Energiewende und Regionalentwicklung – das Beispiel Niederbayern

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Messebesucher beim Gäubodenvolksfest 2014 (Bildquelle: Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing)
Regierungspräsident Heinz Grunwald: „Interessierte Landwirte und Kommunen können sich bei Fragen zur Umsetzung der Energiewende im ländlichen Raum insbesondere an das ‚LandSchafftEnergie'-Team wenden." (http://www.tfz.bayern.de/landschafftenergie/index.php)

Der Umbau der Energieversorgung schreitet weiter voran. In Niederbayern liegt der rechnerische Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamt-Stromverbrauch mittlerweile bei rund 70 Prozent ...

 

rp heinz grunwaldRegierungspräsident Niederbayerns Heinz Grunwald

... Die wichtigsten Energieträger sind dabei Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse. Der rasche, aber lastferne und dezentrale Zubau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien erfordert allerdings eine Neujustierung im energiepolitischen Zieldreieck Umweltverträglichkeit -Versorgungssicherheit -Bezahlbarkeit. Der Dämpfung der Strompreise und der Versorgungssicherheit muss höheres Gewicht beigemessen werden. Die Neuausrichtung der bayerischen Energiepolitik wird ihren Niederschlag in dem Energiekonzept 2015 finden. Um dieses Konzept auf möglichst breite Beine zu stellen, hat das Bayerische Wirtschaftsministerium vor kurzem einen Energiedialog mit Vertretern von Kommunen und Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen, mit Wissenschaftlern und Wirtschaft gestartet. Das neue Energiekonzept wird besonders die HandlungsfeIder Stromkosten, Energieforschung und Effizienz zum Gegenstand haben und insbesondere auch der Frage nachgehen, wie im Freistaat Bayern der hohe Grad der Versorgungssicherheit aufrecht erhalten werden kann.

Aus dem Blickwinkel der Regionalentwicklung setzt das neue Energiekonzept die richtigen Schwerpunkte. Denn die Versorgungssicherheit ist ein Standortfaktor, der für unsere Wirtschaft entscheidend ist. Dabei ist die sichere, unterbrechungsfreie Stromversorgung von zentraler Bedeutung. Bereits Unterbrechungen im Millisekunden-Bereich können bei der Industrie, dem Rückgrat der Wirtschaft in Niederbayern und in der gesamten Europaregion, zu Unregelmäßigkeiten im Produktionsablauf führen und sind mit enormen Kosten verbunden.

Wir können in Niederbayern einiges tun, um die Versorgungssicherheit auchkünftig zu gewährleisten. Konkret geht es dabei etwa darum, das Genehmigungsverfahren des Energiespeichers Riedl im Landkreis Passau im engen Schulterschluss mit unseren oberösterreichischen Nachbarn weiter konsequent voran zu treiben. Auch Pleinting sollten wir nach wie vor als Standort für ein flexibel einsetzbares Gaskraftwerk im Gespräch halten, zumal dieser Standort bestens in das 220-kV-Netz eingebunden ist. Denn mit der schrittweisen Abschaltung der Kernkraftwerke brauchen wir zusätzliche grundlastfähige, von Wind und Sonne unabhängige Kraftwerkskapazitäten.

Beim Netzausbau arbeitet die Regierung von Niederbayern mit Hochdruck an der Genehmigung der 380-kV-Anschlussleitung vom geplanten Gaskraftwerk Haiming nach Simbach am Inn. Darüber hinaus sind wichtige Verwaltungsverfahren für die geplante 380-kV-Leitung Simbach am Inn - St. Peter in Oberösterreich angelaufen; diese Leitung ist zur Erhöhung der Kuppelkapazität zwischen Deutschland und Österreich notwendig. In Ergänzung dazu sind auch umfangreiche Maßnahmen zur Leistungssteigerung und Modernisierung des niederbayerischen 220-kV- und 110-kV-Netzes einschließlich des Baus neuer Umspannwerke vorgesehen, die vordringlich aus Gründen der Netzstabilität umgesetzt werden müssen.

Für die Regionalentwicklung hat darüber hinaus auch das Handlungsfeld Energieforschung eine hohe Bedeutung. Der Umbau der Energieversorgung wird Innovationen in der Energie- und Umwelttechnik beschleunigen. Innovationen fallen aber nicht einfach vom Himmel, sondern bedürfen entsprechender Forschungs-und Entwicklungseinrichtungen und der engen Kooperation mit der Wirtschaft. In Niederbayern sind wir hier gut aufgestellt. In den wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen Niederbayerns ist das Thema "Energie" fest in den Forschungs- und Veranstaltungsprogrammen verankert.

Beispiele dafür sind:

Die Universität Passauforscht mit verschiedenen Partnern am "Rechenzentrum in der Energiewende" und hat dafür den Deutschen Rechnungszentrumspreis 2012 gewonnen.

Die Aktivitäten der Hochschule Landshutkonzentrieren sich auf das Technologiezentrum Energie in Ruhstorf a. d. Rott (Lkr. Passau). Schwerpunkte der Entwicklungsarbeit liegen auf der Systemintegration, der Weiterentwicklung chemischer und elektrischer Energiespeicher, auf dezentralen Energiesystemen sowie auf Herstellungstechnologien von Biogas aus flüssigen Biomethan zur Langzeitspeicherung von Energie.

Die Hochschule Deggendorfist zusammen mit Industriepartnern und den Kommunen des Bayerischen Waldes Träger des E-Wald-Projektes, mit dem auf einer Fläche von mehr als 7.000 km2 nachgewiesen werden soll, dass Elektromobilität im ländlichen Raum realisierbar ist. Das Projekt E-Wald ist eines der größten Elektromobilitätsprojekte in Deutschland.

Das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubingist eine bedeutende Forschungs-, Technologietransfer- und Fördereinrichtung. Interessierte Landwirte und Kommunen können sich bei Fragen zur Umsetzung der Energiewende im ländlichen Raum insbesondere an das "LandSchafftEnergie"-Team wenden, das seine Beratungsdienstleistungen für ganz Bayern anbietet.

In den nächsten Jahren müssen wir verstärkt daran arbeiten, die entsprechenden Forschungs- und Technologieeinrichtungen innerhalb der Europaregion Donau-Moldau noch besser zu vernetzen. Hierzu bieten die neuen INTERREG VA-Programme Bayern-Tschechien und Bayern-Österreich vielversprechende Möglichkeiten. Die Forschung, technologische Entwicklung und Innovation sowie die Förderung der Ressourceneffizienz sind ja in diesen Programmen ausdrückliche Förderschwerpunkte.

Nicht zuletzt bedeuten der Ausbau der dezentralen Erzeugung durch regenerative Energien und die Aktivitäten zur Verbesserung der Energieeffizienz einen Zuwachs an Wertschöpfung im ländlichen Raum. In diesem Zusammenhang sind die vielfaltigen Initiativen auf kommunaler Ebene, aber auch die einzelner Bürgerenergiegenossenschaften, in besonderer Weise hervorzuheben. Weit mehr als die Hälfte der Gemeinden und Landkreise in Niederbayern verfügen mittlerweile über einen Energienutzungsplan oder über ein Klimaschutzkonzept und viele Gemeinden haben sich an staatlichen Förderprogrammen, wie „100 energieautarke Gemeinden“ oder dem „Energiecoaching“, beteiligt. Besonders herauszustellen ist dabei etwa die kommunale Initiative der Bioregion Straubing oder die Energieaktivitäten des Zellertals mit den Gemeinden Drachselsried und Arnbruck im Rahmen eines Projekts der ländlichen Entwicklung. In der Europaregion Donau-Moldau gibt es viele dieser guten Bespiele auf kommunaler Ebene. Es wäre wünschenswert, wenn sich künftig die einzelnen Initiativen noch besser grenzüberschreitend vernetzen und ihre „best practices“ austauschen könnten. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden.

Die Energie- und Stromversorgung in der Europaregion Donau-Moldau ist stabil und sicher. Gleichzeitig ist die Europaregion Donau-Moldau ein wichtiger Energieexporteur für angrenzende Metropolregionen. Es ist der Mix aus grundlastfähigen Kraftwerken und regenerativen Erzeugungskapazitäten, der eine besondere Stärke darstellt. Unabhängig von unterschiedlichen nationalen Energiepolitiken sollten wir gemeinsam daran arbeiten, dass die Europaregion Donau-Moldau bei fortschreitendem Umbau der Energieversorgung diese besondere Standortattraktivität sichern und weiter ausbauen kann.


 

Quelle: Regierungspräsident von Niederbayern Heinz Grunwald, in: Donau-Moldau-Zeitung, November-Ausgabe 2014.

Die Donau-Moldau-Zeitung ist eine monatlich erscheinende Zeitung der Verlagsgruppe Passauer Neue Presse und wird in einer Samstagsausgabe der Tageszeitung PNP als Beilage ausgeliefert. Der Abdruck auf der Webseite des AK Heimatgeschichte Mitterfels e. V. erfolgt mit Genehmigung des Regierungspräsidenten und der Donau-Moldau-Zeitung vom 17.11.2014.


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