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Von klein auf fit fürs digitale Zeitalter

2026 07 22 Vorschulkinder HAS

 

Die Vorschulkinder des Kindergarten Sankt Jakob in Haselbach untersuchen gerade mit der digitalen Lupe einen ihrer Spielteppiche ganz genau. Sabrina Maraun (l.) hilft ihnen dabei. - Fotos: Verena Lehner

 

Tablet im Gruppenraum: Zwölf Kitas aus dem Landkreis haben in diesem Jahr an der Kampagne „Startchance Kita digital“ teilgenommen. Was es damit auf sich hat.

Im ersten Moment wirkt es schon ein bisschen ungewöhnlich, das grün gerahmte Tablet, das da im Morgenkreis der Vorschulkinder der Kindertagesstätte Sankt Jakob in Haselbach liegt. „Das war es am Anfang auch für uns“, erzählt Sabrina Maraun. Die Kinderpflegerin ist eine von drei Erziehungskräften der Einrichtung, die sich in diesem Jahr im Rahmen der bayernweiten Kampagne „Startchance Kita digital“ fortbilden haben lassen. Doch wie Maraun erzählt, war diese anfängliche Skepsis gegenüber einem Tablet im Kindergarten schnell verflogen. Warum das so war, was es mit dieser Kampagne auf sich hat und wie das Ganze bei den Kindern ankommt, hat sich unsere Redaktion vor Ort ein bisschen genauer angeschaut.

„Die Kinder nehmen das Tablet nicht als Spielzeug wahr, mit dem man irgendwelche Spiele spielt oder Filme schauen kann“, erklärt Sabrina Maraun. Im Gegenteil. Im Kindergarten ist das Tablet ein Lern-Gerät, womit sie ihre Umgebung erkunden und sich neue Fertigkeiten rund um Sprache oder auch kognitive Wahrnehmung aneignen können und spielerisch in die Möglichkeiten eintauchen, die die digitale Welt bietet. Das ist auch an diesem Morgen so. Die Kinder blicken gebannt auf den Bildschirm. Aber nicht, weil da gerade irgendein spannender Film läuft. Sie bewundern eine tausendfach vergrößerte Faser ihres Spielteppichs, den sie gerade mit einer digitalen Lupe untersuchen.

„Das zeigt ganz gut, was die Kinder mit dem Tablet lernen können“, erklärt Maraun. Sie lernen die Welt von einer anderen Perspektive kennen, erarbeiten sich neue Blickwinkel. „Wir schicken die Kinder auch mal auf Fotosafari.“ Da mussten dann beispielsweise einmal nur rote Sachen fotografiert werden. Daraus wurde eine Foto-Collage erstellt und die anderen Kinder mussten dann erraten, welches Wort gesucht wird. „Somit wird gleichzeitig auch die Sprachentwicklung gefördert.“

Zwölf Einrichtungen waren heuer dabei

Welche Apps geeignet sind, wie bereits kleine Kinder richtig an die digitale Welt herangeführt werden und welche Regeln – vor allem beim gegenseitigen Fotografieren – beachtet werden sollen, das alles haben die teilnehmenden Erzieher in mehrtägigen Präsenzkursen am Landratsamt Straubing-Bogen gelernt, die vom Amt für Jugend und Familie in Kooperation mit den Kita-Digital-Coaches durchgeführt wurden. Wie Philipp Piendl von der Fachberatung für Kindertagesstätten am Amt für Jugend und Familie erklärt, konnte auch in diesem Jahr wieder einer der teilnehmerstärksten Kurse in Niederbayern angeboten werden. Laut Piendl haben in diesem Kindergartenjahr insgesamt zwölf Einrichtungen an dem ganzjährigen Projekt teilgenommen. Am 28. Juli findet dazu noch die Abschlussveranstaltung im Landratsamt statt.

Die Haselbacher Kitaleiterin Silke Lehmann ist froh darüber, dass sie sich gemeinsam mit dem Team entschlossen hat, sich an der Kampagne zu beteiligen. „Wir profitieren wirklich sehr davon“, sagt sie. Das Ganze sei auch eine Teamleistung. Auch ältere Kolleginnen seien über ihren Schatten gesprungen, ließen sich die verschiedenen Anwendungen gerne erklären. Lehmann gibt zu, dass auch sie dem Ganzen am Anfang eher kritisch gegenüberstand. „Aber wir wurden eines Besseren belehrt, es ist wirklich eine Bereicherung und auch wichtig, dass wir die Kinder frühzeitig in einem sicheren Rahmen an die digitalen Medien heranführen.“

Zertifizierte Apps für digitales Lernen

Dieser Meinung ist auch Sabrina Maraun. Die Apps, die verwendet werden, seien alle durch „Startchance Kita digital“ zertifiziert. Besonders beliebt bei allen sei die App, mit der die Kinder ihre Portfolios selber gestalten können. Was Maraun dabei am besten gefällt: Die Kinder dürfen selber sagen, welches Bild ihnen gefällt, was soll dabeistehen, will ich überhaupt ein Foto von mir sehen. „Die Kinder lernen so, ihre eigenen Grenzen zu setzen. Was will ich, was will ich nicht.“

2026 07 22 Vorschulkinder MITT Claudia Fischer

 

Mit ihrer Erzieherin Claudia Fischer vom Kindergarten Don Bosco in Mitterfels arbeitet die fünfjährige Theresa gerade an ihrem Portfolio.

Die Portfolio-App ist auch im Kindergarten Don Bosco in Mitterfels, der heuer ebenfalls an der Kampagne teilnimmt, sehr beliebt. Wie Erzieherin Claudia Fischer von der Füchse-Gruppe erzählt, mache es den Kindern großen Spaß, die Bilder für ihre Erinnerungsseiten auszuwählen und das Layout selbst zu gestalten. So werde auch die Kreativität gefördert.

Sowohl in Haselbach als auch in Mitterfels haben die jeweiligen Träger das Konzept von Anfang an unterstützt und jede Kindergartengruppe hat ihr eigenes Tablet bekommen.

Das Projekt in aller Kürze

Der komplette Name der bayernweiten Kampagne lautet „Startchance Kita Digital und Sprache“, die wichtigsten Infos dazu:

  • Das Konzept: Das Ganze ist ein einjähriges Qualifizierungsprogramm für Kindertageseinrichtungen. Es unterstützt Erzieherinnen dabei, digitale Medien sinnvoll und pädagogisch fundiert in den Kita-Alltag einzubinden.
  • Das Ziel: Kinder sollen frühzeitig zu einem sicheren, kreativen und kritischen Umgang mit digitalen Medien befähigt werden. Gleichzeitig wird die Sprachentwicklung der Kinder durch digitale Angebote wie Foto-, Audio- oder Filmprojekte gefördert.
  • Die Vorgehensweise: Der Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenspiel von digitaler und sprachlicher Bildung. Die pädagogischen Fachkräfte werden durch Fortbildungen und spezielle Coaches ausgebildet. Dabei gibt es Präsenzkurse und auch eine Begleitung vor Ort. Dabei begleitet ein Coach die Erzieher aktiv in der Einrichtung und schult unter anderem den richtigen Umgang mit den Apps.  

Kommentar

Eltern nicht allein lassen

Tablets im Kindergarten? Medienkompetenzkurse für Eltern von Kleinkindern? Digital-Kampagnen in Kitas? Braucht es das wirklich? Die klare Antwort: Unbedingt. Denn eins haben die vergangenen Jahre gezeigt: Die Vermittlung der richtigen Medienkompetenz ist für die Eltern von heute eine, wenn nicht sogar die größte Herausforderung ihrer Zeit. Sie dabei zu unterstützen und zu begleiten, ist wichtig und muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen werden.

Dass unser Landkreis sich an Kampagnen wie „Startchance Kita Digital“ beteiligt und es am Landratsamt auch eine eigene (momentan leider vakante) Stelle für eine „Präventionsfachkraft für Medienkompetenz“ gibt, zeigt, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat. Allerdings müsste der Staat in diesem Bereich noch gezielt mehr Fördergelder einsetzen. Denn nur so haben die Verantwortlichen vor Ort die Möglichkeit, die Beratungsangebote in diesem Bereich noch weiter auszubauen. Denn der digitale Dschungel, durch den sich die Eltern mit ihren Kindern und Jugendlichen bewegen müssen, wird dichter, die Überforderung der Eltern immer größer.

Während sich digitale Entwicklungen rasant verändern, fehlen vielerorts niedrigschwellige Angebote, die Mütter und Väter dabei unterstützen, den Überblick zu behalten. Welche Apps können mein Kind altersgerecht fördern, welche bergen Risiken, wie funktionieren Algorithmen oder wie schütze ich mein Kind vor Cybermobbing, Fake News oder problematischen Inhalten? Mit all diesen Fragen dürfen die Eltern nicht alleine gelassen werden – gerade nicht im ländlichen Raum. Denn das Internet endet nicht an den Großstadtgrenzen, ein gut ausgebautes Beratungsnetz momentan leider schon noch.

Will der Staat auch in den kommenden Jahrzehnten eine gesunde, gut funktionierende, solidargemeinschaftlich geprägte Gesellschaft, muss er seine heranwachsenden Generationen davor schützen, sich in einer digitalen Welt zu verlieren, die immer unkontrollierbarer wird. Schon jetzt herrscht in manchen sozialen Netzwerken eine Verrohung der Sprache, die teilweise nur noch schwer auszuhalten ist. Es werden Realitäten erschaffen, die am echten Leben meilenweit vorbeigehen und die Kinder und Jugendlichen den Blick für das Wesentliche, das Echte, vernebeln. Hier muss gegengesteuert werden, und zwar jetzt. Nicht nur durch ein Social-Media-Verbot bis 13 Jahre, sondern durch gezielte Beratungsangebote und Anlaufstellen vor Ort. Es müssen die Eltern stark gemacht werden, damit sie ihre Kinder stark machen können. Denn bleibt es so, dass sich der Nachwuchs im Netz besser auskennt als Mama und Papa, dann haben wir im Grunde schon verloren.  

Verena Lehner/BOG Zeitung vom 22. Juli 2026 (Gen. der Lokalredaktion)

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