Featured

Internat BFS Mitterfels. Vom Hinterzimmer auf die Politbühne

2026 02 13 Internat BFS 

Schülerinnen und Schüler im Unterricht - Archivfoto: Helena Wittmann

Aus Kostengründen wird das Schülerinnenwohnheim der Marianne-Rosenbaum-Schule in Mitterfels geschlossen.

Für SPD, Freie Wähler und ÖDP eine Steilvorlage im Wahlkampf.

Ein bereits am 1. Dezember 2025 auf relativ unspektakuläre Weise gefasster Entschluss hat sich zu einem Aufreger im Wahlkampf entwickelt: die Schließung des zur Berufsfachschule gehörenden Schülerinnenwohnheims in Mitterfels. Dort werden Schülerinnen betreut, die in Mitterfels die Berufsschulen für Kinderpflege oder für Ernährung und Versorgung (früher Hauswirtschaft) besuchen und einen weiten Anfahrtsweg haben.

„Den Schülerinnen wird Unterkunft in Zweibettzimmern mit eigenem Bad, Vollverpflegung und sozialpädagogischer Begleitung geboten“, heißt es auf der Webseite der Marianne-Rosenbaum-Schule. Derzeit besuchen zehn Schülerinnen das Internat.

Nach einem Beschluss des Kreisausschusses soll das Wohnheim nach dem Schuljahr 2026/27 nun geschlossen werden. „Alle aktuell Betroffenen sollen noch unter den bisherigen Voraussetzungen den Abschluss machen können“, sagt Tobias Welck, Pressesprecher des Landratsamtes. Derzeit wird das Internat von zehn Schülerinnen besucht, wobei eine weitere Abmeldung bereits für Ende Februar erfolgt sei. Insgesamt ausgerichtet ist das Wohnheim auf zwölf Schülerinnen.

Die Schule wurde für 6,8 Millionen Euro renoviert

Auch nach der Schließung ist angedacht, auswärtigen Schülern eine Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. „Wenn es rechtlich möglich ist, sogar in den bisher bestehenden Räumen. Aber nicht mehr in der Form eines Internats“, sagt Welck.

Die Schließung des Internats überrascht viele, weil Schule und Wohnheim in den vergangenen Jahren renoviert worden sind. Die gesamte Baumaßnahme für Schule und Internat kostete rund 6,8 Mio. Euro. Die Kosten für die neuen Nasszellen in den Zimmern der Schülerinnen rund 180.000 Euro.

Das Landratsamt begründet die Schließung mit den großen Ausgaben. „Diese belaufen sich für das Internat jährlich im Mittel auf deutlich über 300.000 Euro, im Jahr 2024 beispielsweise auf 338.000 Euro.“ Denen stünden viel geringere Einnahmen gegenüber von 64.000 Euro jährlich. Am gravierendsten seien die Personalkosten. „Rund drei Viertel der Kosten sind Personalkosten“, sagt Welck.

Aufgrund des von der Regierung vorgegebenen Personalschlüssels zur Betreuung der Schülerinnen seien hier auch keine Einsparungen möglich. Um die Einnahmesituation zu verbessern, sei das Internats- und auch das Essensentgelt der Internatsschülerinnen in den vergangenen Jahren bereits angehoben worden. Trotzdem seien die Einnahmen stark rückläufig.

Laut dem Sprecher des Landratsamtes lag das Defizit 2024 im Internat bei rund 273.000 Euro. Auch in den Jahren zuvor habe das Defizit jährlich deutlich um die 200.000 Euro gelegen.

Die Ironie bei der Sache: Den Anstoß zur Schließung brachte eine Fraktion, die dem nächsten Kreistag gar nicht mehr angehören wird, weil sie keine Kreistagsliste aufgestellt hat: die FDP. Laut dem Landratsamt hatte die Kreistagsfraktion der Liberalen anlässlich des Haushalts 2025 die Verwaltung aufgefordert, zu überprüfen, wie man im Internat Kosten sparen könne. Am 1. Dezember sei dann der Beschluss zur Schließung gefasst worden.

Der Großteil der Schüler sind Fahrschüler

Doch warum die Heimlichkeit, die viele an die Diskussion um die Kreismusikschule erinnert? Auch dort wurden interne, schon ziemlich konkrete Überlegungen gemacht, die bisher unabhängige Kreismusikschule aus Kostengründen in die Volkshochschule zu integrieren. „Weil eine Schließung auch Personalthemen tangiert, wurde der Beschluss in einer internen Sitzung gefasst“, rechtfertigt Welck.

Der Beschluss bietet den Oppositionsparteien im Wahlkampf eine Steilvorlage, die sie ausgiebig thematisieren. Alle drei Landratsamtkandidaten der Kreistagsopposition wie Christian Waas (ÖDP), Tobias Beck (Freie Wähler) und Oskar Saller (SPD) bringen auf ihren Wahlveranstaltungen das Thema aufs Tablett. Die Internatsschließung könne der erste Vorbote einer Schulschließung sein, wird spekuliert.

Bereits 2020 war ein Teil der zur Berufsschule gehörenden Gebäude an den Markt Mitterfels verkauft worden, der dort einen Hort und einen Kindergarten eingerichtet hat. Der Mitterfelser Bürgermeister Andreas Liebl befürchtet um den Nachwuchs an Kinderpflegern in seiner Gemeinde, weil auswärtige Schüler dann andere Berufsrichtungen wählen könnten, bei denen sie einen näheren Anfahrtsweg zur Schule haben.

Welck widerspricht dem Szenario vehement: „Die Schule wird nicht geschlossen.“ Im aktuellen Schuljahr besuchen laut dem Sprecher des Landratsamtes 102 Schülerinnen und Schüler die Mitterfelser Berufsschule. 75 erlernen den Beruf der Kinderpflege, 26 Ernährung und Versorgung. „Das bedeutet, dass über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler keine Internatsschülerinnen sind“, so Welck weiter.

Die Schulleitung der Berufsschule wollte sich auf Nachfrage unserer Mediengruppe nicht zur Internatsschließung äußern.

Alexandra Beck/BOG Zeitung vom 13. Februar 2026

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.