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Fronleichnam. Zwischen Beten, Birken und Blumen

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Pater Dominik, Mitterfels, vor dem selbst gebauten Altar und der Rosenranke. Foto: Seebauer

Fronleichnam wäre nicht Fronleichnam ohne Vereine und Menschen, die Stationen bunt schmücken.

Wer den Tag mitgestaltet – und warum wir ihn feiern.

Sie betrachtet das überhaupt nicht als Arbeit, sagt Brigitte Seebauer. Seit rund 20 Jahren kümmert sie sich um eine Fronleichnamsstation in Mitterfels bei ihrem Haus in der Ortsmitte – und das immer wieder mit Freude.

Am Haus der Seebauers klettert eine leuchtend rote Rose die Mauer hinauf. Sie blühe zur Fronleichnamszeit immer besonders schön. Die Rose allein wirke so stark, dass es nicht mehr viel brauche, sagt Brigitte Seebauer. Alle Beete ums Haus würden jedoch noch einmal hergerichtet. Im Anschluss kommt der Altar aus Fichtenholz. Die Seebauers sind eine Schreinerfamilie, den Altar hat Schreinermeister Willi Seebauer selbst gebaut. Das Kreuz haben er und seine Frau aus dem Ahrntal mitgebracht.

Zum Schluss kommt noch ein Teppich vor den Altar, eine weiße Hortensie vom Blumengeschäft aus dem Dorf und eine Kerze aus dem Pfarramt. Die Seebauers warten an Fronleichnam auf den Zug und freuen sich, wenn die Menschen bei ihnen Halt machen, sagen sie.

Für Christen ist Fronleichnam ein Höhepunkt im Kirchenjahr. Viele Gemeinden treiben großen Aufwand, um das Fest feierlich zu begehen, auch im Landkreis Straubing-Bogen. Fronleichnam ist laut dem Bistum Regensburg – an kirchlichen Maßstäben gemessen – ein junges Fest: Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ gehe auf eine Vision der niederländischen Nonne Juliane von Lüttich zurück, die von 1193 bis 1258 lebte. In Visionen sah sie immer wieder einen Mond, auf dem ein dunkler Fleck zu sehen war – wie Jesus ihr in einer Vision mitteilte, sei im Mond die Kirche dargestellt, der Fleck aber verweise auf ein bislang nicht gefeiertes Fest: das Fest der Einsetzung der Eucharistie. Relativ schnell verbreitete sich der Brauch von Fronleichnamsprozessionen. Die Prozession wurde zu einer Demonstration des katholischen Glaubens ausgebaut.

„Viele Vereine, Kinder und Gläubige sind dabei“

Eine Prozession gibt es auch durch Niederwinkling, berichtet Christina Schneider, Gemeindereferentin der Pfarrei Oberwinkling-Mariaposching-Waltendorf. „Viele Vereine, Kinder und Gläubige nehmen daran teil.“

Insgesamt gibt es vier Altäre, die von Privatpersonen geschmückt werden, einer vom Frauenklub. „Auch um das Schmücken der Straßen und Häuser kümmert sich jeder Haushalt selber“, sagt Christina Schneider. Nach der Prozession geht es noch einmal zurück in die Kirche für den Schlusssegen. „Im Anschluss daran findet das Gartenfest der Feuerwehr Niederwinkling statt, wo dann noch viele Leute hingehen.“

Ein Altar vor dem Seniorenheim

Neben Blumen schmücken auch Birkenzweige oder Kränze den Weg. Sie galten früher, wie auch der Blumenschmuck der Altäre, als besonders heilkräftig, so das Bistum Regensburg. Viele Gläubige brechen noch heute nach der Prozession Zweige von den Birkenbäumchen ab und nehmen sie mit nach Hause. Ebenso wie die Kränze hängen sie dann im Herrgottswinkel, im Stall und in der Scheune, wo sie nach altem Glauben vor Unglück und Unwetter schützen sollen. Birkenzweige nehmen sich auch Martha Herrnberger und Melanie Graf aus Mitterfels mit nach Hause, erzählen die Frauen. „Viele ältere Leute legen noch Wert darauf.“

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Martha Herrnberger und Melanie Graf schmücken diesen Altar. Foto: Graf

 

Die beiden Frauen schmücken bereits seit 1998 einen Altar in Mitterfels, zunächst gegenüber Elektro Pichl, heute beim Seniorenheim. „Erst haben wir es mit den Landfrauen gemacht, jetzt privat“, sagt Melanie Graf.

Die Mitterfelserin arbeitete früher in dem Heim und findet den Platz super. „Es gefällt den Senioren sehr gut. Es sind viele da, denen Fronleichnam noch sehr wichtig ist.“ Sie selbst hilft an diesem Tag dazu, dass alle Senioren rechtzeitig vor dem Haus sind, damit sie den Umzug und das Beten vor dem Heim nicht verpassen. Der Fronleichnamsbrauch ist ihnen ein großes Anliegen, sagt Martha Herrnberger, die die Seniorenbeauftragte in der Gemeinde ist. Sie kümmert sich an Fronleichnam unter anderem um die Blumen für den Altar. Meistens sind es Weinblätter und Rosen aus dem eigenen Garten, je nachdem, was rund um ihren Hof gerade am schönsten blüht. Für die Birken sorge die Gemeinde. Die Altartücher stammen noch von Melanie Grafs Oma, sie sind handgestickt. „Das kriegst du heute normal nirgends mehr.“

Die beiden Frauen wollen durch ihr Engagement den Fronleichnamsbrauch erhalten, sagen sie. Darum helfen sie so gerne mit.

Marie Schmid/BOG Zeitung vom 4./5. Juni 2026 (Gen. der Lokalredaktion)