Theatergruppe führt in Berufsfachschule Stück über Bulimie auf

Theatergruppe Fachschule1Diese beiden Mädchen sind auf der Suche nach der richtigen Diät. Das ist teilweise frustrierend. (Foto: erö)

Schlank­sein wird zur Dro­ge

Dass Bulimie keine Spinnerei von pubertierenden Jugendlichen, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit ist, wurde bei der Aufführung eines Theaterspiels in den Berufsfachschulen Mitterfels deutlich. Eine Theatergruppe aus München mit Elisabeth Grünbach und Sarah Gebert führte das Stück „Food Diaries“ auf, das beklemmend deutlich zeigte, wie diese Krankheit das Leben junger Frauen verändern kann. Ermöglicht würde die Aufführung im Rahmen der „Gesundheitsregion plus“ der Stadt Straubing, die auch die Finanzierung übernommen habe, sagte Schulleiter Michael Haaga.
Noch immer ist die Essstörung Bulimie, auch Ess-Brechsucht genannt, ein Tabuthema in vielen Familien. Die Krankheit wird nicht erkannt oder verheimlicht. Meist beginnt sie mit der Verweigerung von Essen. Als Einführung diente den Darstellerinnen die Geschichte vom Suppenkaspar aus dem Struwwelpeter, der seine Suppe nicht essen will und schließlich so dünn wie ein Fädchen wird und stirbt. Auch bei Bulimie kann es um Leben und Tod gehen. Unkontrollierte Essanfälle wechseln sich ab mit exzessivem Erbrechen, bis die Zähne von der Magensäure zerstört werden, die Haare ausfallen und Magen und Darm schwer gestört sind. Schlanksein wird zur Droge. Dahinter stecken oft mangelnde Anerkennung und Zuwendung, zu hohe Erwartungen der Eltern an das Kind oder traumatische Erlebnisse. Im Spiel wurden die Kämpfe gegen den ständigen Hunger, die Wut, die Aggressionen und die innere Leere deutlich. Auch Verlockungen durch Diäten nach dem Schlagwort „Dünn ist begehrenswert“ wurden dargestellt. Die junge Frau wurde von der Krankheit in ein Korsett geschnürt. Bis endlich die Erkenntnis kam: Ich muss aufhören, mich für das, was ich nicht bin, zu hassen, darf mit mir und meinem Körper einverstanden sein. Das schaffe man aber nicht allein, betonte Annika Lausch, eine erfolgreiche Spitzensportlerin und Betroffene. Sie arbeitet bei der Beratungsstelle „Anad“ für Menschen mit Essstörungen und stellte sich den Fragen der Schüler. Durch eine Krankheit aus der sportlichen Laufbahn gerissen, geriet sie in eine Identitätskrise und erkrankte an Bulimie. „Zunächst war ich nicht bereit, mir helfen zu lassen“, sagte Lausch. Erst nach drei Klinikaufenthalten und mehreren Therapien habe sie wieder ein gesundes Essverhalten gelernt, doch die Erinnerungen und Gedanken daran seien noch sehr lebendig. „Ich weiß jetzt, dass ich gegen meine eigene Natur gelebt habe und kann endlich meine Gefühle wieder erkennen und leben.“ Die Frage einer Schülerin: „Würdest du mit mir in ein McDonald’s-Restaurant gehen?“ beantwortet Lausch heute mit einem klaren „Ja“.

Quelle: Elisabeth Röhn/BOG Zeitung vom 6. Mai 2017 (Zeitversetzte Übernahme aufgrund einer 14-tägigen Sperrfrist.)

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