Advent 2 - Barbarazweige ... auch ein scheinbar abgestorbener Reis kann neu aufblühen

2023 12 10 Barbarazweig KarlGruber 

Barbarazweige – wikimedia CC BY-SA 4.0/KarlGruber Vergrößern durch Anklicken!

Predigt in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach von P. Dominik Daschner OPraem: Symbole der Adventszeit - Barbarazweige

In meiner Predigtreihe über Symbole der Adventszeit möchte ich mit Ihnen heute über die Barbarazweige nachdenken.

Manche von Ihnen werden vielleicht in der vergangenen Woche im Gedenken an die Hl. Barbara – am 4. Dezember war ihr Gedenktag – scheinbar dürre, tote Zweige aus dem Garten abgeschnitten und in die Vase gestellt haben, damit sie an Weih­nach­ten dann blühen.


Hoffnung und Glaube sind erfinderisch


Durch diese Tradition konnten Menschen auch zu Zeiten, in denen nicht ganzjährig Schnittblumen erhältlich waren, sich zu den Feiertagen einer Blüte und fri­scher Farbe erfreuen. So sind Hoffnung und Glaube wohl zu allen Zeiten erfinderisch, lassen sich etwas einfallen, um die Welt zu verschönern, dem Leben Farbe und Blüte zu geben. Im ein­tönigen Grau und der Dunkelheit des Winters verkörpert der blühende Zweig den Glanz, der uns in der Geburt Christi aufleuchtet, die Gegenwart von Hoffnung in der Öde des Alltags.


„Wüstenerfahrungen“ im Leben


Ein wenig so wie im Evangelium, da wir gerade gehört haben. Wo Johannes als Rufer in der Wüste auftritt, zur Umkehr aufruft, um so dem Herrn die Wege zu bereiten. Nicht von un­gefähr geschieht das gerade in der Wüste. Wo alles am Ende ist, wo nichts mehr wächst und alles lebensfeindlich erscheint, spricht er von einem neuen Anfang, den Gott setzen will: in Jesus, den er ankündigt. Durch seinen Aufruf möchte Johannes andere mitnehmen auf die Straße, die diesem neuen Leben den Weg bereitet.

Liebe Gemeinde, das Bild der Wüste passt für verschiedene Situationen in unserem Leben. Wo es trocken ist - wie so häufig in den letzten Jahren -, nicht nur draußen in der Natur, oft auch in unserem Inneren. Es stockt. Es geht nichts vorwärts in unseren Kontakten, unserer Arbeit. Es hakt bei den selbst gesteckten Zielen. Blockiert und wie ausgetrocknet scheint die eigene persönli­che Entwicklung. Das sind Wüstenerfahrungen im Leben.


„Oasen“ sind willkommen


In solchen Dürrezeiten sind Oasen willkommen. Jetzt, diese Wochen des Advents, können zu solchen Oasen werden: mehr Gefühl zulassen, Emotionen leben, bewusst die Natur wahrneh­men, nach draußen gehen, die Stille dort aushalten und genießen lernen. Für so eine Oase kann verrückterweise auch ein Wecker sorgen. Nicht einer, der uns aus den schönsten Träu­men reißt, sondern einer, den wir uns bewusst selbst stellen, damit er immer dann läutet, wenn wir wieder einmal zu viel Zeit im Internet, vor dem Fernseher oder am Handy verdaddeln. Dann ist sein Klingelton wie die Stimme, die in der Wüste des gedankenlosen Medien­konsums ruft. Und eine besondere Oasen-Stimmung kann entstehen, wenn wir schon vor Weihnachten mit Liebe und Fantasie durch kleine Aufmerksamkeiten oder durch unsere Zeit für andere versuchen, sie in ihrer Wüste des Alltagstrotts zu erfreuen.


Barbarazweige – Symbole für „Oasen im Leben“


Solche Sehnsucht nach Oasen des Lebens verkörpern auch die Barbarazweige. Es braucht nur ein bisschen Wasser, Licht und Wärme, und sie blühen auf. Das ist auch bei uns Menschen nicht anders. Das Licht echter Mitmenschlichkeit, die Wärme, mit der wir einander begegnen, ein gutes Klima in unseren Beziehungen – sie lassen uns innerlich aufblühen. Ein Blick im Vorbeigehen auf die Barbarazweige in unserer Wohnung kann uns daran erinnern und uns motivieren, selber solch lebensfördernde Oasen zu schaffen in den Wüsten unserer Welt.


„Oasen“ locken zur Rast – Adventszeit ist Oasenzeit


Liebe Schwestern und Brüder, Oasen ziehen an. Sie locken zu einer Rast. Eine Oase lädt ein, zu stoppen, anzuhalten, zu verweilen. Sie verkörpert Gastfreundschaft, ein Quell-Ort, wo man sich gerne niederlässt. Der Advent kann so eine Oasenzeit im Jahreslauf sein, unserer eigenen Seele Rast zu geben: in guten Gedanken an Gott und die Welt, in Meditation, Gebet und Got­tesdienst oder einfach mal im Abschalten damit die positiven Kräfte in uns selbst wieder flie­ßen. Die Barbarazweige - blühende Zweige inmitten winterlicher Erstarrung -, sie laden uns dazu ein.


Es gibt aber auch „seltsame Blüten“ …


In den biblischen Texten, die von Johannes dem Täufer erzählen, ist ebenfalls von Bäumen und Zweigen die Rede. Allerdings nähert er sich ihnen nicht wie beim Schneiden der Barbara­zweige mit der vergleichsweise zierlichen Rosenschere oder einem kleinen Messerchen, son­dern gleich mit der Axt. Auch nicht, um nur einen Zweig zu pflücken, sondern gleich alles mit Stumpf und Stiel auszurotten. „Die Axt ist schon an die Wurzel gelegt“, so heißt es drastisch aus dem Mund des Täufers.


… die zurechtgestutzt gehören!


Sicher ist hier orientalische Übertreibung mit im Spiel, die kräftige Bildersprache des Alten Testamentes. Doch richtig bleibt: Nicht alles, was in unserem Leben wächst, ist gut. Manches treibt auch seltsame Blüten, und muss deshalb hier und da zurückgeschnitten, zurechtgestutzt werden. Eine eigene Unart vielleicht oder ein Zuviel von diesem oder jenem. Mit einem alten Wort: ein Laster. Hier gegenzusteuern, dazu lädt der Advent ein. Nach alter Tradition ist der Advent deshalb eine Bußzeit, eine Zeit der Umkehr. Die violetten Gewänder im Advent zei­gen es an.


Das Machbare, Erreichbare liegt oft im Kleinen


Bei solcher Umkehr brauchen wir uns nicht zu übernehmen: mit einer radikalen Änderung unseres kompletten Lebens. Nein. Oft liegt im Kleinen das Machbare, im Überschaubaren das Erreichbare. Das Leben wieder neu an Jesu Froher Botschaft ausrichten, wieder bewusster leben.


Barbarazweige zeigen es: Auch ein scheinbar abgestorbener Reis kann neu aufblühen


Mit neuem Elan das Gute tun. Und so sein eigenes Leben wieder in Form bringen, wie beim Zuschneiden eines Strauches, damit er wieder neu austreibt und blüht. So wie es das alte Weihnachtslied in Worte fasst: „Es ist ein Ros entsprungen…“. Nicht von einem entlaufenen Pferd – einem Ross - wird darin gesungen, sondern von einem dürren, scheinbar abgestorbe­nen Reis, einem Rosenzweig, der neu austreibt und Blüten hervorbringt.

Zu solch neuem Aufblühen unseres Lebens und Glaubens will uns der Advent einladen. Die aufblühenden Barbarazweige im Advent daheim in der Vase bringen das anschaulich ins Bild.

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