1000 Jahre Geschichte um Mitterfels (36)

 36 06 Gruss aus Mitt 1903 det

Die St. Georgs-Kirche in Mitterfels löste 1805 die Kreuzkirchener Kirche als Mitterfelser Pfarrkirche ab. Das rosa colorierte, stattliche Haus rechts von der Friedenseiche war das 1824 erstellte Pfarrhaus. (Postkarte von 1903, Sammlung Christl Jakob)Vergrößern durch Klick in Abbildung!

Vor gut 830 Jahren tauchte der Name Mitterfels das erste Mal in einer Urkunde auf; Gschwendt im Kinsachtal kann auf 900 Jahre zurückblicken; vor 960 Jahren übernahmen die Grafen von Bogen den östlichen Donaugau von den Babenbergern; Metten, im Jahre 766 gegründet, rodete zu Füßen der schützenden Bergkette zwischen Vogelsang und Hirschenstein . . . über 1000 Jahre interessante Geschichte, in die wir in halbmonatlich wechselnden Kapiteln eintauchen.

Zu den vorhergehenden Kapitelbeiträgen können Sie sich im Menue rechts in der Grafik „1000 Jahre Geschichte um Mitterfels“ durchklicken.

Die neue Pfarrei Mitterfels von 1805

Die bewegte Zeit zwischen dem 25. Oktober 1805 (staatlich verfügte Pfarrsitzverlegung nach Mitterfels) und dem 8. Juni 1809 (Verkauf und Abbruch von Kreuzkirchen) ist im vorausgegangenen Kapitel dargestellt und muss hier mit einbezogen werden. Es greift alles zu sehr ineinander.

36 01 Mitterfels Georgskirche

Sankt Georg in Mitterfels, die neue Pfarrkirche,war bereits 1734 fertig gestellt worden. (Ausschnitt aus einem Gemälde im Pfarrhof Oberalteich, das zwischen 1734 und 1791 entstand.) Der beim Bau nur bis zum Dachfirst aufgeführte und mit Brettern abgedeckte Turmstumpf wurde erst 1824 um 22 Schuh, das sind 7 Meter, aufgestockt und mit einem Blechdach versehen. Gleichzeitig wurde eine Kirchturmuhr eingebaut. Vergrößern durch Klick in Abbildung!

 

36 03 2021 12 03 01 Sankt Georgs Kirche in neuem Glanz

Die St. Georgs-Kirche heute nach der Renovierung (Foto vom 3. Dezember 2021: Franz Tosch) Vergrößern durch Klick in Abbildung!

Wir haben erfahren, dass nur weniges der Kreuzkirchener Kirchenausstattung nach Mitterfels gelangte: etliche Statuen, der Traghimmel und die Fahnen, das Allerheiligste, das Reliquiar, und von den Glocken die jüngste, 1732 in "Statt am Hoff" gegossene; sie hängt noch heute in einer Fensternische des Turms von "St. Georg". Von den Statuen ist die wertvollste die aus spätgotischer Zeit (um 1490) stammende St. Margarethe; sie steht jetzt als Leihgabe des Pfarrhofs im Burgmuseum Mitterfels.

Das Reliquiar wurde noch bis in die jüngere Zeit an den beiden Kreuzfesten zur Verehrung am Hochaltar von "St. Georg" aufgestellt, in einer Monstranz zwischen brennenden Kerzen. Eines der Reliquiare enthält Knochenteilchen des Kirchenpatrons St. Georg, mit einer Authentik-Erklärung von 1767; zwei Reliquiare enthalten Kreuzpartikeln: der kleinere davon trägt eine Authentik-Erklärung des Abtes Dominikus von Oberalteich vom 15. Dezember 1741 und wurde wahrscheinlich von Wenzeslaus von Überle gestiftet; der größere Partikel ist ein Teil von dem Kreuzpartikel auf dem Bogenberg und wurde vom letzten Abt von Oberalteich, dem aus Altvielreich stammenden Beda Aschenbrenner, dem Gotteshaus in Kreuzkirchen geschenkt. Der Behälter zeigt das Abtsiegel von 1796. 

Mit diesen Äußerlichkeiten war es nicht getan. Der jungen Pfarrei standen schwere Jahre bevor. Nicht alle der 386 Kreuzkirchener Pfarrkinder wollten nach Mitterfels, wenngleich die Überzahl aus dem Dorf Mitterfels (176 Seelen) und Scheibelsgrub (113) einverstanden war. Weit mehr Widerstand leisteten die aus den Nachbarpfarreien und auch deren Pfarrer. Die staatliche Planung einer Pfarrei Mitterfels mit rd. 700 "Individuen" stand damit noch lange nur auf dem Papier. 700 - das sollte eine Zahl sein, dass ein Pfarrer noch ohne Hilfspriester auskommt. 

Am tatkräftigsten wehrte sich Pfarrer Sommer von Steinach. Er wagte auch heftige Beschwerde gegen den Mitterfelser Pfarrvikar Frank und gegen den Landrichter, und er erreichte einen Rückhalt vom Ordinariat: dieses wies die Pfarrer von Steinach und Parkstetten an, sich in keinem Falle in die Seelsorge ihrer Sprengel dreinreden zu lassen, denn nur das Ordinariat und nicht eine staatliche Stelle könne die jurisdictionem spiritualem (geistliche Rechtsprechung) erteilen. Für Steinach zahlte sich das aus: bei der Neu-Überdenkung des Pfarrsprengels gab das Landgericht die Steinacher Sprengelorte Ober- und Unterhartberg wieder zurück. Für alle übrigen blieb es, wie schon 1805 angeordnet. Das bedeutete: Parkstetten gibt an Mitterfels die Höfe Wollersdorf, Eisenhart, Höfling, Auhof, Miething, Großkohlharn und Unterholzen; Oberalteich überlässt Mitterfels die beiden Buchberg (auch Rammersberg ist vorgesehen); Haselbach gibt Kleinkohlham, Reinbach, Kastenfeld, Höllmühl und Spornhüttling an Mitterfels.

Nach Pfarrer Kollbecks Darstellungen war auch jetzt noch keine Festigung der Pfarrei eingetreten. Er legt das am Beispiel der arg geschrumpften, kaum ausreichenden Einkünfte dar - an den geringen Stolgebühren und an den stark zurückgegangenen Messstipendien. Er vergleicht mit Kreuzkirchen, wo mitunter so viele Messstipendien anfielen, dass beinahe zwei Priester nicht hätten "satisfacieren" (Genüge leisten) können, in Mitterfels die Leute aber teils aus Armut, teils "ex odio" (aus Gehässigkeit) keine Messen bestellten aus dem Grunde, dass man ihnen ihr Kreuzkirchen genommen.

Tatsächlich drohte der Pfarrei Mitterfels 1811 die Auflösung. Da war Pfarrer Kollbeck bereits abgetreten, und Kaspar Valentin Stölzer sein Nachfolger. Die Sache ging wiederum von staatlicher Seite aus, diesmal vom Generalkommissariat des Unterdonaukreises in Passau, dem das Gericht Mitterfels seit 1810 zugeteilt war. Diese Stelle berichtete am 12. Mai 1811 an das Ordinariat Regensburg (wo auch 1810 ein Bischofswechsel stattgefunden hatte), dass Mitterfels doch kein rechter Mittelpunkt für eine Pfarrei sei und dass die Gegend leicht von Haselbach aus excurrendo versorgt werden könne. Es sei daher zweckmäßig, die Pfarrei Mitterfels aufzuteilen, mit dem größten Teil zu Haselbach. Das Ordinariat beauftragte darnach den Kammerer von Parkstetten und die Pfarrer von Mitterfels und Haselbach, die Vor- und Nachteile dieses Vorschlages zu besprechen und sodann den alten und neuen Lageplan einzusenden. Die Auflösung fand aber dann doch nicht statt. Erst jetzt sah sich das Ordinariat dazu bereit, die bisherigen Sprengeländerungen auch nach kirchlichem Recht anzuerkennen, wenn auch mit großen zeitlichen Abständen. Als erstes wurde 1812 die Umsprengelung aus Parkstetten und Haselbach bestätigt. Es blieb, wie schon 1805 und nochmals 1808 festgelegt. 1828 folgten endgültig die beiden Buchberg aus der Pfarrei Oberalteich, sodann Kleinkohlkam, Reinbach, Kastenfeld und Spornhüttling.

1832 wurde auch über die Haselbacher Orte Höllmühl, Reiben, Haidbühl und Uttendorf entschieden.

1838 schließlich verlor Steinach nun doch wieder seine beiden Hartberg an Mitterfels (Steinach erhielt 1863 Aichmühle und Pürstenberg von Pfaffmünster; Aign war schon seit altersher bei Steinach).

Der Vollständigkeit halber seien hier noch die wesentlich später vollzogenen Umsprengelungen genannt: 1871 erhielt Mitterfels von Hunderdorf die Einöden Wiespoint, Hagnberg und Kögl. Erst 1925 kamen noch Hörmannsberg und Haus Nr. 23 in Weingraben aus der Pfarrei Steinach dazu.

Der jungen Pfarrei fehlten noch zwei bedeutende Dinge: ein Friedhof und ein Pfarrhof. Die ersten Jahre (bis 1809) blieb nichts anderes übrig, als weiterhin in Kreuzkirchen zu beerdigen. Als nach der Pfarrei-Neubildung eine erste Beerdigung für einen neu Eingepfarrten anfiel, fragte Pfarrvikar Frank beim Landrichter an, wo er denn beerdigen solle. Dessen Antwort: Er könne tun, was er wolle. Den Mitterfelsern bereitete die Suche nach einem geeigneten Friedhofgelände viel Kopfzerbrechen. Nirgendwo in Kirchennähe fand sich auf dem schmalen seichtgründigen Bergsporn ein genügend großer Platz. Eine Anlage außerhalb des Ortes lehnte Pfarrer Kollbeck von vornherein ab, weil man dort eine aufwändige starke Mauer bräuchte gegen Tiere und Diebe, und nur ein Holzzaun zu schnell verrotte. Man dachte an eine Erdaufschüttung in Kirchennähe. Dagegen polterte Kollbeck wiederum: "Woher soll man die Schütte und Gespanne nehmen? In der Pfarrei sind nur zwei Bauern mit je zwei Pferden. Alles übrige sind Söldner mit Ochsen oder Bettelleute. Wer soll beisteuern?" Die Gemeinde und der Landrichter aber drängten. Sie wollten den Friedhof bei der Kirche und beim Dorf haben. Am 7. März 1809 kamen zu Pfarrer Kollbeck vier Abgeordnete der Gemeinde, der Kramer Leopold Gruber, der Talmüller, der uns eben schon bekannte Schreiner Vogl und der Kastenbauer; sie drängten auf Einrichtung und Einweihung eines neuen Friedhofs. Pfarrer Kollbeck brachte alle angegebenen Einwände vor, und es kam zu einer erregten Auseinandersetzung, die mit Streit endete. Der Pfarrer meinte, die Leute seien alle von dem Landrichter und besonders von der "Landrichterin" aufgehetzt, um ihm möglichst viele Schwierigkeiten zu bereiten. Auch die vier Abgeordneten fühlten sich vom Pfarrer grob behandelt und drohten mit einer Klage beim Landgericht. In einem Brief an das Ordinariat beklagte sich der Pfarrer am 22. März 1809 bitter über das grobe Pfarrvolk „... Es ist schreckbar, wie es hier zugeht." Er bat, man möge doch den Pfarrer und Kammerer von Parkstetten oder noch besser gleich den HH. Dechant von Pondorf als Kommissar nach Mitterfels schicken. Sie sollten mit den Pfarrkindern verhandeln. "Ich komme mit den Mitterfelsern nicht aus. Man will mich hier mit Gewalt unterdrücken." Das war natürlich. Zu seinem großen Feind Anton Märkl schlugen sich alle die großen und kleinen Illuminaten und "Freigeister" im kleinen Dorf; manche taten es auch zum puren Fleiß.

Als Platz war der Gemeindegrund ausgesucht worden, der bisher zum Gemeindehüterhaus gehört hatte. Der Acker war in Nähe der Kirche, nur durch zwei Städel vom Dorf getrennt, und viel zu klein. Die Ackerkrume saß direkt auf dem Felsuntergrund; die Halme der Saat standen noch. Man musste mindestens halbmannshoch Erde aufschütten; auch war der Platz sehr abschüssig, so dass bei Platzregen die aufgeschüttete Erde unbedingt abgeschwemmt und die Gräber ausgespült wurden. Vorläufig war der Platz weder von Planken noch von einem Zaun eingefasst. Kollbeck erklärte, dass der Friedhof zu nahe am Dorf sei, doch würde er das Ordinariat bitten, ihm die Einweihung des Friedhofs zu erlauben, wenn die Polizeibehörde keine Einwände erhebe. Wahrscheinlich wurde dann alles durch die Vermittlung des Landgerichts geregelt. Am 22. März ersuchte Pfarrer Kollbeck in dem erwähnten Brief um die Erlaubnis, und am 4. November wurde der Friedhof von Pfarrer Kollbeck eingeweiht. Kurz zuvor, am 19. Oktober 1809, war in Kreuzkirchen als letzte Frau Katharina Hofmann aus Weingarten beerdigt worden. Nur zu bald stellte sich die Untauglichkeit des Friedhofsgeländes heraus. Nun ging man doch weit hinaus an die Straubinger Straße, umzog das Gelände mit einer (noch heute stehenden) Mauer, pflanzte vier Linden davor (Heute [1988!] sind sie wahre Naturdenkmale. [Inzwischen waren sie zur Gefahr geworden, mussten entfernt und doch neue Linden ersetzt werden. Red.]) und konnte im Laufe des Jahres 1833 den endgültigen Friedhof eröffnen. Pfarrverweser Franz Lukas benedizierte ihn mit Erlaubnis des Ordinariats nach römischem Ritual. Eine besondere Förderin des neuen Friedhofs war Maria Edle von Ossing auf Haibach. Sie starb zwei Jahre darnach, am 7. Juli 1835, im Alter von 80 Jahren. 1844 wurde dann das schöne Friedhofskirchlein St. Joseph gebaut und von Pfarrer Joseph Lautenbacher benediziert.

36 07 Friedhofskirche

Die Friedhofskirche wurde 1844 errichtet, 1833 war bereits der Friedhof außerhalb des Ortes angelegt worden. (Foto: Herwig Hoinkes) Vergrößern durch Klick in Abbildung!

Er war es, der 1847 die Verurteilung und die letzte öffentliche Hinrichtung in Mitterfels erlebte und den Enthaupteten an der Friedhofmauer in Mitterfels beerdigte.

Zwar nicht so dringlich, aber doch auch ein Anliegen von Pfarrer und Gemeinde war die Erstellung eines Pfarrhofs. Bei der allerersten Bekanntgabe der Pfarreigründung 1805 war man mit gutgemeinten Plänen schnell zur Hand: Die Mitterfelser wollten 12.000 Ziegel spenden - aber das Geld für das weitere fehlte. 125 Gulden lagen nur bereit, und der angepeilte Verkauf des Kreuzkirchener Absteigstüberls ließ auch nichts erhoffen. Bis 1809 war noch immer nichts unternommen, so dass Pfarrer Kollbeck schrieb: "Ein Pfarrhaus wird nie gebaut werden, so dass der Pfarrer wird immer in fremden Häusern wie ein Inmann im Zins herumrucken müssen." Auch unter seinem Nachfolger Stölzer geschah nichts. Dieser hatte die Scheibelsgruber Herberge seines Vorgängers nicht bezogen, sondern sich in einem einfachen Bauernhäuschen in Mitterfels einlogiert, das nacheinander einem Holzapfel, dem Haidersberger (eine Steintafel am Haus erinnert an ihn), dem Hagnberger Austragsbauern Fuchs (als "Krugl-Fuchs" noch lange in Erinnerung) und schließlich der Lehrerin Barbara Plank gehörte; es ist mehrfach umgebaut und hat heute die Nr. Burgstr. 33.

36 02 Kreismusikschule ehemaliger Pfarrhof

Der Pfarrhof, 1824 erbaut, ist heute Sitz der Kreismusikschule. (Foto: Bernhard Puls) Vergrößern durch Klick in Abbildung!

 

Erst unter dem Pfarrverweser Wolfgang Weiß wurde 1824 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche der recht stattliche Pfarrhof erstellt, mit einem schönen Wurzgarten dabei und einem steilen Hang für die Obstbäume. 1832 wurde sogar ein Brunnen angelegt; bis dahin musste man das Wasser teils aus dem Burgbrunnen, teils aus dem Erdbrünnl drunten in der Senke holen. Es ist also ein langer Weg geworden vom ersten Ausrufen bis zur gefestigten und mit allem versorgten Pfarrei. Erst am 17. Juni 1873 erfolgte die feierliche Konsekration der Pfarrkirche "St. Georg" durch Bischof Ignatius von Senestrey.

36 04 Verz Herz Jesu Bruderschaft w

Über 250 Jahre alt: Die "Löbliche Bruderschaft des Heiligen Herzen Jesu in dem Pfarrgotteshaus der Margarithae zu Kreuzkirchen, von Ihrer Päpstlichen Heiligkeit Clemente des XII. mit Ablässen begnadet". Errichtet 1731 zu Kreuzkirchen -Unterbrechung infolge Auflösung Kreuzkirchens 1809 (das Vermögen betrug damals 700 Gulden) - Erneuerung 1832 zu Mitterfels. - Das Buch enthält Eintragungen bis 1882. Männer waren mit "der ehrbare" tituliert, Frauen mit "die tugendsame"Vergrößern durch Klick in Abbildung!

36 05 Bericht Herz Jesu Bruderschaft ww

Bald 200 Jahre alt: Das Aufnahmeblatt in die Herz-Jesu-Bruderschaft für Kaspar Lehner vom „3/8 Scheibelsgruber Bauerntl“ vom 2. Juni 1799. Im Mitgliederverzeichnis ist sein Todestag unterm 16. März 1828 zu findenVergrößern durch Klick in Abbildung!

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