Historischer Verein Straubing. Vortragsreihe zum Stadtjubiläum

Wilhelm V wHerzog Wilhelm V. beschloss, Straubing zu einem geistlichen Zentrum auszubauen (Vortrag Prof. Dr. K. Hausberger) - Abb.: wikimedia commons, Gemälde von Hans Schöpfer

We­ni­ger be­kann­te Fa­cet­ten der Stadt­ge­schich­te

 

Mehrere stadt- und kunstgeschichtliche Schmankerl und Höhepunkte bietet das anspruchsvolle Vortragsprogramm, das die beiden Vereinsvorsitzenden Alfons Huber und Dr. Johannes Prammer anlässlich des Stadtjubiläums „800 Jahre Neustadt Straubing“ zusammengestellt haben.

 

 

Straubings geistliches Antlitz in der Barockzeit - 28. Juni 2018, Pfarrsaal St. Jakob

Professor Dr. Karl Hausberger, Universität Regensburg, befasst sich am 28. Juni in seinem Referat im Pfarrsaal St. Jakob mit dem geistlichen Leben Straubings in der Barockzeit. Bekanntlich wandte sich die Führungsschicht Straubings im 16. Jahrhundert großenteils dem lutherischen Bekenntnis zu. Doch nachdem Herzog Albrecht V. mit dem Instrument des obrigkeitlichen Bekenntniszwangs die ausschließliche Katholizität wiederhergestellt hatte, fasste sein ab 1579 regierender Sohn Wilhelm V. den Entschluss, die Gäubodenstadt, die als Sitz eines Rentamts beträchtliche Strahlkraft besaß, zu einem geistlichen Zentrum auszubauen und in ihren Mauern die sogenannte Katholische Reform nachdrücklich zu befördern.

Dass sich die intendierte Wirkung einstellte, bezeugt das geistliche Geschehen im Straubing der Barockzeit mannigfach. Die wichtigsten Träger dieses Geschehens und die von ihnen propagierten religiösen Ausdrucksformen werden im Referat vorgestellt.

Hochaltar in St. Jakob: Entstehung, Transformation - 25. September 2018, Pfarrsaal St. Jakob

Diözesankonservator Dr. Daniel Rimsl M.A., Regensburg, widmet sich in seinem Referat am 25. September im Pfarrsaal St. Jakob dem Wolgemut-Hochaltar-Retabel in St. Jakob. Dabei geht es vor allem um Entstehung, Geschichte und Transformation eines Hauptwerks der Nürnberger Kunst im 16. Jahrhundert. Der Vortrag wird die Geschichte des bedeutenden Flügelretabels auf dem Hochaltar der Straubinger Stadtpfarrkirche St. Jakob beleuchten. Es wurde in der Werkstatt des Dürer-Lehrers Michael Wolgemut für die Nürnberger Dominikanerkirche geschaffen. Nach der Reformation kam es nach Straubing, wo aber erst einige Figuren in andere Heilige umgewandelt werden mussten. Der Ankauf des Flügelretabels ist im Zusammenhang mit der Verlegung des Stiftes St. Tiburtius von Münster nach Straubing zu verstehen. Der Rang St. Jakobs sollte durch ein repräsentatives, durch ein bewusst altes Retabel als liturgisches Zentrum optisch im Kirchenraum präsent gemacht werden. Letztlich wurde das Hauptwerk der Nürnberger Kunstgeschichte zu einem Stück Straubinger Konfessionsgeschichte.

Die gotischen Wandmalereien - 18. Oktober 2018, Pfarrsaal St. Jakob

Die überkommenen gotischen Wandmalereien in Straubing sind Thema des Vortrags am 18. Oktober im Pfarrsaal St. Jakob. Referent ist Dr. Gerald Dobler, Kunsthistoriker/Kunst und Denkmalpflege Wasserburg a. Inn.

Der Vortrag stellt erstmals die aus der Zeit der Gotik bekannten Wandmalereien im heutigen Gebiet der Stadt Straubing vor. Die Zeitspanne, die von den Malereien abgedeckt wird, reicht vom späten 14. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, wobei der überlieferte Bestand gegenüber dem ursprünglich vorhandenen als äußerst gering und zufällig einzuschätzen ist. Die Gemälde besitzen zumeist gute Qualität und wurden überwiegend wohl von ortsansässigen Künstlern ausgeführt. Die umfangreichsten Malereien sind in der Stadtpfarrkirche St. Jakob und im Karmelitenkloster erhalten. Daneben sind im Sakralbereich die Kapelle des Herzogsschlosses, die Jesuitenkirche, die Krönungskapelle und Unsere Liebe Frau in Öberau zu nennen.

Renaissance-Epitaph Walkhaimer von Leinberger - 15. November 2018, Pfarrsaal St. Jakob

ACHTUNG - verlegt auf: Donnerstag, 29. November 2018

Das von dem bekannten Künstler Hans Leinberger für den Stiftsdekan Walkhaimer geschaffene Epitaph in der Bernauer-Kapelle steht im Mittelpunkt des Referats, das der Kunsthistoriker Professor Dr. Albert Dietl, Universität Regensburg, am 15. November im Pfarrsaal St. Jakob halten wird.

Das wahrscheinlich letzte eigenhändige Werk des Landshuter Bildhauers Hans Leinberger (nachweisbar 1510-1530) war das Totengedächtnismal für den aus Straubing stammenden Moosburger Stiftsdekan Johann Walkhaimer (+1529), das anscheinend erstmals das Thema der Auferweckung der Totengebeine nach der Vision des Propheten Ezechiel in die Epitaphkunst einführte. Die Kunstgeschichte der 1920er-Jahre feierte das 1916 in die Forschung eingeführte Werk, das eine bisher unbekannte Zeichnung um 1780 dokumentiert, wegen seiner furiosen Aktdarstellungen mit Vergleichen mit den Jüngsten Gerichten von Michelangelo und Rubens.

Ulrich Kastenmayr: Bürgermeister, Handelsherr - 14. Februar 2019, Pfarrsaal St. Jakob

Biographie und Verwandtschaft eines Aufsteigers heißt das Thema des Vortrags am Donnerstag, 14. Februar 2019, von Professor Dr. Franz Fuchs, Lehrstuhlinhaber für mittelalterliche Geschichte an der Universität Würzburg, das wieder im Pfarrsaal St. Jakob stattfindet.

Das Gedächtnis an Ulrich Kastenmayr ist mit seinem berühmten Grabstein in der Straubinger Jakobskirche verbunden, der zu den herausragenden Sepulkralkunstwerken der Spätgotik in Deutschland zählt. Der Vortrag geht der Biographie dieses Aufsteigers nach, der sichtlich aus kleinen Verhältnissen stammte, aber als Fernhandelskaufmann ein großes Vermögen erwerben konnte. Sein Lebensweg lässt sich vor allem aus noch ungedruckten Urkunden und Akten nachzeichnen.

Ulrich Kastenmayr ist erstmals im Jahre 1383 als Bürger der Stadt Straubing bezeugt, übersiedelte um 1400 nach Regensburg, wo er als Gläubiger des römischen Königs Ruprecht von der Pfalz belegt ist. Um 1405 trat er in den Dienst Herzog Johanns von Straubing-Holland; er war für seinen Dienstherren zunächst als herzoglicher Mautner in Schärding tätig, bevor er das höchst kommunale Amt in seiner Heimatstadt Straubing übernahm..

Humanistische Bestrebungen in Straubing - 21. März 2019, Gäubodenmuseum

Der Landeshistoriker Professor Dr. Alois Schmid, Universität Regensburg, rundet die Vortragsreihe ab. Sein Referat, das am 21. März 2019 wiederum im Saal des Gäubodenmuseums gehalten wird, spürt den bislang kaum untersuchten humanistischen Bestrebungen in der Stadt nach.

Der Humanismus der Renaissancezeit in Europa war eine Kulturbewegung, die nur in den oberen Schichten der Gesellschaft gepflegt wurde. Seine wichtigsten Pflegestätten wurden, ausgehend vom Mutterland Italien, die Höfe der Fürsten, die großen Städte, die Universitäten und Einrichtungen der Kirche. Wegen dieses elitären Charakters war das Herzogtum Bayern ein wenig günstiger Nährboden. Er fand auch hier Beachtung nur in den oberen Schichten des Kulturbetriebes; eine Breitenwirkung hat er nicht erlangt.

Die Straubinger Stadtgeschichte hat dem Thema des Humanismus bisher keine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Es liegen kaum größere Untersuchungen geschweige denn eine umfassende Darstellung vor. Damit entspricht der Forschungsstand dem in den meisten Städten der Umgebung. Die Thematik lohnt sich. In diesem Sinne soll der Rezeption der großen Modernisierungsbewegung in dieser Stadt nachgegangen werden. Es muss nach schulischen Einrichtungen und den hier ausgebildeten Studenten einschließlich ihrer akademischen Studienwege gefragt werden. In welchem Ausmaß haben diese Eingang in die Stadtverwaltung und die Einrichtungen der Kirche gefunden: Lassen sich hier eine Akademisierung und Professionalisierung feststellen? Dass ein Literaturbetrieb von Rang auf den Weg gebracht wurde, hat soeben Werner Schäfer an der Person des Thomas Naogeorg deutlich gemacht. Jedenfalls trug auch das Gedankengut des Humanismus zur Bildung einer breiten reformatorischen Bewegung in Straubing bei.

 

Historischer Verein Straubing, Stadtheimatpfleger Alfons Huber

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