„Mineralwasser ist rausgeworfenes Geld“

TrinkwassertalsperreAus der Trinkwassertalsperre in Frauenau werden pro Jahr etwa neun Milliarden Liter Wasser entnommen. Sie landen im Versorgungsnetz bei den Abnehmern links der Donau. (Foto: Waldwasser)

Wald­was­ser in­ves­tiert 35 Mil­lio­nen Eu­ro in neu­es Werk im Land­kreis Deg­gen­dorf


Deggendorf/Regen. Es wird „Europas modernstes Wasserwerk“, sagt der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU). Rund 35 Millionen Euro werden in das neue Wasserwerk und in das Verwaltungsgebäude in Moos im Landkreis Deggendorf investiert. Das Grundwasserpumpwerk in Moos ist neben der Trinkwassertalsperre in Frauenau im Landkreis Regen das zweite Standbein für Waldwasser – ein kommunaler Zweckverband, der sieben Landkreise in Ostbayern mit Fernwasser versorgt.

Das bisherige Grundwasserpumpwerk in Moos bei Plattling läuft bald nur noch als Bypass. So lange, bis das neue Werk einwandfrei funktioniert. Der Neubau soll Mitte 2018 den Betrieb aufnehmen; Baubeginn war Ende 2015. „Das alte wird dann rückgebaut – also abgerissen“, erklärt Werkleiter Hermann Gruber. Im Vergleich zum alten Werk mit zwei Filterstufen wird das Wasser nun vierfach aufbereitet: mit einem Sandfilter, einem Ionenaustausch-Verfahren, einem Aktivkohlefilter und einem Uranfilter. In den verschiedenen Reinigungsverfahren werden Eisen, Mangan sowie die Härtebildner Calcium und Magnesium sowie Uran herausgefiltert. Bei Uran handelt es sich aber nicht um einen radioaktiven Stoff, betont Gruber. „Wir reden hier von Uran als Feststoff“, erklärt der Werkleiter. Zwar tauchen schon jetzt nur Spurenelemente von Uran auf. Künftig soll es aber komplett herausgefiltert werden. Als reinen „Polizei-Filter“ bezeichnet Gruber die Aufbereitung mithilfe von Aktivkohle. Sollte im Grundwasser beispielsweise ein Stoff aus Krankenhäusern auftauchen, wie etwa Kontrastmittel, oder auch andere chemische Stoffe, würden sie mit diesem Verfahren herausgeholt. Vorgekommen ist das laut Gruber zwar noch nie. Dennoch: Irgendwann sei das vielleicht Standard und werde gefordert. „Deshalb haben wir das hier gleich miteingebaut, bevor wir wieder umbauen müssten“, sagt er.

Das Wasser reicht für etwa zwei Jahre

Das Wasserwerk in Moos wird laut Gruber mit Grundwasser aus etwa zehn Metern Tiefe gespeist. Aus dem Wasserwerk werden jährlich etwa drei Milliarden Liter Wasser entnommen, sagt Gruber. In der Theorie würde allein die Talsperre in Frauenau reichen. Über zwei sogenannte Düker, das sind Druckleitungen, die unter der Donau hindurchlaufen, könnten auch die Verbandsmitglieder rechts der Donau mit Waldwasser aus Frauenau versorgt werden. Im Gegenzug würde das auch andersherum funktionieren. Aber das Wasser aus Moos ist härter – und das mögen die Verbraucher nicht so gern, sagt Gruber. Zurück zum neuen Werk. Warum der Neubau, wenn es doch auch ohne ginge? „Wir wollen die Wasserversorgung sicherstellen und sie soll in kommunaler Hand bleiben“, nennt Gruber eines der Ziele. „Das ist zwar nicht sexy, wie man heute so schön sagt, aber notwendig.“ Denn vor etwa 50 Jahren sei die kommunale Wasserversorgung noch ein Problem gewesen, weshalb auch der Zweckverband gegründet wurde. Die Wasserkapazitäten aus beiden Werken würden für etwa zwei Jahre reichen – und das ohne Regen. „Wir sind ausfallsicher“, versichert Gruber. Die Trinkwassertalsperre in Frauenau ist eine von zwei in Bayern – die zweite ist in Mauthaus bei Kronach in Oberfranken – und fasst insgesamt 21,7 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Stausee ist rund zwei Kilometer lang und 600 Meter breit. Jährlich gelangen bis zu neun Milliarden Liter Wasser an die Abnehmer. Gespeist wird die Trinkwassertalsperre vom Kleinen Regen und vom Hirschbach. Über zwei Leitungen fließt das Quellwasser in die Trinkwasseranlage Max Binder in Flanitz (Kreis Regen) und wird in zwei Filterstufen aufbereitet. Flächenmäßig ist „Waldwasser“ der größte Wasserversorger in ganz Bayern. Das Verbandsgebiet, das die Landkreise Straubing-Bogen, Cham, Regen, Freyung-Grafenau, Passau, Dingolfing-Landau und Deggendorf sowie die Stadt Deggendorf einschließt, erstreckt sich über eine Fläche von rund 8 000 Quadratkilometern. Rund eine halbe Million Menschen werden täglich mit Trinkwasser versorgt – über ein rund 850 Kilometer langes Trinkwassernetz werden etwa 100 Gemeinden beliefert sowie weitere Zweckverbände und Unternehmen.

Abkommen mit Landwirten: kein Nitrat

Sowohl in Moos als auch in Frauenau gibt es im Einzugsgebiet des Wasserreservoirs Schutzgebiete (1 200 und 3 000 Hektar) – frei von menschlichem Einwirken, die Böden sind nicht nitratbelastet und auch Spritzmittel werden nicht verwendet. Ein spezielles Abkommen mit Landwirten macht das möglich. Die Landwirte werden für mögliche Verluste finanziell entschädigt – in Form von Ausgleichszahlungen. „Wer viel macht, kriegt viel“, sagt Gruber. Ihm ist der gerechte Ausgleich für die Landwirte wichtig. Vom oftmals schlechten Ruf, Fernwasser aus der Leitung sei gechlort und chemieverseucht, will Gruber deshalb nichts wissen. Pro Jahr würden immerhin an die 20 000 Einzelparameter-Untersuchungen der Wasserqualität gemacht. Derartige Gerüchte machen ihn wütend, wie er selbst sagt. Das sei lediglich eine PR-Strategie der Mineralwasserindustrie. Wer sich Wasser teuer in Supermärkten kauft, werfe Geld zum Fenster raus. „Das Leitungswasser hier kann man jederzeit unbedenklich trinken. Es ist rein“, sagt Gruber. Informationen Träger von Waldwasser sind die sieben Landkreise sowie die Stadt Deggendorf. Seit 2009 ist Waldwasser als europäische Marke geschützt. Auch Hoteliers und Wirte bieten Waldwasser als Service an – als Durstlöscher „aus der Region für die Region“. Auch im schulischen Bereich gibt es eine Kooperation: Speziell gefertigte Brunnen halten in mindestens 60 Schulen Ostbayerns frisches Waldwasser bereit.

Quelle: Kathrin Madl/BOG Zeitung vom 27. Oktober 2017 (Zeitversetzte Übernahme aufgrund einer 14-tägigen Sperrfrist)

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