Michael Kienberger mit seinem eigenen Kirchenschlüssel. In der Schlüsselzentrale in Straubing hätten sie ihm den nachmachen lassen, erzählt er. Foto: Natascha Probst
Michael Kienberger ist einer der Jüngsten seiner Zunft.
Von einem 23-jährigem Mesner, der seinen 18. Geburtstag kaum erwarten konnte.
Zu seinem 18. Geburtstag hat Michael Kienberger einen Schlüssel bekommen. Doch nicht etwa den Schlüssel zum eigenen Auto –, nein, seiner ist aus Metall, über 20 Zentimeter lang und sieht aus, als könne man damit Burgen und Schlösser aufsperren. Es ist der lang ersehnte Schlüssel zur Kirche, zur Burgkapelle Sankt Joseph in Falkenfels.
Als Mesner mitgeholfen hat er schon mit 17 Jahren. Doch einen eigenen Schlüssel zur Kirche bekommt man erst mit der Volljährigkeit. Nur vier Leute hätten einen, sagt er. Mittlerweile ist Michael Kienberger 23 Jahre alt und liebt seinen Beruf nach wie vor – seine Augen strahlen, wenn er davon erzählt.
Dass über ihn ein Artikel erscheinen soll, weiß er nicht – das haben seine Kollegen und Freunde angeregt. Denn Michael sei die „Seele der Gemeinde“, sagt sein Mesnerkollege Andreas Gebauer. Und eine Inspiration für ihn – wegen seiner Fröhlichkeit.
Und so steht Michael Kienberger an einem Mittwochvormittag vor der Kirche und grinst übers ganze Gesicht als er erfährt, dass er in die Zeitung kommt. Er dachte eigentlich, dass es eine Besprechung mit dem Pfarrer geben würde.
Die Treppe zur Kirche ist ein Hindernis2021 arbeitet er noch als Kinderpfleger, bereits seit vier Jahren. Doch plötzlich, so erzählt er es heute, kam von einem Tag auf den anderen seine Muskelerkrankung. Die Muskelkraft lässt mit der Zeit nach, in den Armen und Beinen. Auch Schmerzen hat er. Und Termine: bei der Neurologie, der Physiotherapie, der Orthopädie. Eine Heilung gibt es nicht, sagt er.
Doch statt von sich zu erzählen, erzählt er lieber von anderen. Von seinen Mesnerkollegen Ursula Spanfeldner, Melanie Kirschner, Andreas Gebauer. „Die müssen auch erwähnt werden.“ Von Pfarrer Edwin Ikechukwu Ozioko, dessen Fröhlichkeit und Lachen ansteckend sei. Vom ehemaligen Pfarrer Alois Zimmermann, der ihn dazu ermuntert hat, trotz seiner Krankheit den Mesnerberuf zu ergreifen. „Wir schaffen das schon“, habe er zu ihm gesagt.
Er erzählt vom Kirchenverwaltungsvorsitzenden Hermann Ebenbeck, der ihm den Beruf des Mesners vier Monate lang beigebracht hat. „Die müssen alle erwähnt werden.“
Zur Kirche direkt an der Burg Falkenfels führen etliche Stufen hinauf. „Die Treppe ist schon so ein Hindernis“, sagt er. „Dann denk ich mir: Komm, das schaffst du schon noch.“ An Allerheiligen kommt er mit einem Scooter zum Friedhof, auch an der Fronleichnamsprozession nimmt er mit diesem teil. Denn das weite Gehen ist zu anstrengend für ihn. „Mich hindert die Krankheit nicht, ich lass mich nicht behindern“, sagt er. „Ich nehme halt Hilfsmittel.“
Der Glaube gebe ihm Halt, sagt er. Und es bringe nichts, wenn man schlecht drauf sei. „Wer sein Kreuz nimmt, der folgt mir nach“, heiße es in der Bibel.
Für die Ministranten gibt es Cola und Fanta
Die Kirche sei ein guter Ort für ihn, sagt er. Es sei ruhig, es werde aber auch immer viel gelacht. Der 23-Jährige organisiert auch Wallfahrten für die Gemeinde. „Dieses Jahr geht es nach Mindelstetten zu Anna Schäffer“, im vergangenen Jahr waren sie gemeinsam in Altötting. Auch die Maiandachten hält er mittlerweile selbst.
Und dann kümmert er sich natürlich um die Ministranten. Sein Lieblingsort in der Kirche ist die frisch renovierte Sakristei, in der er Cola, Fanta, Wasser, Kissen und Decken für die Messdiener bereithält, falls mal einer was braucht. Derzeit kommt die Gemeinde auf 13 Ministranten, drei neue konnte er motivieren.
Auch bei Vereinen ist er unterwegs und fragt, ob sie Gottesdienste gestalten wollten. Diese Arbeit nimmt er oftmals dem Pfarrer ab. Aber viel helfe da auch Pastoralreferent Florian Weiß. Richtig: „Der muss auch erwähnt werden“.
Natascha Probst/BOG Zeitung vom 24. Dezember 2025 (Gen. der Lokalredaktion)
