Gut Kirchhof, Haibach. Die große Dürre

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Stefanie Blatz ist Pferdewirtin und Tierärztin. - Fotos: Blatz

Ein zu kalter, nasser Frühling und ein zu heißer, trockener Sommer führten zu Futterknappheit bei tierhaltenden Betrieben. Auch das Gut Kirchhof hat zu kämpfen.

Wenn jemand sagt, er hat Geld wie Heu, dann spricht er von Wohlstand, von Reichtum, finanzieller Unabhängigkeit. Sagt er das allerdings im Sommer 2026, ist er arm wie eine Kirchenmaus.

Denn Heu war selten so knapp wie in diesem Jahr. „Ich denke, ich spreche hier stellvertretend für alle Betriebe, die Tiere halten“, sagt Hofbesitzerin Birgit Blatz. „Wir alle sind unterversorgt, was das Heu angeht.“ Die 13 Pferde auf dem Hof benötigen pro Jahr eine Ernte von rund 18 Hektar Grünfläche. Zehn haben sie selbst, den Rest kauft Familie Blatz von befreundeten Bauern ihres Vertrauens hinzu. Eigentlich. Doch auch diese befreundeten Bauern zucken mit den Schultern, sagen: „Sorry, wir haben nichts. Und das, was wir haben, brauchen wir selbst.“

2029 09 29 Gut Kirchhof 02Eine Hiobsbotschaft, denn Gut Kirchhof beherbergt Pferde, die besonders stark auf gutes Heu angewiesen sind: Pferde mit chronischen Erkrankungen. Asthma. Gelenkprobleme. Und weil Heu nicht gleich Heu ist, bedarf es spezieller Maßnahmen.

Es ist ein zauberhaftes Idyll, malerisch in die Natur eingebettet. Ein Postkartenmotiv. Seit 2017 betreibt Familie Blatz den Pferdehof bei Haibach, mit im Team ist Birgits Tochter Stefanie. Sie ist studierte Pferdewirtin, hat 2018 den Bachelor als Jahrgangsbeste abgeschlossen und bis 2025 noch ein Studium der Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität erfolgreich abgeschlossen. Seitdem ist sie approbierte Tierärztin, hat sich auf Physiotherapie, Gesundheit und Ernährung sowie Pferdeheilkunde spezialisiert.

Mama Birgit, 56, arbeitet 40 Stunden pro Woche als Gemeindereferentin und hilft in ihrer Freizeit tatkräftig auf dem Pferdehof mit. Wie auch Ehemann Werner. Er kümmert sich als gelernter Elektriker und Elektronikmeister um alles Technische, um alles, was einen Stecker hat und Strom braucht. Ebenso ist Werner auch zuständig für die Landwirtschaft und Reparaturen, die auf dem Hof anfallen.

Ernteeinbruch von 50 Prozent

Das Jahr 2026 hat es in sich, wie Birgit Blatz bestätigt: „Das Frühjahr war viel zu lange viel zu kalt und viel zu nass. Und der Sommer kam wie aus dem Nichts, war viel zu schnell viel zu heiß und viel zu trocken.“ Die Folge: Wassermangel.

In der entscheidenden Entwicklungsphase, in der das Grünland Masse aufbaut, fehlte Regen. Nur die Obergräser hatten lange Blütenstände, die Untergräser konnten jedoch keine Substanz aufbauen. Optimal wäre laut Aussage von Stefanie Blatz gewesen, wenn es ab März moderate Temperaturen gehabt hätte, wenn der Frühling langsam gestartet wäre, mit regelmäßigem sanftem Niederschlag. „Zweimal Regen pro Woche bei einer Temperatur ab zehn Grad, dann wächst das Gras.“ Aber dieses Jahr? Dürre, kein Regen.

Die Ernte, die zwischen Anfang Juni und Mitte Juli planmäßig erfolgt, war wie ein Faustschlag ins Gesicht. „Wir haben hier zehn Hektar an Grünfläche und einen Ernteertrag von lediglich 50 Prozent“, so Birgit Blatz. Um alle 13 Pferde versorgen zu können, sei eine Erntefläche von 18 Hektar nötig, was etwa 230 Heuballen entspricht. Ergo kauft man Heu von externen Landwirten hinzu. Denn die Grünflächen auf Gut Kirchhof liefern im besten Falle 120 Ballen. „Aber du kriegst nichts“, klinkt sich Tochter Stefanie Blatz ein. „Weil es keinen Markt gibt, im gesamten Landkreis Straubing-Bogen und weit darüber hinaus. Niemand verkauft Heu, und wenn, dann zu exorbitanten Wucherpreisen von bis zu 300 Euro.“ Der durchschnittliche Normalpreis pro Ballen liege bei maximal circa 30 Euro.

Qualität des Grünlandes ist elementar

Ein befreundeter Bauer aus dem benachbarten Rettenbach winkt symbolisch gesprochen ab. Von „Ihr könnt’s so viele Ballen haben, wie’s ihr braucht’s“ Anfang des Jahres musste er seine Aussage ein paar Monate später revidieren und konnte witterungsbedingt nur 100 Ballen liefern. „Wir haben dann noch 50 Ballen von einem Landwirt aus Miltach bekommen, und 50 haben wir selbst geerntet“, schüttelt Stefanie Blatz den Kopf. 50 Ballen fehlen also. Und ein alternatives Futtermittel? „Gibt es nicht“, so die Tierärztin. Klar würden Pferde auch Kraftfutter fressen, „aber du kannst die Tiere ja nicht ausschließlich mit Müsli ernähren“, so die 30-Jährige. Kraftfutter sei lediglich ein Zusatz, ein Nahrungsergänzungsmittel. „Wenn sich der Mensch täglich nur von Energieriegeln ernähren würde, wäre das auch nicht gesund.“

Nun hat das Gut Kirchhof noch „Glück im Unglück“, denn nicht jeder tierhaltende Betrieb hat eine eigene Landwirtschaft, die ernten kann. Andere müssen zu 100 Prozent Futter kaufen, da sie über keine Grünflächen verfügen. Und gerade bei Pferden, die einen hohen Bedarf an Rohfaser haben, ist das ein Problem. Die Tiere benötigen Gras mit einem mittleren Proteinwert und geringem Zuckergehalt. Je älter der Grünlandbestand ist, desto mehr Rohfaser wird aufgebaut. Zeitgleich sinken jedoch Protein- und Zuckergehalt. Somit wird erst im Hochsommer geerntet. Ein weiterer Schnitt, etwa im Oktober, ist nicht möglich, da das Gras zu nass und das Wetter unter anderem durch Nebel generell zu feucht ist.

Gedüngt wird übrigens ausschließlich mit Wirtschaftsdünger, also mit abgelagertem Pferdemist. Diesen sammelt Familie Blatz erst ein, kompostiert ihn anschließend, und alle zwei bis drei Jahre verstreut sie ihn über den Grünflächen.

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Seit 2017 betreibt Familie Blatz die Reitanlage „Gut Kirchhof“.

Ein Hof für Pferde mit besonderen Bedürfnissen

Gut Kirchhof ist Heimat von 13 Pferden. Fünf gehören der Familie Blatz, acht davon sind Pensionspferde, manche verbringen ihr Leben im Offenstall, andere gehen über Nacht in eine Box. Was sie alle gemeinsam haben: gesundheitliche Probleme. Vier davon haben chronische Fuß-Erkrankungen, neun leiden unter dem sogenannten equinen Asthma. Ergo: Hier muss ganz gesondert gefüttert werden. „Normales Heu geht nicht“, erklärt Tierärztin und Pferdewirtin Stefanie Blatz. „Diese Pferde benötigen staubarmes Heu.“

Um dies zu erhalten, muss es gedampft werden. Mit heißem Wasserdampf wird das Heu auf 80 Grad erhitzt. Ansonsten würde das Heu beim Pferd eine allergische Reaktion auslösen, was im schlimmsten Fall auf Dauer zum Tod führe. Durch den Dampfprozess werden Keime abgetötet. „All unsere Pferde brauchen ein spezielles Gesundheitsmanagement“, so Stefanie Blatz. „Sie sind alle nahezu symptomfrei, man kann definitiv sagen: Denen geht’s hier sauguad.“ Wir sind ein Pensionspferdebetrieb für Pferde mit besonderen Bedürfnissen. Wir lieben Tiere und leben für die Tiere.“

Torsten Widua/BOG Zeitung vom 29. August 2026 (Gen. der Lokalredaktion)