Von Sense und Drischel zum Mähdrescher

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Das Ernten und das Dreschen waren eine schweißtreibende Arbeit

Wenn in den letzten Wochen auf den Getreidefeldern unserer Heimat die modernen Mähdrescher, versehen mit Klima- und Funkanla­ge, zu sehen waren, erinnern sich wohl nur noch die alten Leute an die Ernte von früher, die ja ganz anders war.

Die meisten Menschen wissen gar nicht mehr, dass noch bis vor gut einem halben Jahrhundert das "Ernten" und das "Dreschen" des Getreides zwei ganz eigene, sowohl räumlich als auch zeitlich vonei­nander getrennte Arbeitsabschnitte im Ablauf eines Bauernjahres wa­ren. Arbeitsabschnitte, die viel Handarbeit und starken körperli­chen Einsatz erforderten, der es ver­dient, auch heute nicht ganz verges­sen zu werden.

Die Erntezeit des Getreides be­gann früher einige Wochen früher als heute mit dem Mähdrescher. Durfte doch das Getreide nicht zu reif sein, da sonst bei den vielen not­wendigen Handgriffen beim Ernten schon Körner aus den Ähren fielen. Da brauchte es viele Mäher, die mit einer gut gedengelten (geschärften) Sense die großen Getreidefelder im Gäuboden abmähten. Dieses Mähen war keine leichte Arbeit bei der Sommerhitze und daher wurde meist ganz früh am Morgen mit die­ser Arbeit begonnen. Den Mähern folgten die sogenannten "Ausback­ler" , welche die gemähten Halme aufsammelten und zu Garben ban­den. Während das Mähen vorwie­gend eine Arbeit der Männer war, galt das "Ausbackln" als Arbeit der Frauen, die aber bei dem dauernden Bücken bei der Hitze ebenfalls nicht leicht war. So wurden der Weizen, der Hafer und die Gerste gemäht.

Garben binden

Der Weizen wurde immer zu Gar­ben gebunden, der Hafer ebenfalls, wenn er keinen Klee als Untersaat enthielt. Sonst wurde er, wie die Gerste, lose gelassen. Lediglich das Korn, der Roggen mit seinen über 1,5 Meter langen Halmen, wurde von Hand mit der Sichel abge­schnitten und zu Garben gebunden. Die Garben wurden dann zu den so­genannten "Getreidemandl" zu­sammengestellt und prägten das Bild unserer Heimat in der Ernte­zeit, wenn sie zu Tausenden auf den Feldern standen.

Eine erste große Erleichterung dieser schweren Erntearbeiten brachte dann der Mäher. Ein Eisen­gestell, gezogen von einem Ochsen- ­oder Pferdegespann und angetrie­ben von den Laufrädern, mähte das hin- und herbewegende Mähmesser so die Halme um und ersetzte so die Sense. Die nicht minder schwere Arbeit des Ausbacklns aber blieb, und so suchte man auch hier nach einer Verbesserung. Diese gelang dann mit der Erfindung des Ablege­tisches, welcher an den Mähbalken angebracht wurde. Damit fielen die abgemähten Halme nicht mehr auf den Boden, sondern wurden auf dem Ablegetisch gesammelt und in Garbengröße auf den Boden ge­kippt. So brauchten die "Ausback­lerinnen" nur noch von Häufchen zu Häufchen gehen, ein Band aus Halmen heraus zu ziehen und die Garbe zu binden.

Mechanischer Knüpfer

Die große Erleichterung aber er­brachte erst die Erfindung des me­chanischen Knüpfers. Dazu wurde an den Mäher der sogenannte Bin­deteil angebaut. Durch die am Ablegetisch angebrachten, sich bewe­gende Bindetücher wurden die ab­gemähten Halme in den Bindeteil befördert und durch den Knüpfer zu Garben gebunden, die dann auf das Feld fielen. Damit fielen die schwe­ren Arbeiten des Mähens und des Ausbacklns weg und es blieb nur noch die Arbeit des Mandlaufstel­lens. Waren die Getreidemandln und das am Boden liegende Getrei­de gut ausgetrocknet, wurde das Getreide auf den Holzwagen gela­den, heimgefahren und in der Scheune gelagert. Aber auch diese Arbeiten des Aufladens und Abla­dens des Getreides auf dem Feld und in der Scheune verursachten noch manchen Schweißtropfen.

Vor allem aber war das Fassen des Getreides auf dem Wagen schon eine Kunst und verlangte ein gewis­ses Können, damit die Fuhre beim Transport nicht auseinanderfiel. War so das Getreide eingebracht, wurde die Ernte mit einem ausgie­bigen "Erntemahl " entsprechend gefeiert. So verlief früher, bis weit nach dem 2. Weltkrieg auch in unse­rer Gegend die Ernte, was heute na­hezu alles vergessen ist.

Das Dreschen

Wenn so das Getreide einige Zeit in den Scheunen gelagert war und die Hauptarbeit auf den Feldern ab­geschlossen wurde, begann erst das Dreschen. Vor der Mechanisierung in der Landwirtschaft musste auch die Arbeit des Dreschens in Hand­arbeit erledigt werden. Es war dies die Zeit des "Dreschflegels", der Drischel, wie sie bei uns genannt wurde. Dazu wurde eine Lage von Getreidegarben, aufgeschnitten und entsprechend verteilt auf die Tenne (den Dent) gelegt und zu sechst oder zu acht mit der Drischel so lange auf das Getreide geklopft, bis die Kör­ner aus den Ahren gefallen waren. Es war eine harte Arbeit, das Dre­schen mit der Drischel, und wurde bis in den Winter hinein in den Scheunen der Bauern ausgeübt und auch hier schon am frühen Morgen des Tages begonnen.

So wurde von den alten Leuten erzählt, dass überall am frühen Morgen das Klopfen der Drescher zu hören war und sich dies wie die Morgenmusik in den Bauerndörfern des Gäubodens anhörte. Aber auch hier suchten die Menschen nach Er­leichterung und erfanden als erste Verbesserung den Hakenzylinder. Ein Holzgestell mit einem Eisen­oberteil und darin eine rotierende Trommel mit Haken. Diese wurde zunächst von Menschenhand über zwei Handkurbeln angetrieben, später von einem Ochsen- oder Pferde gespann über einen Göpel, bis schließlich ein Dieselmotor er­funden war und den Antrieb über­nahm. Aber sowohl bei der Drischel wie beim Hakenzylinder wurden zwar Halme und Körner getrennt, aber bei des lag vermischt am Boden und das Stroh musste von Hand weggegabelt werden.

Eine wesentliche Verbesserung erbrachte dann der an den Haken­zylinder angebaute Schüttlerteil, der das Stroh von den Körnern und der Spreu, dem Am, wegschüttelte. Damit entfiel das mühsame Wegga­beln des Strohes und die zusammen mit der Spreu am Boden liegenden Körner wurden mit der Wind- oder Staubmühle, meist mit Handan­trieb, voneinander getrennt. Daraus entwickelte sich dann mit der Zeit der eigentliche Dreschwagen mit immer weiteren Verbesserungen.

Der „Dampf" kommt

Angetrieben wurde er zunächst mit dem nur zur Verfügung stehen­den Dampfkessel, welcher später vom fahrbaren Dieselmotor abge­löst wurde, ehe dann der Lanz-Bull­dog auftauchte, der auch den Trans­port des Dreschwagens von Anwe­sen zu Anwesen übernahm. Es hieß dann, der "Dampf" kommt, und meist war es ein Lohnunternehmer, der so von Anwesen zu Anwesen zog und das Dreschen übernahm. So war es immer ein besonderes Ereig­nis, wenn es hieß "der Dampf" kommt. Trotz dieser maschinellen Hilfe war es immer noch eine schwere Arbeit, das Dreschen. Da mussten die Garben vom Getreide­viertel auf den Dreschwagen geho­ben werden. Dort wurde das Band aufgeschnitten und die lose Garbe dem Einlasser gereicht, der die Hal­me gleichmäßig in die Dreschma­schine ließ. Vorne kamen dann die Körner heraus, und der "Abtrager" musste dann die schweren Säcke auf den Getreidebogen tragen. Eine Arbeit für starke Männer. Seitlich kam vom Dreschwagen das Am, das Spreu heraus, das meist von Frauen weggegabelt wurde.

Vom Schüttler des Dreschwagens kam dann auf der hinteren Seite das Stroh heraus und wurde meist von ei­nem Mann mit langen Armen aufgefangen. Zwei Personen, meist Frauen, hatten zuvor schon aus Stroh ein Band gedreht. In dieses Band wurde das aufge­fangene Stroh gelegt und zu einem Bündel gebunden und weggetragen. Bei diesen Arbeiten gab es viel Staub und sie war nicht angenehm und man war froh, als sie mit der Erfindung der Strohpresse wegfiel.

Kräftespendendes Bier

Die wichtigsten Männer aber wa­ren der Maschinist und der Einlas­ser. Sie gehörten zur Besatzung der Dreschgarnitur und waren für den richtigen Lauf des Dreschwagens und das gleichmäßige Einlassen des Getreides verantwortlich. Natürlich gab es zur harten Arbeit auch das entsprechend nahrhafte Essen und kräftespendendes Bier. So wurde das Dreschen des Getreides zu ei­nem besonderen Ereignis im Jahres­ablauf.

Mit dem auch in unserer Gegend um das Jahr 1960 auftauchenden Mähdreschers, ging diese Art der Ernte und des Dreschens auch bei uns zu Ende. In einem einzigen Ar­beitsgang erledigt er das Ernten und das Dreschen und macht die frühere Handarbeit überflüssig. Es müssen nur noch die Körner wegge­fahren werden und neuerdings auch wieder das Stroh. Hatte man doch in den letzten Jahren das Stroh ein­fach aufs Feld gehäckselt, wird es doch neuerdings wieder zu Ballen oder Bündeln gepresst. In Zeiten der Energiewende wird das bisher nahezu wertlose Stroh anscheinend wieder zum nachwachsenden Roh­stoff und damit wieder wertvoll.


Bericht und Bilder : Rupert Sagmeister, SR-Tagblatt, 23.8.2012

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