Volkstrauertag 2020 in der VG Mitterfels

Volkstrauertag2020

Mitterfels: Rede von Oberst a. D. Henner Wehn - Haselbach: Kranzniederlegung - Ascha: Öffentliches Totengedenken

Wehn: Auch heute wollen wir am Volkstrauertag wieder …

… vor allem den Toten und Vermissten der Weltkriege aus unserer Heimatgemeinde Mitterfels ein ehrendes Gedenken widmen. Sie sind auch in diesen schlimmen CORONA-Zeiten nicht vergessen!

Der Volkstrauertag in Deutschland ist fast genau 100 Jahre alt. Im Straubinger Tagblatt war aus diesem Anlass vor wenigen Tagen zu lesen: „Vor genau hundert Jahren schmückte die sonst bilderlose Titelseite eine detailreiche Radierung mit einem Friedensengel in der Mitte. Der darunter stehende Text lautete: „Das Weihnachtsfest 1920 wird der gequälten Menschheit nur dann ein Fest des wahren Friedens werden, wenn alle Völker in gleicher Weise gewillt sind, die durch den Krieg geschlagenen Wunden zu heilen und an Stelle der Ungerechtigkeit und der Machtwillkür das aufrichtige Streben gegenseitiger Verständigung und Gerechtigkeit zu setzen.“ Soweit unser Straubinger Tagblatt mit dem Text von 1920.

Der Volkstrauertag wurde vor hundert Jahren in Deutschland durch den ebenfalls neu gegründeten Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) ins Leben gerufen. Es sollte an diesem Tag der vielen Millionen Opfer des ersten Weltkriegs gedacht werden und dieses Gedenken sollte, wie das Straubinger Tagblatt schreibt, neue Kriege und Gewalt verhindern. Heute, 2020, 100 Jahre später, müssen wir erkennen, dass der Volkstrauertag 1920 diesen Zweck wohl nicht erfüllen konnte.

In Deutschland kamen 1933 die Nazis an die Macht. Ca. 6 Jahre später folgte der von Deutschland ausgehende zweite Weltkrieg mit unvorstellbaren ca. 80 Millionen weltweiten Opfern. Unsere Heimat war 1945 nach diesem Weltkrieg ein ideeller und materieller Trümmerplatz. Alle moralischen Werte waren in der „Nazizeit“ missbraucht und zerstört worden, Millionen Deutsche auf der Flucht vor den Russen. Eine Zukunft in Frieden und Wohlstand schien für uns junge Menschen (ich wurde 1944 geboren) unerreichbar zu sein. Das Deutsche Reich war zerrissen und für die meisten Menschen in der Welt waren die Deutschen die Ursache von Terror und Gewalt.

Heute ,75 Jahre später, gehört Deutschland zu den wohlhabendsten Ländern in der Welt und ist in Europa als fast stärkstes Mitglied der EU nur von Freunden umgeben, zu denen auch die ehemaligen „Erbfeinde“ Frankreich und Polen gehören. Seit 30 Jahren ist unser Land wiedervereint. Eigentlich wären das alles gute Gründe zufrieden zu leben, dankbar in die Vergangenheit und gelassen in die Zukunft zu schauen.

Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Rings um uns herum dunkle Wolken an allen Horizonten und die daraus heraus schlagenden Blitze scheinen immer heftiger zu werden:

- 60 Millionen Flüchtlinge sind seit Jahren weltweit auf der Flucht vor rassistischer und religiöser Verfolgung und daraus entwickeltem Terror aus ihrer Heimat. Für unzählige Afrikaner, Syrer, Iraker und Afghanen ist das Ziel dieser Fluchten Europa.

- Zahlreiche Kriege in Arabien, Nahost und Südostasien begleiten uns seit Jahren mit ihren schrecklichen Bildern.

- Die ständig zunehmende Digitalisierung mit ihren sozialen Netzen ist die Ursache für immer neuere, immer brutalere Hass-Ausbrüche und Fehlinformationen.

- Wir erleben in Deutschland erschrocken eine neue Welle von Antisemitismus und Rechtsradikalität.

- Die Kluft zwischen den sozialen Gruppen scheint größer zu werden.

- Die Klimaveränderung macht vielen Menschen, vor allem den Jüngeren, für ihre Zukunft große Sorgen.

- Allgemein scheint der Hass zwischen den Menschen einen menschenwürdigen und friedfertigen Umgang miteinander immer mehr einzuschränken.

Diese aktuellen Sorgen und der weite Abstand von 75 Jahren seit dem Ende des zweiten Weltkriegs bringen die Erinnerung an schreckliche Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs und ihre Opfer immer mehr zum Verblassen. Die Generation der echten Zeitzeugen stirbt aus. In den 50- und auch noch 60-Jahren des vorigen Jahrhunderts flossen bei diesen Feierstunden auf den Friedhöfen und an den Denkmälern noch die Tränen der Angehörigen als die Namen ihrer im Krieg getöteten Ehemänner, Väter, Söhne und Brüder genannt wurden.

Heute nehmen immer weniger Menschen am Volkstrauertag teil. Aber vor allem das Interesse der Jugend am Volkstrauertag scheint angesichts der aktuellen Probleme endgültig dahinzuschwinden! Wenn ich jüngere Menschen nach der Ursache für dieses Desinteresse am Volkstrauertag und auch der damit oft verbundenen Ablehnung von Soldaten und speziell der Bundeswehr frage, lautet die Antwort meistens, dass die aktuellen Sorgen, noch dazu mit der Corona-Epidemie, sie mehr belasten würden. Diese Reaktion kann ich nachvollziehen. Trotzdem erschreckt sie mich.

Warum?

In unserer christlich-humanistisch und durch schreckliche Kriege leidvoll geprägten Gesellschaft Mitteleuropas halte ich den heutigen Gedenktag auch nach 100 Jahren für unverzichtbar! Er soll uns über alle Zeiten und Generation hinweg bewusst einmal im Jahr an die unzähligen Toten der Weltkriege, des Terrors und den Machtmissbrauch durch unmenschliche Politiker erinnern! Und Erinnerung ist für Menschen sehr wichtig! Eine deutsche Wissenschaftlerin schreibt dazu: „Wer sich mit seiner Erinnerung verbindet, tut sich vor allem selbst etwas Gutes: Erinnerungen sind eine starke Quelle von Ressourcen. Sie können uns auch mit Freude erfüllen und uns daran erinnern, was uns im Leben wichtig ist!“

Aus dieser Erinnerung könnte am Volkstrauertag auch ein Gespräch in den Familien zwischen den Generationen entstehen. Ein Gespräch über Ursachen von Krieg, Terror und Machtmissbrauch. Denn in Wahrheit erscheint uns 75 Jahre nach dem Ende des grausamen Zweiten Weltkriegs die jetzige Welt, auch in Deutschland, immer friedloser und gewalttätiger zu werden.

Nur einige wenige Beispiele:

- Gewalt in Familien gegen Frauen und Kinder;

- Gewalt gegen Polizisten und Rettungskräfte;

- Gewalt aus religiösen und rassistischen Gründen;

- immer mehr Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant hat dazu vor ca. 200 Jahren geschrieben: „Der Friedenszustand unter Menschen, die nebeneinander leben, ist kein Naturzustand, der vielmehr ein Zustand des Krieges ist. Frieden muss gestiftet werden.“ Das rufen uns auch heute die Toten der Weltkriege zu, deren Namen wir gleich hören werden. Denn der Verlust dieser Menschen ist nicht vollkommen. Sie leben in unserer Erinnerung weiter und rufen uns laut zu: „Haltet Frieden!“

Wer oder was kann uns aber berechtigte Hoffnung auf eine weiterhin friedliche Zukunft geben? Meiner Überzeugung nach: Nur wir selbst!

Trauer und Verbitterung über Geschehenes und erlittenes Unrecht oder gar der Verlust von nahen Menschen darf nie eine gemeinsame positive Zukunft verhindern. Die Hände zur Versöhnung und Vergebung müssen immer wieder neu gereicht werden.

Deshalb will ich ihnen zum Schluss eine kleine Geschichte über Streit und Vergebung erzählen:

„Ein Vater und sein Sohn lebten friedlich und in völliger Eintracht. Sie lebten von dem Ertrag ihrer Felder und Herden. Sie arbeiteten miteinander und teilten gemeinsam was sie ernteten. Dann fing durch ein kleines Missverständnis ein Streit an. Eine immer größer werdende Kluft bildete sich zwischen ihnen, bis es letztendlich zu einem heftigen Streit kam. Von da ab mieden sie jeglichen Kontakt und wechselten kein Wort mehr miteinander. Eines Tages klopfte jemand an die Tür des Sohnes. Ein fremder Mann suchte Arbeit. „Kann ich vielleicht eine Reparatur bei Ihnen durchführen?“ „Ich hätte schon eine Arbeit für Dich“, antwortete der Sohn. „Dort auf der anderen Seite des Baches steht das Haus meines Vaters. Er hat mich vor einiger Zeit schwer beleidigt. Ich will ihm beweisen, dass ich ohne ihn leben kann. Du sollst nur aus den überzähligen Steinen meiner alten Ruine eine 2 Meter hohe Mauer vor meinem Haus errichten. Dann kann mich mein Vater nicht mehr sehen!“

Der fremde Mann machte sich an die Arbeit und der Sohn ging für eine Woche auf Reise. Als er wieder nach Hause kam, war der Mann mit seiner Arbeit fertig. Doch die Überraschung für den Sohn war groß. Das hatte er nicht erwartet. Denn statt einer Mauer hatte der Mann eine schöne Brücke zum Grundstück seines Vaters gebaut. Da kam auch schon sein Vater aus seinem Haus, lief über die Brücke und nahm seinen Sohn in den Arm. „Was Du getan hast, ist wunderbar. Eine Brücke bauen lassen, wo ich Dich doch schwer beleidigt habe. Ich bin stolz auf Dich und bitte Dich um Verzeihung!“

Während Vater und Sohn Versöhnung feierten, bereitete der fremde Arbeiter seine Abreise vor. „Nein, bleib doch bei uns, denn hier ist Arbeit genug für Dich!“ sagten Vater und Sohn. Der Mann antwortete: „Gerne würde ich bei Euch bleiben, aber es gibt noch anderswo viele Brücken zu bauen!“


Volkstrauertag Haselbach. Kränze niedergelegt

Volkstrauertag2020 Haselb 

Bürgermeister Simon Haas (links) und KuSK-Vertreter Heinrich Stahl nach der Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal. Foto: Simon Haas

Erinnern an Opfer von Krieg und Gewalt

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Gemeinde und die KuSK Haselbach anlässlich des Volkstrauertags am Sonntag der Gefallenen der beiden Weltkriege und aller Opfer von Krieg und Gewalt gedacht.

An der von Prof. Dr. Karl Hausberger als Gedenkgottesdienst gestalteten Sonntagsmesse nahmen Fahnenabordnungen der Krieger- und Soldatenkameradschaft (KuSK) sowie der Feuerwehren Haselbach und Dachsberg teil. Anstelle des sonst üblichen Gedenkakts legten Bürgermeister Simon Haas und Heinrich Stahl als zweiter Vorsitzender der KuSK am Kriegerdenkmal ohne Beteiligung der Öffentlichkeit jeweils einen Kranz nieder.

Auch am Gedenkstein für die in der Gemeinde Haselbach getöteten Opfer des Todesmarschs aus dem KZ Flossenbürg wurde ein Gesteck niedergelegt.

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Totengedenken 2020 Ascha

Stilles Gedenken am Kriegerdenkmal in Ascha. Foto: Irene Haberl - Vergrößern durch Klick ins Bild!

Ascha. Öffentliches Totengedenken - Kranzniederlegung und Böller zu Ehren der Opfer

Totengedenken an einem Kriegerdenkmal. In Ascha pflegt der Krieger- und Soldatenverein alljährlich im Oktober dieses Gedenken an die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft. 2020 musste diese Tradition aufgrund von Corona unterbrochen werden.

Verordnete Abstandsregeln verhinderten den Kontakt größerer Gruppen, wie dies bei einem Kirchenzug und anschließendem Zug zum Kriegerdenkmal nicht zu vermeiden ist.

Trotzdem wollte die Vorstandschaft des KSV Ascha das öffentliche Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege nicht außer Acht lassen. In Vertretung der Mitglieder des Vereins sowie des Patenvereins und der Vertreter der Gemeinde legte der erste Vorstand des KSV Ascha am Ehrenmal an der Straubinger Straße zu Ehren der Opfer der beiden Weltkriege einen Kranz nieder.

Begleitet wurde diese Ehrerweisung durch die Böllerschüsse, die traditionsgemäß alljährlich durch den ersten Kanonier Markus Brückl abgefeuert werden.

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