1000 Jahre Geschichte um Mitterfels (19)

19 Urkarte

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Vor gut 830 Jahren tauchte der Name Mitterfels das erste Mal in einer Urkunde auf; Gschwendt im Kinsachtal kann auf 900 Jahre zurückblicken; vor 960 Jahren übernahmen die Grafen von Bogen den östlichen Donaugau von den Babenbergern; Metten, im Jahre 766 gegründet, rodete zu Füßen der schützenden Bergkette zwischen Vogelsang und Hirschenstein . . . über 1000 Jahre interessante Geschichte, in die wir in halbmonatlich wechselnden Kapiteln eintauchen.

Zu den vorhergehenden Kapitelbeiträgen können Sie sich im Menue rechts in der Grafik „1000 Jahre Geschichte um Mitterfels“ durchklicken. Das aktuelle Kapitel öffnen Sie mit einem Klick auf „Weiterlesen“ links unterhalb der einführenden Sätze.

19 Mitterfelser Höfe im Jahr 1579

Mit Einführung des neuen Hoffußes 1445 waren auch die Steuerbücher genau und mit allen Einzelheiten geführt, "wer und wann es vererbt oder leibgedingt hat, ...

... die Gerechtigkeiten, in welchem Bauzustand es ist, wieviel Äcker, Wiesen, Weide, Holzwachs, Abgaben an Stift, Gilt zum Kasten oder andern Orten, ob Vogt- oder Mundtleute, ob urbar oder hofmärkisch". Die größeren Mitterfelser Höfe geben uns ein Bild des ausgehenden 16. Jahrhunderts.

19 RodungsinselnMiething war einer der stattlichsten Höfe, mit einer Sölde dabei. Der auf Lebenszeit lautende Leibgedingbrief für Sixtus Kierdorfer war ausgestellt von Herzog Ludwig von Bayern-Landshut im Jahre 1516 und lautete auch auf Kiersdorfers Schwestern Margaretha Obermairin und Ursula Turmairin.

Die Baulichkeiten waren ganz aus Holz: das Wohnhaus, ein Rossstall, ein Stadel mit 1 Tenne und 2 eingebauten Kuhställen, ein Schweine- und Hennenkobel. Neu gebaut war ein hölzerner Schuppen, unten mit einem Schweine- und Kälberstall, obenauf mit dem Getreidekasten.

Das Umland der großen Höfe zeigt noch immer die einstigen Rodungsinseln, so bei Kohlham (oben) und Miething (unten). (Bayerische Vermessungsverwaltung - Gz: LDBV 334-0 1419-1.922)

Das Söldengütl beim Hof war neu gebaut und besaß ein hölzernes Wohnhaus und einen Stadel mit 1 Tenne und 2 kleinen eingebauten Ställen. Die Gründe waren: 1/2 Tagwerk großer Krautgarten mit 10 Obstbäumen, 13 Tagwerk Acker, eine zweimähdige Pointwiese, 2 Tagwerk groß und gleich beim Haus, weiter 2 Tagwerk im "Graben", 3 Tagwerk gegen Spornhüttling zu, 4 Tagwerk am Hinterholzner Weg, die jedes dritte Jahr brach liegen blieben.

Das Söldengütl besaß: vom Krautgarten 4 Bifang, 3 Tagwerk Felder, die 2 Tagwerk große "Söldenwies" am Zakkenberg und 1 Tagwerk "schwarzes Holzwachs" (Nadelwald). Hof und Sölde hatten alle Gründe mit Hagen und Zäunen ganz "eingefangen", als Wildschutz. wegen des nahen Waldes. Auf den Miethinger Gründen durfte kein anderer weiden oder hüten. Der Bauer arbeitete mit 3 Rossen.

Der Zins für Miething war sehr hoch. Die Steuer war fällig zu Georgi (23. März) und Michaeli (29. September) und betrug je 1 Pfund Pfennig; die Stift betrug 5 Pfennige; für die Sölde: Steuer je 2 Schilling Pfennige und Stift 2 Pfennige. 1595 oder 1596 wurde für den Besitznachfolger Michael Kirchdorffer, 30 Jahre alt, seine Ehefrau Margaretha, auch 30 Jahre, und den zweijährigen Sohn Georg ein neuer Leibgedingbrief ausgestellt. Aus diesem Anlass wurden die Abgaben erhöht. Miething musste an den Straubinger Kasten liefern: 2 Schaff 4 Metzen und 1 Vierling Korn sowie 3 Schaff 3 Metzen 1 Vierling und 2 Sechzehntel Hafer, alles in Landshuter Maß. Diese Getreidegilt blieb bis ins 19. Jahrhundert unverändert. Für die Sölde wurden die Beträge verdoppelt.

Der Straßhof war ein ganzer Hof. Der Leibgedingbrief des Herzogs Albrecht aus dem Jahr 1577 lautete auf Michael Straßmeier und seine beiden Söhne Simon und Georg.

Später kam zum Hof noch eine Sölde. Die Baulichkeiten waren die üblichen wie bei Miething, nur der Kasten war gemauert, alles übrige aus Holz. Zum Hof gehörten ein Krautgarten, ein Baumgarten mit 15 Obst- und Nussbäumen, 10 Tagwerk Feld, 4 Tagwerk Wiesen, davon 1 Tagwerk in der Neundling, sowie das "Weitholz", ein Laubwald. Der Straßbauer und der vom Eisenhart hüteten auf ihren Gründen gemeinsam. Der Bauer arbeitete mit 3 Rossen.

Die Abgaben betrugen: zu Georgi und Michaeli je 7 Schilling und 12 Pfennige an Gilt, an Stift 4 Pfennige. Die nicht zum Leibgeding gehörenden Gründe, Weingarten genannt, waren mit einer Sondersteuer von 2 Schilling Pfennigen belegt. Der Zehent ging zu zwei Dritteln nach Kreuzkirchen, das andere Drittel nach St. Johann in Regensburg. Für die Stockäcker gab der Bauer zwei Drittel des Zehnten nach Parkstetten, den Rest an den Kasten zu Mitterfels.

Unterholzen (Hinterholzen) gehörte dem Matthes Vorster. Der Leibgedingbrief, ausgestellt von Herzog Ludwig 1534, lautete auf die hinterlassenen sieben Kinder der verstorbenen Wolf und Margaretha Hagenauer (Wolf, Jakob, Lorenz, Ursula, Anna, Margaretha, Katharina). Die Baulichkeiten waren wie üblich. Die Gründe bestanden aus Krautgarten beim Haus, 13 Tagwerk nasse und lehmige Felder, 8 Tagwerk Wiesen und ein Birkenholz von etwa 6 Tagwerk. Gleich beim Haus war eine Viehtränke am Weiherl. Weide und Wasser hatte der Bauer wohl verhagt (eingezäunt). Der Bauer wirtschaftete mit 3 Rossen.

Die Steuern betrugen: zu Georgi und Michaeli je 1 Pfund Pfennige, die Stift 4 Pfennige. Der Zehent ging zu einem Drittel an den Kasten Mitterfels, zu zwei Dritteln nach Parkstetten.

Kohlham war damals schon geteilt. Zwei Brüder Fränggl bewirtschafteten je einen halben Hof, der erste an Tagwerkszahl etwas größer, beide aber gleich besteuert. Jeder arbeitete mit 2 Rossen.

Für den ersten Hof lautete der Leibgedingbrief auf Lebenszeit von Herzog Albrecht aus dem Jahr 1577 auf Wolfgang Fränggl, seine Frau Apollonia und die Tochter Margaretha. Neben den üblichen Baulichkeiten gab es 2 Backöfen beim Haus, einen Schöpfbrunnen im Hof und einen Getreidekasten über dem hölzernen Schuppen. An Gründen gehörten zum Hof: ein 4 Tagwerk großer Obstgarten im "Furthfeld" mit 120 Obstbäumen, ein Krautgarten beim Haus neben der "Gassen", dann 9 Tagwerk "Ödgärten", in drei Felder geteilt, weitere 13 Tagwerk Felder, 12 Tagwerk Wiesen, davon eine mit 4 Tagwerk gleich hinter dem Stadel. Die 6 Tagwerk Laubholz gegen Miething zu waren mit Hagen vermacht.

Für den zweiten Hof lautete der Leibgedingbrief von 1577 auf Hanns Fränggl und seine Frau Katharina. Als die Frau mit 40 Jahren starb, musste Hanns für sich, den Sohn Stefan (12 Jahre) und die zweite Ehefrau Margaretha einen neuen Leibgedingbrief ausstellen lassen. Die Baulichkeiten glichen denen vom ersten Hof, auch hier war ein Schöpfbrunnen im Hof. Zum Gut gehörten 3 Tagwerk Ödgärten, 12 Tagwerk Felder mit Obstbäumen darin, 6 Tagwerk Wiesen und 1 Tagwerk Laubholz gegen Englberg hin. Die beiden Fränggl hatten eine gemeinsame Weide; sonst hatte niemand das Recht zum "Bluombesuch" (Weiderecht).

Die Abgaben beider Höfe waren zunächst die gleichen: 6 Regensburger Pfennige an den Prälaten von Oberalteich und 10 Pfennige an die Kirche Parkstetten, weil beide Fränggl im dortigen Heilingholz das Weiderecht besaßen; an den herzoglichen Kasten zu Georgi und zu Michaeli je 4 Schilling Pfennige, an Stift 4 Pfennige, an Schmalzdienst 10 Pfund. Außerdem bekam der Pfarrer von Rattiszell eine Henne und 24 Pfennige. Nach Ausstellung des neuen Leibgedingbriefs an Hanns Fränggl musste dieser zusätzlich je 1/2 Schaff Korn und Hafer abliefern.

Aus Weingarten, das von Anfang an eine Dorfgemeinschaft bildete, bringen wir die zwei halben Höfe, Eigengüter des Michael und Caspar Haas.

Michael Haas besaß einen Brief auf sein Eigengut, der am "Pfinztag" (Donnerstag) nach Andreas 1491 zwischen den Probstischen Erben aufgerichtet und vom Straubinger Rentmeister Caspar Winzerer von Sachsenkam gesiegelt wurde. Doch zinste Haas an den Herzog 12 Regensburger Pfennige, als Michaeligilt und 2 Pfennige Stift.

Alle Baulichkeiten waren aus Holz, alles unter einem Dach: Wohnhaus, Rossstall für 2 Rosse, Schupfen, Schweinestall mit Hennenkobel darüber, Stadel mit eingebautem Kuhstall und 1 Tenne, hölzerner Getreidekasten, alles in gutem Zustand. Beim Hof waren 2 Obstgärten mit je 1 Tagwerk; aus den Gründen der Dorfgemeinschaft standen ihm je 2 1/2 Tagwerk aus der Dreifelderteilung zu. An zweimähdigen Wiesen hatte er nur 1 Tagwerk.

Caspar Haas hatte einen Hof, der früher zu Scheibelsgrub gehörte, aber durch einen Freibrief, den Hanns der Scheibeck 1406 aufrichtete und durch Hans Eitgartner (?) am Mittwoch vorm Palmtag siegeln ließ, den Inhabern als lediges Eigen gegeben wurde. Am Erchtag (Dienstag) nach St. Andreas (30. Nov.) 1433 gab dann Agnes, die Tochter des Perchtold Schuster von Mitterfels, ihrem Vetter Fridolin Ludlein ihren Anteil, ein Viertel, von dem ganzen Hof. Dieser Brief trägt das Siegel des Straubinger Kastners und Rentmeisters Hertwig Gleichner (?). Die Baulichkeiten waren ähnlich wie beim Michael Haas, alles aus Holz und das meiste unter einem Dach; nur der Kasten stand frei im Hof und war zweigädig (zweistöckig).

Von der Steuer ging der "Zechenpfennig" (31 Pfennige) an das Gotteshaus Kreuzkirchen; an den Kasten gingen 4 Pfennige Stift.

In Uttendorf hatte Michael Schiedtmaier eine Sölde, nach dem Leibgedingbrief des Herzogs Albrecht von 1577, für sich, seine Ehefrau Margaretha und die Kinder Mattheus und Maria. Er zahlte an Michaeli 10 Pfennige, die Stift war 4 Pfennige. Sein Besitz waren ein Baumgärtl mit 6 Bäumen, ein Gärtl hinterm Haus, ein Krautgarten, an dem auch die Nachbarn Anteil hatten, 6 Tagwerk Feld und 7 Tagwerk Wiesen, sowie ein Nadelwald und Laubholz am Höllberg. Die Viehweide war mit den Nachbarn gemeinsam.

 

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