereicherung im Amt vor. Er hatte dienstliche Erkenntnisse dazu genutzt, um freiwerdende Grundstücke günstig zu erwerben. Während seiner Amtszeit gelang es ihm sogar, das zum Landgericht zugehörige Ökonomiegut als Privateigentum zu übernehmen. Ein solches Finanzgebaren hatte an höchster Stelle für Verärgerung gesorgt. Vermutlich ist es kein Zufall, dass die Verfassung von 1818 Justiz-, Polizei- und Finanzbeamten verbot „im [eigenen] Amtsbezirke eine Guts-Realität zu erwerben.“
Aus: Georg Fisch, „Kein Gerichtssitz im Königreich ist so situiert, als dieser zu Mitterfels“ - Mitterfels zur Zeit des Landrichters Marcus Maier (1818-1838); veröffentlicht im Mitterfelser Magazin 31/2026.

