Gesprächsrunde des AK Heimatgeschichte Mitterfels. Mehrere Heimaten?

 . . . Diskussion „Hat der Begriff Heimat heute überhaupt noch eine Bedeutung?“

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Auch zur dritten Gesprächsrunde des Arbeitskreises Heimatgeschichte hatten sich zahlreiche Diskussionsteilnehmer in der Hien-Sölde eingefunden. Hier wird alle zwei Monate am Montagabend ein offenes Gespräch zu einem aktuellen Thema diskutiert. Diesmal ging es um den Begriff „Heimat“ und die Frage „hat der Begriff heute noch eine Bedeutung?“. Heimat kommt auch im Namen des Arbeitskreises vor, ist eigentlich ein abstrakter, schwammiger Begriff und sollte gelegentlich neu definiert werden, um seine Gültigkeit zu behalten, meinte Herbert Becker, der das Gespräch moderierte. Das Thema Heimat ist zurzeit in aller Munde, war lange Zeit von der rechten Szene vereinnahmt und richtete sich gegen Ausländer und Andersdenkende. Der Begriff wird heute gern von Naturschützern gebraucht, aber auch in der Politik und beim Wahlkampf.

„Heimat“ hatte bis ins 19. Jahrhundert etwas mit Besitz zu tun, ein sogenannter Heimatschein war für Bürger die Voraussetzung für Hilfe im Notfall, erklärte Becker. Mit der Entdeckung des Nibelungenliedes habe sich der Begriff gewandelt hin zu einer neuen Identität. Infolge der Industrialisierung, Landflucht und Verstädterung seien Heimat und Landleben romantisiert worden, für viele Menschen stehe der Begriff für Engstirnigkeit. Becker zitierte den Römer Cicero „Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt“ und fragte: „Kann es auch zwei Heimaten geben?“ Es ging um Heimatverlust, auch im Hinblick auf verschwundene Handwerksberufe, um Heimatfolklore – „das hat nichts mit Heimat zu tun“ –, um Heimatpflege und die Fragwürdigkeit des bayerischen Heimatministeriums, das mit dem Finanzministerium verbunden ist.

Becker stellte viele Fragen zur Diskussion: Ist Heimat an den Ort gebunden oder die Sprache; hat Heimat etwas mit der Lebensweise zu tun, mit dem Dazugehörigkeitsgefühl, und ist sie durch die Zuwanderung von Fremden bedroht? Kann Heimat verloren gehen, beispielsweise durch Demenz; haben sozial Entwurzelte noch einen Bezug zur Heimat, und kann eine Heimat auch zu eng werden? Oder entsteht das Gefühl für Heimat erst wirklich im Exil? Dazu gab es viele verschiedene Meinungen: Heimat ist da, wo man aufgewachsen ist, wo das geografische, soziale, kulturelle Zuhause ist. Dabei wurde klar, dass Heimat nicht nur ein sehr dehnbarer, sondern ein sehr komplexer Begriff ist, der für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann. Einig war man sich darüber, dass „Heimat“ auf jeden Fall positiv besetzt ist, aber auch Brüche und ein Leiden an der Heimat beinhalten kann. Fazit: „Wohl dem, der in sich selbst beheimatet ist.“ Für Themenvorschläge für die nächsten Gesprächsabende in der Hien-Sölde ist der Arbeitskreis offen.

Quelle: Elisabeth Röhn


Ankündigung der dritten Gesprächsrunde:

. . . mit dem Thema „Hat der Begriff Heimat heute überhaupt noch eine Bedeutung?“

Liebe Mitglieder und Sympathisanten,

Franz Tosch hat mir angetragen, fortan das Einladen zu unseren zweimonatlich stattfindenden Treffen in der Hiensölde zu übernehmen, und ich habe dankend eingewilligt.

Alle zwei Monate also finden unsere Treffen statt, und zwar jeweils am 2. Montag des Monats. Daran werde ich jedes Mal erinnern – und in meiner Erinnerungspost ein Thema vorschlagen, über das wir uns unterhalten könnten. Die Themen möchte ich nicht unbedingt selbst auswählen, vielmehr bin ich für jeden Gegenvorschlag und jede sonst wie geartete Anregung dankbar. Das gilt auch für den Gesprächsgegenstand beim nächsten Treffen. Es findet statt am

Montag, den 13. November um 19.00 Uhr,

und für den Fall, dass es keine Einwände oder anderslautende Vorschläge gibt, hielte ich es – nicht zuletzt im Hinblick darauf, dass sich unser Verein AK Heimatgeschichte nennt – für ganz nützlich, wenn wir über den Begriff Heimat sprächen.

„Hat der Begriff Heimat heute überhaupt noch eine Bedeutung?“

Ist Heimat noch das, was es in den 50er Jahren war, als die meisten von uns in die Volksschule gingen? Könnte ein um 1960 ausgewanderter Mitterfelser, wenn er heute zurückkäme, seine damalige Heimat noch Heimat nennen? Immerhin hat sich so gut wie alles verändert: Die Landschaft, das Ortsbild, der Straßenverkehr, vor allem aber die Menschen samt ihrem Lebensstil, ihrer Sprache, ihrem Umgang miteinander, etc. Und die Geschwindigkeit, mit der sich unsere Gesellschaft wandelt, wird immer schneller.

Heimat ist ein abstrakter Begriff und abstrakte Begriffe müssen, wenn sie ihre Gültigkeit behalten sollen, gelegentlich neu definiert werden. Um ein Beispiel zu nennen: mit dem Wort „Ehre“ verbanden sich in der Kaiserzeit ganz andere Vorstellungen als heute. Das haben wir längst akzeptiert. Im Zusammenhang mit dem Begriff Heimat scheint es uns schwerer zu fallen, von tradierten Sichtweisen Abstand zu nehmen.

Anderslautende Themenvorschläge, Anregungen, Beschwerden und Antworten sonstiger Art bitte ich an meine E-Mail-Adresse (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) zu schicken.

Mit herzlichem Gruß

Herbert Becker

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