1000 Jahre Geschichte um Mitterfels (33)

Vor gut 830 Jahren tauchte der Name Mitterfels das erste Mal in einer Urkunde auf; Gschwendt im Kinsachtal kann auf 900 Jahre zurückblicken; vor 960 Jahren übernahmen die Grafen von Bogen den östlichen Donaugau von den Babenbergern; Metten, im Jahre 766 gegründet, rodete zu Füßen der schützenden Bergkette zwischen Vogelsang und Hirschenstein . . . über 1000 Jahre interessante Geschichte, in die wir in halbmonatlich wechselnden Kapiteln eintauchen.

Zu den vorhergehenden Kapitelbeiträgen können Sie sich im Menue rechts in der Grafik „1000 Jahre Geschichte um Mitterfels“ durchklicken.

Das Rentamt Mitterfels (1803-1932)

33 06 Wappen am Rentamt

Wappen am ehemaligen Rentamt Mitterfels - Vergrößern durch Klick in Abbildung!

Die 1803 neu geschaffenen Rentämter waren den Reformen Montgelas' entsprungen. Sein Finanzministerium, eines seiner vier Fachministerien, arbeitete an der Verbesserung, vor allem Vereinheitlichung des bisherigen vielschichtigen Steuersystems. Dazu löste es auch die bisherigen Kastenämter aus den Landgerichten und unterstellte sie als selbständige Rentämter den Finanzbehörden.

Auch das neue Amt blieb am Gerichtssitz Mitterfels, wenngleich die räumlichen Verhältnisse recht dürftig waren. So kam 1820 eine königliche Anweisung, die Raumnot durch Anbau oder Ankauf zu beheben. Das heutige Gebäude (jetzt [1968!] Hotel "Felsenkeller") ist (als Umbau) erst 1911 entstanden. Der Zwischentrakt trug die Jahrzahl 1892, da dürfte auch die Rentamtswohnung (Dr. Müller) gebaut worden sein; auf dem Katasterblatt von 1890 ist an deren Stelle nur ein Wirtschaftsgebäude eingetragen.

33 02 Mitterfels Hauptstrae mit Rentamt 1914 Kernbichl

Burgstraße Mitterfels im Jahre 1914 mit dem Rentamt (links); Postkarte Sammlung Otmar Kernbichl Vergrößern durch Klick in Abbildung!

33 04 Ehemaliges Rentamt Puls

Das ehemalige Rentamt des Pfleggerichts Mitterfels in der Burgstraße; Foto: Bernhard Puls - Vergrößern durch Klick in Abbildung!

 

33 05 Ehemaliges RentamtDas Einkommen des Amtsleiters der ersten Zeit war eine Mischung aus festem Gehalt (3160 Gulden jährlich), aus Tantiemen (13/4 %) und aus Naturalien (Getreide und Holz). Aus eigener Tasche musste er dem Rentamtsboten jährlich 120 Gulden "Aversum" (Abfindung) geben.

Da der Rentamtsbezirk neben dem früheren Kastenamt Mitterfels auch das Kastenamt Schwarzach einbezog, entsprach er dem des Landgerichts Mitterfels. Er wurde mit 150 Quadratmeilen angegeben - rund 800 qkm. Für die damaligen Verkehrs- und Wegeverhältnisse war das ein schwieriger Bezirk; nur eine einzige wirklich gute Straße durchquerte ihn von Süd nach Nord, ansonsten führten nur schlechte Nebenwege über die verschiedenen Höhenzüge, gute Querverbindungen fehlten völlig. Da war im Winter oft ein schlechtes Herankommen.

33 01 Pfleggericht

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Das Rentamt legte für seinen Bezirk 50 Steuerdistrikte fest -unter ihnen wahrhafte "Zwerge", wie Höhenberg bei WiesenfeIden mit nur 23 Untertanen, oder Kriseszell, Grün, Klinglbach und Siegersdorf mit je 34. Größter Steuerdistrikt war Bogen mit 904. (Vgl. Kapitel 34)

Die Abgaben und Leistungen wurden damals bereits weitgehend in Geld festgesetzt - so für die Gilt, die Stift, den Küchendienst, die Fourage-Anlage, die Vorspann-Anlage.

Wenigstens war es so im Distrikt Mitterfels. Anderswo muss es auch noch Naturalabgaben gegeben haben, weil noch 1828/29 an den Kasten zu Oberalteich 2853 Scheffel Getreide, Erbsen und Hanf mit einem Wert von 16728 Gulden angeliefert wurden.

Die meiste Verrechnungsarbeit lag darin, dass nur ein Teil der Untertanen "landgerichtlich" war, sehr viele andere aber weiterhin (bis 1848) Untertanen der Hofmarksherrschaften waren und deren Patrimonialgerichten unterstanden. Auch die Zehentanteile gingen an die verschiedensten Stellen, manchmal sogar nur von einzelnen Flurstücken eines Hofes. Da war das Auseinanderklauben schon ein rechtes Kunststück. Verhältnismäßig wenige waren die als "ludeigen" bezeichneten Höfe und Güter, also die im Eigenbesitz befindlichen. Innerhalb des Steuerdistrikts Mitterfels waren es an die zehn; als "landgerichtlich" galten hier 100 Untertanen, 29 unterstanden der Hofmark Scheibelsgrub des Grafen Jonner auf Steinburg, zwei der Hofmark Haggn-Pürgl des Freiherrn von Asch (nämlich Höllmühl und Kleinkohlharn), eines der Herrschaft Brennberg des Frh. von Gumpenberg (nämlich der Bauer Groß von Hartberg). Die außerdem dazugehörigen Höfe in Vorder-, Mitter- und Hinterschieda, sowie ein weiterer Hartberger Hof unterstanden dem Landgericht Straubing. Die Bedeutung dieser im Bezirk Mitterfels zahlreichen Hofmarken und Herrschaften lässt sich aus deren Besitz ersehen: Die Grafen Törring von Guttenzell in Falkenstein befahlen über 715 Höfe ; die Freiherrn von Magerl in WiesenfeIden über 403 Höfe; Freiherr Baron von Buchstetten der Hofmarken Au-Ascha-Falkenfels-Rattiszell über 276 Höfe; Frh. von Leoprechting zu Auggenbach-Haid-Altrandsberg-Haibach über 162 Höfe; Baron Boißl zu Haunkenzell über 122 Höfe; Frh. von Asch zu Haggn-Pürgl über 105 Höfe; Graf von Waldkirch zu Schönstein über 96 Höfe; Frh. von Gumpenberg zu Unter- und Oberbrennberg über 96 Höfe; Frh. von Berchem zu "Au bei Windberg" (Au vorm Wald) über 54 Höfe; Graf Jonner von Steinburg über 35 Höfe, davon 29 aus der Hofmark Scheibelsgrub und sechs aus dem Steuerdistrikt Gaishausen. Eine Reihe kleinerer Herrschaften kam noch dazu. Rein "landgerichtliche" Steuerdistrikte waren nur acht: das 1803 säkularisierte Oberalteich, dann Hunderdorf, Kößnach, Schwarzach, Kolwessen, Grün, Englmar und Höhenberg. (Vgl. Kapitel 34)

Die Finanzkraft des Rentamtbezirks Mitterfels war nicht die beste. Im Jahresbericht des Rentbeamten von 1830 kommt der Bezirk ganz schlecht weg: "Wohl nirgendwo ist die Schwierigkeit der Steuereinbringung so groß wie hier; 1000 Rückstände liegen bereits vor. Wo in anderen Bezirken des Unterdonaukreises es ein Leichtes ist, an einem Tag 2000 bis 3000 Gulden einzubringen, muss im Bezirk Mitterfels einer froh sein, wenn er in drei Tagen auf 200 bis 300 Gulden kommen will."

Zur Glaubwürdigkeit ist dem Bericht angefügt, dass "der größte Teil der Bevölkerung vorwiegend vom Flachs- und Wollespinnen, vom Leinwandhandel und vom Obstverkauf lebt" (was sicherlich auch übertrieben war).

Strittige Einzelfälle aus den frühen Jahren um 1800 vermögen jedoch die damals schwierige Situation des Landvolks zu untermauern. Dabei ist erstaunlich, dass sich die beschwerdeführenden Bauern durchaus kein Blatt vor den Mund nahmen. Der Bauer Edhofer von Graben sagt es dem Mitterfelser Landgericht ganz deutlich, dass da plötzlich uralte, aus Großvaters Zeiten stammende "hervorgesuchte Ausstände an Schwarwerksgeldern beglichen werden sollen, wo die laufenden höchstlandes- und grundherrlichen Abgaben hoch genug sind und wo man nicht weiß, wie sparsam die Natur für die Waldgegend seye und wie mühsam und hart sich dessen Bewohner abplagen müssen, um von der steinigten Erde nur die höchstbedürftige Speis für sich und die Ihrigen zu überkommen, umso drückender und härter ist aber für selbe, wenn sich bei dermalig harten Zeiten, wie sie durch die schon lang andauernde und außerordentlich überhäufte Quartierlasten, durch die continuierlich ihr Menath gänzlich zugrund richtende Vorspannungen und durch unerschwingliche Fouragelieferungen vollends erschöpft sind". Das Gericht reagierte sehr sauer. Der Bote kam und brachte Edenhofer und seinen fünf Mitunterschreibern den landgerichtlichen Befehl, am Tag nach Dreikönig beim Landgericht zu erscheinen und binnen einer Woche die Ausstände von 54 Gulden zu bezahlen, "bei Vermeidung der Execution". Die Sache ist aber bis München gegangen und dann doch milder ausgefallen als angedroht. Auch der Bauer Sebastian Pornschlögl von Pumhofen rührte sich und der Michael Hochmayr von Prihl, und die Kößnacher Bauern fügten als weiteres an, dass "durch die wiederholten Aushebungen der Landkapitulation (Rekruten) das männliche Landvolk so sehr zusammengeschmolzen, dass man froh seyn muss, einen Burschen um dreifachen Lohn zum Dienen zu erhalten, wo man doch gegenwärtig um einen Mann mehr nötig hat, um diesen mit einem Gschirr zu dem ununterbrochenen Kriegsvorspann bereit zu halten".

Das Rentamt, später Finanzamt Mitterfels, bestand bis 1932. Es erlitt das Schicksal aller kleineren Behörden. Darüber wollen wir in einem späteren Kapitel 63 berichten.

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