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Kreismuseum Bogenberg. Die Kosten der Kultur

2026 02 25 Kosten der Kultur Kreismuseum

 

Museumsleiterin Barbara Michal vor einer Wand der Sonderausstellung „Miteinander“. Diese Schau zum Wesen der Vereine wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Archivfotos: Andrea Prechtl

Der Landkreis ist Träger des Museums auf dem Bogenberg.

Wir haben nachgefragt, wie viel Geld er in diese wichtige Bildungseinrichtung investiert und wie viele Besucher kommen.

Da es Kultur nicht zum Nulltarif gibt, ist über die Kosten für die Einrichtung im Herbst in einer Kulturausschusssitzung gesprochen worden; abschließende Zahlen für 2025 lagen da aber noch nicht vor. Inzwischen ist abgerechnet.

Wie sieht das Ergebnis aus? Betrachtet man die reine Museumstätigkeit – ohne Erledigungen durch die Landkreisverwaltung oder ähnliches – ergibt sich Landratsamtspressesprecher Tobias Welck zufolge laut vorläufigem Ergebnis ein Fehlbetrag von 177.500 Euro; im Herbst war noch von 197.300 Euro die Rede gewesen. – Die Einnahmen betrugen 8.900 Euro, die Ausgaben 186.400 Euro.

Warum waren die Ausgaben höher als im Jahr davor? 2024 wurden fürs Kreismuseum Bogenberg 166.580 Euro ausgegeben. „Die Erhöhungen bei den Ausgaben 2025 im Vergleich zum Jahresergebnis 2024 betrafen vor allem die neue Sonderausstellung“, teilt Tobias Welck mit. Während 2024 ein Jahr ohne Sonderausstellung war, hat Ende April 2025 die Schau „Miteinander – über Vereine auf dem Land“ ihre Türen geöffnet. Die Mehrkosten wegen der Ausstellung betragen Welck zufolge rund 10.000 Euro. Ein anderer Grund seien höhere Personalkosten – das sind weitere 5.000 Euro mehr.

Woher kommen die Einnahmen? Sie teilen sich Welck zufolge auf in Eintritte inklusive Führungsgebühren, Bücherverkauf sowie sonstige Einnahmen. Die sonstigen Einnahmen sind Zuschüsse, Spenden, Erstattungen von Versicherungen und Ähnliches. „Einnahmen sind also mehr Quellen als rein die Besucher.“ Im Jahr 2024 habe es etwa eine Zuweisung des Bezirks Niederbayern von 3.300 Euro für die Sonderausstellung gegeben, die auf der Einnahmenseite 2024 deutlich zu Buche geschlagen habe. Die Einnahmen 2024 beliefen sich so auf insgesamt 10.485 Euro.

Wie hat sich der Fehlbetrag im Lauf der Jahre entwickelt? Im Jahr 2019 – dem letzten „normalen“ vor der Corona-Pandemie – betrug er rund 153.000 Euro. In den Coronajahren waren es rund 189.000 Euro und knapp 165.000 Euro. 2022: rund 162.000 Euro. 2023: knapp 174.000 Euro. Im Jahr 2024 waren es rund 156.000 Euro.

Was sind kalkulatorische Kosten? Zum Fehlbetrag hinzu kommen noch sogenannte kalkulatorische Kosten. Im Wesentlichen handelt es sich laut Welck um interne Abrechnung der Tätigkeiten der Landkreisverwaltung – zum Beispiel Personal- und Finanzwesen – sowie des Kreisbauhofs, etwa für Transportarbeiten. Diese Kosten lagen zuletzt bei rund 25.000 Euro im Jahr.

2026 02 25 Kreismuseum

 

Der Mitmach-Ritter: Besucher können in die Rüstung schlüpfen und ihr eigenes Wappen malen.

 

Wie steht es um die Besucherzahlen? 2025 waren 3.076 zahlende Besucher im Kreismuseum Bogenberg (2024: 2.337); davon Welck zufolge 2.658 (2024: 1.768) reguläre Besucher beziehungsweise Teilnehmer an Führungen sowie 418 (2024: 569) Teilnehmer bei museumspädagogischen Veranstaltungen. Außerdem besuchten 499 Personen (2024: 169) das Kreismuseum kostenfrei, unter anderem 140 bei der Ausstellungseröffnung, 74 am Internationalen Museumstag, 14 Urlaubsgäste mit Gästecard sowie 128 beim Weihnachtsmarkt (Kinder unter sechs Jahren und Besucher des Puppentheaters). Insgesamt waren es 2025 also 3.575 Besucher. Im Jahr 2024, als lediglich die Abteilungen der Dauerausstellung zu sehen waren, waren es insgesamt nur 2.506 Besucher. – Der reguläre Erwachseneneintritt hat im vergangenen Jahr drei Euro pro Person betragen.

Ist man heute auf einem Stand wie vor der Corona-Pandemie? Jein. Betrachtet man die zahlenden Besucher, ähneln sich die Daten: Im Jahr 2019 waren das 3.334, vergangenes Jahr 3.076. Bei den Besucherzahlen insgesamt schaut es anders aus: 2019 waren das 5.080, im vergangenen Jahr 3.575. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass seit 2023 beim Weihnachtsmarkt Eintritt verlangt wird.

Rechnet die Verwaltung aus, wie viele Euro der Landkreis pro Besucher „drauflegt“? Das tut sie wegen all der Varianten an Besuchsmöglichkeiten nicht. In der Kulturausschusssitzung vermutete ein Kreisrat, es seien 100 Euro, doch das ist viel zu hoch gegriffen. Würde man zum Beispiel für 2024 oder 2025 „eine solche hypothetische Rechnung aufmachen“, käme Tobias Welck zufolge ein deutlich niedrigerer Betrag heraus.

Ist das Kreismuseum Bogenberg ein gewöhnliches Heimatmuseum? Nein. Es ist seit 2009 ein Regionalmuseum, das sich in der Dauerausstellung – besucherfreundlich und modern – auf die Grafen von Bogen und die weiß-blauen Rauten sowie die Wallfahrt und den „Heiligen Berg“ Niederbayerns konzentriert. Es ist das kulturelle Archiv des Landkreises mit öffentlicher Wirkung in Form von Ausstellungen, einem Begegnungszentrum und museumspädagogischen Angeboten, die im Jahr 2019 hinzukamen.

Wie viele Mitarbeiter hat das Kreismuseum? In der Kulturausschusssitzung hat Museumsleiterin Barbara Michal das Personal im Jahr 2025 wie folgt aufgezählt: hauptamtliche Leitung in Teilzeit (drei Tage die Woche, 26 Wochenstunden), ein Museumswart für handwerkliche Arbeiten (14 Wochenstunden) und vier saisonale Kassenkräfte. Der Hausmeisterdienst läuft beim Landratsamt mit, und es gibt noch drei ehrenamtliche Museumsführer und einen pensionierten Lehrer, der ehrenamtlich zeitweise inventarisiert.

Welchen Anteil hat das Museum am Kreishaushalt? Auch diese Zahl wurde im Kulturausschuss genannt: Angaben der Kämmerei zufolge waren es in den Jahren 2018 bis 2022 zwischen 0,15 und 0,19 Prozent. Das Museum ist das einzige in Trägerschaft des Landkreises.

Wie sind die Öffnungszeiten, und läuft heuer eine Sonderausstellung? Die Museumssaison geht von Ostern bis Allerheiligen, offen ist dann von Mittwoch bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Für Gruppen ab zehn Personen und Schulklassen gibt es die Möglichkeit, nach telefonischer Voranmeldung unter der Nummer 0160/972 158 10 oder per E-Mail unter der Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Führungen zu buchen, auch außerhalb der Öffnungszeiten beziehungsweise der Saison. Die Sonderausstellung „Miteinander“ läuft dieses Jahr noch. Sie befasst sich mit der Geschichte und Gegenwart ehrenamtlichen Engagements auf dem Land.

Kommentar

Unbezahlbar

Die Finanzierung von Kultur ist eine freiwillige Leistung, und in Zeiten knapper Kassen wird gern überlegt, ob man sich da nicht eine Menge Geld sparen könnte. Aber: Erstens ist es so eine Riesenmenge Geld genaugenommen gar nicht. Zweitens erweitert es den Horizont, um die Landkreisgeschichte zu wissen – und zu erkennen, was das Leben von gestern mit unserem im Heute zu tun hat. Drittens ist in der Bayerischen Verfassung unser Land nicht nur als Rechts- und Sozial-, sondern ausdrücklich auch als Kulturstaat benannt.

Das Kreismuseum Bogenberg bringt seine Botschaften didaktisch geschickt an die Frau und den Mann, ob in den Dauer- oder Sonderausstellungen. Gerade auch junge Menschen fühlen sich von den Inhalten angesprochen, so die Erfahrung der letzten Jahre.

Ein Museum ist ein Lernort. Was junge Menschen hier erfahren, trägt zu ihrer persönlichen Entwicklung bei. Damit ist es nicht zuletzt ein Ort der Prävention. – Sicher, in Zahlen fassen lässt sich all das nicht. Was es uns kosten würde, kulturelle Einrichtungen wie diese nicht (mehr) zu haben, das sehen wir erst sehr viel später. Die Rechnung, die uns dann ins Haus flattert, die freilich dürfte bitter ausfallen.Es kann nur einen Schluss geben: Ja, Kultur kostet Geld. Dieses ist aber nicht als Subvention, sondern als Investition zu sehen. Und wie Kultur in der Gesellschaft wirkt, ist schlicht unbezahlbar. 

Andrea Prechtl/BOG Zeitung vom 25. Februar 2026

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