Featured

Der Advent - ein Abenteuer? Ein abenteuerlicher Gedanke

Adventspredigten2016 1

Predigt am 1. Adventssonntag in der Pfarreiengemeinschaft

... Mitterfels-Haselbach-Herrnfehlburg von P. Dominik Daschner OPraem

Wir beginnen mit diesem Sonntag den Advent – wie jedes Jahr; alle Jahre wieder -, die vier­wöchige Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Die Bezeichnung für diese Zeit – „Advent“ - rührt vom lateinischen Wort „adventus“ her: Ankunft. Adventus Domini – Ankunft des Herrn.


   Adventus Domini – Ankunft des Herrn | adventure - Abenteuer


Der Begriff „Advent“ erinnert aber auch an das englische Wort „adventure“ für Abenteuer. Der Ad­vent als Abenteuer? Was für ein abenteuerlicher Gedanke!

Im Wörterbuch wird Abenteuer beschrieben als ein ungewöhnlich spannendes Erlebnis, als ri­sikoreiches Unternehmen. Ein Unterfangen, das man nie ganz in der Hand hat; von dessen Aus­gang man sich überraschen lassen muss. Nun war das Warten aufs Christkind zwar schon immer mit Spannung verbunden, aber als abenteuerlich und risikoreich würde es wohl niemand be­zeichnen. Unser Risiko im Advent beschränkt sich wohl meist darauf, die falschen Geschenke zu besorgen oder einen unpassenden Christbaum nach Hause zu bringen. Da hält sich das Aben­teuer in Grenzen.


   Aufbruch zu neuern Ufern? Eher nicht der Wesenszug von uns Christen!?


Uns liegt es näher, Bewährtes zu bewahren, die alten Traditionen zu pflegen, uns auf Alt­vertrautes zu verlassen. Aufbrechen zu Abenteuern und neuen Ufern ist eher nicht jener Cha­rakterzug, den man uns Christen nachsagt. So erwarten wir zwar Jahr für Jahr die Ankunft des Herrn, doch wir meinen längst zu wissen, wer da kommt, wenn er kommt. Seine Ankunft soll gefälligst nach Plan vor sich gehen. Wo kämen wir denn hin, wenn wir nicht wüssten, was der plant, der da bei uns ankommen soll!?


   Aber: Es verlangt schon Abenteuerlust, Gott in meinem Leben ankommen zu lassen


Doch Gott ist und bleibt der ganz andere, der stets Unbegreifliche. Ihn zu erwarten, ist deshalb tatsächlich gewagt. Nur wer sich darauf einlässt, nimmt den Advent wirklich ernst. Gott in sei­nem Leben ankommen zu lassen, verlangt mehr Abenteuerlust, als wir wahrhaben wollen. Aber, liebe Schwestern und Brüder, wollen wir das wirklich? Wir erflehen zwar in den Adventsliedern jedes Jahr aufs Neue das Kommen des Herrn, um unser Leben umzukrempeln, es zu erneuern, um die Welt ihrer Vollendung entgegenzuführen, aber was, wenn er wirklich käme?


   Was, wenn er wirklich käme?


Wollen wir wirklich, dass er kommt? Wir singen zwar Jahr für Jahr „Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab“, doch wir spannen den Regenschirm auf und stellen uns unter, um nicht nass zu werden vom Tau, den wir so schmachtend erflehen. Alle adventlichen Texte reden von der Sehnsucht des Menschen nach einem himmlischen Erlöser, vom Heimweh nach dem verlorenen Paradies und vom Hunger nach umfassender Gerechtigkeit. Doch in der Realität begnügen wir uns im Advent doch gerne mit Apfel, Nuss und Mandelkern bei romantischem Kerzenschein.


   Adventszeit? Nicht vordergründige Vertröstungs- sondern endgültige Erwartungszeit


Echter Advent ist ein anderes Kaliber. Im Advent geht es um mehr. Adventszeit ist endgültige Erwartungszeit, nicht vordergründige Vertröstungszeit. Wer wirklich Weihnachten feiern will, muss sich im Advent aufmachen zum Abenteuer, das Gott heißt. Menschen erwarten viel von ihm, aber erwarten sie auch ihn selbst? Beim kindlichen Warten aufs Christkind haben wir un­sere Erwartungen auf dem Wunschzettel klar formuliert.


   Mit „Dein Wille geschehe …!“ ist die kindliche Komfortzone endgültig vorbei


Aber diese kindliche Komfortzone ist unwiederbringlich vorbei. Wer als Erwachsener das Christkind erwartet, muss schon ein wenig offener und abenteuerlustiger sein. Er kann weder gewiss noch sicher sein, was das Christkind ihm bringt. „Dein Wille geschehe…“, so beten wir im Vaterunser. Zeugt das nicht von großer Abenteuerlust? Uns Christen ist damit ein gewisser Wagemut ins Stammbuch geschrieben. Nicht wie ich will, was ich für richtig und gut halte, soll werden, sondern ich soll und will mich stattdessen hineinfinden in den Willen Gottes für mein Leben, für diese Welt. Wer dem aus dem Weg geht, braucht von Gott nichts erwarten.


   Gerüstet sein für das Abenteuer mit Gott … und den Mitmenschen


Liebe Gemeinde, der Advent ruft uns zu – wie die Pop-Band PUR gesungen hat -: „Komm mit mir ins Abenteuerland!“ Es ist das Land vor der Krippe, das Land des Staunens und der Freude darüber, dass mit der Geburt des göttlichen Kindes eine neue Herrschaft anbricht: die Herrschaft des Friedens, der Güte und der Liebe. Für den Weg in dieses Abenteuerland braucht es keinen Kampfanzug und keinen Ritterschlag. Was wir brauchen, sind offene Hände, ein liebendes Herz und ein kindliches Gemüt. Diese Rüstung genügt für das Abenteuer mit Gott und unseren Mit­menschen, zu dem uns der Advent einladen will.

Welches Land die Gruppe PUR vor Augen hatte, als sie 1995 ihr Lied „Komm mit mir ins Abenteuerland“ getextet hat, weiß ich nicht. Aber man kann dessen erste Strophe durchaus ad­ventlich lesen und verstehen, wenn es darin heißt:

  • „Und ein kleiner Junge nimmt mich an die Hand.
  • Er winkt mir zu und grinst:
  • Komm hier weg, komm hier raus.
  • Komm, ich zeig dir was,
  • das du verlernt hast vor lauter Verstand.
  • Komm mit – Komm mit mir ins Abenteuerland.“

Ist der kleine Junge aus dem Lied womöglich der neugeborene Gottessohn in der Krippe, der uns in diesem Advent bei der Hand nehmen will für den Aufbruch zum Abenteuer mit Gott, zum Abenteuer des Lebens?

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.