Spanische Siedlungen eines bayerischen Söldners

 

S. Michael Westerholz:

Das abenteuerliche Leben des Johann Kaspar von Thürrieg(e)l aus Gossersdorf, der von Mitterfels aus seine Laufbahn begann

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1767 schickte der spanische Obrist und Generaldirektor der Sierra-Morena-Kolonie, von Thürriegel, seinen bayerischen Verwandten in Gossersdorf dieses Porträt. Es ist seit dem Krieg verschollen. - Bild rechts: Der Entwurf für eine Beschreibung bayerischer Abenteurer zeigt Thürriegel als schneidigen Husar. Bekannter war er aber als Spion.

Um die Jahrtausendwende 2000/01 wurde in Gossersdorf bei Konzell im Bayerischen Wald ein uralter Doppelgeschossblockbau mit zwei Balkonen abgerissen. Die Aufnahme in die Denkmalliste war angeblich „glatt vergessen” worden. Dabei war es das Geburtshaus eines der abenteuerlichsten Bayern des 18. Jahrhunderts: Johann Kaspar von Thürriegel (1722 - 1795).

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Das Geburtshaus des Johann Kaspar von Thürriegel in Gossersdorf im Bayerischen Wald. Um die Jahreswende 2000/01 wurde es abgerissen.

Noch ein Fresser mehr, mag sein Vater geseufzt haben, als Johann Kaspar von Thürriegel am 31. Juli 1722 geboren wurde: Das siebte Kind mit dem Adelsnamen angesehener Ahnen, die Landrichter von Mitterfels (Balthasar Thürriegel, 1527) und ein Jahrhundert früher Pfleger zu Laber und von Viechtach im Bayerischen Wald (Hans und Georg Thürriegel) gewesen waren, war auf einem Halbbauernhof in Gossersdorf bei Konzell (heute Landkreis Straubing-Bogen) geboren worden. Nicht in die totale Armut, doch weit entfernt vom früheren Wohlstand der Familie, der nicht allein dem Dreißigjährigen und dem Spanischen Erbfolgekrieg zum Opfer gefallen war.

Sich vorzustellen, dass Wanderungen durch das spanische Pamplona (184.000 Einwohner) und durch die Provinzen Jaen, Córdoba und Sevilla auf die Spuren dieses Buben aus dem Bayerischen Wald führen, ist nicht ganz einfach. Aber rheinische, flämische, elsässische, lothringische, schlesische, pfälzische, schwäbische, plattdeutsche und bayerische Laute und erkennbar hispanisierte Familiennamen aus Aichmiller, Huber, Lickleder, Mayer, Kren, Wiesbeck, Nadler, Schneider, Zimmermann, Hübner, Veit, Reiser, Beck, Strauss, Kastinger, Breitsammer, Bayer usw., im übrigen Spanien unbekannte Allerheiligen- und österliche Bräuche wie das Eierpeckn, typisch deutsche Bauernhäuser, blonde, blauäugige Menschen und Ortsnamen wie Dos Puentes (Zweibrücken), Wursbour (Würzburg) oder Bourweiller (das exbayerische, pfälzische Burrweiler) klären rasch, dass keine Touristen oder heimgekehrte Gastarbeiter als Vermittler dieser Sprachfetzen in Frage kommen. Es sind Thürriegel und seine Kolonisten, die dort Spuren hinterlassen haben.

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