Sebastian Egle arbeitet in den Bruder-Konrad-Werkstätten in Mitterfels. Fotos: Petra Homeier
Die schwächelnde Wirtschaft macht sich auch bei den Behindertenwerkstätten bemerkbar.
Noch wirkt sich das nicht auf den Lohn aus – könnte es aber bald.
Die wirtschaftliche Lage im Land ist gerade nicht einfach – das zeigt sich auch in den Behindertenwerkstätten im Freistaat. In den Werkstätten im Landkreis Straubing-Bogen gehen weniger Aufträge ein – und das schon seit rund einem Jahr.
Insbesondere im Metall- und Industriesektor gebe es weniger zu tun, sagt Evi Feldmeier, Einrichtungsleiterin der Bruder-Konrad-Werkstätten in Mitterfels. Betroffen seien vor allem Aufträge aus der Automobilbranche. Gerade für Automobilzulieferer sei in den Bruder-Konrad-Werkstätten früher viel gearbeitet worden – diese Aufträge sind laut Feldmeier jedoch um 50 Prozent weggebrochen.
Für die Menschen mit Behinderung hat die bayernweit schrumpfende Auftragslage oft direkte Folgen: An den Aufträgen hängt ihr Lohn. Gelder aus öffentlicher Hand werden in Behindertenwerkstätten beispielsweise für die Instandhaltung der Werkstätten verwendet, nicht aber für das Gehalt der Menschen.
Viele Aufträge in Küche und Wäscherei
In den Bruder-Konrad-Werkstätten in Mitterfels, wo 200 Menschen im Rahmen der Eingliederungshilfe tätig sind, musste der Lohn bisher noch nicht reduziert werden, sagt Feldmeier. Nur die Jahressonderzahlung habe man 2025 nicht auszahlen können. Aus der Vergangenheit habe man eine „recht stabile“ Liquidität im Hintergrund. Aber wie es weitergeht? „Da muss man schauen.“ In den Bruder-Konrad-Werkstätten liegt der Lohn im Durchschnitt bei 450 Euro im Monat, bundesweit bei 270 bis 280 Euro.
Ebenfalls in Mitterfels tätig ist Steffi Lampert.
Es gibt jedoch nicht nur negative Nachrichten bezüglich der Auftragslage: Während die Arbeit im Industrie- und Verpackungsbereich weniger geworden ist, laufe es im Dienstleistungsbereich sehr gut, sagt Feldmeier. Für die Bereiche Wäscherei und Küche gingen so viele Aufträge ein, „die können wir alle kaum mehr bearbeiten.“ Allerdings sei das auch ein „sehr preissensibler“ Bereich, sagt Feldmeier. Sprich: Hier kann nicht so viel Geld erwirtschaftet werden wie bei Aufträgen aus der Industrie.
Im Dienstleistungsbereich sind die Bruder-Konrad-Werkstätten für Seniorenheime, Kliniken und andere Einrichtungen tätig. Einige ehemalige Kunden wären zuletzt wieder zurückgekommen, sagt Feldmeier. Diese hätten zuvor die Dienstleistungen ins kostengünstigere osteuropäische Ausland verlagert, aber nun festgestellt, dass „die Qualität bei uns sehr, sehr hoch ist.“
Jeder Kunde habe einen persönlichen Ansprechpartner und auch kurzfristige Wünsche könnten schnell umgesetzt werden – das wüssten viele Kunden zu schätzen. In der Siedlung Bühel in Schwarzach leben und arbeiten 50 Menschen mit Behinderung. Mit großen Auftraggebern wird hier kaum zusammengearbeitet, doch auch hier kämpft man mit dem sinkenden Absatz. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt in Schwarzach auf dem Handwerk: Handtücher und Geschirrhandtücher werden handgewebt, Schuhlöffel und Hängematten gefertigt. Verkauft werden die Produkte vor Ort in den eigenen Werkstätten in Schwarzach und auf Kunsthandwerkermärkten in der Region.
„Der Markt wird nicht leichter“
„Der Markt wird nicht leichter“, sagt Verwaltungsleiterin Manuela Bauer. Die handgewebten Handtücher würden etwa zwischen zwölf und 18 Euro kosten, während es im Online-Handel oft Handtücher für 50 Cent gebe. In Zeiten, in denen viele immer mehr auf ihr Geld schauen müssten, werde es immer schwieriger, diese hochwertigen Produkte zu verkaufen. Auf den Lohn der Arbeiter würde sich das aber nicht auswirken.
In den Bruder-Konrad-Werkstätten ist man bereits seit einem Jahr auf der Suche nach neuen Auftraggebern. Betriebe würden gezielt angesprochen, um neue Aufträge einzuholen, sagt Feldmeier. Die Werkstätten hätten da ein ganz gutes Netzwerk. Zwar würden sie gerne weiterhin mit der Automobilbranche zusammenarbeiten, jedoch „müssen wir uns da auch neu orientieren“, sagt Feldmeier. Neue Auftraggeber zu finden, sei aber derzeit gar nicht so einfach.
Firmen, die Aufträge hätten, könnten jederzeit auf sie zukommen, sagt die Einrichtungsleiterin, die sich über neue Kunden freuen würde. „Wir schauen uns gerne alles an und sagen dann, was geht.“
So kommt der Lohn zustande
In den Bruder-Konrad-Werkstätten liegt der Lohn im Durchschnitt bei 450 Euro im Monat. Bundesweit beträgt der Durchschnittslohn in Behindertenwerkstätten 270 bis 280 Euro. Eine Statistik des Bundesarbeitsministeriums spricht von einem Gehalt von 232 Euro im Jahr 2023.Man müsse hier aber das Gesamtpaket betrachten, sagt die Einrichtungsleiterin der Bruder-Konrad-Werkstätten, Evi Feldmeier. Der Lohn, der gezahlt werde, sei ein leistungsangemessenes Entgelt. So hätten die Beschäftigten spezielle Nachteilsausgleiche, wie etwa einen absoluten Kündigungsschutz oder nach 20 Jahren Arbeit Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Zudem gebe es einen fiktiven Bemessungsbeitrag bei der Rentenversicherung. In den Werkstätten stehe nicht das wirtschaftliche Ergebnis im Vordergrund, sondern die berufliche Entwicklung sowie Förder- und Therapiemaßnahmen.
Natascha Probst/BOG Zeitung vom 14. Februar 2026 (Gen. der Lokalredaktion)

