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Thomas Handgrätinger. Nahbar, humorvoll, lebensfroh

2026 07 28 Generalabt Thomas Handgraetinger

Thomas Handgrätinger OPraem im Jahr 2007, damals Generalabt - Foto: GNU free doku license/ruecki

Beliebter Geistlicher, geschätzt im Orden und darüber hinaus: Thomas Handgrätinger …

… ist oft geehrt worden. Er selbst wollte schlicht „in dieser Kirche für die Menschen da sein“.

Junge Menschen für den Glauben begeistern: Das war lebenslang eine Herzensangelegenheit für Thomas Handgrätinger. Eine besondere Beziehung hatte der gebürtige Schwabe zum Landkreis und speziell zu seiner Wahlheimat Windberg, in die er nach einem 15-jährigen Intermezzo in Rom wieder zurückgekehrt war. Am Freitag ist der emeritierte Generalabt der Prämonstratenser im Alter von 83 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Aufgewachsen ist er mit zwei Brüdern bei der Mutter in Ulm, der Vater war im Krieg gefallen. Thomas Handgrätinger hat offensichtlich früh gewusst, was er wollte: Bereits kurz nach dem Abitur 1963 ist er in den Orden der Prämonstratenser in Windberg eingetreten. Nach der Ewigen Profess ist er 1969 zum Priester geweiht worden. 1976 wählten ihn seine Mitbrüder zum Prior. 1994 ist er zum ersten Abt nach der Wiederbesiedlung des Klosters 1923 geweiht worden. Ein Amt, in dem er selbst vor allem eine Aufwertung der Klostergemeinschaft nach außen hin sah und nicht für sich selbst: „Ich möchte deshalb nicht ein anderer Mensch werden und hoffe, dass ich mein neues Amt so einsetzen kann, dass das Kloster nach außen glaubwürdig bleibt“, sagt er damals. Als Wahlspruch entscheidet er sich für „in manus tuas“ (lateinisch für: in deine Hände) als Ausdruck seines tiefen Vertrauens in Gott.

Unter seiner Führung haben es die Windberger „Chorherren“ geschafft, viele Jugendliche für Kirche und Gottesdienst zu begeistern. Die Patres und Fratres, die oft in normaler Straßenkleidung und nicht im Habit unterwegs waren, waren schon zu einer Zeit „cool“, als es das Wort in dieser Bedeutung noch gar nicht gab.

In der Jugendbildungsstätte, die Handgrätinger fast 20 Jahre lang leitete, waren Geistliche und Glaube nahbar. Hier wurden Besinnungstage abgehalten, kulturelle Veranstaltungen und auch religiöse Seminare, Letztere auch mit so ungewöhnlichen Inhalten wie „liturgischer Tanz“. Daneben durften auch Spaß und Unterhaltung nicht fehlen – Thomas Handgrätinger war stets ein lebensfroher Mensch, der gern lachte und auch mal einen Sirtaki mittanzte, wenn es gerade passte.

„Idealbild des einfühlsamen Geistlichen“

Auch außerhalb Windbergs war „Pater Thomas“ – diese Anrede war ihm am liebsten – immer gern mit Jugendlichen in Kontakt, war viele Jahre Kreisjugendseelsorger und geschätzter Ansprechpartner für den Kreisjugendring, der ihn mit dem Jugendpreis ehrte. Sein Engagement blieb auch an höherer Stelle nicht unbemerkt: 1993 wird er für seinen selbstlosen Einsatz für die Jugend vom Bayerischen Kultusminister mit der Medaille „Pro Meritis“ geehrt. In der Laudatio wird er als „Idealbild des weltzugewandten, einfühlsamen und verständnisbereiten Geistlichen“ bezeichnet, der junge Menschen überzeugen und gewinnen könne. Seine kommunikative Art war vielleicht mit ein Grund, dass er 2003 zum Generalabt des Prämonstratenserordens gewählt wurde. In diesem Amt war er 15 Jahre lang für rund 1.500 Mitbrüder und Schwestern weltweit zuständig, um sie zusammenführen beziehungsweise zusammenhalten.

Für die Aufgabe musste er von Windberg nach Rom umziehen. Doch zuvor zeichnete ihn seine Heimatgemeinde mit der höchsten Würdigung aus, die sie zu vergeben hat: der Ehrenbürgerwürde.

Eng verbunden mit der Wahlheimat Windberg

Der damalige Bürgermeister Josef Wurm überreicht die Urkunde „unserem Windberger Pater Thomas“: Eine Formulierung, der die gegenseitige tiefe Verbundenheit zeigte. Thomas Handgrätinger hat sich darüber gefreut; bestimmt aber auch darüber, dass die Kirche zu seinem Abschiedsgottesdienst übervoll war.2005 ist Generalabt Thomas Handgrätinger mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Damit wurde unter anderem die „beispiellose Neubelebung“ des Klosters gewürdigt, der Aufbau des Religionspädagogischen Seminars in Regensburg und die Entwicklung des Jugendhauses Windberg zur ersten staatlich anerkannten Jugendbildungsstätte in Bayern.

Vor acht Jahren, 2018 ist er nach Windberg zurückgekehrt – mit Dankbarkeit über das Erreichte, aber auch froh, in sein Windberg, sein Kloster, seine Lebensgemeinschaft zurückzukehren, wie er in einem Interview damals einräumt. Nach seiner Bilanz der vergangenen 15 Jahre gefragt, antwortet er mit dem für ihn typischen Humor, er habe zwar Haare verloren in der Zeit, aber „nicht meinen Glauben, nicht meine Zuversicht, nicht meine Lebensfreude, gerufen und berufen zu sein, mit meinen Mitbrüdern auf dem Weg zu Gott und in dieser Kirche für Menschen da zu sein“. Nun ist dieser Weg zuende gegangen. Pater Thomas hat sein Leben in Gottes Hände zurückgelegt.

Die Beerdigung fand am Montag, 3. August, in Windberg statt. 

Patrizia Burgmayer/BOG Zeitung vom 27. Juli 2027 (Gen. der Lokalredaktion)

Pressemitteilungen:

https://www.kloster-windberg.de/599-p-thomas-handgraetinger

https://www.domradio.de/artikel/ehemaliger-generalabt-der-praemonstratenser-ist-gestorben

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