„Die Sorge um das gemeinsame Haus“

Laudato siBayer. Wald-Verein Mitterfels. Vortrag zur Umweltenzyklika „Laudato Si“

Mitterfels. Seine große Bedenken über den Umgang der Menschen mit Umwelt und Natur hat Papst Franziskus in seiner „Enzyklika über die Sorge für das gemeinsame Haus“ Ausdruck gegeben, die bereits im Mai 2015 im Hinblick auf den Weltklimagipfel, der dann im Dezember 2015 in Paris stattfand, veröffentlicht wurde.

Mit eindrücklichen Worten weist der Papst in seinen Ausführungen darauf hin, wie die Erde von uns Menschen in vielfacher Weise ausgebeutet und der Zerstörung preisgegeben wird. Die Folgen des ständigen Wirtschaftswachstums in den Industrieländern werden ebenso angeprangert wie die durch den Klimawandel und die vielen Kriegszustände bedingten Flüchtlingsströme. Einfühlsam zeigt er Wege auf, wie wir alle dafür sorgen können, Gottes schöne Schöpfung für uns und unsere Kinder zu erhalten.

Auf Einladung des der Sektion Mitterfels des Bayerischen Wald-Vereins hat die Umweltbeauftragte des Bistums Regensburg, Diplom-Theologin Beate Eichinger, in einem anschaulichen Vortrag dazu Stellung genommen. Den interessierten Besuchern der Veranstaltung, die in der evangelischen Heilig-Geist-Kirche stattfand, wurden die einzelnen Abschnitte der Enzyklika sehr ausführlich vorgestellt und mit schematischen Bildern unterlegt.

papa francesco 20150524 enciclica laudato si ge„Laudato Si mi Signore – gelobet seist du mein Herr“: In diesem schönen Loblied erinnerte der heilige Franziskus von Assisi daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie ein schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt. Später klagt diese Schwester wegen des Schadens, den die Menschen ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügt.

Und gleich zu Beginn seiner Ausführungen weist Papst Franziskus darauf hin, dass nichts auf der Welt für uns gleichgültig sein darf. Wir sind nicht nur verpflichtet, auf Missstände hinzuweisen, sondern müssen vor allem auch dafür zu sorgen, dass diese wieder beendet werden. Das Lehrschreiben richtet sich deshalb nicht nur an die gesamte katholische Welt, sondern „an alle Menschen guten Willens.“ Ganz im Sinne des Heiligen Franziskus wird sehr deutlich, bis zu welchem Punkt die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Frieden miteinander verbunden sind.

Mit großem Engagement und fundierten Kenntnissen erläuterte Frau Eichinger den Inhalt der in sechs Kapitel untergliederten Enzyklika. Im ersten Kapitel werden nach dem in der  Katholischen Soziallehre gängigen Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“ besonders die entscheidenden Umweltprobleme in den Mittelpunkt gestellt: Umweltverschmutzung,  Müllproblem und Wegwerfkultur, der Klimawandel, die Wasserknappheit und der Verlust der Artenvielfalt. Zur Lösung dieser Probleme sei vor allem auch die Politik gefordert, dabei sollen nicht „die Interessen der Mächtigen, sondern die Bedürfnisse der Armen, der Schwachen und der Verletzlichen“ stehen. Der Papst warnt in diesem Zusammenhang eindrücklich vor einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“. Im zweiten Kapitel wird das „Evangelium von der Schöpfung“ behandelt: Die Liebe Gottes ist der fundamentale Beweggrund der gesamten Schöpfung. Ökologische Fragen werden hauptsächlich in Kapitel drei und vier behandelt. In der Schöpfungsgeschichte wird der Auftrag an die Menschen unterstrichen, nicht nur das Vorhandene zu bewahren, sondern auch zu bearbeiten, dass es Frucht bringe. Das führt nach Ansicht des Papstes zu einer Würdigung der menschlichen Arbeit, „den Armen mit Geld zu helfen muss immer eine provisorische Lösung sein, das große Ziele ist, jedem mittels Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen“. Und da alles mit allem zusammenhängt, soll eine ganzheitliche Ökologie die Themen Umwelt, Wirtschaft und Kultur sowie das Alltagsleben jedes Einzelnen umfassen. Diese große Vielfalt sei „ein Schatz für die Menschheit“, den es zu stärken gelte. Da die Erde, die wir empfangen haben, auch jenen gehöre, die erst nach uns kommen, wird auf die Notwendigkeit einer generationsübergreifenden Gerechtigkeit Bezug genommen.

Im fünften und sechsten Kapitel werden „einige Leitlinien für Orientierung und Handlung“ aufgezeigt. Hier äußert sich Papst Franziskus lobend zur weltweiten Ökologiebewegung, die dazu beitrage, dass die Umweltfragen immer mehr Beachtung finden; kritisch setzt er sich dagegen mit den Umwelt-Gipfeltreffen der letzten Jahre auseinander, deren Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprochen hätten. Er fordert auch die verschiedenen Religionen auf, ihren Beitrag „für die Schonung der Natur, die Verteidigung der Armen und die gegenseitige Achtung in Geschwisterlichkeit“ zu leisten. „Auch wenn wir davon ausgehen, dass viele der in der Enzyklika angesprochenen Punkte für uns in Deutschland nicht zutreffend oder zumindest teilweise schon gelöst sind, ist zu bedenken, dass diese weltweit gilt. Und hier gibt es noch viel zu tun, was uns allen ein großes Anliegen sein muss“, schloss Frau Eichinger ihren Vortrag.

Dass die Verantwortung für einen fairen Umgang mit unserem Erdplaneten bei den Besuchern auf offene Ohren und Herzen gestoßen ist, zeigte sich an der anschließenden lebhaften Diskussion.

Text und Foto: Doris Metzger

 

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