„Denkmalschutz“ für die Sprache

2024 05 04 PK Aktion pro Suedhochdeutsch

„Blaukraut bleibt Blaukraut“: Dr. Rudolf Neumaier (von links), Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Sepp Obermaier, Vorsitzender des Bunds Bairische Sprache, und die Autoren Stefanie Prochazka und Niklas Hilber haben Anfang Mai eine gemeinsame Broschüre präsentiert. − Foto: Heimat-Bayern.de – Vergrößern durch Anklicken!

Landesverein für Heimatpflege und Bund Bairische Sprache starten Petition und geben eine Südhochdeutsch-Broschüre heraus

Landshut. Heimatpflege bedeutet nicht nur das Hegen von Baudenkmälern, sondern auch das Bewahren der Sprache.

Das hat Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, gestern deutlich gemacht. Zusammen mit dem Bund Bairischer Sprache hat der Landesverein daher eine Broschüre erstellt, die in einem historischen Holzhaus im Herzen Landshuts vorgestellt wurde und die „Denkmalschutz“ für die Sprache beinhaltet.

2024 05 04 Heft Sddeutsche Standardsprache S1Auf 20 Seiten bringt „Blaukraut bleibt Blaukraut“ den Lesern altbayerisches Hochdeutsch für Anfänger und Fortgeschrittene auf unterhaltsame Art näher. Niklas Hilber, der Sepp Obermeier heuer als Vorsitzender des Bunds Bairische Sprache folgen soll, und die Sprechwissenschaftlerin Stefanie Prochazka haben das Heft verfasst, das an Schulen gehen soll und auch kostenlos versandt wird.

Ziel ist es aufzuklären, dass sich nicht nur die deutschen Mundarten untereinander unterscheiden – auch die deutsche Hochsprache ist nicht einheitlich, sondern regional vielfältig, was die Aussprache und den Wortschatz betrifft. Im Unterschied zu den Dialekten sind aber alle Varianten allgemein verständlich und es existiert eine genormte Rechtschreibung. Dem Landesverein für Heimatpflege und dem Bund Bairischer Sprache geht es um die Südhochdeutsche Standardsprache, die in Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, Südtirol, Teilen der Schweiz und Liechtensteins gesprochen wird.

Co-Autorin Prochazka nennt zum Beispiel das Wort „China“. In Bayern sagen viele Menschen „Kina“, in anderen Teilen Deutschlands „Schina“ oder „China“. Das sprachliche Selbstbewusstsein der Süddeutschen habe gelitten, zeigte die Wissenschaftlerin auf. Viele glauben, dass ihre Sprache minderwertig sei. Gleichzeitig seien die Sprachen rückläufig. Und wer sie spricht, wird manchmal sogar diskriminiert. Deshalb wurde die Broschüre „Blaukraut bleibt Blaukraut“ aufgelegt. Sie bietet Wortschatzbeispiele, bei denen altbayerisches Hochdeutsch wie „Bub“ oder „gut“ in „Junge“ oder „lecker“ übersetzt wird. Niklas Hilber hat eine Speisekarte eines bayerischen Wirtshauses entwickelt, die der Leser vom Hochdeutschen ins altbayerische Hochdeutsch übertragen muss. Dazu gibt es witzige Illustrationen.

Von Niklas Hilber wurde auch die Petition vorgestellt, die am Nachmittag an den Bayerischen Landtag ging. Darin wird der Landtag dazu aufgefordert, sich bei der Staatsregierung dafür einzusetzen, dass sie verbindliche Richtlinien herausgibt, mit denen ein Schutzstatus für das vom Aussterben bedrohte altbayerische, fränkische und schwäbische Standarddeutsch nebst den dazugehörigen Dialekten vorgegeben wird. Die Schutzmaßnahmen sollen sich dabei an der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen orientieren. Die Petition beinhaltet den Vorschlag, vorschulische Erziehung im Kindergarten und einen erheblichen Teil des Schulunterrichts in regionaltypischem Standard anzubieten.

Neumaier schätzt die Chancen, dass der Landtag dies intensiv diskutiert, als sehr gut ein. Der Geschäftsführer gab ferner exklusiv bekannt, dass vom Landesverein in den nächsten Tagen ein Antrag an entsprechende Gremien gestellt werden soll, das Nordbairische als immaterielles Kulturerbe zu erhalten.

PNP/mel

>>> Seite des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege [… hier klicken].

Auf dieser Seite können Sie auch die Petition und die Broschüre „Blaukraut bleibt Blaukraut“ herunterladen.

>>> Weitere Information über das „Südhochdeutsch“ auf der Seite des Bundes Bairische Sprache [… hier klicken].

>>> Von der Sprechwissenschaftlerin Stefanie Prochazka gibt es dazu auch einige Kurz-Videos:

Bayerisches Fernsehen Abendschau:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/erhalt-der-dialekte-schutz-fuer-den-butter-und-den-lackel,UBzZHcL

NiederbayernTV:

https://landshut.niederbayerntv.de/mediathek/video/niederbayern-tv-journal-landshut-vom-7-05-2024/

Bayerisches Fernsehen - Interview Steffi Prochazka

https://www.youtube.com/watch?v=Qe2N64I4fdY

Südhochdeutsch-Videos mit Steffi Prochazka

https://www.youtube.com/watch?v=3vQ7jJwdIHc

https://www.youtube.com/watch?v=J4MuBYPZ7AI

https://www.youtube.com/watch?v=vG1pWROgNg4

https://www.youtube.com/watch?v=90EAbLcjVCA

https://www.youtube.com/watch?v=yoczsgPAxFw

https://www.youtube.com/watch?v=7KshrbieZsc

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