Das Kriegsende in und um Mitterfels

Geschichtssammlung über 180 Seiten von Maximilian Ebenbeck, Falkenfels

 

Ebenbeck

 

Maximilian Ebenbeck vor seinem Elternhaus in Falkenfels. Der 16-jährige Schüler hat beim Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ teilgenommen und dafür Geschichten vom Ende des Zweiten Weltkrieges aus der VG Mitterfels in einem Buch zusammengefasst. Fotos: Hans Reimann

 

Beim bayerischen Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ begeben sich Schüler aller Schularten auf historische Spurensuche. So unterschiedlich deren Themen sind, haben sie doch eines gemeinsam: Es geht um die Geschichte und Kultur in der Heimat der Schüler. Der Wettbewerb 2020/21 drehte sich um das Jahr 1945 und das Ende des Zweiten Weltkrieges in Bayern. Rund 490 Schüler beteiligten sich und 57 Beiträge gingen bei der Jury ein. Einen dieser Beiträge hat Maximilian Ebenbeck aus Falkenfels verfasst. Der 16-jährige Schüler am Anton-Bruckner-Gymnasium in Straubing hat sich in seinem prämierten Wettbewerbsbeitrag mit Geschichten aus der VG Mitterfels beschäftigt.

Herr Ebenbeck, wie sind Sie auf den Wettbewerb aufmerksam geworden?

Maximilian Ebenbeck: Mein Geschichtslehrer Christian Kuhls hat bei geschichtsinteressierten Schülern im Juli 2020 nachgefragt, ob Interesse zur Teilnahme bestehe. Ich war einer dieser Schüler. Er hat uns informiert, wenn man am Projekt teilnimmt und eine schriftliche Arbeit einreicht, dann kann ich die unter Umständen im W-Seminar als Seminararbeit hernehmen. Da habe ich mir gedacht, dass man sich dadurch Arbeit sparen kann, wenn man was für das Projekt macht. Dann habe ich mich auf der Internetseite über den Wettbewerb informiert.

Dabei sind Sie auf das Thema „1945 – Kriegsende in Bayern“ gestoßen. Wie ging es dann weiter?

Ebenbeck: Im August habe ich mir mein Thema ausgesucht. Ich habe schnell gewusst, dass ich ein Buch schreiben möchte. Dann habe ich angefangen nachzuforschen und in der Verwandtschaft nachgefragt. Zuerst habe ich gedacht, dass ich den ganzen Altlandkreis Bogen abdecke. Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass da sehr viel zu durchforsten wäre, und habe mich auf unsere Verwaltungsgemeinschaft Mitterfels beschränkt. Dann habe ich meine Großeltern abgeklappert und meine Großtante, die war eine junge Frau, als der Krieg aus war. Die haben unbandig viel erzählen können.

Zum Beispiel?

Ebenbeck: Mein Großvater war erst drei Jahre alt, als der Krieg vorbei war. Er hat aber viel erzählt über den Urgroßvater, der damals in der Feuerwehr von Falkenfels aktiv war. Kurz vor Kriegsende sind zwei Flugzeuge im nahen Wald abgestürzt. Die Feuerwehrmänner wussten nicht, ob es deutsche oder amerikanische Flieger waren, aber es war ihnen egal, denn sie wollten die Männer daraus retten. Mein Urgroßvater ist dann mit der Feuerwehr ausgerückt und als sie wieder zurückkamen, waren schon amerikanische Soldaten in Falkenfels eingerückt. Damals sahen die Feuerwehruniformen ein wenig so aus wie eine SS-Uniform, in Schwarz und mit Stahlhelm. Und als die Feuerwehrmänner dann in den Ort kamen, dachten die Amerikaner, jetzt kommt die SS. Dann gab es erst mal ein kleines Drama, weil die Falkenfelser konnten kein Englisch und die Amerikaner kein Deutsch. Zum Glück ist von meinem Urgroßvater die Tochter da gewesen. Die war auf dem Ursulinen-Gymnasium in Straubing und hat dort Englischunterricht gehabt und konnte sich mit den Amerikanern unterhalten. Sie hat das aufgeklärt, dass das Feuerwehrmänner sind und keine SS-Soldaten.

Wie haben Ihre Verwandten reagiert, als Sie sie zur Vergangenheit befragt haben?

Ebenbeck: Meine Großeltern haben schon davon gewusst, als ich noch am Überlegen war, ob ich an dem Projekt teilnehmen möchte oder nicht. Ich unterhalte mich sehr gerne mit meinem Großvater darüber, wie es damals war. Und meine Großtante hat sich sehr gefreut, dass wir zu Besuch kommen. Sie wohnt in Ulm und sieht uns relativ selten. Sie war hin und weg, dass sie etwas erzählen konnte. Ganz besondere Freude hat es ihr bereitet, die Geschichten zu den Bildern in ihrem Fotoalbum zu erzählen.

Nun sind Augenzeugenberichte als historische Quelle mit Vorsicht zu behandeln, weil Details über die Jahre in Vergessenheit geraten oder verändert werden. Haben Sie erlebt, dass die gleiche Geschichte mitunter anders berichtet wird?

Ebenbeck: Ja. Mein Großvater hat gesagt, dass meine Großtante viel vergessen hat, obwohl sie älter war als er. Er selbst kennt die Geschichten nur aus zweiter Hand und ist sich manchmal nicht zu 100 Prozent sicher. Es hat Streitpunkte gegeben, etwa welcher Onkel dabei war oder nicht, aber unterm Strich waren es nur Kleinigkeiten.

Ebenbeck Kriegsende

 

Im Selbstverlag hat Maximilian Ebenbeck 18 Exemplare seiner Geschichts- und Quellensammlung drucken lassen. Die sind bereits alle vergriffen.

Neben den Geschichten aus Ihrer Familie haben Sie auch mit ausgewählten Mitterfelser Magazinen des Arbeitskreises Heimatgeschichte gearbeitet.

Ebenbeck: Genau. Ich habe versucht, mir die Magazine auszuleihen und angestrichen, was interessant war. Dazu wollte ich auch die Bilder einscannen. Dabei habe ich den Hinweis gelesen, dass man die Erlaubnis zur Verwendung von Text- und Bildquellen einholen muss. Dann habe ich bei Franz Tosch nachgefragt, der beim Arbeitskreis für die Publikationen und die Website zuständig ist. Herr Tosch hat sich gefreut, dass ich was gefunden habe. Er war dann sogar bereit, mir die Bilder, die ich ausgesucht hatte, als Dateien zu schicken, das waren ziemlich viele. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er sich die Arbeit gemacht und in seinem Archiv die ganzen Bilder rausgesucht hat.

Geschichten aus Ihrer Familie und den Mitterfelser Magazinen. In Ihrem Buch steckt viel Arbeit.

Ebenbeck: Ich habe noch nie versucht, ein Buch zu schreiben oder Interviews zu führen. Als ich angefangen habe bei meinen Großeltern, da ging’s, die haben sich auf das Thema konzentriert, wenn man ihnen Fragen dazu gestellt hat. Als ich aber bei meiner Großtante war, hat sie das Erzählen angefangen. Irgendwann war man bei ganz anderen Sachen und bis man sie dann wieder auf das Thema zurückbringt, das ist eine Kunst für sich. Ich habe auch überlegt, ob ich meine Nachbarn befrage, aber die Interviews waren so zeitaufwendig und dann kam bei mir noch die Jagdschule dazu.

Ist das ein Ansatzpunkt für eine Folgearbeit? Ebenbeck: Vielleicht später, wenn man dann mal Zeit hat. Es ist auf jeden Fall ein schönes Hobby, an dem man forschen kann. Wenn ich mehr Zeit habe, möchte ich auch ins Straubinger Archiv gehen. Das ist mir von meinem Lehrer angeboten worden, aber ich hatte einfach nicht mehr die Zeit, mich in die Archive zu setzen. Da würde man sicher noch die eine oder andere interessante Geschichte finden. 

Die Geschichten aus Ihrer Familie und den Mitterfelser Magazinen haben Sie in einem Buch mit rund 180 Seiten zusammengefasst. Wie ist es zum Druck gekommen?

Ebenbeck: Mein Vater hat gesagt, für 300 Euro kauft er mir so viele Bücher, wie er kriegt. 18 Bücher habe ich dann bekommen. Die ersten zehn Exemplare habe ich sehr schnell versprochen, weil jeder aus der Verwandtschaft eines haben wollte. Aktuell habe ich leider keine Bücher mehr. Jetzt geht es mir so, dass ich wahrscheinlich welche nachdrucken muss, weil meine Freunde auch welche möchten.

Gibt es Ihr Buch im Handel oder in Bibliotheken?

Ebenbeck: Direkt zum Kaufen gibt es das Buch nicht. Man müsste bei mir anrufen und dann den Selbstkostenanteil für den Druck tragen. Meiner Schule habe ich ein Buch gespendet und auch der Gemeinde Falkenfels werde ich ein Buch geben, das soll dann in der Bücherei aufgestellt werden. Auch dem Arbeitskreis Heimatgeschichte möchte ich eines spenden.

Interview: Hans Reimann, BOG Zeitung vom 13. September 2021

Ein Wettbewerb mit Hürden

Der Lehrer Christian Kuhls hat die Projekte für den Schülerwettbewerb am Anton-Bruckner-Gymnasium begleitet. Seinem Engagement sei es zu verdanken, dass Schüler wie Maximilian Ebenbeck am Landeswettbewerb teilnehmen, sagt Schulleiterin Dr. Eva Huller. „Er kann die Schüler für das Thema begeistern.“Engagierte und geschichtsinteressierte Schüler hat Kuhls auf den Wettbewerb hingewiesen. Allerdings habe nur eine Handvoll der Schüler über die Findungs- und Orientierungsphase hinaus konkrete Projekte entwickelt und mit der Arbeit daran begonnen, berichtet er rückblickend.Dann sei Corona ins Spiel gekommen: „Durch die erneute Lockdown-Situation blieben sehr schöne Projekte auf der Strecke. Die Unsicherheit, wie es schulisch weitergeht, oder die Schwierigkeit, im Lockdown an Material und Informationen zu kommen, haben dazu geführt, dass Maximilian als einziger Schüler an seiner Projektidee festgehalten hat.“ 

BOG Zeitung/han vom 13. September 2021

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