Zur Jahreswende 2020/21: Regierungs- und Bezirkstagspräsident von Niederbayern

Jahreswende2020

„Optimistisches Durchhalten gefragt“- „Erstmals seit Jahrzehnten in Freiheit eingeschränkt“

„Optimistisches Durchhalten gefragt“

Rainer Haselbeck appelliert an Zusammenhalt, um 2021 durchzustarten

Das Jahr 2020 geht zu Ende – was für ein Jahr. Viele Menschen in Niederbayern trauern um liebe Angehörige oder Freunde. Viele ringen auf den Intensivstationen um ihr eigenes Leben oder um das Leben anderer. Viele kämpfen sich nach einer Corona-Erkrankung mühsam in den Alltag zurück. Unser Gesundheitswesen wankt. Dabei geht es keineswegs nur um Covid-19-Patienten.

Unser ganz persönliches Leben ist betroffen: Unfälle auf dem Schulweg oder in der Freizeit, im Straßenverkehr oder im Haushalt, Blinddarm oder Thrombose, Herzinfarkt oder Schlaganfall – das alles kann nicht mehr entsprechend behandelt werden, wenn die Infektionen nicht zurückgehen.

Dabei gibt uns doch das Vertrauen auf die notwendige medizinische Versorgung erst wirkliche persönliche Freiheit. Die bekommen wir nur zurück, wenn wir jetzt alle zu Rücksicht und Vorsicht bereit sind. Die Mehrheit ist das, von Anfang an. Zu vielen aber ist das Schlupfloch hier oder da wichtiger als die größte Herausforderung für unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist weder patriotisch noch freiheitlich, sondern vor allem rücksichtslos. Der Staat wird Corona am Ende nicht wegregeln können. Es kommt auf jeden Einzelnen und sein persönliches Verhalten an. Und es ist längst kein Geheimnis mehr, wie man sich und andere schützen kann.

2020 – war es nur ein schlechtes Jahr? Deutschland, Bayern und Niederbayern sind auch in dieser unvergleichlichen globalen Krise robuster als andere Regionen in der Welt.

Das liegt zum einen am starken ökonomischen Fundament, das wir uns in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet haben. Kein anderes Land kann Hilfsprogramme in einem vergleichbaren Ausmaß zur Verfügung stellen. Das liegt aber auch am Zusammenhalt und – bei allen Schwierigkeiten – an der Organisationskraft in unserem Land. Besondere Hochachtung gebührt allen, die sich seit Monaten für unser Gesundheitswesen verausgaben. Viele Beschäftigte in den Krankenhäusern und im öffentlichen Gesundheitsdienst sind Helden unserer Zeit. Eine Schlüsselrolle in diesem Katastrophenfall kommt den Landkreisen und kreisfreien Städten zu, die permanent nicht gekannte Probleme zu bewältigen haben. Auch die Regierung von Niederbayern leistet ihren Beitrag. Die Soforthilfe Corona hat uns schon in den ersten Märztagen alles abverlangt. Dieses Hilfsprogramm des Freistaats Bayern sprengt alle bisherigen Dimensionen. Allein in Niederbayern konnten über 30 000 Unternehmen mit rund 223 Millionen Euro unterstützt werden. Hundert Kollegen haben alles stehen und liegen lassen und rund um die Uhr dafür gearbeitet. 22 Corona-Förderprogramme werden seither an der Regierung von Niederbayern abgewickelt – von der ersten Künstlerhilfe bis zum ÖPNV. Für den ganzen Regierungsbezirk wird der Katastrophenschutz koordiniert. Das Spektrum reicht von der Lenkung der Patientenströme über den Betrieb der lokalen Teststationen bis zum Aufbau der elf niederbayerischen Impfzentren. Und vieles andere kommt dazu.

Rückblick und Ausblick: Weiter stehen Existenzen auf dem Spiel, es sind bittere Zeiten gerade für viele Unternehmer und Betriebe. Unser Land wird seine gesamte Solidarität und seine Ressourcen mobilisieren müssen, um wirtschaftlich und sozial stabil aus dieser Krise zu kommen. Auch eine Rückbesinnung auf das künftig Leistbare werden wir brauchen. Genauso aber gilt: Die Wissenschaft hat geliefert. In diesen Tagen beginnen – nach Forschung, Entwicklung und Prüfung in Rekordzeit – die Impfungen. Und auch der nächste Sommer kommt bestimmt. Konzentriertes, aber zugleich vorsichtig optimistisches Durchhalten ist jetzt gefragt. Dann werden wir mit der großartigen Substanz unserer Heimat und von einem weltweit nach wie vor einzigartigen Niveau durchstarten – in eine gute Zukunft!

Rainer Haselbeck, Regierungspräsident von Niederbayern

„Erstmals seit Jahrzehnten in Freiheit eingeschränkt“

Bezirkstagspräsident Olaf Heinrichhofft auf Normalität – Bezirk will im kommenden Jahr Kurbäder neu aufstellen

Waren die zurückliegenden Jahre von wirtschaftlichem Aufschwung geprägt, wird uns 2020 als das Jahr des Corona-Ausbruchs mit seinen gravierenden Auswirkungen in Erinnerung bleiben. Wir wurden gemahnt, unser wohlgeordnetes Leben nicht als selbstverständlich anzusehen, und bekamen vor Augen geführt, dass unsere Existenz trotz allen Fortschritts ein fragiles Konstrukt ist.

Erstmals seit vielen Jahrzehnten sind wir in der Freiheit unseres Tuns eingeschränkt. Eine Erfahrung, die ein Großteil von uns noch nie gemacht hat. Besonders belastend ist die Situation für unsere pflegebedürftigen, alten, psychisch kranken und behinderten Mitmenschen. Sie haben unter Isolation, Kontaktbeschränkung oder Besuchsverbot besonders zu leiden. Mit Blick auf das Ausland können wir dennoch dankbar sein für ein Gesundheitssystem, das uns bislang vor so schrecklichen Bildern wie aus einigen europäischen Nachbarländern bewahrt hat. Allen, die in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen ihren Dienst am Menschen verrichten, gebührt höchste Anerkennung.

Auch in unseren Psychiatrischen Bezirkskrankenhäusern wurden zum Schutz unserer Patientinnen und Patienten wie auch der Beschäftigten entsprechende Maßnahmen ergriffen. Laufende Investitionen des Bezirks in seine Kliniken gewährleisten nicht nur die bestmögliche medizinische Versorgung, sondern auch ein modernes Umfeld, in dem sich unsere Patienten wohlfühlen können. Das Bezirksklinikum Mainkofen kommt im nächsten Jahr mit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts und den Vorarbeiten für den dritten Bauabschnitt der kompletten Neustrukturierung wieder einen Schritt näher.

Die Auswirkungen der Corona-Krise ziehen sich durch das gesamte öffentliche Leben. In einer prekären Lage befinden sich kulturelle Institutionen und Kulturschaffende – abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Theater, Museen, Galerien schmerzen sehr. 2021 werden hoffentlich wieder viele Kulturveranstaltungen und -projekte stattfinden können.

Auch die Freilichtmuseen in Finsterau und Massing im Rottal mussten zeitweise schließen. An beiden ist der Bezirk zu 60 Prozent beteiligt. Wie auch an den Zweckverbänden der fünf niederbayerischen Heil- und Thermalbäder in Bad Füssing, Bad Birnbach, Bad Griesbach, Bad Gögging und Bad Abbach. Auch sie mussten den Kurbetrieb einstellen oder die Besucherzahl drastisch reduzieren.

Verändertes Freizeitverhalten und die steigende Zahl von Bädern mit Sauna- und Wellnessbereichen schlagen sich in den Thermalbädern seit einigen Jahren in rückläufigen Besucherzahlen und damit sinkenden Einnahmen nieder. Die Existenz aller Thermalbäder zu sichern, ist dennoch unstrittig, denn die Corona-Krise hat deutlich gezeigt: Sie sind die unverzichtbaren Zugpferde des Fremdenverkehrs.

Seit Juli steht fest, es wird eine Neukonzeption für die fünf Thermalbäder geben. Bis Mitte nächsten Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein. Neben wirtschaftlichen, personellen und inhaltlichen Überlegungen hat oberste Priorität, die Individualität der einzelnen Heilbäder zu erhalten. Nicht Konkurrenz, sondern ein auf ihre Stärken, auf „ihre“ Kurgäste zugeschnittenes Angebot steht im Vordergrund.

Im Kontext zu diesem Vorhaben hat der Bezirk großes Interesse daran, die offene Badekur wieder als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen einzustufen. Neben dem gesundheitspolitischen Aspekt ist dies auch ein bedeutsamer konjunktureller Beitrag zur Stabilisierung der Heilbäder und Kurorte in der Corona-Krise.

Ein schwieriges Jahr geht zu Ende. Covid-19 hat die Welt verändert. Wir alle wünschen uns, im kommenden Jahr wieder zur „Normalität“ zurückkehren zu können. Behalten wir bis dahin die nötige Solidarität, um diese Krise zu meistern, lassen wir Herz und Verstand sprechen, Respekt walten.

Olaf Heinrich, Bezirkstagspräsident von Niederbayern

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